Wir schaffen das....

    • (1) 10.11.15 - 15:51

      ...ich bin dessen sicher. Auch wenn es an manchen Stellen knarrt und bestimmt nicht alles rund läuft, wenn es heute die, morgen jene Befürchtung gibt und einfach eine bestimmte Anzahl, diese Art von scheinbar unvorhergesehenen Veränderungen ablehnt, sie überfordert und einige wenige sogar einen wie auch immer ausgestalteten Untergang voraussehen wollen.

      Wir schaffen das. Deutschland und Europa haben schon oft Krisen und Probleme bewältigt und am Ende gemeistert. Selbst so ein gigantisches, in der Form selten dagewesenes Projekt wie die Wiedervereinigung wurde, bei allen Fehlern, Versäumnissen und Missverständnissen am Ende und unter'm Strich gemeistert (auch wenn sie vollständig abgeschlossen wohl erst in einer Generation sein wird). Gemeistert heisst nicht: Perfekt und für alle gut. Aber für sehr viele.

      Ich befürworte ausdrücklich eine humane Flüchtlingspolitik und lehne es ab, sich auf Gesetze zurückzuziehen, um am Ende niemanden hereinzulassen und die Frage, was aus den Flüchtlingen in Österreich, Ungarn oder Slowenien werden soll, mit Schulterzucken unbeantwortet lässt.

      Es ist keine Frage, ob wir in Europa ausreichend Platz hätten. Es ist die Frage, wie schnell kann man die vorhandenen Ressourcen mobilisieren. Hier stellt sich die europäische und deutsche Polit-Elite noch ungeschickt, unbeholfen und zerstritten an. Aber, ich bin dessen sicher, es werden Lösungen gefunden werden. Der Druck ist da, auch von den Medien.

      Natürlich wird es auch immer wieder zu ernsthaften Zwischenfällen kommen, das liegt bei solch' schwer einzuschätzenden Projekten in der Natur der Sache. Es werden Veränderungen auf uns zu kommen, die noch gar nicht abschätzbar sind. Nicht alles wird nur positiv sein aber noch lange nicht alles negativ. Die Chancen, die sich ergeben, sind auch noch kaum abschätzbar. Aber es werden sich Chancen ergeben. Für die Wirtschaft, für die Sozialsysteme, für die Entwicklung unserer Gesellschaft.

      Vielleicht werden wir in den Nachrichten auch in den kommenden Wochen lesen müssen, dass Flüchtlinge der Witterung zum Opfer gefallen sind. Und so furchtbar das ist und auch betroffen macht. Dadurch wird die Mission aber nicht unnötiger.

      Ich bin mir nicht sicher, ob die jetzige Entwicklung überhaupt abwendbar gewesen wäre. Ob es wirkliche und echte und nützliche Alternativen gegeben hätte. Einfach dicht machen und den Kopf in eine andere Richtung drehen, so wie es Europa zur Zeit des Bürgerkrieges in Ex-Jugoslawien oft gemacht hat, kann auch keine Lösung sein.

      Ich bin mir auch klar, dass sich niemand überzeugen lässt, der grundsätzlich die negativen Aspekte höher gewichtet, der Angst vor Veränderung hat, der lieber im Hier und jetzt belieben möchte statt mutig nach vorne zu schauen.

      Trotz alle dem, bin ich mir sicher: Wir schaffen das. Und die, die jeden Tag da draussen helfen, dei vielen ehrenamtlichen Helfer, die die Lücke schließen, die der Staat noch nicht zu schließen vermag, all die Helfer von der Feuerwehr, der Polizei, des THW, des Roten Kreuzes und und und.....sind für mich der beste Beweis, dass menschlicher Wille nahezu alles schaffen kann.

      • ich hatte es schon an anderer Stelle mal geschrieben. Es ist nicht die Frage, ob wir das schaffen die Frage ist, wie.
        Was es letzt endlich u. U. an Opfern kostet, was es an Veränderungen mit sich bringt, welche Veränderungen zwingend sein müssen und welche nicht.

        >>Ich bin mir nicht sicher, ob die jetzige Entwicklung überhaupt abwendbar gewesen wäre. Ob es wirkliche und echte und nützliche Alternativen gegeben hätte<<

        ich auch nicht. Und jetzt mein Aber: Wenn ich etwas vor habe, machen möchte, machen MUSS, dann habe ich zu mindest einen groben Plan. Und wenn in diesem Plan (bestimmte) Menschen drin vor kommen, dann tue ich gut daran, diese Menschen zu informieren

        >> dei vielen ehrenamtlichen Helfer, die die Lücke schließen, die der Staat noch nicht zu schließen vermag,<<

        der Staat sollte langsam aber sicher in Bewegung kommen

        >>Wir können doch aber nicht durch Mildtätigkeit aufzufangen versuchen, was der Staat versäumt<<
        >>Die Kommunen und auch die Länder haben oft kein Geld, Dienste zu bezahlen, die eigentlich ihre Aufgaben wären, also greift man auf Freiwillige zurück. Wieso ist das so in einem der reichsten Länder der Welt?<<
        http://www.fr-online.de/zuwanderung-in-rhein-main/interview-zu-fluechtlingsituation-der-staat-verlaesst-sich-auf-ehrenamtliche-hilfe,24933504,32098000.html

        Schön, daß du das so siehst, aber soll da jetzt wieder ein Grundsatzdiskussion werden?

        Es wird doch gerade immer das Gleiche geschrieben, ich kenne hier von jedem einzelnen user die Meinungen auswendig!#gaehn

        So langsam wird es echt langweilig. Wäre schön, wenn die Politik mal echte Fakten schaffen würde, dann hätten man wenigstens mal ein "neues" Thema.

        • >>So langsam wird es echt langweilig. Wäre schön, wenn die Politik mal echte Fakten schaffen würde, dann hätten man wenigstens mal ein "neues" Thema.<<

          Genau so langweilig, wie die immer wieder neu eröffneten Beiträge, die es schon soooo oft hier gab #augen

      ...... Nicht

    • "Projekt", "unvorhergesehenen Veränderungen", "Platz", "Mission"- du hast mich soweit, ich mache mal eine Gegenposition auf.

      "Wir schaffen das" - ja aber was denn eigentlich? *Was* schaffen wir denn? In wenigen Monaten 1 Million Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben? Auch, wenn das die Größenordnung eines neuen Bundeslandes ist, habe ich da keine Zweifel, dass das gelingen wird.

      Einen Großteil von ihnen wirklich in die Gesellschaft zu integrieren, sie in Arbeit zu bringen, und die anderen im Netz der Sozialleistungen aufzufangen? Auch das scheint nicht unrealistisch, schließlich sind wir ein sehr reiches und hilfsbereites Land.

      Aber schaffen wir denn auch, in den kommenden Jahren weiter 1-2% unserer Bevölkerungszahl unkontrolliert in unser Land zu lassen? Schaffen wir, daraus die Hunderttausenden auszusieben, denen wir keinen Rechtsanspruch auf ein Leben hier in Deutschland gewähren, und sie wieder nach Hause zu schicken, auch wenn sie das nicht wollen? Allen Verbleibenden hier zu gestatten, Familienangehörige nachzuholen, so dass sich die Zahl der Neubürger bald einer siebenstelligen Zahl nähert? Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich ausreichend zu qualifizieren (Sprache, Berufsqualifizierung, Ausbildung, Schule, Studium), um in absehbarer Zeit unserem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen? Ihnen allen, ob mit Arbeit oder nicht, Zugang zu einem der besten und großzügigsten Sozial- und Gesundheitssystem der Welt zu geben?

      Ich habe große Zweifel, ob auch auf diese Fragen die Antwort "ja" lauten kann.

      Angesichts der mittlerweile unübersehbaren Größenordnung muss doch die Frage vielmehr auch lauten: Was *können* wir schaffen, realistischerweise? Wo sind die Belastungsgrenzen, jenseits derer die Solidarität unserer Gesellschaft auseinanderbricht, mit gravierenden Folgen sowohl für unser Land wie für die aufgenommenen Flüchtlinge?

      Und niemand hat bis jetzt explizit die Frage gestellt: Was *wollen* wir schaffen? Wieviel sind wir tatsächlich bereit an finanziellen Lasten und an gesellschaftlichen Veränderungen zu tragen? Das ist eine politische und gesellschaftliche Entscheidung, und ich kann mich an keine öffentliche Debatte oder gar eine Wahl erinnern, bei der das ergebnisoffen diskutiert wurde.

      Stattdessen klingt für mich die Unterstützung von Merkels Mantra zunehmend nach dem Pfeifen im Walde: "wir müssen das schaffen, sonst...".

      Als ob es sich bei dem Zustrom in unser Land um ein Naturereignis handelt, das wir über uns ergehen zu lassen haben. Aber Ohnmacht, Fatalismus und vermeintliche Alternativlosigkeit sind nie ein gute Ratgeber, besonders nicht gepaart mit moralischer Überheblichkeit. Sie führen bei den einen zu Ängsten, bei den anderen zu Wut.

      Sicher, es war ein großer humanitärer Akt unserer Kanzlerin, Anfang September die Grenzen zu öffnen, auf den auch ich sehr stolz bin. Allerdings ermutigt gerade diese Entscheidung und das Offenhalten der Grenzen Hundertausende, sich nun ebenfalls auf den Weg zu machen und ein neues Leben in Deutschland zu beginnen.

      Mit seiner anhaltenden Politik der offenen Arme ist Deutschland in Europa inzwischen jedoch völlig isoliert. Vor wenigen Tagen hat jetzt auch Schweden allen Flüchtlingen geraten, besser in Deutschland zu bleiben, da sie dort keine staatliche Unterkunft mehr erwarten können.

      Deutschland hat schon mehrfach alleine versucht, seine selbstgesetzten moralischen Maßstäbe anderen Ländern gegen Widerstände aufzuzwingen - nie war es eine gute Idee. Wenn wir weiter versuchen, unsere implizit gesetzten humanitären Maximalansprüche dem Rest von Europa und der eigenen Bevölkerung aufzuzwingen, gerät die gesellschaftliche Stabilität in Gefahr, sowohl in Europa wie in Deutschland. Und dann wird es bald mit den europäischen Werten, für die wir stehen wollen, nicht mehr weit her sein.

      Es ist darum dringend nötig darüber zu reden, *was* wir als Gesellschaft schaffen *können* und schaffen *wollen*, anstatt immer nur "wir schaffen das" zu rufen.

      "Als ob es sich bei dem Zustrom in unser Land um ein Naturereignis handelt, das wir über uns ergehen zu lassen haben."

      so benehmen sich aber alle! die kanzlerin selbst betont ja immer, dass man den zustrom nicht stoppen kann. und da hat sie wahrscheinlich recht, weil irgendwo stapeln sich ja dann die menschen und das gibt dann unschöne szenen.

(15) 11.11.15 - 10:02

Hallo.

<<<Es ist keine Frage, ob wir in Europa ausreichend Platz hätten. >>>

Definiere in diesem Fall Europa. #kratzMomentan besteht ja dann Europa zum größten Teil aus Deutschland und Österreich.

Wie schon erwähnt, nicht das "Das wir das schaffen" sondern "Wie". Zumal jetzt auch wieder Krankheiten reingeschleppt werden, die schon längst hier weg waren. Siehe Aufnahmelager in Berlin-Spandau.

LG

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