Trägt diese Aktion wirklich zur "Willkommenskultuer bei?

    • (1) 08.08.15 - 15:28

      Hallo nochmal,

      icih habe mir jetzt wirklich lange Gedanken gemacht, ob ich diesen Beitrag ( kurz nach meinem anderen Post) schreiben soll .Aber das Thema Asylbewerber ist mir in den letzten Tagen des öfteren durch den Kopf gegangen, besonders eine Aktion einer Stadt nahe meiner Heimatstadt. Was nett aussieht, hat für mich einen bitteren Beigeschmack und fördert bei mir das Gefühl, dass einiges langsam aus dem Ruder läuft.

      Dort gab es folgende Aktion zur Begrüssung der Asylbewerber:

      http://www.frankenpost.de/lokal/hofrehau/hof-stadt/3000-Schueler-rappen-gegen-Fremdenhass;art2390,4231704 Ich wohne schon lange nicht mehr dort und habe das ganze nur am Rande mitbekommen.

      Es gab grosse Diskussionen, aber es sah schon sehr danach aus, als würden Kritiker an den Pranger gestellt. Absagen wurden auf Facebook veröffentlicht und entsprechend kommentiert.Meiner Meinung nach sollte sowas immer auf freiwilliger Basis geschehen, alles andere puscht die Stimmung nur noch mehr auf.

      Wie die Aktion bei den Flüchtlingen wirklich angekommen ist, weiss ich nicht. Ich persönlich denke, dass es den Flüchtlingen auch falsche Hoffnungen macht bzw. das Bild der derzeitigen Stimmung verfälscht. Ob die Asylbewerber nach monatelanger, entbehrungsreicher Flucht wirklich Lust auf so eine Party hatten ist zudem fraglich.

      Was haltet ihr von dieser Aktion? Sind die Kinder instrumentalisiert worden und hilft diese Aktion nicht vor allem dem Ansehen der Stadt?

      Und nein, ich habe nichts gegen die Aufnahme von Asylbewerbern, solange wir es irgendwie bewerkstelligen können sehe ich es durchaus als unsere Pflicht. Aber der Umgang, vor allem mit Kritik, finde ich langsam bedenklich..Denke ich zu pessimistisch und sehe nur das Schlechte?

      LG Luci

      • Die Aktion finde ich sehr gut.

        Flüchtinge mussten ja nicht daran teilnehmen, wenn sie das nicht konnten oder wollten.

        Signale über die Stimmung im Land geben auch brennende Unterkünfte für Asylsuchende und ein widerwärtiger Mob, der vor den Einrichtungen idiotische Parolen brüllt.

        Das ist ganz sicher nicht typisch und es muss auch nicht unwidersprochen bleiben.

        Ich verstehe nicht so ganz, was dich daran so stört. Schüler haben sich getroffen und gemeinsam ,gerappt' und Willkommensplakate gemalt. Sie wollen ein Zeichen setzen. Ich seh da nun wirklich nichts verwerfliches oder etwas, was aus dem Ruder läuft.

        Quatsch finde ich, dass Schüler dabei ,instrumentalisiert' werden sollen. Gerade Kinder haben doch die wenigsten Vorurteile. Das haben bestimmt viele Kinder gerne getan.

        Auch als Flüchtling darf man mal ein bisschen Musik hören auch, wenn man viel Leid erlebt hat.

        • Ich finde die Aktion schon ein wenig heuchlerisch. Was sollen denn die Flüchtlinge denken, wenn sie erst von 3000 Schülern gefeiert werden und anschließend in einer Turnhalle schlafen müssen. Trägt auch zu der Meinung bei, auf die Asylbewerber würde das schöne Leben in Deutschland warten. Wenn sie dann da sind ist die Enttäuschung um so größer.

          Wäre das ganze freiwillig gewesen, hätte es einen anderen Charakter gehabt. Und ich bin mir sicher, dass auch so genügend gekommen wären. Ein Flashmob zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass er spontan zustande kommt. So War das aber nicht.

          So hat das ganze die Stimmung mehr aufgeheizt.

          Das wirklich schlimme ist aber, dass man keine andere Meinung mehr haben darf. Ein Stadtrat, der lediglich den Text kritisiert hat einen Shitstorm ausgelöst. Die Meinungsfreiheit fällt immer mehr. Und das hat noch nie zu etwas gutem geführt.

          • Na ja, das meiste hat nichts mit Kritik zu tun, sondern schlicht mit falschen Informationen und "ich hab ja nix gegen, aber...".

            Und warum sollen Menschen, die geflüchtet sind, nicht Lust haben zu feiern. Bei uns veranstalten die Flüchtlinge selbst auch feste. Nur, weil sie traumatisches erlebt haben, können sie trotzdem Spaß haben.

            • Natürlich dürfen traumatisierte Menschen feiern und tun dies mit Sicherheit auch. Darum geht es nicht, denn als Feier würde ich das ganze mit Sicherheit nicht bezeichnen. Scheint im übrigen auch nicht so toll angekommen sein, viele sind nicht gekommen.
              Ich denke einfach die Asylbewerber hatten wenig davon bzw. hätten nicht weniger davon gehabt wenn nur 300 Schüler gekommen wären. Die Nutznießer dieser Aktion sind hauptsächlich die Stadt und der Landkreis. Hat das ansehen offenbar sehr gehobenen. Und Kinder dafür zu benutzen finde ich nicht gut.
              Das Willkommenskultur in dieser Region auch anders geht haben sie nach der Grenzöffnung der DDR bewiesen. Da hat bei uns jeder, der es irgendwie möglich machen konnte Flüchtlinge zu Hause aufgenommen. Mir ist in der Gegend keine Familie bekannt die momentan Asylbewerber aufgenommen hat .Aber das war natürlich was ganz anderes :-)
              Die Aktion war im Grunde genommen bestimmt gut gemeint, aber ganz schlecht ausgeführt. Und die wutbürgern haben nur neues Futter bekommen.

              • Das finde ich nicht. Selbst, wenn ein gewisser Zwang dahinter stand. Ich musste in der Schule mehr als einmal an einer Veranstaltung teilnehmen, zu der ich nicht wollte. Bspw. musste ich zu meiner Zeit noch zu gottesdiensten, auch als ich schon aus der Kirche ausgetreten war. Da müssten alle hin!
                Wir mussten auch einmal im Jahr an einem Samstag antreten und dort die Schule präsentieren. Es war Anwesenheitspflicht und jeder musste an etwas teilnehmen.
                Genauso heute. Wenn mein Arbeitgeber sagt, dass ich zu diesem Meeting muss, gehe ich hin.
                Das ist das Leben und niemand wird instrumentalisiert. Oder muss ich mir jetzt Gedanken machen, dass ich zu Marketingzwecken meiner Schule missbraucht wurde?

                Im Moment müssen so viele Menschen ihre Heimat verlassen wie seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr. Da kann man auch von Schülern erwarten, dass sie sich auch mal damit befassen. Um Kritik geht es in diesem Moment nicht.

                Es war ein Fest. Eingeladen war jeder und es ging um Spenden. Einiges ist ja zusammengekommen.

                Ernsthafte Kritik zum Thema Flüchtlinge habe ich übrigens noch keine einzige gehört. Es sind immer wieder nur dieselben Vorurteile und die nachgeplapperte rechte Propaganda!

                • Dann kommt hier nochmal meine Kritik zum Thema Flüchtlinge : Flüchtlinge mit pressewirksamen Tamtam aufzunehmen, mit einer teilweise erzwungenen Aktion, diese als freiwillig darzustellen und die Menschen dann in Turnhallen etc unterzubringen ist verlogen.
                  Das man Menschen auch anders willkommen heißen kann hat diese Region 1989 bewiesen. Da haben fast alle, die die Möglichkeit hatten Flüchtlinge prIvat aufgenommen. Heute macht das keiner.

                  Die Kinder können sich auch anders mit diesem Thema beschäftigen. Super fand ich eine Aktion bei meinem Sohn. Da wurden Teile von Rettungsboote gespendet und diese von den Kindern angemalt.

                  Wir müssen etwas für Flüchtlinge tun, aber wir gehen das meiner Meinung nach falsch an.

                  • Es ist ein Unterschied, einen Flüchtling aus der ehemaligen ddr aufzunehmen.

                    Ich weiß nicht, ob etwas geändert wurde, aber bis vor kurzem hast du mit der Aufnahme eines Flüchtlings alle Verantwortung für ihn übernommen. Du warst verantwortlich für seine medizinische Versorgung... Das könne. Sich viele gar nicht leisten.
                    Ich kenne Flüchtlinge. Einige wurden so gefoltert, dass sie selbst körperliche Zeichen davon getragen haben.
                    Ich wuerde mir nicht zutrauen, diese Menschen bei mir zuhause aufzufangen. Ich könnte diesem Menschen nicht gerecht werden. Man nimmt da keinen Nachbarn auf oder ein Au pair sondern einen Menschen, der allein auf seiner Flucht Dinge durchgemacht hat, die wir uns nicht vorstellen können.
                    Hierzu ist eine besondere Art der Unterstützung notwendig und die wird in Deutschland nicht geboten. Es ist ja schon schwer psychologische Betreuung für einen Flüchtling zu bekommen.
                    Die private Aufnahme von einem Menschen ist ehrenwert und sollte auch gefördert werden, aber es gibt hier tatsächlich andere Baustellen.

                    Wichtig ist eine gute Aufnahme in den Orten, gerne dezentral in normalen Wohnungen oder Häusern. Aufnahme in Vereinen, Sprachkurse, Möglichkeiten zur Beschäftigung...

                    • Der ottonormalverbraucher kann sich dass nicht leisten, der Deutsche Staat hat auch nicht die Mittel, alle adäquat zu versorgen.
                      Hilfe müsste von denen kommen, bei denen das Geld liegt. Vor allem wenn man bedenkt, das mit Sicherheit viele von ihnen von der Ausbeutung Afrikas profitiert haben

                      Aber wie schon in Griechenland sind diese Menschen offenbar unantastbar.

                      Ohne diese Mittel wird die Versorgung der Flüchtlinge immer schlechter werden.

              1989 gab es keine Situation in der Flüchtlinge aus der DDR in den Wohnungen von Bundesbürgern untergebracht werden mussten. Wer kam tat das freiwillig, weil er hier bessere Entwicklungschancen für sich sah. Da werden Mythen gesponnen, weiter nichts.

              Ein Festival als Zeichen des Willkommens finde ich nicht schlecht - die Flüchtlinge vor Ort waren mit Sicherheit eingeladen, ob sie kommen wollten oder nicht war ihre freie Entscheidung.

              • 1989 haben wir eine Familie aufgenommen, die ihr Haus, fast ihr ganzes Hab und Gut, ihre Familie und Freunde zurückgelassen haben ohne zu wissen ob sie sie je Wiedersehen würden , weil sie unter diesem Regime nicht mehr leben konnten und wollten.
                Wo ist da der Mythos?

                • (13) 12.08.15 - 22:05

                  Naja die die aus der ehemaligen DDR "geflohen" sind, hatten wohl eher ein "Luxusproblem". Die meisten kamen, weil sie es plötzlich konnten und die meisten waren froh einfach wegzukommen. Es waren wohl nur sehr sehr wenige die um ihr Leben fürchten mussten! Ich denke auch nicht das ein DDR-Bürger freiwillig sein Heim gegen eine Turnhalle getauscht hätte.

                  Was wäre denn passiert wenn ihr die Familie nicht aufgenommen hättet?? Schlimmstenfalls wären sie wieder zurück gegangen.... Und??

                  Und dann kann ich dir sagen warum das früher funktioniert hat.... Es waren Deutsche, wenn auch aus der DDR aber in den ersten Tagen freute sich ja noch jeder über die Grenzöffnung.

                  Das kann man mit Kriegsflüchtlingen überhaupt nicht vergleichen....

              ***Wer kam tat das freiwillig, weil er hier bessere Entwicklungschancen für sich sah. ***

              Bezieht sich deine Einschätzung auf VOR Nov 1989 oder auf danach?

              • Vor Nov. 89 wurde vielen Ausreiseanträgen stattgegeben. Darum hat sich aber der westdeutsche Staat gekümmert und da entstanden auch kaum Notsituationen. Schlimmstenfalls kamen die Leute ein paar Tage oder Wochen in ein dafür angemietetes Hotel.

                Die DDR war ein Unrechtsregime - das hat mit dieser Frage aber nur am Rande zu tun.

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