Das gute Recht, Flüchtling zu sein

    • (1) 25.08.15 - 08:26

      Um ergänzend zu dem Threads unten, das Thema weiter zu treiben, behaupte ich mal, das jeder Mensch ein Recht hat, vor den Verhältnissen in seiner Heimat zu fliehen.

      Sei es nun wegen Krieg, wegen Hunger oder Armut oder ganz einfach aus dem Grund, weil er keine Perspektive in seiner Heimat sieht. So wie viele Spanier auch derzeit nach Deutschland kommen um der Arbeitslosigkeit in der Heimat zu entkommen, kann das ja jemandem aus Tunesien oder dem Iran oder Lateinamerika ähnlich gehen.

      Ich habe auch Verständnis dafür, dass jemand, der abgeschoben wurde, sich gleich wieder auf die Socken macht und erneut einen Versuch startet. Ist Beharrlichkeit und festhalten an einem Ziel nicht etwas, was auch uns in z.B. beruflichen Dingen voranbringt?

      Warum sollte also jemand aus den ärmeren oder krisengeschüttelten Regionen dieser Welt nicht auch dieses Bestreben haben dürfen?

      Dass einige Menschen damit Probleme haben, kann ich zwar nachvollziehen denn wer teilt schon gerne? Und wenn schon teilen, dann doch bitte nur mit denen, die wirklich Hilfe brauchen. Doch wer legt das fest? Wo sind da Grenzen?

      Ich bin seit jeher der Überzeugung, dass jeder Mensch das Recht hat, jeden Ort der Erde aufzusuchen so er denn der Meinung ist, dass es für ihn von Vorteil ist. So wie auch Deutsche auswandern um in anderen Ländern ihr Glück zu suchen. Dieses Land, Deutschland, gehört uns ja nicht nur weil wir einen deutschen Pass haben. Es ist nur ein glücklicher Umstand, dass wir hier geboren wurden und nicht in Syrien oder Eritrea oder sonst wo, wo unsere Chancen auf Überleben wesentlich geringer wären, geschweige denn auf ein Leben in dem Wohlstand, den wir hier vorfinden.

      Natürlich kann man patriotisch argumentieren, dass man erst einem armen deutschen Rentner hier helfen sollte als einem Armen aus sonst wo in der Welt. Aber mit welchem Argument? Ist denn die Armut des einen mehr wert als die des anderen? Macht der deutsche Pass den armen Rentner zu einem Menschen einer höheren Klasse?

      Ich kann auch nachvollziehen, dass Menschen kein Flüchtlingsheim in ihrer unmittelbaren Nähe haben wollen (allein schon der mögliche Wertverlust der eigenen Immobilie treibt so manchem Angstschweiß auf die Stirn). Dort wohnen dann Fremde, die unsere Kultur womöglich nicht kennen, die nichts von unseren Gepflogenheiten wissen und die uns in gewisser Hinsicht aufgrund ihrer Fremdheit Angst machen. Wir sehen sie dort, womöglich in relativ abgerissenen Kleidern oder in ausländischen, uns fremden Trachten.

      Aber wer ist schon wirklich einmal auf diese Menschen zugegangen? Offen und vorurteilsfrei? Und hat sie nicht nur aus der Distanz betrachtet so wie man Tiere im Zoo betrachtet. Warum fällt es so schwer, eigene Hürden zu überwinden? Warum wir sehen in diesem Menschen nur das Fremde, das Armselige, denjenigen, der uns möglichweise unser Land streitig macht?

      Natürlich gibt es unter diesen Menschen auch welche, die unsere "Gastfreundschaft" nicht zu würdigen wissen. Gut. Aber die Feststellung, dass es in einer Gruppe Menschen, egal aus welchem Teil der Welt, auch immer welche sind, die sich nicht an Regeln halten, ist doch nichts Neues.

      Letztlich aber bin ich der festen Überzeugung, dass Ausgrenzung und Abschottung keinen Erfolg bringen werden. Die Menschen werden sowieso kommen, ob wir sie willkommen heißen oder nicht. Sie nehmen einfach nur ihr Menschenrecht auf ein besseres Leben wahr. Was immer auch das "bessere Leben" für den Einzelnen bedeutet. Wir machen schließlich nichts anderes. Auch wir streben nach dem "Mehr", nach einer Art Optimum in unserem Leben.

      Also wäre ich schon aus Vernunftsgründen dafür, umzudenken. In Richtung Wohlstand verteilen, was auch impliziert, dass sich Vermögende stärker an diesen Aufgaben beteiligen als bisher. Und dahingehend, Zuwanderer als Gewinn zu verstehen, da wir langfristig als Land mit der schwächsten Geburtenrate weltweit ohnehin schwere demografisch begründete Probleme bekommen.

      Insofern kann eine Win/Win-Situation daraus werden.

      • Grundsätzlich hast du natürlich recht. Aber in einigen Punkten denkst du zu utopisch wie ich finde. Mitnichten hat jeder das recht dazu, zu leben wo er will. Um in Deutschland zu leben (außer als Flüchtling) muss man gewisse Kriterien erfüllen. Kriterien, die immer noch um einigen anspruchsloser sind wie zB. in Kanada. Erfüllt man diese Kriterien nicht, muss der Staat einigen Menschen verbieten hier zu leben.

        Die Spanier die du angesprochen hast kamen nicht als Flüchtlinge. Sie haben hier einen Job gefunden, da es in ihrer Heimat keine Jobs gibt. Da sehe ich einen himmelweiten Unterschied zu den Menschen zB. vom Balkan, in deren Ländern kein Krieg herrscht und die zu 99% (Statistik aus der FAZ vom Bundesamt für Migration) kein Recht auf Asyl haben. Asyl sollte Menschen vorbehalten werden, die verfolgt werden bzw. deren Leben in ihrer Heimat auf irgendeine Weise akut bedroht sind.

        Wo das Teilen Grenzen hat? Das muss jeder selbst bestimmen. Für mich ist eine Grenze erreicht wenn jemand etwas fordert. Die Versorgung der Flüchtlinge in DE ist grundsätzlich gut. Ihnen stehen europaweit die größten finanziellen Mittel zu Verfügung. Das es momentan schwierig ist liegt einfach an dem größten Ansturm an Flüchtlingen in unserer Geschichte. Wenn Menschen in Turnhallen und Zelten leben müssen, dann sollten doch alle merken, dass es kritisch ist.

        Für mich ist auch eine Grenze erreicht wenn Flüchtlinge ethnische Konflikte in Deutschland austragen, die in ihren Herkunftsländern zu eben jenen Zuständen geführt haben vor denen sie geflohen sind. Die Konflikte wollen wir hier in Deutschland nicht.

        Alles in Allem kann man sagen, dass wir vor einem großen Problem stehen. Und zwar nur in DE. Die Transitländer wie Österreich oder Italien lassen Flüchtlinge unbehelligt nach DE reisen. Wir nehmen 35% aller Flüchtlinge in der EU auf. Ich weiß es ist ein viel gesagter Satz, dennoch: Irgendwann ist es einfach zu viel.

        Ich wünsche mir härtere Regelungen für sichere Herkunftsländer (Balkan). damit unsere Ressourcen sinnvoll für Menschen aus Kriegs- bzw. Krisengebieten genutzt werden können. Denn nur weil jemand keinen Job findet, hat er noch lange kein Recht auf Asyl und Transferleistungen.

        LG

        • Ich halte dies nicht für utopisch sondern für einfach realistisch. Wie willst du Flüchtlinge denn davon abhalten hier her zu kommen? Da müsstest Du jetzt sehr konkrete Maßnahmen nennen. Die es aber nicht gibt. Es werden IMMER Menschen versuchen hierher zu kommen und wenn man sich die Dramen im Mittelmerr anschaut, sind sie sogar bereit

          Und nochmal: Es geht nicht um die juristische Frage, ob jemand hier bleiben darf oder nicht sondern um das Menschenrecht, dass jeder Mensch danach bestrebt ist, seine persönlichen Verhältnisse zu verbessern, auch wenn er dafür auswandern muss.

          "Alles in Allem kann man sagen, dass wir vor einem großen Problem stehen."

          Ich würde es Herausforderung nennen und nicht Problem. "Problem" hat den zu starken Beiklang des Negativen und das hält man sich gerne vom Hals.

          " Und zwar nur in DE. Die Transitländer wie Österreich oder Italien lassen Flüchtlinge unbehelligt nach DE reisen. Wir nehmen 35% aller Flüchtlinge in der EU auf."

          Erstens glaube ich, dass es eine gesamteuropäische Aufgabe ist und zweitens ist die Zahl von 35% eine absolute Zahl. In Relation zur Bevölkerung belegt Deutschland nur den sechsten Platz. In Relation zu seiner Wirtschaftskraft nur Platz 23.

          Insofern sind Zahlen immer mit Vorsicht zu genießen.

          Deswegen kann ich den Nebensatz, es sei genug, auch in keiner Weise nachvollziehen.

          "Die Spanier die du angesprochen hast kamen nicht als Flüchtlinge. "

          Natürlich kamen sie als Flüchtlinge, Wirtschaftsflüchtlinge. Nur werden sie als EU-Bürger offiziell nicht diesen Status haben. Und für mich macht es keinen Unterschied, ob nun ein arbeitssuchender Spanier oder ein arbeitssuchender Nordafrikaner hier sein Glück versucht.

          "Ich wünsche mir härtere Regelungen für sichere Herkunftsländer (Balkan). "

          Sichere Herkunftsländern sind Definitionen von Politikern. Die meisten Staaten des ehemaligen Jugoslawien zählen zu den sog. sicheren Herkunftsländern. De facto ist das aber nicht richtig denn es suggeriert, dass dort rechtsstaatliche Verhältnisse, ähnlich wie hier, herrschen würden. In Wahrheit gibt es nach wie vor ethnische Konflikte mit Mord und Totschlag sowie Diskriminierungen gegenüber z.B. Minderheiten wie Sinti und Roma.

          "Das es momentan schwierig ist liegt einfach an dem größten Ansturm an Flüchtlingen in unserer Geschichte. Wenn Menschen in Turnhallen und Zelten leben müssen, dann sollten doch alle merken, dass es kritisch ist."

          Man sollte vor allem merken, dass es Zeit für die Politik wird, endlich diese Verhältnisse zu ändern und mehr für menschenwürdige Unterkünfte zu tun. Nur weil die Menschen aktuell in Zelten leben, bedeutet ja nicht, dass es so bleiben muss.

          • Die Leute, die solche Risiken auf sich nehmen kommen aus Kriegsgebieten, in denen nicht nur der IS ein Leben als Zivilist faktisch unmöglich macht. Diese Leute sind nahezu alle politisch verfolgt und ihren Asylanträgen wird fast immer stattgegeben.

            Es gibt gar keinen Grund das zu verhindern, wir können vielmehr froh um jeden Menschen sein, der hier erst einmal in Sicherheit ist.

      Hallo,

      ja, Du hast vollkommen Recht, in allen Punkten. Aber es ist wieder ein unnötiger Beitrag, der einfach nur noch mehr Unmut schürt. Kann man es nicht einfach mal gut sein lassen?
      Bevor es wieder heißt, ich wäre der rechten Sparte zu zu ordnen...ich hoffe für und Deutsche, daß niemals hier die Situation entsteht, daß wir fliehen müssen. Ich kann mir gut vorstellen, daß kein Land uns egoistischen Deutschen aufnehmen würde, die Deutschen, mit ihren elendigen Luxusproblemen wie Accu leer, WLAN oder dieses ewige Gemaule und Gutgeschöne über die Asylsituation.

      LG

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