Definitionsfrage "Rechts"

    • (1) 19.10.15 - 22:02

      Ich frage mich immer öfter wie definiert man eigentlich den Unterschied zwischen :
      1. einem Rechten
      2. einem Rechtsextremen
      3. und einem Rechtskonservativen ?

      Sind jetzt alle 3 das Gleiche oder ist zumindest der Rechtskonservative in einer
      Demokratie geduldet (CSU)?

      Ist den einer normaler Bürger der wortlos bei Pegida mitgeht 1, 2 oder 3?

      Ich möchte herausfinden Wie man, auch mit AFD oder Pegida- Freunden, in

      dieser Geselschaft im Gespräch bleibt..........das finde ich sehr wichtig!

      • 1, 2 und 3 kann man bei Wikipedia nachlesen.

        " Ist den einer normaler Bürger der wortlos bei Pegida mitgeht 1, 2 oder 3?"

        Sowohl als auch oder auch nichts von alledem. Vielleicht ist er einfach nur nicht ganz hell in der Birne.

        Ich muss auch sagen., die Definition sollte man wissen, wenn nicht findet man doch dazu haufenweise Infos im Netz.

        Ich bin davon ausgegangen, dass jeder, der diese Begriffe gebraucht, oder sich als solcher gebrandmarkt sieht, weiss, was damit gemeint ist.
        wenn ich mir die Diskussionen hier aber durchlese, glaube ich langsam, dass die wenigsten sich über Definitionen Gedanken machen.

        Rechts sein ist nicht zwingend durch eine Nähe zu einer Partei/Organisation definiert.

        Jetzt warte ich ersteinmal ab, dass sich alle bis morgen ein bisschen Infos dazu ergoogelt haben und welche Diskussionen sich dann ergeben.

        • "wenn ich mir die Diskussionen hier aber durchlese, glaube ich langsam, dass die wenigsten sich über Definitionen Gedanken machen."
          Das darfst Du auch schnell glauben.

          "Rechts sein ist nicht zwingend durch eine Nähe zu einer Partei/Organisation definiert."
          Wo wir wieder bei der Definition sind, was ist rechts. Von welchem Standpunkt aus? Denk Dir einen Zahlenstrahl. Steh ich selbst bei +3, wird alles linkerhand links sein. Steh ich bei -3, wird alles rechterhand rechts sein. Eine ehrliche Definition bekommst Du, wenn Du bei 0 stehst. Aber wer ist neutral...und noch schlimmer, wer definiert die Neutralität?

          "dass sich alle bis morgen ein bisschen Infos dazu ergoogelt haben"
          Da bin ich auch gespannt.

          • Ja, darüber habe ich hier auch schon häufiger nachgedacht, wenn hier Menschen, die sich vehement gegen das Attribut rechts gewehrt haben, für mich so super eindeutig rechts waren.
            Rechts kann ja auch in der Wahrnehmung Protest bedeuten, den man als (definitionsgemäßer) Rechter nicht unterstützen will.

            Dazu kommt ja auch, ob man als Mensch mit eher rechten oder linken Werten auch damit leben kann als solcher bezeichnet zu werden.

            Aber es gibt ja Definitionen dazu.

            Und die geben einem ja ein wenig einen Hinweis, wo man sich in diesem Konstrukt der politischen Einstellungen bewegt.

            • "Rechts kann ja auch in der Wahrnehmung Protest bedeuten, den man als (definitionsgemäßer) Rechter nicht unterstützen will."
              Ich bin mir gerade nicht sicher, ob wir beide dasselbe meinen. Kannst Du das näher erklären?

              "Aber es gibt ja Definitionen dazu."
              Die gibt es. Aber eben nur "ein wenig einen Hinweis".

              • Was ist damit meine ist folgendes:

                Rein definitionsgemäß bedeutet links sein für Gleichheit eintreten und rechts sein Unterschiede zu fördern und/oder erhalten zu wollen.

                da alte Systeme eher die Unterschiede gelebt haben, ist rechts sein oft mit einem Denken nach hinten, links sein oft mit einem Denken nach vorne verknüpft.

                jetzt gibt es ja auch Menschen, die in einer konservativen Art an alten Strukturen festhalten und auch Ängste vor Fremden haben, die man als eher rechts bezeichnen würde und die aber pegida etc. ganz furchtbar finden, weil es mit ihrem sonstigen Wertebild rein gar nicht übereinstimmt. Das wäre der Protest den man nicht unterstützen will.

                Umgekehrt funktioniert das auch.

                Ich würde mich als einen Menschen einschätzen, der alle Menschen für gleich ansieht. In ihren Rechten. Trotzdem ist der Kommunismus überhaupt keine Option für mich, weil ich auch die Individualität hoch anerkenne.

                • Dann habe ich Dich schon richtig verstanden.

                  "Ich würde mich als einen Menschen einschätzen, der alle Menschen für gleich ansieht. In ihren Rechten. Trotzdem ist der Kommunismus überhaupt keine Option für mich, weil ich auch die Individualität hoch anerkenne."
                  Das sehe ich genau so. Deswegen mag ich keine Art von Radikalität.

                  "jetzt gibt es ja auch Menschen, die in einer konservativen Art an alten Strukturen festhalten und auch Ängste vor Fremden haben, die man als eher rechts bezeichnen würde und die aber (...)"
                  Die gibt es überall auf der Welt. Ich war bestürzt, in welchem Ausmaß. Dabei habe ich aber auch festgestellt, rund um den Globus, daß es vor allem für Deutsche wichtig ist, politisch zu definieren (bezüglich links und rechts). Anderswo gibt es das nicht in dieser Art.

        Ich denke, das Gefühl, dass man sich gebrandmarkt sieht, rührt daher, dass viele die negativen Assoziaten im Kopf haben und dass ein solches Attribut diese ja oftmals auch gezielt hervorrufen soll.

        Bis hin zu dem unvermeidlichen Faschismusvorwurf.

        Das hat dann mit der eigenen Definition oder einer nüchternen nichts mehr zu tun.

        Wenn man alles, was abseits der Mitte oder abseits von links als rechts "brandmarkt", dann steckt da ja eben eine gewisse Absicht, abzuwerten oder zu diffamieren dahinter. Der Wunsch nach Kategorisierung steht für mich da nicht im Vordergrund.

        Ich gebe dir natürlich recht, dass man sich weniger gebrandmarkt fühlt, wenn meine eine eigene klare Definition hat und sich selbst zuordnen kann. Dann bleibt aber immer noch die Intention des Gegenübers.

        Die Frage war als Testballon gemeint, vielleicht hat da Jeder eine andere Erklârung!?

    Ich halte mich da gerne an die Definitionen der Bundeszentrale für politische Bildung:

    Rechtsextrem:

    - völkische Ideologie
    -Antisemitimus
    -Relativierung bzw. Verherrlichung des Naziregimes
    -Leugnung oder Relativierung des Holocaust (der "sogenannte" Holcocaust)
    - (aggressiv auftretender) Nationalismus und Überhöhung der ethnischen Zugehörigkeit
    -Diffamierung der Demokratie und des Rechtstaates (die "sogenannten demokratischen" Parteien)
    -Ablehnung des Grundgesetzes als Diktat der Siegermächte
    -Volkskollektivismus
    - Antipluralismus
    -Fremdenfeindlichkeit im Allgemeinen und Besonderen

    Ein Neonazi definiert die Seite als jemand, der sich eindeutig zu der Ideologie des Nationalsozialismus bekennt.

    Das bedeutet, ein Neonazi ist immer rechtsextrem, aber ein Rechtsextremer nicht zwingend ein Neonazi.

    Rechtsradikal, damit gehe ich auch konform, ist eine legitime Position in einer demokratischen Gesellschaft. Eben dem Wortsinne nach radikal nach rechts gerichtet, was häufig mit einer deutlichen Systemkritik einhergeht. Aber eben noch grundsätzlich demokratisch akzeptabel. Gleiches gilt für linksradikal in Abgrenzung zu linksextrem.

    Die Begriffe rechts und rechtskonservativ finde ich extrem schwer zu fassen, besonders wenn sie sich auf das Parteienspektrum beziehen.

    Die SPD unter Schröder könnte man fast als rechter bezeichnen als die sozialdemokratisierte CDU von Merkel.

    Die ursprüngliche AFD hätte ich in vielen Punkten als rechtskonservativ bezeichnet, in manchen wiederum nicht. Sie hat schnell eine rechtspopulistische Entwicklung durchgemacht.

    Mit einem "Rechten" assoziert man eher etwas Negatives. Ich persönlich alleine mit dem Begriff rechts dagegen nicht. Mit einem Linken dagegen assoziiere ich nicht direkt etwas Schlechtes.

    Ich kann einzelne politische Positionen als eher rechts oder rechtskonservativ bezeichnen, aber eine ganz klare Vorstellung davon habe ich nicht.

    Wenn wir noch Rechtspopulismus hinzunehmen, komme ich ganz ins Straucheln.

    Die jetzige AFD ist rechtspopulistisch mit einer nur sehr sehr unscharfen Abgrenzung zum Rechtsextremen, würde ich sagen.

    • Auch nicht im Klaren darüber bin ich mir, wie ich meine genannten Definitionen auf die NPD anwenden soll.

      Einerseits rechtsextrem, andererseits sind sie demokratisch legitimiert, also doch wieder nur rechtsradikal?
      Da würde ich trennen zwischen dem (verschleierten) Parteiprogramm, (das einerseits deutlich Kritik am Grundgesetz und dem Staat übt, Volkskollektivismus einen relativ deutlich aggressiven Nationalismus ausführt und andererseits nicht offen antisemitisch ist und sich eben so an der Grenze und ein wenig davor und ein wenig dahinter bewegt, demokratisch gesehen) und der Ideologie, die dahintersteht.

      In meiner Wahrnehmung.

      Wie gesagt, nur Begriffsklauberei! Aber gerade deswegen ein sehr spannender Thread.

      Damit hast du aber nicht erklärt was rechts ist.

      Du hast nur aufgezählt wir man gesellschaftspoltisch bestimmte Tendenzen zu werten hat.

      damit wir hier einmal einen ordentlichen Konsens reinbekommen, sollten wir erst einmal wirklich klarmachen, was rechts und links wirklich heisst, nicht wie sich deren Extreme äußern und dann ist wohl der eine oder andere auch gar nicht mehr angepisst, in welches Lager er eingeordnet wird.

      • Darf ich an der Stelle auf einen Beitrag in einer anderen Diskussion verweisen?

        Kamagurka hat es da sehr gut getroffen, seine Assoziationen habe ich mit großem Interesse gelesen:

        Prinzipiell hat er auf den Gegensatz zwischen Wertekonservativ (rechts) und Progressivität (links) hingewiesen.

        http://www.urbia.de/forum/64-politik-philosophie/4660114-gesinnungsterror?page=2#p-30997758

        "Viele Menschen verbinden mit "Rechts" ganz allgemein tendenziell menschenfeindliche Verhaltensweisen und Dogmen. Vor allem aber wird "Rechts" mit rückwärts gewand verbunden.

        "Links" dagegen wird als dem Menschen zugewandt verstanden, vor allem auch immer mit dem Blick für Schwächere in einer Gesellschaft. Links gilt als progressiv und als Erneuerung und das Alte hinter sich lassend.

        Die Begriffe, die man mit "Rechts" assoziiert, z.B. "Konservatismus", "Nationalismus", "Revanchismus", "Chauvinismus" u.v.m. sind mehr oder weniger negativ behaftet oder aber wir haben aus der unserer Geschichte ungute Erfahrungen damit gemacht. Dabei geht es nicht nur um das Dritte Reich sondern auch um all die Konflikte vorher, die Europa immer und immer wieder in Kriege gestürzt haben. In " Die Schlafwandler" wird dies sehr anschaulich beschrieben.

        Rechts verharrt in der allgemeinen Wahrnehmung im Hier und Jetzt, möchte den Status Quo bewahren und Wandel nur sehr behutsam, mit Fahrt auf Sicht, zulassen. Rechts ist besitzstandswahrend und nicht interessiert an sozialen Zielen und Projekten.

        Linke preschen nach vorne, erobern die Zukunft im Hier und Jetzt und alles was war, ist alt und verbraucht. Utopia jetzt. Linke geben und behalten nicht. Den grundsätzlichen Fehler, der der Linken angelastet werden muss, ist, dass sie ein positives Menschenbild vorwegnimmt, dass so gar nicht existiert."

        Ich selbst denke:

        "Daher ergibt sich für mich das Positive nicht alleine aus dem Progressiven, sondern aus dem dualistischen Hand in Hand von Wandel Anschubsen bzw. Fördern und "Besitz"standswahrung."

        Das meinte ich mit rechten und linken politischen Einstellungen, es ist oft nur eine spontane Wertung bzw. Einordnung, die ich anhand dieser Assoziationen bezüglich einer Position oder einer Sammlung von Positionen treffe.

        Wertkonservativ und Progressivität sind aber nur zwei Aspekte in dem dualen System aus rechts und links.

        Entscheidend ist für mich, dass man sich einmal von all den Interpretationen löst und für sich klärt, wenn es um Gleicheit und Unterschied geht, wo stehe ich da.

        Und dann ist es für einen persönlich auch vielleicht nicht mehr so ein makel, als das eine oder andere bezeichnet zu werden.

        Das sind Dinge, die man in einem ordentlichen Coaching für sich selber ganz schnell herausfindet, ohne direkt nach Meinungsfreiheit zu schreien.

        Ich weiss, dass du das jetzt nicht verstehst, weil du einen extrem anderen Denkansatz hast.

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