Wie reagieren eure Kinder auf "Angst"?

    • (1) 18.11.15 - 22:37

      da hier so viele Threads eröffnet werden zum Thema Angst, frage ich mich auch, wie wir über ISIS mit unseren Kindern sprechen.

      Wir haben drei Kinder im Alter von 7 bis 16, die natürlich verschieden viel mitbekommen und sehr unterschiedlich reagieren.

      Am Wochenende haben wir uns über die Ereignisse in Paris unterhalten und von "die Hirnis, denen würde ich in den Bauch treten" bis zu " ich will morgen gar nicht in die Schule" war alles vertreten.

      Ich will meinen Kinder keine Angst machen, möchte aber, dass sie wissen was in der Welt geschieht.

      Und dann habe ich mich an meine Jugend erinnert in den 80ern. An die Angst vor Atomkrieg und Reaktorunfällen. Die Bücher wie "die Wolke".

      Ja, ich habe da wirklich Angst gehabt und möchte nicht, dass meine Kinder so groß werden.

      Gerade fehlt mir so ein wenig das Rezept, wie ich aufklären kann ohne Angst zu machen.

      • Ich habe mit meinem Sechsjährigen über Paris gesprochen, aber nur die Basics erklärt: Da waren böse Menschen, die haben viele andere Menschen getötet, genauer wollte ich es ohne Nachfragen (die zum Glück nicht kamen) nicht machen. Er war sehr erschrocken, möchte nun nicht mehr (wie eigentlich geplant) nächstes Jahr mit uns nach Frankreich fahren.
        Ich hatte mir lange überlegt, wie wir das Gespräch angehen - vor ein paar Wochen bin ich nämlich total unvorbereitet reingerasselt, als der Vater eines Schulkameraden lang und breit über die Morde an den beiden Jungs aus Berlin und Brandenburg erzählt hat. Da musste ich die Fragen sofort beantworten und auch sofort damit umgehen, dass mein Sohn echt geschockt war und sich mehrere Tage lang Gedanken gemacht hat, ob ihm so etwas auch passieren könnte.
        Ich finde die Gratwanderung zwischen "ja, es kann theoretisch immer was passieren und bei manchen Gefahren ist es auch wichtig, dass sie dir bewusst sind" und "mach dir keine Sorgen und sei weiter fröhlich" schwierig.

        Huhu,

        mein Sohn (9) sieht immer die Logo Kindernachrichten, aber trotzdem habe ich das Gefühl, ihm ist das immer noch zu abstrakt. Ich habe versucht, mit ihm darüber zu reden, hatte aber nicht den Eindruck, dass er fürchterlich besorgt ist. Er hat in seinem Leben bisher auch noch keinen Todesfall in der Familie erfahren oder damit sonst irgendwie Berührung gehabt. Die Aussage "Es sind über 100 Menschen getötet worden." kann er vermutlich überhaupt gar nicht einordnen.

        Ich selbst war ein extrem sensibles Kind und hatte bei solchen Themen immer große Angst und auch Alpträume. Allerdings waren die 80er auch irgendwie fies mit ihren drohenden Atomkriegs/unfallszenarien und ähnlichem. Schwierige Themen wurden damals nicht mit soviel Fingerspitzengefühl vermittelt wie heute z. B. bei Logo, sondern ganz plakativ und bedrohlich. Die letzten Kinder von Schewenborn - was für ein Horrorbuch!
        In der 6. Klasse mussten wir in Religion ein Hörspiel anhören, wie die Atombombe über Hiroshima abgeworfen wurde. Ich hatte jahrelang Alpträume davon und fand es so schrecklich, dass ich mich noch heute daran erinnere.

        LG

        Hanna

        • Dazu habe ich diesen Artikel gefunden, den ich ganz passend finde:

          http://www.spiegel.de/einestages/die-letzten-kinder-von-schewenborn-horror-schocker-kinderliteratur-a-959122.html

          • Ich weiss nicht. Sagt der Autor da wirklich, dass Bücher wie "Die Wolke" etc mit daran schuld sind, dass es eine sogenannte "Generation Golf" gibt?

            Wir wurden traumatisiert durch Bücher?

            Nein, mit dem Gedanken freunde ich mich nicht an. Wenn ein paar Bücher daran schuld sein sollen, dass eine ganze Generation scheinbar unpolitisch geworden ist (und ich frage, ist sie das denn überhaupt?), frage ich mich, wie wenig Einfluss da die Elterngeneration wohl hatte.

            Mir wurden diese Bücher nicht auferlegt. Ich habe sie gesucht, gefunden, gelesen. Ich sehe mich selbst weder als unpolitisch an, noch als durch Romane traumatisiert.

            Es existierte in meiner Jugend eine reale Angst.

            Als Beispiel Tschernobyl - das war doch eine reale Angst, eine durchaus berechtigte Angst. Warum nicht sollte man derartige Dinge in Romanen für Jugendliche zum Thema machen? Bzw warum sollte man sie ihnen verschweigen?

            #gruebel

            • Ich fand jetzt nicht, dass der Autor sagt, dass diese Generation unpolitisch ist. Auch ich finde unsere Generation nicht unpolitisch. Nur wir folgen nicht den Werten und Vorstellungen unserer Eltern.

              Aber ich sehe vieles der 68er Generationen kritisch. Unter anderem die Erziehung von Kindern in den 80ern auch mittels dieser Bücher. Wenn ich heute diese Bücher lese bin ich auch entsetzt.

              Es geht nicht darum eine Gefahr nicht zu benennen, aber diese Bücher sind in meinen Augen nicht geeignet, weil sie nur ein Horrorbericht sind, der nichts anderes macht als Angst auszulösen und keine Lösungen aufweist.

              ich verstehe nicht, was so empfehlenswert daran ist Kinder mit solchen Themen geballt und ungefiltert zu bombardieren und zu traumatisieren. Mich haben die Bücher und der Umgang damit sehr geängstigt.

              Mir ist das letztens aufgefallen, als ich mit meiner 16 Jährigen Stieftochter darüber gesprochen habe, und mir positiv aufgefallen ist, dass sie nicht so ängstlich aufwächst, obwohl sie durchaus weiß, was in der Welt vorgeht.

              Ich stehe vielem unserer Eltenrgeneration sehr kritisch gegenüber, weil ich vieles naiv finde und ich sehr viele Menschen dieser Generation kenne, die ihren eigenen Ansprüchen nicht genügen.

              • Ich habe die "Generation Golf", welche der Autor in dem Artikel ja im letzten Abschnitt durchaus als Ergebnis der Romane von Pausewang erwähnt, irgendwie immer als "unpolitisch" benannt aufgefasst. Was nicht meint, dass ich dem zustimme, versteh mich da nicht falsch.

                Uns wurden diese Bücher damals so ab 14, 15 nahegelegt. Ich erinnere mich nicht, dass wir (meine Mitschüler und Freunde) uns überfordert gefühlt hätten.

                Wir haben das aufgesogen, was in den Büchern stand.

                Wir haben uns auch Sorgen gemacht und die Bücher sind in der Tat grausam, aber Sorgen machten wir uns ja bereits ohnehin aufgrund der damaligen, realen politischen Lage. Angst hatten wir aufgrund der realen Machtkämpfe zwischen Ost und West.
                Ich habe diesen Büchern nie so viel an Bedeutung zugemessen dass sie mein damaliges Angstempfinden stark beeinflusst haben sollten.

                Das hat allein die politische Lage damals getan.

                Aber du hast Recht, niemals sollte man das Tun der Elterngeneration einfach so hinnehmen. Meine Ma war sehr politisch und hat mich geprägt. Ich hinterfrage so einiges, schätze aber, dass sie immer offen mit mir über Politik geredet hat. Wobei ich nicht behaupten kann, dass sie sich der Thematik neutral zugewandt hätte. Sie war gefärbt, ganz klar, und das habe ich auch erfahren.

                Danke für den Gedankenanstoss. Allerdings fällt mir nicht ein, wie man an derartig brisante Themen herangehen soll, OHNE dass die brutale Realität auch benannt wird. Bei einer nuklearen Katastrophe gibt es meines Erachtens kein Happy End. Wenn die großen Städte Deutschland angegriffen werden, und das mit nuklearen Waffen, auch da ist kein Happy End in Sicht. Was passiert denn, wenn man diese Tatsache verschweigen würde? oder abschwächen?
                Ich denke, die Bücher damals wurden geschrieben und Frau Pausewang sah diese Gefahr ganz real. Es ging darum, den Kindern klar zu machen, so etwas kann in der Tat geschehen. Ich glaube, damals dachten die Erwachsenen wirklich: "Wir stehen ganz kurz davor, dass derartige Szenarien real werden, wir müssen unseren Kindern davon erzählen, damit sie wissen, was wir erwarten."
                Und dann ging es darum, dennoch auch mit dieser Bedrohung im Hinterkopf weiter zu leben.

                Eigentlich schreibe ich dir gerade, wie es mit meinen Kindern geht, ich mache hier mal Schluss und bringe den anderen Beitrag zu einem Ende.

                • Es geht mir um die Art der Darstellung.

                  Natürlich ist es gut Kinder zur politischen Bildung zu bringen, sie sollen informiert sein, was passiert, aber wie medina ja auch schrieb, sie sollen auch unbeschwert sein. Ich würde es auch nennen, sie sollen ihre Unschuld nicht verlieren.

                  In meinen Augen lassen Kinder so viel zu, wie sie verkraften können. Lesen sie ein Kinderbuch das sie überfordert legen sie es weg. Erzählt man ihnen vom Leid in Syrien fragen sie bis zu einem bestimmten Punkt.

                  Die Bücher von Pausewang zum beispiel sind aber anders, die sind wie ein Horrofilm, dessen Bilder man nicht mehr los wird. Und sie vermischen so viele verschiedene Problematiken. da geht es plötzlich um Tötung eines Kind durch ein Kind, deren Schilderung man mal eben ganz unkommentiert mitliest.

                  Warum? man kann auf die Gefahren und die möglichen Folgen auch weniger drastisch hinweisen.
                  Das wäre ja so, als wenn man Kindern/Jugendlichen heute "Drachenläufer" zu lesen gibt um ihnen zu erklären, wie die Taliban agieren.

                  Und mit welchen Zweck? Zur Aufklärung was da kommen mag?
                  Wenn die Angst so groß gewesen wäre, dann wäre es ja wirklich sinnvoller gewesen die Kinder hätten Überlebenstrainings gemacht und die Eltern hätten Schutzbunker mit Lebensmittelreserven angelegt.

                  Was soll es einem Kind bringen, zu wissen, wie Radioaktivität und Krieg sich auswirken? Abstumpfung? Dass das Entsetzen dann kleiner ist?

                  Nein, ich sehe es auch so, dass die Eltern ihre Ängste auf die Kinder übertragen haben. Ich habe die Zeit auch so erlebt, dass Kinder oft wie kleine Erwachsene behandelt wurden.
                  Ich will jetzt nicht weiter ausufern, aber ich finde in dieser Zeit ist so einiges schief gelaufen und jetzt, da unsere Elterngeneration ja schon recht alt ist kommen wieder andere Dinge zu Tage.

                  • "Wenn die Angst so groß gewesen wäre, dann wäre es ja wirklich sinnvoller gewesen die Kinder hätten Überlebenstrainings gemacht und die Eltern hätten Schutzbunker mit Lebensmittelreserven angelegt."

                    Meine Elterngeneration hat genau das noch auf Anweisung gemacht. Es gab Übungen, es gab Vorgaben von Beständen in privaten Vorratskellern etc.

                    Aber du hast sicherlich recht, es gibt sinnvollere und effektivere Methoden, Kindern brisante Themen nahe zu bringen.

                    Ich fühle mich aber als einstige Leserin der Bücher von Pausewang keineswegs traumatisiert und fand den Gedanken befremdlich. Aber das ist mein subjektives Empfinden.

                    L G

                    White

                    • Wow, dann kann ich deine Einschätzung absolut nachvollziehen.

                      Wie du schreibst, das Empfinden was diese Bücher angeht ist wie immer im Leben individuell.

                      Hier gibt es ja auch Userinnen, die das ähnlich empfunden haben.

                      • Aber es scheint ja bundesweit unterschiedlich gelaufen zu sein. Die einen mussten Listen anlegen und ihre Vorräte auf Stock halten, hatten einen Plan im Haus, aus dem hervorging, wie im atomaren (Kriegs)Notfall zu handeln sei, andere Menschen meiner Elterngeneration haben nichts dergleichen erlebt.
                        Ob das an bestimmte gefährdete Regionen gekoppelt war? Das wäre eine Erklärung.

                        Ich forsche nach.:-)

              "Und so wurde am Ende doch noch etwas aus der Generation, die mit den Schreckensromanen über Umweltzerstörung und Atomkrieg eingeschüchtert worden war: Nämlich die unpolitische, hedonistische "Generation Golf". "

              Hier hat er es geschrieben. Das steht im letzten Absatz des Artikels, den du verlinkt hast.

    In den 80ern hat man den Kindern bewusst Angst eingejagd. Gudrun Pausewang hat allen Ernstes in einem Kinderbuch - die Kinder von Schewenborn - die mutmaßlichen Folgen eines Atomkriegs beschrieben. Das macht heute hoffentlich keiner mehr.

    Dass in Paris etwas Schreckliches geschehen ist, habe ich den Kindern erzählt. Das bekommen sie ohnehin mit. Solche Anschläge sind eine fürchterliche Art Krieg zu führen. Für uns ist das Risiko selbst zum Opfer zu werden Gott sei Dank sehr, sehr gering.

    Dass dergleichen im Irak, in Syrien oder Afghanistan sehr viel öfter passiert und dass auch deshalb so viele Menschen hier Schutz suchen versteht auch ein Kind.

    Hallo

    wir schauen mit den kindern (7 und 8 Jahre) logo- ich finde die bereiten das sehr gut auf.

    natürlich nehmen kinder das anders auf als erwachsene.
    daher finde ich es wichtig da im gespräch zu bleiben, dei gefühle ernst zu nehmen und darauf zu reagieren. auch angst, wut und trauer sind eben nun mal gefühle, die zu uns menschen dazugehören, das ist nun mal so.

    insofern halte ich es für unmöglich, angst von vornherein auszuschließen.

    aber wie du schon sagst, es gibt ja auch methoden, dei speziell auf angstmache abzielen, diese würd ich doch eher vermeiden.

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