Bedingungsloses Grundeinkommen

    • (1) 09.12.15 - 08:31

      Guten Morgen,

      heute Morgen habe ich gelesen, dass Finnland ab 2017 versuchen möchte das bedingungslose Grundeinkommen einzuführen. Derzeit wird noch gerechtnet, wie das finanzierbar ist. Aber zur Zeit sieht es wohl so aus, dass es für jeden dann 800€ im Monat gibt. In Finnland soll dies jetzt nicht übermäßig viel sein, da die durchschnittliche Familie im Monat etwa 3000€ benötigt um ihre Kosten zu decken.

      Wie findet ihr das ? Würdet ihr auch ein bedingungsloses Grundeinkommen bevorzugen ? Würdet ihr trotzdem noch arbeiten gehen ? oder sogar weniger arbeiten ?

      Die schlauen Menschen in Finnland behaupten ja, dass sich dann viele Probleme in Luft auflösen. So soll z.B. die Kriminalitätsrate sinken oder auch der Krankenstand verringert werden. Wenn ich das richtig verstanden habe, soll es dann auch weitere Sozialleistungen nicht mehr geben.

      Ebenso wird ja auch darüber spekuliert, dass sich die wahre Demokratie erst dann entwickeln kann, wenn ein Mensch nicht mehr um seine Grundbedürfnisse kämpfen muss, was ja mit diesem bedingungslosen Einkommen der Fall wäre.

      Insgesamt soll die ganze Gesellschaft dann nur noch aus besseren Menschen bestehen.

      Wie seht ihr die Sache ?

      Ich muss gestehen, ich bin wohl zu geldgeil um dann nicht arbeiten zu gehen. Ich würde dann wohl beide Geldquellen anzapfen wollen - anderseits glaube ich aber auch, dass damit viele Faulenzer einen Freibrief bekommen. Und ich glaube auch weiter, dass persönlich ich mich jetzt nicht intensiver mit Politik beschäftigen würde. Und irgendwie könnte ich mir auch vorstellen, dass das Geld dann weniger wert ist. Weil ja jeder insgesamt mehr ausgeben kann, sprich Inflation. Sodass es am Ende so aussieht, dass man doch nicht mehr hätte :-)

      Ich bin mal auf Meinungen von Euch gespannt :-)

      LG

      Tiffy

      • 800 Euro sind für finnische Verhältnisse wirklich nicht sehr viel.

        Neu wäre eigentlich nur, dass jeder die Möglichkeit hat eine sehr knapp bemessene Sozialhilfe zu beziehen. Das spart eine Menge Verwaltungsaufwand. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.

        Das hat, wie alles andere auch, Vor- und Nachteile.

        Ich könnte mir vorstellen, dass es die Schwächsten der Gesellschaft hart trifft. Mit 800 € im Monat kann man in Finnland kaum überleben und da alle anderen Sozialleistungen wegfallen, wird es für Manchen schwer. Ich denke da z. B. an Alleinerziehende und Menschen die arbeitsunfähig sind oder wenn man vorrübergehend in die Arbeitslosigkeit rutscht.

        Vorteile wären, dass man Menschen, die nur vom diesem Grundeinkommen leben, nicht mehr als Schmarotzer ansehen würde. Schließlich bekommen alle was. Für Studenten und Azubis ist das sicher auch von Vorteil.

        Aber es bleibt abzuwarten, wie es wird. Ich bin gespannt.

        Glaube das ist eine Milchmädchenrechnung zu Gunsten des Staates.hört sich erstmal wahnsinnig paradiesisch an....aber letztendlich ist es wohl alles andere.

        Verwaltungsaufwand würde in erster Linie gespart...sprich Staatsbedienstete entlassen....Preise steigen.

        Mieten..Nahrung...und so weiter.

        Ist ja schon hier so..sobald das Kindergeld erhöht wird, erhöht sich parallel das Essensgeld in der KITA.

      • In der Schweiz ist das auch seit ein paar Jahren Debatte und ich glaube sogar, 2016 müssen wir darüber abstimmen.

        Ansonsten ist vielleicht dies noch interessant, wenn du einen Thread darüber beginnen möchtest: https://en.wikipedia.org/wiki/Mincome (Hinweis auf die Referenzen!)

        Ich würde übrigens Ja stimmen, denn die Grundidee finde ich gut, die Schweizer Initiative finde ich aber noch nicht genug durchdacht (und das Grundeinkommen zu hoch). Ich bin mir jedoch sicher, dass die Initiative nicht angenommen wird.

        Wir haben mit ALG 2 bereits eine Art bedinungsloses Grundeinkommen. Es muss zwar beantragt werden aber grundsätzlich steht diese Versorgungsleistung jedem zu.

        "dass es für jeden dann 800€ im Monat gibt."

        Für jeden hieße: Eine 4-köpfige Familie bekäme 3200,-- Euro. Das reicht zum Leben, denke ich, auch in Finnland.

        "Ich muss gestehen, ich bin wohl zu geldgeil um dann nicht arbeiten zu gehen."

        Der Vorteil oder Nachteil des bedingungslosen Grundeinkommens ist u.a., dass Arbeitgeber ihre Löhne senken können. Denn sie wissen, der Bewerber bekommt sowieso und immer eine Grundsicherung von Staat. Ausgenommen sind solche Jobs, wo es mehr Stellen als Bewerber gibt. Hier wird eine Lohnabsenkung gar nicht oder nur gering stattfinden.

        Beispiel: Ein Arbeitnehmer, der jetzt 4000,-- Brutto verdient aber schon 800,-- Euro Cash vom Staat bekommt (bei Familie mit zwei Kindern sogar 3200,-- Euro), wird dann vielleicht nur noch 3000,-- oder 2500,-- Euro brutto verdienen. Natürlich findet das nicht auf einen Schlag statt sondern wird einer zeitlichen Entwicklung unterliegen.

        Vorteil ist: Unternehmen senken ihre Lohnstückkosten, werden wettberbsfähiger, können theoretisch ihren Umsatz erhöhen und der Staat hat Mehreinnahmen über Unternehmenssteuern.

        Nachteil: Arbeitnehmer müssen geringere Einkommen hinnehmen.

        "anderseits glaube ich aber auch, dass damit viele Faulenzer einen Freibrief bekommen. "
        Faulenzer gibt es immer. Die würde ich aber nicht so hoch bewerten. Immerhin erhält der Einzelne die Chance zu entscheiden, ob er noch arbeiten geht oder nicht. Viellecht würde der ein oder andere Niedriglöhner seiner ungeliebte Tätigkeit hinwerfen und viel lieber einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgehen.

        Wenn man nicht mehr zwingend arbeiten muss und dennoch, je nach Lebenssituation ein Grundauskommen hat, werden zB. psychische und physische Krankheiten abnehmen v.a. in Jobs, die von Menschen erbracht werden, die wirklich ausschließlich des Geldes wegen arbeiten.

        Sog. Mäc-Jobs werden nicht mehr gemacht werden. Oder aber man wird sie besser bezahlen müssen.

        Insgesamt, bei Berücksichtigung aller Einflussfaktoren, hat das bedingungslose Grundeinkommen für hochentwickelte Volkswirtschaften reizvolle Ansätze. Das Steuersystem kann stark verschlankt werden (Streichung von Subventionen und Steuervorteilen), auch andere tarifäre Leistungen (Bafög, Kindergeld, ALG2, Betreuungsgeld und und und und und...) werden gestrichen und verschlanken die Bürokratie. Die Lohnkosten sinken insgesamt, Unternehmen werden konkurrenzfähiger und Menschen gehen etwas weniger aus purer Existenzsicherung arbeiten sondern arbeiten, wenn, mit mehr Freude an der Arbeit oder aus Selbstverwirklichung.

    (14) 09.12.15 - 12:06

    Die Meldung über Finnland ist irreführend.

    Die Finnen wollen lediglich eine "Vorstudie" anfertigen lassen. Solche Studien wurden bereits in vielen Ländern erarbeitet. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird in Finnland in nächste Zeit nicht eingeführt. Die Regierung hat bereits dementiert.

    Mehr dazu:

    http://www.fr-online.de/wirtschaft/finnland-grundeinkommen--nur-ein-traum,1472780,32887982.html

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