Sind wir harmoniebesoffen?

    • (1) 17.10.15 - 16:41

      Ich hatte letzte Woche ein interessantes Gespräch mit einer Kollegin über die unterschiedlichen Wahrnehmungen der aktuellen politischen Geschehnisse. Sie sagte dann etwas, das ich sehr interessant fand: dass wir, nicht zuletzt dank Großer Koalition über Jahre hinweg in einer Harmoniesauce geschwommen seien, die uns richtig harten politischen Konflikten komplett entwöhnt habe - und auch daher käme das ganz Starke empfinden vieler, dass wir uns mitten in einer existentiellen Krise befinden würden.
      Finde ich sehr interessant und auch in gewisser Weise einleuchtend. Wie seht ihr das?

      Das weiß ich nicht so recht. Mir machen die Entwicklungen außerhalb der Parlamente mehr Angst.

      Uns fehlt eine funktionsfähige Opposition. Es ist kein guter Dauerzustand, dass Mitglieder von Regierungsparteien unrealisierbare Forderungen stellen müssen, damit Wähler sich überhaupt noch angesprochen fühlen.

      Abscheuliche Demonstrationen gegen wehrlose Mitmenschen, verbunden mit zahllosen Straftaten von der Volksverhetzung bis zum Mordaufruf gab es zum letzten Mal am Ende der Weimarer Politik. Heute mussten wir sogar den ersten Mordversuch an einer Politikerin mitansehen., zuvor sind mehrere Politiker aus Angst vor rechten Angriffen zurückgetreten. Da meinen offenbar nicht wenige Menschen sich über Recht und Gesetz stellen zu dürfen.

      Sogar das Vokabular ist aus dieser Zeit entlehnt, "Lügenpresse" und "Volksverräter" sind Original-NS-Sprache, das Feindbild der sexuell hemmungslosen Flüchtlinge, die deutsche Mädchen und Frauen vergewaltigen entspricht dem antisemitischen Feindbild der Nazis. Auch gewalttätige Horden eingebildeter Herrenmenschen gab es damals wie heute und gerade die SA galt wie die Pegidisten von heute als Versammlung gewaltbereiter Schwachköpfe.

      • leider muss ich dir in allen punkten recht geben....:-(

        du ahnst, dass ich das ganz ähnlich sehe. Aber kann der Grund für dieses momentane Entgleisen ja vielleicht wirklich sein, dass wir es nicht mehr gewöhnt sind, heftig, aber zivilisiert zu streiten? Dass wir eben schon so lange immer nur hören, dieses und jenes sei alternativlos, als ob es gar keinen Sinn machen würde, nach Alternativen zu suchen?
        Ich versuche eine Erklärung zu finden, woher all dieser Hass kommt. Und der war ja tatsächlich schon da, bevor die vielen Flüchtlinge kamen - das beweisen ja die vielen Kommentare und Leserbriefe, die man im Netz so findet und die immer verächtlicher und brutaler werden. Der Angriff auf die Politikerin heute ist für mich das Überschreiten einer Grenze: der aus dem virtuellen, theoretischen Raum in die Praxis.

        • Das bin ich mir nicht so sicher. Die Opposition hatte auch früher schon unrealisierbare Forderungen - neu ist nur, dass das mangels einer echten Opposition von den Regierungsparteien selbst übernommen wird.

          Es gab auch früher emotionale Diskussionen und Demos. Denk mal an die Wiederbewaffnung oder an den NATO-Doppelbeschluss. Auch da fiel nicht nur einmal das Wort "Sachzwang". Was es nicht gab waren randalierende Nazis. Das ist das einzige, was wirklich neu ist.

      Hallo, Du hast es wirklich auf den Punkt gebracht. Mir macht das auch Angst.

      LG Leah

100 Prozent RICHTIG!

- Wir sagen zu Allem Ja

- Ein Nein ist..... ooohhh wie widerlich
- Keiner wird zur Verantwortung gezogen....weil sie Keiner hat
- Nichts darf reglementiert werden....Konsumieren ist Trumpf
- Erwartungen stellen ist auch ganz schlecht
- Kritisieren macht unsymphatisch

Diese Bevölkerung hat keine Ahnung was Krise ist....also dann kommt

jetzt Eine........das macht wieder dynamisch! Hurra!

  • Was soll das?

    Natürlich sind Politiker für ihr Tun verantwortlich und kein Mensch will sämtliche Gesetze (= Reglementierungen) abschaffen.

    Selbstverständlich darf man Kritik äußern - auch Politiker äußern zur Zeit geradezu verzweifelt Kritik. Das besteht im Allgemeinen allerdings nicht darin Brandsätze in Kinderbetten zu werfen, Galgen für Politiker zu errichten oder vor Flüchtlingseinrichtungen zu randalieren. Genau genommen beinhaltet das Kritik-Äußern gar keine irgendwie gearteten Straftaten und auch keine Brandreden, die - wie es heute in Köln geschehen ist - irgendeinen armen verwirrten Menschen dazu bringt einen Politiker ermorden zu wollen.

    Ich darf dich auch höflich daran erinnern, dass es in diesem Sommer schon eine Griechenlandkrise gab, verbunden mit einer Eurokrise und einer Bankenkrise. Die haben ein Vielfaches von dem gekostet, was jetzt nötig ist. Kaum jemand hat sich öffentlich darüber aufgeregt.

    • Das blieb auch vor der "Haustür" und hat uns nicht dreist überrollt.
      "Guten Tag hier bin ich, freut euch und kümmert euch um mich!"

      • Was die Damen und Herren Banker gebracht haben, findest du nicht dreist - verglichen mit dem, was die Flüchtlinge tun?

        Könntest du das näher begründen?

        • Na klar ist das dreist, aber die Politik hat vor etlichen Jahren die Reglemetierungen
          im Banken/ Geldsystem abgeschafft und somit der Branche zu verstehen

          gegeben daß sie nun ohne Hemmnisse zocken kann.
          (mit dem hier angelegten Geld bzw. Aktien)

          Das soll heißen wenn in Europa Geld erwirtschaftet wird dann können die

          Europäer dieses auch ausgeben, verspekulieren oder investieren.

          Wenn nun aber Heerschaaren von Flüchtlingen hier ankommen und mind.

          1/3 ernsthaft meint daß sie , ohne gründliche Prüfung bzw. ohne Bringepflicht (Anpassung
          ,Arbeitswilligkeit, Ausbildungsgrundlagen)hier patizipieren können.......dann ist
          da schnell ein Ende von Willkommenskultur erreicht!

          Also Fördern, Fordern, Grenzen definieren......und abschieben (nach Prüfung)!

          • Und wo kommt diese Angabe "ein Drittel" her? Ich würde mich wundern, wenn wir es einerseits nicht schaffen, all die Leute schnell zu registrieren, gleichzeitig aber in der Lage wären, deren Motive, hierherzukommen, ergründet hätten. Dass ein so großer Anteil anpassungsunwillig sein soll, ist doch erstmal nichts als ein bösartiges Vorurteil.

            • Das ist ein Bauchgefühl!
              Wenn ich lese daß Einige mitgehen nach Deutschland , die
              nicht im Kriegsgebiet leben, oder aus Ländern wie Albanien kommen , dann
              sind das nicht nur 100 oder 1000...........und wenn es nur 20 Prozent sind .......egal...
              es ist ein Mitschwimmeffekt.

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