SoFi - Panik an den Schulen: Wie seht ihr das?

    • (1) 21.03.15 - 19:04

      Hallo,

      als ich vor zwei Wochen einen Satz SoFi Brillen aus der Klassenkasse für meine Schüler bestellte, schien alles noch so einfach:

      Elterninfo rausgeben, Kinder über Sicherheitsmaßnahmen instruieren, Freitag auf den Schulhof gehen und beim gucken abwechseln. Eine tolle Erfahrung machen, viel lernen und riesig freuen, fertig!

      Dann kamen die Mails vom Schulministerium, die großen Diskussionen, die Allround-SoFi-Verbote der Nachbarschulen und die Kollegen an der eigenen Schule, die sich gegen das Erlebnis und für die Vorhänge + Live-Übertragung entschlossen... #kratz

      Als ich am Freitag tatsächlich mit meinen Schülern auf dem Schulhof stand, hatte ich eine dicke Portion Angst vor der eigenen Courage mit dabei. Und meine beiden Kollegen, die sich als einzige mit mir getraut hatten, ebenfalls.

      Dann, im Nachhinein, kamen Dankesmails von vielen Eltern, weil größeren Geschwistern und den Kindern der Verwandten das Erlebnis verwehrt blieb.

      Lehrer von Nachbarschulen berichteten, die Kinder hätten richtig Angst und Panik gehabt und sich zwischen 9 und 12 nicht mal mehr alleine aufs Klo getraut, wegen der "gefährlichen Strahlen"! #gruebel Da musste dann gebetsmühlenartig erklärt werden, dass man jeden Tag blind werden kann, wenn man in die Sonne schaut... die Kinder hatten die Situation völlig missverstanden!

      Und je mehr ich darüber nachdenke, desto bekloppter finde ich das alles.

      Den Kollegen mache ich keinen Vorwurf! Denn die Ansage vom Schulministerium war eindeutig: DIE LEHRER sind dafür verantwortlich, dass kein Kind ungeschützt in die Sonne schaut. Soll heißen: Wenn irgendwelche pubertierender Pratschköpfe auf die Idee kommen, auf dem Schulhof "Wer ist der coolste und glotzt am längsten ohne Brille, wenn der Lehrer grad nicht hinschaut" zu spielen, ist der Lehrer an den Augenschäden schuld!

      Aber an diesem Punkt frage ich mich: Was soll das?!
      Klar gibt es immer wieder Kandidaten, auf die ein Lehrer besonders aufpassen muss. Aber hier sollte es doch Möglichkeiten geben, zum Beispiel durch eine Einverständniserklärung der Eltern, sich rechtlich abzusichern! Und im Zweifelsfall bleibt das Kind zu Hause bzw. guckt unter Aufsicht der Eltern.

      Diese Vollkasko - Mentalität, die dazu geführt hat, dass vielen Kindern dieses wunderbare Schauspiel verwehrt wurde, ist doch eigentlich sehr viel schädlicher für unsere Schüler, weil wir sie derart für unmündig erklären. #kratz

      Da könnte ich ja theoretisch keinen Schulausflug mehr machen, weil ja einer auf die Idee kommen könnte, sich vor den Bus zu werfen? #kratz

      Wie seht ihr das?
      Freue mich gespannt auf eure Ansichten! :-)

      • Hi,

        die Schule unserer Tochter wurde auch "dicht" gemacht.Alles mussten drinnen bleiben.

        Es ist eine Grundschule und die Kinder verstehen noch nicht alles,dass man auch keine Sekunde i.d. Sonne schauen darf.
        Von daher fand ich die Entscheidung,die Kinder drinnen zu lassen,richtig.
        Aber es wurde keine Panik gemacht.Wer eine Sofi-Brille dabei hatte,durfte mit zwei Lehrern raus.Auch eine gute Idee!

        Von daher finde ich,dass unsere Schule verantwortungsvoll gehandelt hat

        Ich selbst habe mir vorher gar keine Gedanken gemacht....

        Gruß,
        Purzel

        • Aber warum haben sich die Kinder nicht abgewechselt? Wenn doch sowieso zwei Lehrer zur Verfügung standen, hätten die Brillenkinder doch mal 5 Minuten gucken und dann die Brille an einen Klassenkameraden weitergeben können?

          So haben wir es gemacht. Ich hab aus der Klassenkasse auch nicht 26 Brillen bestellen können. ;-)

          Meine eine Kollegin hatte eine Praktikantin, da sind die Kinder in 5er Gruppen raus.

          *die Kinder verstehen noch nicht alles, dass man auch keine Sekunde i.d. Sonne schauen darf.*

          Doch, meine Erstklässler haben meine Anweisungen alle verstanden und sehr gewissenhaft befolgt.
          Und nein, ich hab nicht nur "kleine Engel" in der Klasse.

          Aber Kinder sind nicht doof. Wirklich nicht.

          LG

            • Dann ist es bei euch ja prima gelaufen. :-)

              Bei uns haben die Grundschulen im Umkreis fast alle die Schotten dicht gemacht.
              Und an einer weiterführenden Schule hieß es sogar erst, die Kinder dürften mit Brille gucken... und am Tag der SoFi durften sie dann doch nicht. Das fand ich ziemlich krass.

              An einer Berliner Grundschule hatte eine Klasse einen kompletten Klassensatz Brillen... und dann durften die Kinder nicht gucken, weil das den anderen gegenüber dann "ungerecht" gewesen wäre.

              Das sind so Auswüchse, die ich absolut nicht nachvollziehen kann. #kratz

      Hallo,

      Kinder sind sicher nicht doof. Aber manchmal eben doch leichtsinnig und überschätzen sich. Wenn ich auf Facebook gesehen habe, womit Erwachsene! trotz Aufklärung die Sofi beobachtet haben, dann bin ich mir nicht 100%ig sicher, ob auch jedem Kind bewusst ist, was passieren kann, wenn man es doch mal ohne Brille (und dafür mit anderen Dingen) probiert.
      Bei euch war es sehr gut organisiert. In dem Fall hätte ich mir auch keine Gedanken gemacht. Aber dass es zum Beispiel nicht eine normale Hofpause an einem solchen tag geben kann, wo jedes Kind sich gerade dort aufhält, wo es gerade will, das verstehe ich auch.

      vg, m.

      • Über die Hofpause brauchen wir gar nicht zu diskutieren! Wenn ein Lehrer mit 100 durcheinander rennenden Kindern auf dem Schulhof ist, ist die Angelegenheit zu heikel.

        Ebenso würde ich als Lehrer an einer weiterführenden Schule auch SEHR genau überlegen, ob ich dieses Ereignis mit 30 Pubertierenden ansehe, wenn mir vorher vom Schulministerium gesagt wird: "DU bist ohne wenn und aber verantwortlich dafür, dass keiner in die Sonne guckt". Siehe mein Beispiel mit "vor den Bus werfen": Nein, ein Lehrer mit "normal geistig gesunden" Schülern muss NICHT jedes Restrisiko voraussehen und ausschließen können, sonst kann ich meinen Dienst nicht mehr anständig verrichten!

        Nimm hierbei auch normale Unterrichtssituationen zum Vergleich:

        Vor einigen Jahren hat eine Kollegin von mir mit 4.-Klässlern das Thema "Strom" behandelt. Sie hat die Kinder ausführlich über die Gefahren des Stroms aufgeklärt und die Experimente aktiv beaufsichtigt.

        Eines der Kinder kam trotzdem auf die glorreiche Idee, der Warnung der Lehrerin auf den Grund zu gehen und mit einem Draht die Steckdose zu erkunden! #klatsch
        Die Lehrerin erwischte den Jungen, rief dann aber vorsorglich die Eltern an ("Ich weiß nicht, ob der Draht schon in der Steckdose steckte, halten Sie besser Rücksprache mit dem Arzt".)

        Die erste Reaktion der Eltern: "Wie konnte das passieren, wo war denn die Aufsicht?!"
        Sie meinten daraufhin auch, sich ans Schulamt wenden zu müssen wegen vermeintlicher Verletzung der Aufsichtspflicht.

        Ergebnis: Nein, die Kollegin hatte über die Gefahren aufgeklärt und sie konnte ihre Augen nicht überall haben --> sie trifft keine Schuld. Geistig normal entwickelten Regelschulkindern durfte sie zutrauen, mit Drähten zu arbeiten.

        Ähnliches sollte gelten, wenn ich meine Schüler ausführlich über die Gefahr von Augenschäden aufgeklärt habe, aktiv Aufsicht führe und irgend einer trotzdem bewusst in unbeobachteten Momenten in die Sonne guckt.

        LG

    (8) 21.03.15 - 22:32

    Hallo,

    irgendwie passend für die kranke Zivilisation in unseren hochgelobten gebildeten und fortschrittlichen Landen!

    Unfähig in jeglicher Art von Natur, mit Natur - also mit dem absolut normalen Dingen des Seins - klar zu kommen.

    Ihr dagegen habt den Kindern Teilhabe am Sein gegeben und sie werden es für immer in sich abgespeichert haben.

    Schön wenn es noch Menschen wie Dich und Deine Kollegen gibt.

    lg, marada

    Hallo,

    so sehr ich das auch.

    Viel Panik um nichts.

    Meine Tochter hatte eine Schutzbrille (ich hatte meine von 1999 gesucht und gefunden) und eine schriftliche Erlaubnis von mir, dass sie rausgehen darf.

    Aber dann wurde ihr von allen Seiten gesagt, wie gefährlich das sei und da auch kein Lehrer bereit war, sich da mit rauszustellen, hat sie sich nicht getraut :-(

    Jetzt habe ich ihr versprochen, wenn in den nächsten Jahren irgendwo in erreichbarer Nähe eine totale Finsternis ist, werden wir da hinfahren und uns das anschauen.

    GLG

    • (10) 22.03.15 - 13:30

      Hallo,

      echt unfassbar wenn man Deiner Tochter dieses Ereignis untersagt hat!

      Ich halte eh nichts mehr von unserem Schulsystem aber das ist eine andere Sache.

      Die nächste Totalfinsternis 2016 in Australien ist weit weg, leider.
      Hier mal eine lange Liste:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Sonnenfinsternisse_des_21._Jahrhunderts

      2017
      http://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenfinsternis_vom_21._August_2017
      und 2024 in Amerika wäre eher machbar zum Hinreisen aber da sollte man rechtzeitig die Unterkunft sichern weil zu solchen Ereignissen immer sehr viele Menschen reisen.

      Unsere Enkelkinder besuchen Privatschulen und dort wurde wunderbar auf die SOFI eingegangen und alle Kinder durften sie verfolgen und wahrnehmen. Ansonsten hätten wir die Enkel an dem Tag nicht zur Schule gehen lassen und es mit ihnen zusammen von Zuhause aus betrachtet.

      lg, marada

      • (11) 22.03.15 - 14:13

        Es wurde ihr doch gar nicht untersagt! ;-)

        Ihr wurde so viel Angst gemacht, dass sie nicht mehr rausging. "Von allen Seiten", was auch immer das heißt.

        M.E. ist das kein direktes Problem des Schulsystems. Sondern in diesem speziellen Fall hat sich die gesamte Öffentlichkeit (wer auch immer das war) hochgeschaukelt und kirre gemacht.

        Stell dir einfach die Situation vor:
        Du bist für eine Gruppe von 20-30 jungen Menschen verantwortlich. Und dir wird mehrmals von Medien, Vorgesetzten und der breiten Öffentlichkeit erklärt: Du KANNST mit den Schülern die SoFi betrachten, aber das ist seeeeeeeeeeeeehr gefährlich und da kann sooooooo viel passieren und WENN etwas passiert, wirst DU dafür SOWAS VON zur Verantwortung gezogen!"

        Spätestens beim 10. Kommentar in diese Richtung wird dein gesunder Menschenverstand auf eine harte Probe gestellt.

        Privatschulen haben ein anderes Klientel, kleine Klassen und viele Lehrer. Ich finde nicht, dass das direkt vergleichbar ist mit jeder 08-15 Schule mit 30+ pubertierenden in der Klasse, wo dann EIN Lehrer dafür verantwortlich sein soll, dass trotz umfangreicher Aufklärung keiner in die Sonne guckt.

        Ich persönlich weiß auch nicht, ob ich das mit jeder Klasse gemacht hätte nach all der Panikmache.

        LG

        • (12) 22.03.15 - 14:41

          Hast recht, untersagt wurde es ihr nicht aber sie hatte Angst und das ist viel schlimmer und es grenzt an Wahnsinn wenn man Menschen Angst vor einer Sonnenfinsternis macht. Wie vor Tausenden von Jahren, nur da waren es die bösen Götter ;-)

          Nun, zu meiner Schulzeit besuchte ich mit 28 Mitschülern eine Klasse und es gab derartige Probleme nicht. Die Lehrer klärten auf wenn was anstand und gut war es, da gab es keine Diskussionen um was auch immer.

          Aber wie gesagt, ich will mich nicht auslassen über das heutige Schulsystem aber ich halte es für ungut und wenig lehrreich und meine Kinder und der Rest der Familie auch.
          Unsere Familie entzog sich schon vor Jahren diesem Umfeld denn wir haben andere Werte und Vorstellungen die mit den derzeitigen staatlichen Vorschriften nicht konform gehen.
          Noch gibt es Ausweichmöglichkeiten wie Privatschulen oder Internate und die nutzen wir halt.

          lg

          • Hallo,

            meine Tochter besucht eine Privatschule und da haben die Eltern richtigen Terz im Vorfeld gemacht.

            Deswegen ist es auch so gelaufen, wie es gelaufen ist, sprich kein Kind ist rausgegangen, ob nun mit oder ohne Brille.

            GLG

            • Puh, echt, so was kann ich echt nicht verstehen.
              Hier ist das erfreulicher weise alles gut gelaufen, ohne Stress und ohne Streitereien.
              Nun ja, nun ist ja erst mal Ruhe am Himmel ;-)

              lg

    Genauso lief es bei uns auch ab

    Meine Kinder hatten Brillen und eine schriftliche Erlaubnis dabei, aber nix. Sie durften nicht raus.

    Die Kidner Wurden aber auch kaum informiert und aufgeklärt über das Ereignis. Ist mal wieder untergegangen.

    Just zur Sonnenfinsternis müsste die Lehrerin der jüngsten aus dem Raum gehen um ein paar Sachen aus dem lehrerzimmer holen. Das hätte dann zur folge, dass die Klasse sich vors Fenster gestellt hat und von dort mit oder ohne Brille die Sonne von drinnen aus betrachtet hat.

    Manchmal ist man echt sprachlos.

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