R.I.P Helmut Schmidt

    • (1) 10.11.15 - 20:06

      Ich verneige mich vor einem herausragenden Politiker

      http://www.schwaebische.de/politik/inland_artikel,-Die-Welt-im-Blick-Hamburg-im-Herzen-_arid,10338975.html

      • Hallo,

        habe auch schon in "Trauer und Trost" gepostet aber trotzdem nochmal hier:

        Ein großer mutiger Mann ist von uns gegangen. #kerze

        Meine Schwiegerfamilie stand auch in seiner "Schuld" ..... durch sein mutiges Handeln in der Sturmflutnacht in Hamburg hat mein Mann seine Großeltern "behalten" dürfen.

        In Hamburg sagt man Tschüß, das heißt auf Wiedersehn,

        traurige Grüße

        http://www.zeit.de/politik/2015-11/helmut-schmidt-nachruf-politiker/komplettansicht

        "In der Politikergeneration Helmut Schmidts brannte eine Passion für den demokratischen Wiederaufbau dieses Landes, ohne die es nicht das geworden wäre, was es heute ist: ein nicht nur wirtschaftlich prosperierendes, sondern ziviles und mitfühlendes #aha Land. Die Aussöhnung und unverbrüchliche Freundschaft mit den europäischen Nachbarn, die Verhinderung neuer Kriege als Maxime und eine Politik, die vor allem darauf achtet, berechenbar zu sein (all dies hat ihn übrigens auch mit Helmut Kohl verbunden), haben die Jüngeren, wenn ihnen die Rücksicht auf autoritäre Regime zu weit ging, als Appeasement kritisiert. Objektiv kann man das so sehen, subjektiv tut man Helmut Schmidt damit Unrecht. Für einen Menschen seiner Generation gab es kein schlimmeres Unglück als die Vorstellung, Deutschland könnte in Verführbarkeit, Diktatur und Krieg zurückfallen. "

        Mir fehlen fast die eigenen Worte. Er hat mich als jungen Menschen politisch geprägt, wie kaum ein anderer, neben Willy Brandt (auch wenn das widersprüchlich klingen mag).

        Und heute wird mir deutlich wie schon lange nicht mehr, was mir (uns?) in der aktuellen Situation fehlt: Jemand, der mit hanseatisch/preußisch/protestantischem Ethos und großer Moral pragmatisch auf die aktuelle Lage reagiert. Und sagt, wo es lang geht. Ohne Gedöns.

        Und ja: Keinen Widerspruch duldet. Nicht, weil er befiehlt, sondern weil er natürliche Autorität besitzt. Autorität im positiven Sinn. Der angezündete Asylantenheime als das benennen würde, was ist: Eine Riesensauerei. Der aber auch blindes Gutmenschentum benennen würde, als das, was es ist: Naiv.

        Der sich nicht scheut, nach rechtsaußen wie linksaußen auszuteilen. Der blinden Idealismus genauso verpönt wie Rassenhass. Der das Große und Ganze sieht, macht und entscheidet, ohne Parteiräson und dafür gerade steht und sich nicht in Plattitüden und weltfremdem, sinnfreiem Gelaber verliert.

        Ich bin gerade unendlich traurig. Und es tut mir weh, dass mein Sohn unter anderem deswegen so unpolitisch ist, weil ihm solche "Leitfiguren" oder "Reibefiguren" fehlen. Er sagt, dass er mehr Interesse hätte, wenn es solche Männer und Frauen heute gäbe. Gibt es aber nicht.

        Farewell, großer Lotse! #kerze

        • "Jemand, der mit hanseatisch/preußisch/protestantischem Ethos und großer Moral pragmatisch auf die aktuelle Lage reagiert."

          Ob Helmut Schmidt ein moralischer Mensch war, weiß ich nicht. Er hatte seine Sternstunden als Polit-Manager wie sein Auftreten bei der Spiegel-Affäre 1962 oder bei der Sturmflut in Hamburg. Er hatte aber auch sein innenpolitisches Debakel wie den deutschen Herbst 1977, in der "Blütezeit" des RAF-Terrors, wo er das Leben der Geisel Schleyer der Disziplin und der Staatsräson unterordnete und einen Situation hatte, bei der man als handelnder Regierungschef nur verlieren konnte. Bis hin zum Nato-Doppelbeschluss und seiner Isolation zu großen Teilen seiner Partei und der Bevölkerung.

          Moral und Politik passt ohnehin sehr häufig nicht zusammen.

          Dass er eine der großen politischen Persönlichkeiten der alten Bundesrepublik war, ist ganz sicher unbestritten und häufig vermisst man heutzutage diese Persönlichkeiten., dieses klare Profil und die deutliche Zuordnung. Man muss sich aber auch fragen, ob diese Persönlichkeiten heute noch eine Chance hätten. All die Schmidts, Kohls, Weizsäckers, Wehners. Strauss' oder Genschers entstammen einer Zeit wo Linien und Grenzen noch klarer waren. Es gab nur 3 Fernsehprogramme, das digitale Zeitalter war noch in weiter Ferne und es gab klare Feindbilder.

          Heute verwabert alles im Kosmos aus Meinungsvielfalt und Beliebigkeit und viele wissen nicht mehr, wer ist Freund und wer ist Feind. SPD und CDU - wo sind denn die großen Unterschiede? Alles verdichtet sich in einer großen wolkigen Mitte. Unser eigenes Streben nach Harmonie und unserem politischen Desinteresse generiert genau die Politiker, die wir bekommen. Wir wollen ständig Optionen und Vielfalt und legen uns ständig neu fest oder erfinden uns neu. Hinzu kommt die digitale Beschleunigung unserer Zeit. Jedem kann alles, was er irgendwo mal gesagt, getan hat in Sekundenschnelle global um die Ohren fliegen.

          Daher ist der Vorwurf an die heutige Politikergeneration ungerecht bzw. der Vergleich hinkt.

      #kerze

      Jetzt ist er wieder bei seiner Frau.

    Berührt mich auch sehr. Wieder einer der alten Garde. Gibts heut nicht mehr - wenn ich da nur an die Wulffs, Guttenbergs, Gabriels denke - absolut austauschbar und nichtssagend.

    Mir wird er fehlen. Ich war nicht oft mit seinen Ansichten konform, aber er konnte wirklich wunderbar unangenehm und störrisch sein. Immerhin mal einer der zu seltenen Politiker mit Reibungsfläche. Er hat nicht (immer) seinen Wählern nach dem Mund geredet und sein Fähnchen beliebig mit dem Wind gedreht. Davor hatte ich Respekt.

    (10) 12.11.15 - 22:19

    Ein ganz großer Staatsmann ist von uns gegangen.

    Auch wenn mich sogenannte "linke" und "atheistische" Lehrer damals in der Schule gegen ihn beeinflußt (oder es versucht) hatten (Ende der 70er / Anfang 80er), hatte er auch mit seiner Entscheidung zur Nachrüstung recht, wie es sich gezeigt hat.

    Und nicht nur da - er war eine Art "Deutsches Gewissen", erinnere mich an ein Interview, wo er gesagt hatte, daß der Holocaust an den Juden für immer Bestandteil der kollektiven Erinnerung der Deutschen sein würde genauso lange wie die Babylonische Gefangenschaft der Juden.

    Schade, so jemanden verlieren zu müssen.

    Ruhe in Frieden -

    Ein echter Hamburger

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