Wie denken Eure Großeltern über die Flüchtlinge?

    • (1) 11.10.15 - 08:02

      Guten Morgen,

      gestern hat mein Mann mit seiner Oma (fast 90) telefoniert. Ganz auf einmal fing sie an über die Flüchtlinge zu schimpfen. Sie lebt in Hameln. Soweit ich weiß wurden da bis jetzt ca. 500 Flüchtlinge empfangen.

      Ihre Aussagen gestern:

      - ich trau mich gar nicht mehr rauszugehen, die dürfen hier einfach so frei rumlaufen.

      - die Kinder haben Spielzeug. Warum werden die so verwöhnt? Wir wurden in der Nachkriegszeit nicht verwöhnt, also warum bekommen die jetzt alles? Die können sich doch selber nix leisten, also müssen sie das Spielzeug doch von den Deutschen bekommen haben. Warum machen die das? Die sollen in ihr Land zurück und sich ihr Zeugs selbst erarbeiten.

      - die meisten von denen haben Turnschuhe an. Woher haben sie die Turnschuhe? Wir sind früher mit kaputten Schuhen rumgelaufen, also können sie das doch auch? Warum werden ihnen neue Schuhe geschenkt?

      - sie sollen bloß in ihr Land zurück und uns hier in Ruhe lassen.

      So ging das die ganze Zeit. Mein Mann war total erschrocken.

      Warum gönnt ein Mensch, der so was ähnliches erlebt hat, einem anderen Menschen nicht das Glück? Das Glück, es geschafft zu haben, in ein Land zu flüchten, in dem es ihm besser geht?

      Ist sie ein Einzelfall oder denken viele alte Menschen so?

      Ich selber komme aus Tadschikistan. Habe selbst einen Bürgerkrieg erlebt. Ich weiß wie die Menschen sich fühlen müssen. Ich gönne ihnen ALLES was sie gerade bekommen. Und freue mich für jeden einzelnen, der es geschafft hat vor dem Krieg zu flüchten.

      LG

      • So alte Menschen wird man wohl nicht mehr ändern. Neben den üblichen Ablehnungsgründen gegen Fremde, spielt dann auch noch eine Rolle, wie man selbst aufgestellt war, als man flüchten musste oder was man in der Nachkriegszeit erlebt hat. Heute ist dann alles Schlaraffenland, früher was alles brettfett schwer.

        Vielleicht steckt da nachträglich noch Wut drin über die eigene Jugend, die einem geklaut wurde. Das muss nicht bedeuten, dass solche Leute wirklich so mitleidlos sind, wie sie sich anhören.

        Es gibt eben Leute, die sich selber ein bisschen besser fühlen, wenn es anderen schlechter geht.

        Dazu kommen dann noch die Leute, die systematisch Ängste schüren. Da flirtet ein Ministerpräsident - der keinerlei außenpolitische Kompetenzen hat - eben mal mit Putin und droht die Grenzen - deren Sicherung allein dem Bund obliegt - zu schließen. einer seiner Minister schwadroniert von Zäunen und Mauern.

        Nimm es als Zeichen dafür, dass es der alten Dame schlecht geht und schau wie du ihr helfen kannst. Zu den Flüchtlingen hat sie ja wahrscheinlich keinen direkten Kontakt, also wird sie ihnen auch nicht schaden.

        Meien Großeltern leben nicht mehr.
        Aber meine Eltern sind Kinder der direkten Nachkriegszeit.
        Meine Mutter ist selbst in einem Flüchtlingslager geboren worden und hat das Stigma "Füchtling" lange behalten.

        Sie neidet ganz sicher niemanden dieses Leben...

      • Meine Großeltern leben nicht mehr, aber mein Vater hat Flucht und Vertreibung aus dem Sudetenland erlebt. Er hat erlebt wie Menschen erschossen wurden weil sie im Flüchtlingstreck nicht mehr weiterlaufen wollten/konnten. Er hat mit seiner Schwester alleine in einer Barracke in Dresden gelebt weil meine Oma damals verschleppt und mehrfach über Monate vergewaltigt wurde. Als gebrochene Frau kam sie fast ein Jahr später dazu, kaum in der Lage sich um sich selbst zu kümmern. Er und seine Schwester haben sich ihren Lebensunterhalt erbettelt und spürten von der Bevölkerung nicht unbedingt immer Wohlwollen.

        Da war die Flucht später aus der DDR ein Spaziergang dagegen.

        Er hatte noch nie etwas gegen Menschen, die in ihrer Not hier herkommen. Ich habe auch noch nie gehört dass er schlecht über die "gute" Versorgung derselben gesprochen hat.

        Allerdings traut er sich zur Zeit nicht mehr wie gewohnt Fahrrad zu fahren, weil bei ihm 10 Männer einen Mann überfallen und krankenhausreif geprügelt haben, um dessen Turnschuhe und sein Fahrrad zu bekommen.

        Das tut mir sehr leid für ihn.

        • Allerdings traut er sich zur Zeit nicht mehr wie gewohnt Fahrrad zu fahren, weil bei ihm 10 Männer einen Mann überfallen und krankenhausreif geprügelt haben, um dessen Turnschuhe und sein Fahrrad zu bekommen.

          Wo ist denn so etwas passiert? Das klingt sehr nach einem der Gerüchte, die im Moment gestreut werden, um Flüchtlinge zu diffamieren. Wenn es wirklich irgendwo geschehen ist hat sich ja sicher die regionale Zeitung dafür interessiert und sie verfügt sicherlich auch über Informationen der Polizei.

        • ***Das klingt sehr nach einem der Gerüchte, die im Moment gestreut werden, um Flüchtlinge zu diffamieren. ***

          Du würdest also sagen, dass so ein Vorfall ein schlechtes Licht auf Füchtlinge wirft?

          http://metropolnews.info/mpn119999/karlsruhe/blaulicht/in-weiherfeld-mann-ueberfallen-und-turnschuhe-geraubt

          In Karlsruhe wird nicht besonders umfangreich über solche Vorfälle berichtet.

          Möchtest du dazu auch Links haben?

          • Hallo

            schlimm was da passiert ist, da kann man die Ängste verstehen.

            auch das wird sie wieder anders auslegen, ,so das es nur ein Gerücht sei

            lg

            Gerne, das ist meine Nachbarregion. Ich habe davon noch nichts gehört oder gelesen.

            Außerdem wirft das kein schlechtes Licht auf die Flüchtlinge. Für Straftaten sind ausschließlich die Täter verantwortlich.

            Aber in deinem Link wird ohnehin nur erwähnt, die Täter seien "dunkelhäutig" gewesen. Von Flüchtlingen ist ohnehin keine Rede.

            Dort gibt es aber immerhin einen ganzen Teil mit Informationen über Flüchtlinge in Baden und in der Pfalz. Da ist viel von Gastfreundschaft die Rede. ich glaube wir können stolz auf unsere Bundesländer sein.

            Allerdings kann ich die Seriösität der Quelle nicht einschätzen. In den BNN ist im Netz nichts zu finden.

            • Dieser Überfall hat stattgefunden, allerdings schon im August:

              http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/110972/3108967

              Es gibt nur die Aussage, der Angegriffene habe die Täter als "dunkelhäutig" beschrieben, aber keinen Bezug zu Flüchtlingen.

              Selbst wenn es Flüchtlinge gewesen wären, würde das keine Aussage über irgendeinen anderen Flüchtling erlauben.

              ***Außerdem wirft das kein schlechtes Licht auf die Flüchtlinge. Für Straftaten sind ausschließlich die Täter verantwortlich.***

              Nichts anderes habe ich gesagt, oder? Undauch nichts anderes gemeint. Es schien mir aber so, dass es für dich so ist, weil du es nicht glauben wolltest.

              ***Allerdings kann ich die Seriösität der Quelle nicht einschätzen.***

              Hätte es nicht stattgefunden, dann wäre das schon berichtigt worden. Denn dann wäre es ja tatsächlich Hetze gewesen. Ist ja auch nicht daseinzige Blättle was darüber berichtet. Und für mich persönlich ist es klar, denn die Anwohner wie mein Vater denken sich das sicher nicht kollektiv aus.

              *** In den BNN ist im Netz nichts zu finden.***
              Richtig. Das macht es nicht besser.

              Im Übrigen hat man vor fast 30 Jahren auch nichts (außer eine Randnotiz) in der BNN von dem Mord eines Neonazis an einem Pakistaner auf dem Marktplatz gelesen. Dieser war mit seinem Kleinkind unterwegs und wurde einfach so aufgrund Fremdenhass niedergestochen und verstarb. Die Randnotiz lautete: 18jähiger stach 35jährigen (oder so) nieder.

              Damals haben wir Flugblätter dazu gedruckt und in der Innenstadt verteilt. Die Passanten haben nicht anders reagiert als du jetzt.

        Sie hat ja nicht geschrieben, dass es Flüchtlinge waren, die diesen Ùberfall verübt haben.

        Dieser Tage wird viel unwillkürlich zusammengebracht, was vielleicht in keinem Zusammenhang steht.

        Nein, die tuen niemanden etwas.
        Die wohnen in einer rosanen Hülle und schmeissen Wattebällchen

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