Aufrechnung Aufbau Ost

    • (1) 29.01.15 - 15:35

      Hallo,

      ich habe gerade eine eile damit verbracht die Diskusisonen zum Thema Ost Wets in verschiedenen Posting zu lesen. Und ehrlich, mir macht das immer mehr zu schaffe, als es sollte.

      Wir sind eine ostdeutsche Familie. Mit vielen westdeutschen Verwandten und vor allem auch Freunden, die nach der Wende dazu kamen. Viele aus der Familie sind in ganz Deutschland verstreut und egal wo wir sind, es kommen nie Gefühle von Grenzen auf. Gut, wie sind auch sehr offen. Viel unterwegs und auch intellektuell auf höherem Niveau. Und entstammen der jungen Wiedervereinigungsgeneration. Als die Wende war, waren wir zwischen 7-10 Jahre alt und sind quasi in die neue Gesellschaft reingewachsen. Unsere Kinder wachsen in einer ostdeutschen multikulturellen großstadt auf und auch das hat uns in unserer Entwicklung beeinflusst. was mich aber immer wieder ärgert sind Kommentare zur Finanzierung Aufbau Ost, die mir immer mal wieder irgendwo begenen. Sei es zum Bauernhofurlaub in Bayern von einem Mannheimer, welcher sich nicht mal so weit beherrschen konnte, dass man seinen Dialekt verstehen konnte (um fair zu sein, ihn verstanden weder wir noch die bayern wirklich zur Gänze) oder in einer Bäckerei in Baden Württemberg, wo strahlend festgestellt wurde, dass wir ja nicht die ersten sind, die aus dem Osten zum einkaufen dort sind. Es war schonmal jemand da.... und ob wir denn auch dankbar genug wären, dass sie uns so gut durch die letzten 20 Jahre gebracht haben....

      Jedenfalls, um es kurz zu machen, hier ein Beitrag, dem ich jeden as herz legen würde zu lesen, um mal die wirtschaftlichen udn finanziellen Hintergrüde ein wenig zu durchblicken und vielleicht davon abzukommen, wer denn wohl am schlimmsten zu leiden habe (und dabei meine ich beide Seiten).

      http://www.welt.de/wirtschaft/article10032438/Die-Ostdeutschen-haben-die-Einheit-selbst-bezahlt.html

      Übrigens, als mich mein Sohn in der Bäckerei fragte, wer denn der ossi wäre, antwortete ich vor der Verkäuferin: Schatz, den kennst du nicht, dafür bist du zu jung.
      Mittlerweile ist er älter und kennt die Geschichte, aber er gehört gsd einer neuen jungen Generation an. Für ihn ist die DDR Geschichte und ein gemeinsames deutschland das Normale.

      lg,

      chickhicks

      • Ich glaube auch in der "Ost- west"- frage geht es wie in vielen anderen Konflikten, die Menschen miteinander austragen um die Frage nach Zugehörigkeit und Abgrenzung.

        Wir menschen müssen uns Zugehörig fühlen, weil wir von Grund au soziale Wesen sind- aber die Kehrseite der Zugehörigkeit ist Abgrenzung.

        Wenn ich mich also zu meiner Familie zugehörig fühle, bedeutet das gleichzeitig, daß ich mich von der Nachbarsfamilie abgrenze, wenn ich mich zu meiner Stadt, meiner sozialen Schicht, meiner Religion... zugehörig fühle, dann grenze ich mich auf der anderen Seite ab.

        So bald ich mich als Bayer wahrnehme, werde ich mich automatisch von den Hessen, den Sachsen und den Bremern abgrenzen und so ist es eben auch mit Ost und West

        Es entstehen Bilder ins uns, die plötzlich beide "Seite" als etwas homogenes darstellen, was natürlich Blödsinn ist, weil Bayern sicher nicht mehr Gemeinsamkeiten mit Schleswig Holstein hat als mit Sachsen.
        Aber es erlaubt Zugehörigkeit und Abgrenzung.

        In einem anderen Kontext sind wir beide vielleicht verbunden über die gemeinsame soziale Herkunft, über unseren Bildungsweg oder unseren Beruf und wir fühlen uns darüber Zugehörig und grenzen uns somit wieder von anderen ab.

        Problematisch wird das, was wir tagtäglich immer wieder tun nur dann, wenn wir die Abgrenzung begründen mit einer Wertigkeit.
        Wenn wir uns "über" andere stellen und wenn es nicht mehr um Zugehörigkeit und Abgrenzung alleine sondern um "besser" und "schlechter" geht, um "oben" und "unten" um die "guten und die Bösen", die "fleißigen und die faulen", die "Schmarotzer und die Ausgenutzten"

        Dann beginnt diskriminierung, dann beginnen Ausgrenzungsprozesse und dann erleben wir die Homogenität der anderen gruppe als so stark, daß es uns nicht mehr gelingt neben dem "ossi" (alternativ dem "türken"/ dem "Moslem", dem "Wessi" dem "harz4-Empfänger"...) noch anderes zu sehen- nämlich auch das, was uns verbindet und wo Zugehörigkeit entstehen könnte.

        Und wie überall gelingt das um so besser, je weniger wir real mit "dem anderen" konfrontiert sind und je stärker wir uns selbst in unserer Identität bedroht fühlen.

        und dann halten eben diese "argumente" her um die ungleichheit zu untermauern: DIE sind faul, DIE nehmen uns Geld, Arbeitsplätze, Frauen, den Solidaritätszuschlag,... weg
        DIE sind so und so und das beeinträchtigt UNS, die sind schädlich für UNS etc...

        es sind immer die gleichen mechanismen ..

        Als erstes möchte ich anmerken, dass es kompletter Humbug ist, zu behauptet, die Bürger Ostdeutschlands hätten den Teil Deutschland alleine und ohne Hilfe aufgebaut. Das suggeriert der von die geteilte Artikel...

        In deinem Artikel kommt man zu diesem Ergebnis, andere Forscher, Mathematiker oder Volkswirtschaftler kommen zu einem anderen Ergebnis... Ich zerbreche mir nicht den Kopf darüber welches Bundesland durch Solidarpakt und Solidaritätszuschlag nun am meisten Geld bekommt und welches am wenigsten.

        Ein Fakt der mich immer stört, ist, dass der SOLI niemals zweckgebunden war. Der Bund konnte damit tun und lassen was er wollte. Otto Normal " Wessi" dachte, dass er direkt und ohne Umwege in die neuen Bundesländer fließen würde und dort für blühende Landschaften sorgt.

        Fakt ist aber auch, dass durch viele Finanzierungsprogramme (egal wer das Geld aufbrachte) Ostdeutschland eine, im durchschnitt, besser ausgebaute Infrastruktur hat. Auch das Kulturelle Angebot ist stark ausgeprägt während man im Westen immer wieder mit finanziellen Engpässen kämpfen muss. Oder denk nur an die Treuhandanstalt, die die durch den Sozialismus und Planwirtschaft am Boden liegende DDR-Wirtschaft privatisiert hat. Das wurde durch westdeutsches Geld ermöglicht.

        Des weiteren gibt es genau so wie im West auch im Osten Schwachköpfe, bei denen die mauer im Kopf noch steht. Ich erinnere mich gut an den Besuch einer Tante aus Karl Marx Stadt. Die schimpfte darüber, dass Muster auf unserem Toilettenpapier war und die Wessis alle dekadente Kapitalisten seien. Dann entsteht bei uns "Wessis" natürlich das Bild der eher plumpen "Ossis".

        Ohne große Rechnungen zu veranstalten kann ich mit Gewissheit sagen, dass weder Ost- noch Westdeutschland den Aufbau Ost hätten alleine leisten können.

        Am Ende sollte man dieses Ost-West Denken endlich aufgeben. Wir sind ein Volk und haben wahrlich andere Probleme als so ein Geschisse...

        • "Karl Marx Stadt" - #rofl Bitte erst einmal richtig schreiben lernen oder den neuen alten Namen benutzen.

          "Fakt ist aber auch, dass durch viele Finanzierungsprogramme (egal wer das Geld aufbrachte) Ostdeutschland eine, im durchschnitt, besser ausgebaute Infrastruktur hat. Auch das Kulturelle Angebot ist stark ausgeprägt während man im Westen immer wieder mit finanziellen Engpässen kämpfen muss. Oder denk nur an die Treuhandanstalt, die die durch den Sozialismus und Planwirtschaft am Boden liegende DDR-Wirtschaft privatisiert hat. Das wurde durch westdeutsches Geld ermöglicht." #rofl

          Sorry, als Ossi kann ich nur darüber lachen. Die Infastruktur ist nicht besser ausgebaut, sie ist nur besser saniert. Das Kulturelle Angebot ist in Summe weder schlechter noch besser als in Westdeutschland. Die Mittel werden auch bei den Ossis von Jahr zu Jahr immer mehr gekürzt. Und die Treuhandanstalt war nicht wirklich ein Heilsbringer.

          Dein Post zeigt mir mal wieder, dass weder Ossi noch Wessi wirklich viel voneinander wissen und dass Wirklichkeit und Denken weit auseinander klaffen. Ich hoffe, die nächsten Generationen sind nicht mehr so engstirnig.

      ""Es war schonmal jemand da.... und ob wir denn auch dankbar genug wären, dass sie uns so gut durch die letzten 20 Jahre gebracht haben....""

      Ich glaub, da hätt ich nix gekauft.

      <<<Für ihn ist die DDR Geschichte und ein gemeinsames Deutschland das Normale.>>>

      So soll das sein ! :-)

      Ich freue mich auf den Tag, an dem die Begriffe Ost und West wirklich nur noch Himmelsrichtungen sein werden....und sonst rein gar nichts mehr implizieren !

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