Was Hass so anrichtet

    • (1) 11.12.15 - 14:50

      Ich bin gerade nur noch fassungslos: http://www.sueddeutsche.de/politik/wurzen-bei-leipzig-achtklaessler-attackieren-fluechtlingskinder-auf-dem-schulhof-1.2778117
      Ja, es ist ein Einzelfall. Aber ich frage mich, was Kinder daheim hören müssen, damit so etwas geschieht. Es schockiert mich.
      Und ich bin davon überzeugt, dass das ganze Gerede vom "Widerstand" und dem "sich wehren müssen" zu solchen Ergebnissen führt, weil es Leute in ihrem Wahn stärkt, sie könnten und sollten das Problem einfach selbst lösen und dabei gleich mal an der Wurzel ansetzen. Ich habe mich oft gefragt, wie das stimmungsmäßig in den 30er-Jahren in Deutschland gewesen sein muss. Langsam bekomme ich eine Ahnung.

      • Und das ist erst der Anfang..

        Wie war das aber noch....währet den Anfängen ???

        Gib mal bei Google ein : " Neonazi Übergriffe"
        "Neonazi Gewalttaten"

        Da wird einem schlecht. Sowas haben viele Menschen seltsamerweise morgen wieder vergessen..wird auch keine Welle drum gemacht.

        Und genau DAS , was mit den Kindern oben passiert ist...weil jeder seine rechtspopulistische Scheiße überall verbreiten darf....und hinter dem Deckmäntelchen "besorgter Bürger"der Hass immer mehr explodiert...

        Weit sind wir glaube ich nicht mehr weg...von dem was in den 30´er Jahren los war.

        Die Menschheit hat offenbar NICHTS gelernt.

        Das macht Angst.

        • Moment mal: Hier gibt es Meinungs- und Pressefreiheit. Das gilt ausdrücklich auch für Extremisten und Idioten aller Art.

          Wer meint hinter Reichskriegsflaggen marschieren zu müssen, Journalisten abwechselnd als "Judenknecht" oder "Judensau" betitelt und gewählte Politiker "Volksverräter" nennt ist wahrscheinlich ein erbärmlicher Dummkopf- aber vom Staat hat er nichts zu befürchten, solange er nicht gerade die Schoa leugnet, einige Symbole benutzt oder zu Straftaten aufruft.

          Der geistige Unflat dieser Art zu Straftaten führt ist kein Wunder. Dass die Polizei grundsätzlich immer irgendwo anders zu tun hat, wenn so etwas auf rechten Aufmärschen passiert muss sich dringend ändern. Grundsätzlich ist das aber bei erwachsenen Straftätern Sache von Polizei und Justiz. Bei verhetzten Kindern und Jugendlichen haben auch noch die Jugendämter mitzureden. Das ist noch sehr viel mehr möglich als zur Zeit geschieht.

      Flüchtlinge werden nicht seit gestern vermehrt Opfer deutscher Straftäter. http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-11/fluechtling-kriminalitaet-rechtsextremismus

      Das ist widerwärtig - aber wundert es dich wirklich, wenn du liest, was im Netz so alles steht oder was Petry und Konsorten immer wieder von sich geben? Wie erstaunlich ist es denn, dass Jugendliche kleinere Kinder tätlich angreifen, wenn die Eltern zu Hause AfD-Parolen nachplappern. Leute, die sich so mickrig fühlen, dass sie ihren Frust an npch Schwächeren ablassen müssen sind eigentlich bedauernswert - aber eben auch gefährlich.

      Dazu kommt dann noch die Frage, wieso eigentlich so auffällig wenige Straftaten aufgeklärt werden. Insbesondere wenn Rechte Straftaten verüben lässt sich leider, leider so gut wie nie ein Täter ermitteln.

      Das ist eine Schande und es ist - ganz in Gegensatz zu den Flüchtlingen selbst - ein reales gesellschaftliches Problem, das uns noch lange beschäftigen wird.

      Was manche Leute nicht nur hier und unter einem realen Namen schreiben hat die FAZ gerade erfahren müssen: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/rechtsextremismus/alternative-fuer-deutschland-die-voelkische-bewegung-stellt-sich-vor-13950691.html

      Wie schnell Leute bereit wären z.B. den Rechtsstaat aufzugeben oder mal eben so Grundrechte abzuschaffen lesen wir nicht nur hier - obwohl selbst Springer-Zeitungen im Moment nicht auf diesen Zug aufspringen, sondern im Gegenteil die schlimmsten Hetzer bekannt machen.

      • Ich weiß, dass es immer Attacken auf Flüchtlinge gibt - ich wohne ja nun in einem Bundesland, in dem man das beim besten Willen nicht ignorieren kann. Aber dass Kinder so verhetzt sind und meinen, sie hätten das Recht, Kinder anderer Herkunft zu attackieren, das will mir nicht in den Kopf. Vielleicht denke ich da zu viel hinein, kann sein. Vielleicht wars ja nur eine der vielen unschönen Kabbeleien auf einem Schulhof, die es überall gibt und die aus dem Ruder gelaufen ist. Ich habe nur das Gefühl, dass es nicht so ist. Und das macht mir wirklich Angst.

        • Naja, ein Vater ist Rädelsführer bei einer Initiative "Wurzen gegen Asyl". Was das mit der Tat seines Sohnes zu tun hat wird sich zeigen.

          Die Bande der Jugendlichen hat die mazedonischen Kinder auch nicht nur einmal angegriffen.

          Dass Erwachsene Flüchtlinge tätlich angreifen scheint in manchen Regionen inzwischen akzeptabel zu sein, jedenfalls sind solche Straftaten in Sachsen häufiger als anderswo. http://www.mdr.de/sachsen/ueberfall-jahnsdorf100_zc-f1f179a7_zs-9f2fcd56.html

          Natürlich ist das eine Katastrophe - und schlimmstenfalls der Nährboden für Rechtsterrorismus. 817 Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte hat es bis Anfang des Monats gegeben.

          http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-12/bundeskriminalamt-fluechtlinge-gewalt-straftaten

          Ob das wirklich alles ganz spontane Aktionen waren, oder ob doch eine kleinere Gruppe von Tätern viele Taten begeht wissen wir noch nicht.

          Die Eiterbeule, die da aufgebrochen ist gab es schon viel länger. Schon die NPD hatte genau dort ihre Hochburgen, wo sich jetzt die widerwärtigsten Unmenschlichkeiten zeigen.

          Offensichtlich gibt es Menschen, die die Propaganda der Nazizeit für die letzte zuverlässige Informationsquelle halten. Das ist eine Schande für jeden Sozialkundelehrer, der nicht einmal die einfachsten Grundbegriffe der Demokratie vermitteln konnte. Von einer "Lügenpresse" kann nur reden, wer entweder nicht weiß was Pressefreiheit beinhaltet oder Schwachköpfe dazu einspannen will diesen Staat und seine Grundrechte zu bekämpfen. Wer Journalisten "Judensau", Politiker hingegen "Judenknecht" nennt hat offensichtlich keine Geschichtskenntnisse - oder er will wie der Historiker Hoecke andere verführen. (Wie das funktioniert zeigt hier übrigens im Kleinen unsere Käthe-die-gern-Unheil-säte und ihre Gefolge.)

          Straftäter, die Flüchtlingsbusse attackieren, Mörder, die Brandsätze in anderer Leute Wohnungen werfen und Schüler, die meinen auf dem Schulhof ein Pogrom veranstalten zu können, ohne anschließend aus der Schule zu fliegen fühlen sich als Opfer.

          • (Wie das funktioniert zeigt hier übrigens im Kleinen unsere Käthe-die-gern-Unheil-säte und ihre Gefolge.)

            Wen meinst du denn?

            Ich glaube dass es regional unterschiedlich hohe Straftatenzahlen gibt liegt an den wirtschaftlichen Problematiken in den Regionen!
            Auch an den regionalen Mentalitäten und der dort herrschenden Politik.
            In Sachsen sind auch oft die Menschen vor vollendete Tatsachen gesetzt worden (nicht nur in der Flüchtlingsproblematik)
            Ich denke ein wenig mehr mit offenen Karten spielen in solchen Angelegenheiten, könnte viel bringen.
            Und Flüchtlingsgegner gibt es immer und überall.
            Die Frage ist eben wieviele von ihnen Gehör bekommen.
            Man schaffe die Gründe, warum solche Leute Gehör und Anhänger bekommen aus dem Weg, dann sind sie nahezu ungefährlich.

            "Das ist eine Schande für jeden Sozialkundelehrer, der nicht einmal die einfachsten Grundbegriffe der Demokratie vermitteln konnte"
            Na ein Lehrer kann vermitteln was er will, wenn die "Ohren auf Durchzug geschalten sind" kann der Lehrer machen will was er will, er wird den Schüler nicht erreichen.
            Er erreicht ihn auch nicht , wenn der Schüler anere Erfahrungen gemacht hat, das das was man ihm vermitteln will.

            In einem stimme ich dir voll und ganz zu.
            Menschen angreifen (egal in welcher Form und egal wer angreift) geht gar nicht und das hat auch Konsequenzen für den Angreifer zu geben (egal was der für eine Vorgeschichte hatte)

    >>Und ich bin davon überzeugt, dass das ganze Gerede vom "Widerstand" und dem "sich wehren müssen" zu solchen Ergebnissen führt, weil es Leute in ihrem Wahn stärkt, sie könnten und sollten das Problem einfach selbst lösen <<

    die Frage ist, warum haben denn so viele das Gefühl, sich wehren zu müssen?

    • Das ist eine Frage, die ich mir stelle. Weil ich eben nicht sehen kann, dass es für den einzelnen Deutschen eine Art Notstand gebe, dass er (oder sie) wirklich bedroht von irgendwas ist und dass es eine irgendwie ausweglose Notsituation wäre.
      Ich verstehe also schon den Grundgedanken nicht - Politik hat doch immer schon Entscheidungen gefällt, die vielen nicht gefallen haben (Steuererklärungen, Bundeswehreinsätze, die hartz-Gesetzgebung). Noch weniger kann ich mir erklären, warum sich einzelne Menschen von Flüchtlingen so bedroht fühlen, dass sie sie körperlich angreifen oder ihre Unterkünfte in Brand setzen. Und am Grausamsten finde ich, dass dieser Hass offenbar schon in den Köpfen von Kindern ankommt.

      • >>Ich verstehe also schon den Grundgedanken nicht - Politik hat doch immer schon Entscheidungen gefällt, die vielen nicht gefallen haben (Steuererklärungen, Bundeswehreinsätze, die hartz-Gesetzgebung). <<
        oh ja, stimmt. Aber anscheinend waren dies immer Dinge, die man dann doch "akzeptieren" konnte. Und wo ein Ende ab sehbar war.

        Jetzt bei der Flüchtlingsthematik da scheint sich ein Gefühl aus zu breiten von "Fass ohne Boden"

    Ich versuche mal eine Erklärung?!
    Meine Verwandschaft in Sachsen sagt es so. Zitat:

    " Wir werden nicht gefragt ob wir Ausländer /Flüchtlinge bei uns aufnehmen wollen. Wir sind eine funktionierende Kommune mit Freiwilliger Feuerwehr, Schützenverein, Kirchengemeinde und sind stolz auf unser Heimatland und unsere Kultur. Wir möchten unseren Zusammenhalt und unsere Ruhe erhalten. Uns stört eine kulturelle Unterwanderung und eine damit einhergehende Störung unseres Sicherheitsgefühls. (Islam zieht Islamisten und Terroristen an ) Wenn Deutschland Asyl gewährt dann ist das ok., aber wir baden nicht die Fehler unserer Politiker aus.......die wohnen ja nicht dort wo sie die Menschen einquartieren!

    Wenn das so weiter geht wehren wir uns , in dem wir Rechts wählen oder demonstrieren."

    Anmerkung 1: Es war noch Keiner bei einer Demo (Pegida etc.). Die, die wählen gehen, haben bis jetzt immer SPD, CDU gewählt.

    Anmerkung 2: Fast alle sind in Vereinen oder in der Kommune engagiert

    Es ist also das Umfeld das ich hier schildere..................(keiner davon war je straffällig
    gewesen)..............

    • danke!

      Spannend. Aber man wird doch bei so vielen Sachen nicht gefragt - ob mit Steuergeld Banken gerettet werden sollen, zum Beispiel. Ist das jetzt quasi der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, eben weil in der Vergangenheit Dinge passiert sind, die man nicht mochte und nicht verhindern konnte? Oder fühlt man sich durch die vielen fremden Menschen jetzt wirklich so konkret bedroht? Auch in Sachsen sind noch nirgendwo, so weit ich weiß jedenfalls, Sicherheit, Ruhe, Heimatland oder Kultur zerstört worden.

      Ich kann diese ganzen diffusen Ängste bis zu einem gewissen grad nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht teile. Aber dieses "wir wollen die hier nicht haben" ohne jede rationale Begründung ist so gefährlich - wenn di eAusländer nicht mehr da sind, stören halt alle anderen, die nicht exakt so leben (wollen) wie man selbst.

      • ich versuche es mal so zu erklären: Die meisten Steuerverschwendungen erfährt der Steuerzahler erst, wenn es zu spät ist (z.B. wenn unsinnige Brücken oder sowas gebaut werden). DAs kann man nicht mehr rückgängig machen.
        Für größere Projekte wie der Flughafen oder die Bankenrettung gab es durchaus Diskussionen, aber jeder wußte, daß sein Geld weg war. Obwohl bei der Griechenlandrettung waren sehr viele ebenfalls verärgert und haben protestiert.

        Bei den Flüchtlingen ist das anders, weil kein Ende in Sicht ist. Ich denke, wenn man sagen würde, jetzt müssen wir vorläufig einen Stopp machen, würde sich die ganze Sache beruhigen. Aber keiner weiß, wiel kange hier noch 1000 von Menschen reinkommen und keiner weiß, WIE man das bewältigen soll und genau das ist es, warum Menschen sich wehren.

        So würd ich es mal erklären

        • Nun ja, das Asylrecht ist ein Grundrecht und es steht ziemlich weit vorn im Grundgesetz. So einfach ist die Sache mit dem Stopp nicht.

          Meinst du wirklich, dass unser Staat Grundrecht abschaffen müsste, damit ein brauner Mob aufhört Straftaten zu begehen? Und wenn das so ist: Sollten wir nicht auch gleich die Pressefreiheit abschaffen, wenn der Mob doch so gar nicht aufhören will "Lügenpresse" zu schreien? Oder was ist mit der Religionsfreiheit? Wenn hier alles von "Judenknechten" beherrscht wird dann muss man die Drahtzieher doch loswerden, oder? Sonst hört der Mob ja gar nicht auf zu schreien.

          Die braunen Hetzer machen zumindest kein Geheimnis darum, wofür sie stehen.

          http://www.tagesschau.de/inland/hoecke-rede-101.html

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