Ausbau Designer-Baby-Autobahn oder medizinisches Glück für Eltern

    • (1) 03.02.15 - 22:35

      Die Themenauswahl in diesem Bereich des Forums ist in letzter Zeit sehr einseitig ;-), hier mal etwas anderes...

      http://www.welt.de/politik/ausland/article137090531/Babys-duerfen-zwei-Muetter-und-einen-Vater-haben.html

      Für mich ein Grübel-Thema für die nächste, schlaflose Nacht. Mir macht die Genforschung Angst, weil ich vermute, dass irgendwann der Punkt kommt, mit oder ohne Ethik-Kommissionen, an dem es nicht mehr um die Vermeidung von Erkrankungen geht, sondern um eine laboratorische Gebärmutter mit Wunschliste für gut Betuchte.

      Anderseits bin ich immer dafür, alles zu tun, damit Krankheiten verhindert werden können. Wenn ich eine dieser Mütter wäre, die möglicherweise dieses Gen an ihr Kind weitergeben könnte, ich denke, die Methode wäre etwas, womit ich mich auseinander setzen würde.

      Strange ist die Vorstellung dennoch.

      Gute Nacht

      • Mal angenommen mein Mann/ ich hätten eine Erbkrankheit wäre mir das sehr willkommen. Ansonsten geht es mich nichts an wer wie seine Kinder gestaltet.

        Die gut Betuchten machen auch jetzt ihre eigene Welt, geht bei Kindergarten und Schule los und geht bei Beziehungen im Berufsleben weiter. Und wenn die jetzt auch noch gut aussehen und gar gesund sind macht das das Kraut nicht fett.

        Wenn es darum geht, Krankheiten zu vermeiden die Bedrohlich sind und unweigerlich zu einem Leidensweg und einer großen Beeinträchtigung führen, finde ich es gut.

        Mit klar definierten Gesetzen müsste man dem Designerbaby vorbeugen. Wobei auch die Frage ist, ob das nicht früher oder später sowieso kommen wird...

        Einen anderen Aspekt finde ich auch fragwürdig. Im Grunde schließen wir ja schon mit einfachen Mitteln auf Wunsch der Eltern flächendeckend Trisomie aus. Weitere Generkrankungen folgen. Sind wir dann auf dem Weg in eine antibehinderte Gesellschaft? Können die Gesunden den Anblick von behinderten Menschen nicht (mehr) ertragen? Darf man überhaupt noch ,behindert' sagen oder streichen wir mit dem Wort ,beeinträchtigt' auch schon ,Behinderungen' aus unseren Köpfen? Kann man ohne behinderte Menschen in dieser Gesellschaft tolerant und weltoffen sein? Sollten sie nicht eine Bereicherung sein?

        • Antibehinderte Gesellschaft ... So empfinde ich das nicht. Ich wünsche den Menschen, die mit Behinderungen leben müssen, auch ein langes und erfülltes Leben und es sollte ihnen jegliche Unterstützug zukommen. Trotzdem heiße ich es gut, Krankheiten auszumerzen, wenn uns die medizinischen Möglichkeiten gegeben sind. Das gilt für mich auch für die Pränataldiagnostik sofern die Entscheidung auf Durchführung und weiteres Vorgehen ganz allein, und ohne Beeinflussung, bei den Eltern bleibt.

          "Kann man ohne behinderte Menschen in dieser Gesellschaft tolerant und weltoffen sein? Sollten sie nicht eine Bereicherung sein? "

          Behinderungen zu 100% auszuschließen wird wohl erst mit dem Designerkind möglich sein, vorher wird es immer Behinderungen geben, eben auch die, die durch Unfälle oder Krankheiten nachgeburtlich entstehen. Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft (naja wir versuchen es), mit verschiedenen sexuellen Ausrichtungen, verschiedenen Lebensstilen - die Möglichkeiten Toleranz und Weltoffenheit zu üben, sollten gegeben sein. ;-)

          "Mit klar definierten Gesetzen müsste man dem Designerbaby vorbeugen. Wobei auch die Frage ist, ob das nicht früher oder später sowieso kommen wird..."

          Noch sind die Grenzen abgesteckt, aber ich vermute, mit jedem Stückchen, was sich die Genforschung aus medizinischen Gründen erobert, geht es ein Stück näher an das Katalogkind heran (und dann eben nicht mehr aus Gründen schwerwiegender Erkrankungen, sondern für die Schönheit und Intelligenz). Ich mag das nicht erleben und wünsche es auch meinen Kindern nicht.

          Ich gebe meine Stimme für diese im Artikel beschriebene Methode, weiß aber gleichzeitig, dass es wieder ein Stück in Richtung 'Anfang vom Ende' ist. Das ist irgendwie strange.

          VG

        • Vielleicht zeigt uns das, dass wir auch nur Tiere sind.

          In der Tierwelt wird schwacher und/oder kranker Nachwuchs vernachlässigt bis es verhungert, tot gebissen oder einfach aus dem Nest gestoßen.

          Und die Menschen haben ihre eigenen Techniken entwickelt, um schwachen Nachwuchs erst gar nicht in die Welt kommen zu lassen.

          Vielleicht geht es auch hier nur um den Urtrieb "Überleben".

      Hallo, es ist doch eine tolle Möglichkeit und für die Betroffenen bestimmt einfacher als eine Präimplantationsdiagnostik.
      Grade wenn schwere Erbkrankheiten in der Familie sind ein guter weg. Eine Freundin hat in iher Famiie Chorea Huntington.Sie hat sich deshalb gegen Kinder eintschieden. Leider sind wir heute ja durch die Genuntersuchengen aufgeklärt und wissen viel zu viel.

    • ja, jede technische Weiterentwicklung hat vor- und nachteile und jede davon verändert auch die Gesellschaft.
      Es verändert unsren Blick auf Menschen, auf Krankheiten und Behinderung, es setze Menschen unter Druck und es erleichtert das leben andere Menschen wiederum.

      Daher ist es so wichtig, daß es klare Regelungen gibt für den Einsatz bestimmter Techniken, auch wenn das nur ein eingrenzen der Vor- und Nachteile bedeutet.

      Es geht eben immer um ein Abwägen zwischen nutzen und Risiken und auch hier ist es eine Gratwanderung.

      Aber es sollte in einer unaufgeregten Auseinandersetzung geführt werden- nicht jede horrorvorstellung wird wahr;
      gerade im bereich der künstlichen Befruchtung hat sich doch in den letzen 35 Jahren gezeigt, daß es für viele Menschen ein großer Fortschritt war, eine Erleichterung, die Möglichkeit kinder zu bekommen, die ihnen sonst verwehrt geblieben wäre.
      Aber klar- es hat auch Hoffnungen geweckt, die nicht erfüllt wurden, leid bei menschen verusacht und menschen unter druck gesetzt doch "alles zu versuchen"

      • "Aber es sollte in einer unaufgeregten Auseinandersetzung geführt werden- nicht jede horrorvorstellung wird wahr;"

        Da hast du recht, man sollte seine Gedanken nicht zu schnell in Richtung eines SciFi-Films lenken. Wie gesagt, ich beführworte es absolut... plus einem Rest Magengrummeln.

    Ich finde, dass uns Technik und Wissenschaft leider überholt hat.

    Nicht mit allem, was wir technisch können, können wir auch ethisch umgehen.

    Wenn es wirklich nur eingesetzt würde, um Kindern/Menschen unendliches Leid und Qualen zu ersparen, dann wäre das in Ordnung. Nur, wo fangen Leid und Qual an? Was ist lebenswert und wo entscheiden wir, als Gesunde, dass das so ja nichts sein kann und wir selbst einfach nur damit überfordert sind, aber wir ja so unbedingt ein Kind haben wollen.
    Es ist unglaublich schwierig hier Regelungen und Grenzen zu ziehen. Und wie würde man jemanden bestrafen, der dann gegen diese verstößt? Damit würde man dann ja auch immer das Kind strafen.

    Also, die Möglichkeit an sich ist eigentlich etwas Gutes, aber für mich trotzdem mehr Fluch als Segen.

    Diese Methode kann Krankheiten und unsägliches menschliches Leid verhindern. Das ist positiv.

    Dass wir mittelfristig dazu kommen, dass sich wohl vornehmlich sehr reiche Menschen ein Wunschkind selbst zusammenbasteln können, finde ich befremdlich (ebenso die Möglichkeit wie den Wunsch, diese zu nutzen). Ich kann darin aber auch keinen Nachteil für irgendwen erkennen und glaube, dass unsere heutige Zeit uns vor größere Probleme stellt als dieses.

    Es geht doch gar nicht um Gene sondern um Mytochondrien. Ich finde das Ganze genauso gruselig (oder eben umgruselig) wie jede Organtransplantation.

    Ich denke, dass das die Zunkunft der menschlichen Evolution ist. Natürliche Auslese findet nicht mehr statt. Aber ich denke in Zukunft wird es den Disigner-Menschen geben. Moralvorstellungen und gesellschaftliche Ansichten verändern sich im Laufe der Zeit. Was vor Jahrzehnten noch unmoralisch und verwerflich war, wird heute ganz selbstverständlich in unserer Gesellschaft anerkannt.

    Nach unseren jetzigen Maßstäben mag das verwerflich sein. Aber wir werden das vermutlich auch nicht mehr erleben. Den perfekten Menschen meine ich.

    Ich habe es gerade in der Nachbarschaft hautnah mitbekommen.

    Nicht DIESE Erkrankung, aber sehr ungünstige genetische Bedingungen, die bei beiden Elternteilen aufeinander treffen:

    5 Fehlgeburten und beim sechsten Kind eine stille Geburt im 7. Schwangerschaftsmonat.

    Wie unglaublich groß muss der Kinderwunsch sein, es trotzdem immer und immer wieder zu versuchen!!! (Aber ich glaube, ich würde das auch tun.......)

    Ich hätte bei solchen Paaren KEINE ethischen Bedenken, wenn ihnen geholfen werden könnte!

    Die Option "wir versuchen es so lange, bis ein Kind überlebt" ist ganz sicher NICHT weniger gruselig als die Idee, dem Kind auf medizinische Weise Leben zu ermöglichen.

    Definitiv gruselig finde ich die Reaktionen eines Paares aus dem Umfeld: "Die könnten es doch jetzt langsam mal gut sein lassen, was nicht sein soll....... ".

    Selbst haben diese beiden drei gesunde Kinder und acht Enkel. Da könnt ich Ohrfeigen verteilen... :-[ oder besser: Knebel!#schein

    LG

    ich überlege, mir dieses Buch hier zu kaufen
    Medizin ohne Maß
    von Prof. Giovanni Maio

    http://www.amazon.de/Medizin-ohne-Ma%C3%9F-Machbaren-Besonnenheit/dp/3830467494#reader_B00NLJVITY
    wäre evtl. auch was für dich?

    • Hallo,

      danke für den Buchtipp, es klingt sehr interessant. Grundsätzlich bin ich aber dafür, den Segen der medizinischen Errungenschaften zu nutzen, (ich war durch die Pränataldiagnostik schon selbst betroffen, mit allen Konsequenzen), den Fluch aber wachsam im Auge zu behalten. Ich finde es wichtig, die Argumente aller Seiten anzuhören und zu berücksichtigen. Ein gesundes Maß ist wichtig.

      LG (von der Autobahn ;-) )

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