Mama illegal...

    • (1) 09.12.15 - 23:08

      Hat das grad jemand gesehen? Ich bin so betroffen dass ich noch nicht mal was schreiben kann, oder eher wütend als betroffen. Ist die materielle Verbesserung wirklich ein solches Leben wert? Besonders perfide - sich selbst einzureden man täte es nur für die Kinder und könne nicht anders. Bin echt sprachlos.

      http://www.3sat.de/page/?source=/film/dokumentarfilm/184262/index.html

      Könnt ihr das nachvollziehen?

      • Hallo,

        oh die Geschichte geht nun um einige Ecken und deswegen habe ich auch nur Informationen aus dritter Hand erhalten.

        In Wirklichkeit dürfte es noch schlimmer gewesen sein.

        Eine nicht so unvermögende Frau aus dem Freundeskreis der Nachbarin meiner Mutter hatte sich eine Frau aus Polen geholt. Wie und woher weiß ich jetzt nicht. Irgendwann war sie halt da und ich habe nur davon erfahren, weil meine Mutter so von ihr schwärmte, wie toll, fürsorglich, fleißig und lieb sie doch sei

        Diese ist also nach Deutschland gekommen und hat ihre Kinder bei den Großeltern zurück gelassen um hier Geld zu verdienen.

        Im Grunde eine Art Pflege light, mehr Haushälterin als häusliche Pflege. Das artete dann auch als Gesellschafterin aus, da die polnische Frau auch bei ihrer "Herrin" wohnte.

        Das wurde dann so verquert, das die alte Frau einen Aufstand machte, wenn die Polin dann an Weihnachten oder zwecks Erholungsurlaub nach Polen zu ihren Lieben fahren wollte.

        Viele Bekannte der "Herrin" hatten schon etwas Mitleid und gaben ihr immer reichlich Sachen mit, die sie dann in der Heimat verkaufen konnte. das lief dann meist so, das jemand Anderes die Sachen mitnahm und das dann mehr oder weniger vollständig bei deren Eltern abgab.

        Praktisch war sie wie ein Leibeigene. Irgendwann hat sie dann doch den Absprung gefunden und über sie wurde dann gar nicht mehr geredet. Ich muss mal nachfragen, ob meine Mutter noch Näheres erfahren hatte.

        Gerade die alten Leutchen fanden das ja richtig toll, wie liebevoll sie mit der alten Herrin umging und brauchten noch Verständnis auf, das die nicht wollte, das sie zu ihren Kindern fahren wollte. Die Tochter war damals um die 12 Jahre alt und war wohl die Älteste, soweit ich das auf der Kette habe.

        Was auffiel, das es erst gar kein anderes Thema mehr gab als "die Polin" und abrupt hörte man nichts mehr. Ich vermute das manche (auch meine Mutter, die oft was für sie zur Nachbarin trug) deren Flucht als grobe Undankbarkeit gegenüber der alten Dame ab tat.

        Die Frau tat es auch nur für ihre Kinder

        Gut die war nicht illegal hier. Ob sie legal gearbeitet hatte, kann ich aber nicht sagen, da kein direkter Kontakt bestand und alles wußten meine alten Leutchen auch nicht oder sie wollten es mir nicht sagen.

        Aber so erging es auch EU Bürgern

        • Krankenpflegerinnen aus Osteuropa sind in der Regel legal hier und ihre eigenen Kinder sind im Normalfall erwachsen. Das ist wirklich eine andere Situation - zumal der Arbeitgeber eine Agentur ist und nicht direkt die Familie des Pflegebedürftigen. Menschlich sehr schwierig ist die Situation trotzdem.

          • Das ist sehr oft anders...leider.

            Oft werden sogar kleine Kinder zu Oma und Opa gegeben,damit Mama nach Deutschland gehen kann und arbeiten.

            In Rumänien z.B.gibt es so etwas wie einen Laufsteg...auf dem willige Arbeitnehmer laufen um sich zu präsentieren...vor den deutschen Einkäufern.

            Das Gehalt liegt bis zu 2/3 niedriger als das von anderem Pflegepersonal in Deutschland.

            Dasselbe in Ungarn...und Spanien.

            Vor 30 Jahren waren es philippinische Kräfte,die man billig einkaufte.

            Schon pervers...finde ich !

      • Wir haben für meine Schwiegermutter über eine Agentur eine polnische Pflegerin organisiert.

        Alle drei Monate wechseln die.
        Die Frauen bleiben Tag und Nacht bei der pflegebedürftigen Person, und fast alle haben minderjährige Kinder in Polen.

        Ich gebe den Frauen auch immer Kleidung und Spielzeug mit wenn sie dann nach Hause fahren.
        Die Agentur bekommt 2000 Euro jeden Monat von uns.
        Verdienst der Frauen ist aber wesentlich geringer.
        Wie hoch weiß ich nicht genau.

    Du machst dir edanken, warum diese Frauen ihre Familien verlassen, aber nicht über die Menschen, die diese Frauen illegal beschäftigen, 7 Tage in der Woche, auch 24/7 für einen Hungerlohn, ihnen nicht helfen Papiere zu bekommen und sie unter druck setzen nicht zu einem Arzt zu gehen?

    Perverse Welt!

    • Du hast selbstredend recht - aber die sind so zum Kotzen, die hab ich direkt ausgeblendet. Direkt vorher kam ja ein Beitrag über die Housemaids und die beiden deutschen Managergatten-Muttis waren zwei solche Kühe, man mag das gar nicht glauben. Aber die Ausbeuter, die solche Frauen beschäftigen, wurden ja in Mama Illegal auch gar nicht beleuchtet, deswegen hab ich eher die Frauen auf dem Schirm gehabt.

Kürzlich gab es hier einen Thread einer Frau aus Moldawien.Sie war illegal hier mit Kind und wurde sexuell missbraucht.Das Verständnis hielt sich in Grenzen, bzw. herrschte Ungläubigkeit, dass es so etwas hier geben könnte.

Die Frage ist, welche Umständen treiben die Mütter und Väter dazu? Da geht es ja nicht darum, ein Smartphone zu haben oder leckeres Nutella im Schrank.Es geht um die Zukunft der Familie, der Kinder.

Aber es ist erschütternd, wie die Familien daran zerbrechen.

Es ist schockierend zu hören, wie die Menschen von ihren Arbeitgebern als Illegale in Europa behandelt werden, wie sehr sie ausgebeutet werden. Ohne Versicherung, ohne Freizeit, ohne regelmäßig nach Hause zu können.

Und dass die Frauen dann nach Jahren in Europa zurück in Moldawien eine Art Kulturschock erleben, das wundert nicht, tut aber den zurückgebliebenen unglaublich weh.

Wie die eine Frau sagte: Wer gibt ihnen die ganzen verlorenen Jahre zurück?

Danke für den Link.

  • ich noch mal
    analog zu der anderen Diskussion mit den Fleisch-Arbeitern, was könnten denn die "Verbraucher" um die es hier in der Diskussion geht, hier in D denn bewirken? Wenn ihnen bewußt ist, was sie den Frauen antun.
    Ich weiß, blöde Frage jetzt von mir, es ist ja auch schon spät und ich wollte schon längst im Bett sein

    • Man kann sich politisch betätigen, Strukturen im Kleinen ändern. Damit es in Bezugnahme auf die Schlupflöcher, die es beispielsweise den Schlachtbetrieben erst ermöglichen, auf diese Weise Subsubsubunternehmen zu beschäftigen, bald keine Gesetzeslücken dieser Art mehr gibt.
      Als Verbrauche kann man durchaus mehr oder weniger hartnäckig bei der (regionalen und überregionalen) Politik vorsprechen, es ist ja nicht so, dass wir als Bewohner eines Landes nur untätig zuschauen können, wenn unserer Meinung nach etwas schief läuft.

      In Bezug auf die Frauen aus Moldawien (nur als Beispiel) ist die Frage, was man tun kann, oder ob es sinnvoll ist, diese Frauen eben gerade NICHT einzustellen.

      Es ist immer leicht, zu sagen, "ICH kann doch eh nix ändern, also nutze ich jetzt diese unglaublich billige Arbeitskraft, ICH kann nix dafür, dass die Umstände so sind".

      Für mich als Mensch ist das moralisch nicht vertretbar. Die Frauen sind nicht einmal krankenversichert, weil sie eben illegal da sind. Klar kann man sagen, "ja, sonst hätten sie ja gar nichts, besser wenig als nix", aber ich persönlich wollte kein Teil dieser Maschinerie sein, nein.

      Wobei ich auch nicht verstanden habe, was es braucht, um legal einreisen zu dürfen (bei der einen Frau in dem Beitrag wurden Anträge/Gesuche abgelehnt, Jahre später dann bewilligt, es muss also Bedingungen geben, die das ermöglichen).
      Sicher, das Wichtigste ist, im Land selbst die Strukturen zu ändern, und dazu sind wir als potenzielle Arbeitgeber der illegalen Arbeitnehmer in einem anderen Land selbstverständlich nicht in der Lage.

      Wie ich schon sagte, ich kenne mich mit Moldawien so gar nicht aus. Aber Moldawien selbst muss scheinbar noch sehr viel leisten, um sein Volk wirklich ernähren zu können.

      Also, ich habe keinen Plan, der das Leid und die Armut dieser Welt beseitigen kann. Aber ich denke, dennoch macht es Sinn, zu WISSEN, dass es diese Armut gibt und welche Gesichter sie hat.

      Und es macht in meinen Augen Sinn, sich immer wieder vor Augen zu halten, dass der "reiche Westen" Teil dieser Armut ist.

      Ich hoffe, das war jetzt verständlich erklärt.

      L G

      White

      • >>Aber ich denke, dennoch macht es Sinn, zu WISSEN, dass es diese Armut gibt und welche Gesichter sie hat.<<
        da sind wir einer Meinung!

        • Ich habe gerade AUCh gelesen, dass Moldawien jetzt finanzielle Hilfen erhalten soll.

          Als ich las, wie fruchtbar das Land ist, dass es unzählige Eichenwälder und Weinanbaugebiete gibt, dachte ich, mensch, das ist Frankreich im Südosten, das MUSS doch wirtschaftlich, landwirtschaftlich auf die Beine zu kriegen sein.

          Wein, Trüffel (fiel mir bei Eichenbäumen ein...;-)), Biofleisch (in der Doku liefen andauernd Gänse(braten) herum, alles war grün, das MUSS man doch sinnvoll und nachhaltig nutzen können), Biolandwirtschaft bei all der Natur - ganz Europa würde dem Land die Waren mit Handkuss abnehmen.

          Wenn man es gut angeht.

          Naja. Ich bin keine Wirtschaftsexpertin, das war nur mein laienhaftes Brainstorming dazu.

    Habe gerade nachgelesen, seit 2014 gibt es Visafreiheit für Moldawier, EU-weit. Sie können jetzt also legal nach Europa.

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