Die Werte Europas....

    • (1) 31.10.15 - 21:22

      ....verblassen zur Zeit so stark wie kaum jemals zuvor. Was momentan von der EU bleibt, ist eine Wirtschaftsgemeinschaft von Nationalstaaten, die v.a. von den ökonomischen Vorteilen für das eigene Land profitieren möchten. Solidarität, das Einhalten der Werte, die eigentlich Europa ausmachen, Dinge wie Bewahrung der Menschenwürde, Gleichheit, Demokratie usw., werden derzeit einem Egoismus geopfert, die selbst bei der Finanzkrise nicht derartig verschütt gingen.

      Als überzeugter Europäer muss man sich derzeit für den Zustand der Union schämen. Schon einmal, in der ersten Hãlfte der 90er Jahre, als auf dem eigenen Kontinent, vor der eigenen Haustür, dem Genozid an Minderheiten mit beispielloser Hilflosigkeit zugeschaut wurde.

      Ich denke, die Flùchtlingsfrage hat viel politische Sprengkraft für den Zusammenhalt der EU in der heutigen Form. Jene, die sich wehren, sich an den Kosten zu beteiligen bzw. keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, weil sie, wie die neue polnische Regierungschefin sagte, "ihre eigenen Bürger schützen müssen", sind vielleicht die Totengräber der europäischen Idee. Die ja viel älter ist als die Gemeinschaft selbst.

      Länder wie Deutschland, Österreich, Schweden oder die Belgier werden nicht alleine den unabwendbaren Wandel durch Flüchtlinge meistern können. Selbst wenn sie es aktuell von ihrer Potenz könnten, sollten sie es nicht. Solidarität geht immer in beide Richtungen. Wenn Ungarn und Kroatien die Grenzen schliessen, leiten sie die Ströme ùber das kleine Slowenien und lassen das Nachbarland dabei im Stich.

      Wirtschaftliche Förderung aus Brüssel sollten v.a. die Länder erfahren, die sich konstruktiv an der Aufnahme und der Integration von Flùchtlingen beteiligen. Jene, die sich jetzt wegducken, sollten sich bei den nächsten Anträgen für Wirtschaftsförderung hinten anstellen müssen.

      Natürlich war Dublin II ein Fehler und lässt auch hier einzelne europäische Länder im Regen stehen. Da hat sich Deutschland fùr kleine Beträge freigekauft und am Ende kommen doch viele Flùchtlinge zu uns. Was richtig ist aber eben auch zeigt, wie technokratisch undurchdacht, manche Pläne einiger Euro-Strategen sind.

      Europa muss weiter bestehen bleiben und mit den neuen Bürgern wachsen. Aber ohne die o.g. Werte wird sie auf Dauer keine Zukunft haben. Leider.

      • Über die Nationalstaaterei unter dem großen Mantel Europas mache ich mir schon länger Gedanken.

        Die Tendenzen gibt's, so meine ich, nicht erst seit der Flüchtlingskrise.

        Der Zulauf rechtspopulustischer Parteien sowie erstarkende Separatistenbewegungen sind zwei solcher Strömungen... In Deutschland zugegebenermaßen weniger als in anderen Ländern.

        Die Rolle Osteuropas gefällt mir im Großen und Ganzen auch schon länger nicht.

        Während der ersten Nahost-Kriegen nach der EU-Osterweiterung konnten einige Länger es ja gar nicht erwarten, mit eigenen Soldaten den Amis behilflich zu sein. Ich erinnere das Geschwafel vom alten und neuen Europa (Rumsfeld, glaube ich)...

        Und dieselben Länder kümmern sich jetzt - wo es mal um Menschen und Solidarität geht - lieber um ihren Kram.

        Ich würde die EU-Fördergelder, die Richtung Osten gehen, auch lieber in die Flüchtlingshilfe investieren, solange diese Länder bei ihrem "wir wollen aber nicht" bleiben. Polen hat aber, soweit ich weiß, der Quote notgedrungen zugestimmt.

        Spanien muss man in dem Zusammenhang allerdings auch unrühmlich erwähnen.

        Ich glaube, jetzt spitzt sich gerade etwas zu, was vorher so rumgewabert hatte...

        Umso wichtiger ist es am Suchen nach Lösungen festzuhalten, und seien sie noch so klein oder wage. Beinah alles ist besser als den Bedenkenträgern das Feld zu überlassen.

        LG
        Nele

        LG
        Nele

        • Einiges finde ich menschlich. Die Osteuropäer waren noch nie überzeugte Europäer, sie wollten eben europäische Gelder. Aber war das wirklich anders, als die DDR angeschlossen wurde? Das schrieen die Leute "Kommt die D-Mark bleiben wir, kommt sie nicht geh'n wir zu ihr.". Das Bündnis 90 war schnell vergessen.

          Wir werden sehen was geschieht. Ich vermute sogar, dass die EU letzlich gestärkt aus der Krise hervorgeht und dass auch Merkel an Ende fester in Sattel sitzt als zuvor.

          Das hängt in allererster Linie davon ab wie die Integration der Zuwanderer klappt.

      Da kann ich dir nur zustimmen.
      Für dei Euopäische Union und die europäische Idee als solche wird das zu einer großen Herausforderung.
      Schon die "schuldenkrise" hat ghezeigt, daß es Versäumisse gab, daß der Mut fehlte auch finanz- und wirtschatfspolitische Kompetenzen von den Nationalstaaten an Europa zu deligieren.
      Auch jetzt wieder zeigt sich, daß man sich reflexhaft auf den nationalstaat zurückzieht, so bald es schwierig wird.
      Dabei wäre das genaue Gegenteil gefragt.

      Zum einen hoffe ich, daß jede Krise auch eien Chance sein kann und ich hoffe, daß es eine Chance sein kann für ein Euopa auf stabilem Fundament.
      Aber ehrlich gesagt befürchte ich, daß wir noch nicht reif sind für die aufgabe an nationalstaatlicher souveränität, die es bräuchte um wirklich als Vereinigte Staaten von Europa agieren zu können.
      Ich glaube es wird sich am Ende ein "Kern-Europa" herausbilden - eine Restunion- wenn überhaupt....

      Allerdings bin ich grundsätzlich kein Pessimist und ich denke, daß "wir" in 100 Jahren sicher einen Schritt weiter sein werden.
      Es wird dieses Europa geben, da bin ich fast sicher, aber ich befürchte, bis es so weit ist, wird es nochmal herbe Rückschläge hinnehmen müssen

      • Pessimismus wäre auch verkehrt. Aber es wird manches sicher länger dauern und viele Kompromisse nòtig sein.

        Wenn die Führungsrolle Deutschlands mir persönlich in der Griechenlandfrage eher oft unangenehm war, so ist Deutschlands Rolle zusammen mit Schweden und anderen Ländern im Zusammenhang mit den Flùchtlingen vorbildlich.

        Was die Flüchtlingsverteilung von 40000 Menschen angeht, die in Griechenland und Italien festsitzen, scheint ja nun erst mal eine Quote gefunden. Auch wenn ich glaube, dass, Quote hin oder her, die Menschen, die kommen, Deutschland, Frankreich oder Skandinavien bevorzugen und es schwer wird, eine Quote einzuhalten, kann der jetzige Kompromiss eine Richtung vorgeben.

    Hallo,

    "Länder wie Deutschland, Österreich, Schweden oder die Belgier werden nicht alleine den unabwendbaren Wandel durch Flüchtlinge meistern können. Selbst wenn sie es aktuell von ihrer Potenz könnten, sollten sie es nicht. Solidarität geht immer in beide Richtungen."

    Da kann ich dir nur zustimmen. Ich bin kein Exerte für Politik und Wirtschaft und vielleicht stelle ich mir das zu einfach vor, aber ich frage mich schon länger, was davon abhält den Ländern, die sich bei der Flüchtlingsproblematik drücken wollen, (finanziell) unter Druck zu setzen.

    "Wirtschaftliche Förderung aus Brüssel sollten v.a. die Länder erfahren, die sich konstruktiv an der Aufnahme und der Integration von Flùchtlingen beteiligen. Jene, die sich jetzt wegducken, sollten sich bei den nächsten Anträgen für Wirtschaftsförderung hinten anstellen müssen."

    Ist das so einfach umsetzbar? Wenn ja, was hindert Brüssel daran, Ländern, die sich wegducken wollen, damit zu drohen und das dann auch so durchzusetzen? Würde eine derartige Drohung diese Länder überhaupt zum Einlenken bewegen?

    LG

    • Es wird jetzt schon hinter den Kulissen Gespräche geben und wie so oft wird es um Geld gehen. So lange Dublin II nicht auch pro forma ausser Kraft ist, werden die südeuropäischen EU Länder ohnehin mehr Geld für die Aufnahme und Registrierung und vorläufige Unterbringung verlangen (können). Es darf aber kein reines Freikaufen der mittel- und osteuropãischen Länder geben.

      • "Es darf aber kein reines Freikaufen der mittel- und osteuropãischen Länder geben."

        Auch da stimme ich dir zu. Man kann die Arbeit nicht einfach auf wenige Länder verteilen und sich selbst von aller Verantwortung freikaufen. Dadurch werden die Probleme ja nur aus den sich freikaufende Ländern ausgelagert und das in konzentrierter Form. Zusammenarbeiten heißt für mich, dass alle Länder mit anpacken. Finanziell und durch die Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen.

        • Deswegen war Dublin II ein Fehler. Hier hat sich Deutschland vor allem freigekauft. Denn qua Definition dieser Verordnung wäre jeder Flùchtling aus Drittstaaten illegal in Deutschland. Über die Nordsee kommen nun mal kaum Syrer. Die völlig überforderten Griechen beklagen zu Recht den Verrat der europäischen Werte, wo Solidarität nur dann eine Rolle spielt wenn es um die finanzielle Begünstigung aus Brüssel geht.

      Vielleicht doch. Flüchtlinge wollen doch gar nicht in kleine und wirtschaftlich schwache Länder mit bereits hoher Arbeitslosigkeit und ungelösten Problemen mit Minderheiten.

      Was wäre eigentlich so schlimm daran, wenn die Menschen dorthin kämen, wo sie am ehesten Arbeit finden und die anderen - meist osteuropäischen Länder dafür mitzahlen?

      • Die Migration auf der Suche nach Arbeit innerhalb Europas wird ohnehin kommen. So wie jetzt Spanier oder Menschen aus Ex-Jugoslawien ihr Glück in Deutschland versuchen. Dennoch brauchen wir für die Erstaufnahme und die Betreuung einheitliche Standards und alle Länder sollten sich daran beteiligen. Allerdings, das muss man fragen, können eigentlich einige osteuropäische Länder überhaupt einen Standard garantieren?

War die EU jemals richtig durchdacht? Sieht man ja immer wieder, wie toll die EU so ist...

>>Europa muss weiter bestehen bleiben und mit den neuen Bürgern wachsen.<<
Na dann mach mal nen Vorschlag, wie das so gehen soll. So einfach dahin sagen kann ich das auch...

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