Emma Sulkowicz und http://www.cecinestpasunviol.com/

    • (1) 09.06.15 - 22:23

      Hallo,

      ich weiss nicht, wer von Euch die Geschichte von Emma Sulowicz und ihrem Matratzen Projekt an der Columbia University verfolgt hat.

      Eine junge Studentin im Abschlussjahr, die seit letzten September die Matratze, auf der ihr vermeitlicher Vergewaltiger sie vergewaltigt hat, zu allen Aktivitäten auf dem Campus mitschleppt. Solange bis er die Uni verlassen hat oder dazu gebracht wird.
      Diese Aktion war gleichzeitig ihre Abschlussarbeit.

      Ende Mai war Graduation, beide haben ihren Abschluss gemacht.

      Sie hat letzte Woche folgende Seite hochgeladen und ich verfolge dieses Projekt jetzt seit zwei Tagen.

      http://www.cecinestpasunviol.com/

      Ich weiss nicht was ich sagen soll, aber was denkt ihr?

      Schwierig. Ich werde in meinem Beruf mit Opfern, sowie Tätern konfrontiert. Ich weiß, dass sich häufig nicht so ein klares Bild ergibt. Aus einer beruflichen Perspektive heraus würde ich dementsprechend sagen, dass mir zu viele Fakten fehlten, um angemessen die Aktion einschätzen zu können. Wobei die Frage nach Selbstjustiz zum Beispiel ja eine mehr moralisch-ethische, philosophische Frage ist. Zum Glück :-) bin ich aber als Privatperson hier. Die Privatperson antwortet also demnach, auch unter Berücksichtigung des SZ Artikels, dass mir die Aktion ein schlechtes Bauchgefühl und Unbehagen bereitet, weil sie auf mich inszeniert wirkt. Angenommen es handelt sich um eine von vorn bis hinten durchdachte Inszenierung, dann stellt sich eine weitere philosophische Frage, nämlich, wie weit Kunst eigentlich gehen darf.
      Sehr vielschichtig, das Ganze. Du siehst, es hinterlässt mich eher unklar und verwirrt.

    Hallo,

    nach allem, was ich bis jetzt dazu gelesen habe, bin ich zu der Meinung gekommen, dass man diese Angelegenheit gar nicht beurteilen kann. Man kann sich natürlich einem der Beteiligten verbunden fühlen, ihm mehr glauben als dem anderen, aber man kann nicht wissen, wer von beiden das wahre Opfer ist.

    Durch ihre "Aktion" hat Emma Sulkowicz das Leben ihres vermeintlichen Vergewaltigers nachhaltig beeinflusst, um es mal vorsichtig auszudrücken. Zu Recht mögen die einen sagen, wenn er sie wirklich vergewaltigt hat. Nachvollziehbar, wenn sie als Opfer nicht ernstgenommen wurde und eine Anklage nicht möglich ist. Schlimm für den jungen Mann, der nun immer mit diesem Vorwurf leben muss, ganz gleich ob er wirklich Täter war oder nicht. Es kann nichts bewiesen werden und so gilt: In dubio pro reo.

    Ich muss zugeben, dass diese Matratzen-Aktion auf mich stark inszeniert wirkt. Skrupellos geplant, ohne Rücksicht auf den jungen Mann. Das ist aber nur mein Bauchgefühl. Vielleicht tue ich Emma damit auch Unrecht. So eine Situation, egal wer von beiden das Opfer ist, wünsche ich niemandem.

    LG

    • Auch in den USA gibt es eine Unschuldsvermutung und nur ein Richter darf entscheiden, ob jemand eine Straftat begangen hat oder nicht.

      Selbst, wenn die junge Frau tatsächlich vergewaltigt worden ist bleibt diese Aktion Selbstjustiz. Dass so etwas auch noch als Abschlussarbeit angenommen worden ist spricht sehr gegen diese Uni.

Vielen Dank für Eure Antwort.

ja, ich bin auch ziemlich verwirrt, wenn ich mich dazu äußern soll.

Zu Beginn ging mir nur durch den Kopf, "lügt sie, lügt er?"....

Aber die ganze Angelegnheit hat ja viele Facetten. Es geht hier ja nicht um eine Aktion, durch die ein einzelner vermeintlicher Täter gebannt und gebrandmarkt werden sollte.

Es geht um die Art wie Colleges mit Vergewaltigungen umgehen, wie Menschen damit umgehen und den Protest von Emma dagegen.

Dazu kommt, dass es für uns schwer zu verstehen ist, wie die amerikanischen Universitäten mit vergewaltigunegn umgehen.

Natürlich ist es mittlerweile eine geschichte geworden, in der es um Existenzen geht.

Aber auch wenn Emma gelogen hat, haben dann alle ihre Unterstützer an so vielen Unis und USA unrecht, wenn sie mit Matratzen rumlaufen, sich organisieren gegen date rape und die seltsamen Regelungen an Unis?

zuerst wollte ich nur den Punkt des Mannes sehen, weil ich die ganze Matratzen Aktion typisch amerikanisch und hysterisch fand.

Dann habe ich mich aber auch mal mit ihrer Seite auseinandergesetzt und diese Seite berührt mich.

Es geht dann nicht um eine Defintion von Vergewaltigung in rechtlicher Hinsicht, sondern um eine junge Frau, die das was ihr geschehen ist "rape" nennt und dafür einsteht.

Die dazu ein weiteres Projekt startet, dass sehr intensiv und verstörend ist.

Und mir einen Blick auf performande Kunst geöffnet hat, den ich vorher nicht kannte.

  • Verstehe ich dich richtig? Du bist der Meinung, dass der Umgang der Universitäten in den USA mit Vergewaltigungen, eine solche Aktion der Emma Sulkowicz rechtfertigt, auch wenn sie lügt? Weil sie damit etwas angestoßen hat? Weil es anderen Opfern Mut gibt zu sprechen?

    "Es geht hier ja nicht um eine Aktion, durch die ein einzelner vermeintlicher Täter gebannt und gebrandmarkt werden sollte."

    Das denke ich auch, aber der Umgang mit den Vergewaltigungen rechtfertigen in meinen Augen nicht den Schaden, den der vermeintliche Vergewaltiger nun tragen muss. Die Rechte des Einzelnen enden da, wo anderen geschadet wird. Natürlich sollte man auf Missstände aufmerksam machen, aber dabei darf man nicht über Leichen gehen. Der Zweck heiligt nicht die Mittel.

    "...sondern um eine junge Frau, die das was ihr geschehen ist "rape" nennt und dafür einsteht."

    Völlig legitim, wenn das, was ihr geschehen ist auch "rape" ist. Ganz und gar nicht in Ordnung, wenn das gelogen ist und der junge Mann für ihr Kunstprojekt bluten muss. Da ich nicht weiß, was ich glauben soll, kann ich dir nicht sagen, wie ich das Projekt finde. Es hat für mich einen faden Beigeschmack. Ich würde es nicht unterstützen, solange die Schuld des jungen Mannes nicht bewiesen ist.

    • "Verstehe ich Dich richtig?"

      nein, du verstehst mich nicht richtig, absolut nicht.

      Hast du dir die Seite, die ich verlinkt habe angeschaut?

      Natürlich darf man niemanden einer Straftat bezichtigen und natürlich darf man niemanden durch eine Aktion brandmarken und mobben.

      Aber losgelöst davon geht es doch in dem Projekt dieser Internetseite um etwas ganz anderes.

      Für die Künstlerin ist das, was in der Nacht geschehen ist, eine Vergewaltigung. Sie nennt es so und ich kann ihr folgen.

      Ich verstehe den Sinn dieses Projektes auch nicht darin, diesen Fall zu klären. Sie macht ja sehr deutlich, um was es geht. "its not about him, its about you"

      Es geht um das, wie wir mit dieser Seite umgehen.

      Ich bin der Meinung, um diese Aktion verstehen zu können, muss man sich einmal von der Notwendigkeit lösen, wissen zu müssen, wer lügt und wer nicht.

      Was aber diese ganze Geschichte angeht, schwirren mir folgende gedanken durch den Kopf:

      Wobei ich sogar denke, dass niemand lügt. Für sie war es eine Vergewaltigung, für ihn einvernehmlicher Sex.

      Und da stellt sich die Frage, ist es erst eine Vergewaltigung, wenn beide dieses so empfinden? Ist es keine Vergewaltigung, wenn der Täter davon ausgeht, dass es einvernehmlicher Sex ist?

      • Natürlich habe ich mir die Seite angesehen. Mir ist auch klar, dass das Projekt nicht der Klärung der Vergewaltigung von Emma dient. Ich persönlich würde dieses Projekt vor dem Hintergrund worauf Emma es aufbaut dennoch nicht unterstützen. Sie ist mit ihrem Projekt doch nur aufgefallen, weil sie jemanden der Vergewaltigung bezichtigt hat. Ich bin der Meinung, dass der Zweck (den ich an sich durchaus unterstützenswert finde) nicht die Mittel heiligt.

        "Und da stellt sich die Frage, ist es erst eine Vergewaltigung, wenn beide dieses so empfinden? Ist es keine Vergewaltigung, wenn der Täter davon ausgeht, dass es einvernehmlicher Sex ist? "

        Deinen Gedankengängen kann ich nicht folgen. Das ist doch jetzt nicht dein Ernst? Ob etwas eine Vergewaltigung ist oder nicht, ist meiner Meinung nach nicht subjektiv. Sobald einer der Beteiligten signalisiert, dass er nicht mehr weitermachen möchte ("Nein" sagen, weinen, sich wehren), muss der andere aufhören. Hört er nicht auf, ist es eine Vergewaltigung.

        Emma Sulkowicz hat ganz klar geschildert, wie sich die vermeintliche Vergewaltigung zugetragen hat. Entspricht das, was sie geschildert hat, der Wahrheit, kann es für ihr kein einvernehmlicher Sex gewesen sein.

        • (12) 11.06.15 - 14:07

          Korrigiere: Wenn das, was Emma geschildert hat, der Wahrheit entspricht, kann es für IHN kein einvernehmlicher Sex gewesen sein.

          ich schätze es nicht sehr, wenn man sensible Themen diskutiert und dann ständig solche gegenfragen kommen. "das ist doch nicht dein Ernst?"

          Dieses Niveau können wir gerne bei einer gepflegten Runde Diskussion über beikost oder gegeignete Schultornister kultivieren.

          Hier bin ich jetzt raus, so diskutiere ich dieses Thema nicht.

          • Es kommen ständig derartige Gegenfragen? Ich habe diese nur einmal gestellt und das aus dem einfachen Grund, dass ich ein Stück weit schockiert bin, wie du mit dem Thema Vergewaltigung umgehst. Es ist, wie du selbst sagst, ein sensibles Thema. Du hast anscheinend gar nicht bemerkt, was du mit dem nachfolgenden Absatz zum Ausdruck bringst:

            "Wobei ich sogar denke, dass niemand lügt. Für sie war es eine Vergewaltigung, für ihn einvernehmlicher Sex.

            Und da stellt sich die Frage, ist es erst eine Vergewaltigung, wenn beide dieses so empfinden? Ist es keine Vergewaltigung, wenn der Täter davon ausgeht, dass es einvernehmlicher Sex ist? "

            Wir können die Diskussion aber gerne beenden, dagegen habe ich nichts.

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