Sorgen der Unterschicht bzgl. der Krise

    • (1) 17.10.15 - 14:28

      Hallo,

      Bei den ganzen Themen in letzter Zeit wurden oft Geringverdiener und Arbeitslose erwähnt. Dabei ist mir aufgefallen, dass einige hier offenbar keine Ahnung haben wie es sich am unteren Ende der Gesellschaft lebt.
      Ich kann mir das sehr gut vorstellen, denn bis vor kurzem habe ich zu ihnen gehört.

      Ich habe ganz gut von Hartz 4 gelebt, was aber auch daran lag, dass ich bereits einen kompletten Haushalt mit relativ hochwertigen Möbeln und Elektrogeräten hatte. Auch an Kleidung mangelte es mir nicht. Zum Glück, sonst wüsste ich nicht wovon ich das hätte bezahlen sollen. Mir ist auch der Sprung zurück in die obere Mittelschicht gelungen, bevor sich die Flüchtlingsproblematik so verschärft hat
      Trotzdem habe ich einen guten Einblick in diese Lebenssituation bekommen und teilweise folgende Sorgen mit ihnen geteilt( die Aufzählung ist natürlich nicht vollständig)
      * Wohnraum. Im Moment ist erst einmal egal, ob ein Flüchtling oder ein Akademiker kommt. Er braucht auf jeden Fall eine bezahlbare Wohnung. Dadurch wird das Wohnungsangebot natürlich geringer. Hat man dann noch Kinder oder Tiere kann das ein Ding der Unmöglichkeit werden.

      * Sicherheit Unter den Hartz 4 Empfängern gibt es erschreckend viele alleinerziehende Mütter, die sich sorgen werden, wenn eine unbestimmte Anzahl an alleinstehenden Männer direkt in die Nachbarschaft ziehen wird ( bei deutschen Männern wäre die Freude auch nicht viel grösser)

      * Die Tafel bzw. Sozialkaufhäuser. Diese werden in Zukunft auch von den Flüchtlingen in Anspruch genommen. Das Angebot wird folglich geringer, und bei steigender Nachfrage werden auch die Preise für second Hand Artikel steigen.
      * Schulen. In Brennpunktschulen wird die Situation durch noch mehr Schüler noch einmal Verschärft werden.
      * Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und Zunahme der Schwarzarbeit
      * Anstieg der Mehrwertsteuer oder andere Gelder, die zur Finanzierung der Krise erhoben werden.

      Das schlimmste waren aber für mich die Mangelnden Alternativen. Wenn sich die Situation im Umfeld verschlechtert, kann man sich nicht einfach eine neue Wohnung suchen. Da muss man evtl. entstehende Probleme einfach aushalten.
      Bei all diesen drohenden Problemen kann ich verstehen, das Ressentiments gegen Politik und folglich auch gegen Flüchtlinge entstehen. Auch wenn diese eigentlich keine Schuld trifft. Ich bin mir auch sehr sicher, dass viele der "besorgte Bürger " tatsächlich besorgte Bürger sind, die eigentlich keinerlei rassistische Ambitionen haben. Aber wohin wenden, wenn die Kanzlerin auf diese Sorgen nicht eingeht und diese Leute generell als " braunes Pack "bezeichnet ?

      Würde sie garantieren, dass die Unterschicht keine negativen Folgen zu erwarten hätten, würde sich Viel " Fremdenhass" in Luft auflösen.
      Ich weiss, der Satz ist gefährlich, aber ich bin kein Nazi ( von einem solchen würde ich nicht mal als "vollwertige " Deutsche wahrgenommen werden). Aber ich habe Verständnis für diese Menschen. Wer das nicht hat, ist für mich ein Gutmensch der seine Empathie nur selektiv verteilt.

      Ich bin auf jeden Fall froh, daß ich nicht mehr so leben muss.

      Liebe Grüsse

      Ps. was mich persönlich getroffen hätte, ist dass Argument Zuwanderung wäre aufgrund des demografischen Wandels und der sinkenden Geburtenrate nötig. Es gibt unzählige Familien die gerne ein weiteres Kind hätten, es sich aber nicht leisten können.

      • Hallo,

        die Sorgen der sogenannten Unterschicht werden nicht weniger werden denn die Zuwanderung nimmt rapide zu
        http://www.welt.de/politik/ausland/article147568341/Merkels-Willkommensruf-hallt-bis-nach-Westafrika.html
        und so müssen sich immer mehr Menschen immer weniger Sozialgaben teilen!

        In unserer Gegend gibt es für die Tafeln Wartelisten denn es sind zu wenige Spenden und so reicht es nicht für alle.

        Die Menschen werden wohl ihre Lebensansprüche noch mehr runter fahren müssen um durch zu kommen.

        Wie sagte ein Bekannter zu mir:"Die guten Zeiten sind endgültig vorbei, nun heißt es sich einfach nur noch durch zu bringen und zu hoffen, es mögen die Sozialsysteme noch recht lange halten".

        Der demografische Wandel ist ein Vorwand denn was nutzen Millionen Nachkommen wenn diese nichts zur Allgemeinheit beitragen können oder wollen.

        fg, m.

        • Zu deinem Link passt auch das hier:

          http://m.focus.de/politik/videos/endlich-aufhoeren-fluechtlinge-ins-land-zu-lassen-jede-nacht-in-einem-anderen-camp-fluechtling-rechnet-mit-merkels-willkommenskultur-ab_id_5018579.html

          Ich will den Flüchtlingen gar nicht abstreiten, hier etwas leisten zu wollen. Ob sie das können, das ist die andere Frage

          • Nun, die Flüchtlinge hier zu Abertausenden Monate oder Jahre in Massenunterkünften leben zu lassen halte ich persönlich für fast schon menschenverachtend. Ein Mensch braucht doch Beschäftigung und sinnvollen Umgang miteinander.
            Ich verstehe es nicht, liegt die Vorgehensweise an unseren Vorschriften und Gesetzen?
            Diese Menschen kommen doch aus einem Leben wo sie gearbeitet haben.
            Warum bezieht man die Menschen nicht einfach mit ein. Die Kindergärtnerinnen und Lehrern unter ihnen könnten sich um die Kinder kümmern, die Kinder würden halt erst mal so unterrichtet wie halt vorher auch in ihrem Land aber sie hätten dadurch doch einen Tagesablauf.
            Tischler, Gärtner, Bäcker, Ärzte, Krankenpfleger usw., alles doch machbar. Sie könnten doch auch hier Holzblockhäuser für ihre Mitflüchtlinge aufbauen, kleine Krankheiten behandeln usw.
            Weißt Du wie ich das meine, so hätten doch alle Beteiligten was zu tun wenn sie sich umeinander kümmern könnten mit unserer Hilfe.

            Ich habe mal im TV einen Bericht gesehen, weiß nicht mehr ob es Spanien oder Frankreich gewesen ist. Da stehen Bergdörfer leer und manche werden von Künstlern neu besiedelt und einige auch von Flüchtlingsgruppen. Die sorgen dort für sich selbst, betreiben Landwirtschaft, haben einen Bäcker, einen Schreiner usw.
            So was ist doch sicher möglich und alle Seiten sind glücklich.
            Und nein, das hat nichts mit einer Gettobildung finde ich.

            Ich finde es auch furchtbar all die Menschen tagelang auf der Straße stehen zu lassen bei dem Wetter um eine Nummer zu bekommen. Warum kommen die Bearbeiter nicht einfach zu den Flüchtlingen? Wäre doch einfacher.
            Früher gab es ja auch so mobile Dienste die übers Land fuhren zu ihrem Klientel weil halt nicht jedes Dorf ein Gemeindeamt oder einen Arzt hatte.

        >>Der demografische Wandel ist ein Vorwand denn was nutzen Millionen Nachkommen wenn diese nichts zur Allgemeinheit beitragen können oder wollen.<<

        Wie meinst du das? Vorwand wofür?

        • Ich meine es so wie ich es schrieb.

          Als Beispiel:
          2Elternteile haben 4 Kinder aber keins der Kinder unterstützt die Eltern im Alter und die Eltern müssen sehen wie sie zu recht kommen.
          (1Kind ist Pflegefall, ein Kind verdient grad mal genug für sich selbst und 2 Kinder sind nach ihrem Studium ins Ausland gezogen und zahlen nichts in unsere Sozialkassen ein)

          • Ja, und ich verstehe nicht, worauf sich der "Vorwand" bezieht. Du sagst, die demografische Frage sei nur ein Vorwand. Vorwand wofür? Um Einwanderung zu rechtfertigen? Wieso sollte man da die tatsächlichen Gründe verschleiern?

            • ich bezog mich auf den Ausspruch von dignitydestiny:

              "Ps. was mich persönlich getroffen hätte, ist dass Argument Zuwanderung wäre aufgrund des demografischen Wandels und der sinkenden Geburtenrate nötig. Es gibt unzählige Familien die gerne ein weiteres Kind hätten, es sich aber nicht leisten können."

              der ich dann antwortete:
              "Der demografische Wandel ist ein Vorwand denn was nutzen Millionen Nachkommen wenn diese nichts zur Allgemeinheit beitragen können oder wollen."

              • Genau. Und ich frage mich, warum du das als Vorwand bezeichnest. Ich scheine mich unklar auszudrücken. Welche Gründe für die Zuwanderung sollen mit diesem Vorwand denn verschleiert werden, wenn der demografische Wandel kein Grund ist?

                • Ich halte einen Rückgang der Bevölkerungszahlen für nicht gefährlich, es gab immer mal Zeiten mit weniger oder mehr Menschen in einem Land.

                  Holen wir uns nun aber junge Menschen aus anderen Ländern werden sie über kurz oder lang dann dort fehlen.

                  Der Arbeitsmarkt schreit nach Fachkräften aber in Zeiten der vollautomatisierten Werkhallen werden kaum noch Arbeiter benötigt.
                  Benötigt werden Kräfte eher im Dienstleistungsbereich z.B. Pflegebereich aber auch da gibt es Fortschritte (Japan macht schon viel mit Robotern).

                  Interessant sich mal hier quer zu lesen (wenn Interesse vorhanden)
                  http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/kurzdossiers/176221/demografischer-wandel-und-migration

                  Ich persönlich sehe die Zuwanderung um des Demographiewandels willen als vorgeschoben denn es behindert uns doch eher an der Weiterentwicklung der Technologien zum Abbau menschlicher Arbeit.

                  • >>Ich persönlich sehe die Zuwanderung um des Demographiewandels willen als vorgeschoben<<

                    Nochmal: Inwiefern vorgeschoben? "Vorgeschoben" bedeutet, dass es andere - "echte" - Gründe gibt, die nicht genannt werden. Das hast du mit deinem "Vorwand" ja schon angedeutet.
                    Dein Text beantwortet viel, aber nicht die eine Frage, die ich dir jetzt seit drei Postings stelle.

                    • Es gibt KEINE Gründe.
                      Es werden aber Gründe gesucht um den Menschen Dinge schmackhaft zu machen die sie eigentlich nicht brauchen.

                      • Du meinst, Deutschland wirbt völlig ohne Not Fachkräfte aus dem Ausland an? Lässt sich Sprach- und Integrationskurse was kosten, ohne was davon zu haben?
                        Warum sollte das so sein?

                        • "Du meinst, Deutschland wirbt völlig ohne Not Fachkräfte aus dem Ausland an? Lässt sich Sprach- und Integrationskurse was kosten, ohne was davon zu haben?"
                          Ja, Deutschland hätte noch genug eigene Reserven wenn es alle Jugendlichen gut ausbilden würde aber da ist wohl kein Geld dafür da und manche Firmen nehmen gern fertig ausgebildete Fachkräfte als selbst Geld in die Ausbildung zu stecken und das kostet ja auch noch sehr viel Zeit.

                          Das Demographieproblem muss ja aber auch auf lange Sicht betrachtet werden und da reicht all die Zuwanderung eh nicht aus. Also sollte man doch andere effektivere Lösungen suchen und finden.
                          Die Zuwanderer fehlen ja irgendwann dann auch wieder in ihrer Heimat denn dort sitzen dann die Alten allein.

                          Unten steht das ja auch in dem Artikel:
                          "Die Gesamtzuwanderung, die zwischen 1995 und 2050 für Deutschland mehr als 180 Millionen und für Frankreich 90 Millionen betragen müsste, um das Verhältnis zwischen Erwerbspersonen und Rentnern konstant zu halten, belegt, dass Wanderung aufgrund des erforderlichen Zuwanderungsvolumens alleine keine Lösung für die Alterung einer Bevölkerung darstellen kann."

                          Die jetzige Zuwanderung der Kriegsflüchtlinge sehe ich nicht als eine Notwendigkeit an um unserer Sozialsysteme zu stärken und neue Jugend ins Land zu bringen die für uns dann hier schaffen sollen. Ich sehe die Aufnahme der Kriegsflüchtlinge einfach als human an.

                          Ohne die Kriege wären sie nicht gekommen und wir hätten ohne sie unser "Altersproblem" beheben müssen.

                          Den Wirtschaftsflüchtlingen sollte man in ihrer Heimat endlich Gerechtigkeit zukommen lassen und eine Change auf ein Leben ohne Nöte, die Gelder wären auch da würde man sofort auf der ganzen Welt die Herstellung und den Vertrieb von Waffen einstellen.

                          Gestern sah ich im TV eine Reportage über Afrika, es gibt dort nicht nur Elend. Eine Afrikanische Professorin zeigte dort auf wie viel Erträge die alten afrikanischen Landwirtschaftspflanzen bringen, sie kommen besser mit dem Klima klar als der Mais, Kohl und das andere Gemüse.
                          Unsere Welt müsste keine Völkerwanderungen haben wenn wir Menschen endlich mal anfingen aus all dem Elend der Welt zu lernen.

                          • Es sind nicht genügend Jugendliche da, um den Fachkräftemangel auszugleichen. Es fehlen ja nicht nur die Kinder, die heute nicht geboren werden, sondern vor allem die, die in den letzten 30, 40 Jahren nicht geboren worden sind. Die haben nämlich auch keine Kinder bekommen.

                            In gewissen Berufen bleiben Lehrstellen regelmäßig unbesetzt. Die will also keiner machen. Auch die Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz nicht.
                            Wieso ist eigentlich der Staat Schuld, wenn jemand keinen Ausbildungsplatz bekommt? Man sollte meinen, das sei eine Sache zwischen Betrieb und Lehrling.
                            Ich hab was gegen diese "Der Staat investiert nicht in deutsche Jugendliche, sondern in Ausländer"-Argumentation. Natürlich muss in beide Gruppen investiert werden. Aber nur die Jugendlichen lösen das Fachkräfte- und Demografieproblem auch nicht, dafür sind es einfach zu wenige.

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