Unwort des Jahres 2015

    • (1) 11.01.16 - 07:03

      Morgen kürt die Gesellschaft der deutschen Sprache neben dem Wort auch das Unwort des Jahres.

      Sehr gute Chancen auf den Gewinn dieser Art Goldener Himbeere der deutschen Sprachkultur hat das Wort "Gutmensch". Jener Begriff also, der gerne in diffamierender Art eingesetzt wird von denen, die anderen Menschen, die helfen oder die Unterstützung anderer nicht in eine unlösbare Aufgabe umformulieren. Die eindimensionale Logik, man könne sowieso nicht allen helfen und deswegen als kruder Rückschluss, ist Hilfe grundsätzlich schädlich weil es noch mehr Hilfesuchende anlocken könnte. Mancherorts spricht man gar von einer Gutmenschen- Diktatur.

      Besonders häufig wurde dieses Wort eingesetzt von denen, die sich darauf eingeschworen haben, unser Abendland, das christliche, zu schützen. Unsere Werte, unsere Kultur...vor allem aber wohl das eigene bisschen Wohlstand. Als Synonym für Verweigerung von Realität, fùr Naivität, für mangelnde Einsicht, dass das Leben nun mal ungerecht sei und es in unserer Welt nun mal nicht ausreichend Ressourcen für alle Menschen gibt und das nun mal das Fremde auch das Böse mit ins Land bringt. Vor allem das Böse....

      Wenn es einen Gutmenschen gibt und dies das Unwort des Jahres wird, dann sind die, die dieses Wort in der beschriebenen Art einsetzen, wohl Unmenschen.  Wer will das schon sein?

      • Auf meiner persönlichen Liste ist ja "Stimmungsmache" ganz oben. Aber der TE gibt ja das Thema vor, also:

        Dann siehst du mal, wie unterschiedlich die sprachlichen Assoziationen so ausfallen.

        Ich verbinde mit Gutmensch vor allem Folgendes: Selbstgerechtigkeit und die Legitimation, sich moralisch über andere zu erheben. Gerne auch durch das Ergreifen einer selbstgewählten Opferrolle. Besonders dann, wenn man sich selbst als Gutmensch oder auch beliebt als "linksversiffter" Gutmensch bezeichnet.

        Ansonsten schwingt bei Gutmensch für mich auch etwas Bigottes mit, eine Menschenfreundlichkeit, die nicht unbedingt jedem zuteil wird.

        Manchmal, da stimme ich dir zu, schwingt auch etwas Realitsfernes, Naives mit.

        Aber vorrangig oben genannte Aspekte. Die Realitätsferne ist nämlich auch häufig keine wirkliche und gar nicht auf einen menschlichen Grundoptimismus, der durch nichts zu erschüttern ist, gegründet, sondern einfach Teil der (un-)bewussten Selbstinzensierung.

              • Dass ist unser Sudel-Kätchen wie es leibt und lebt. GLeich kommen die Leutchen, die den Rechtsstaat für überflüssig und andere Menschen für eine Naturkatastrophe halten und geben Sternchen und vermüllen den thread mit Unverschämtheiten mit einer Garnitur von Rechtschreibfehlern.

                • überflüssig sind Deine Kommentare, womit du andere wieder versuchst anzustacheln

                  jetzt komm nicht wieder damit, ob ich mich angesprochen fühle, weiß du ,es würde hier ruhiger und friedlicher zu gehen, wenn du nicht immer so nen Mist von dir geben würdest..

                  Deine ganzen Beiträge in den letzten Wochen, das war doch alles falsch, setzt Deine Rosa -Brille ab..geh mal an die frische Luft, und lass andere Ihre Meinung haben..

                  hör auf andere belehren zu wollen, ständig Dein von oben herab, Du bist nicht die, die hier immer recht hat, das Gegenteil ist der Fall..man kann Dich mit Fakten zu schmettern du siehst sie nicht, bist konsequent in Deinem Ignorieren, fühlst dich nur durch einen anderen User hier bestätigt..das ist peinlich Virginia..

            Ich bin noch keinem einzigen Menschen begegnet, der sich selbst als Gutmensch titulieren würde.

            Das wäre auch völlig unsinnig - das wäre selbstgerecht und würde andere abwerten. Das tun Leute, die von anderen als "Gutmenschen" diffamiert werden aber nicht - sonst wären sie ja keine Gutmenschen.

            Aber auch hier ist das Wort schon oft von "Realisten" verwendet worden, die die eigenen Ressentiments mit der Realität verwechseln und Dinge wie die Ablehnung von Grundrechten oder den Rassenhass wieder salonfähig machen wollen.

    (10) 11.01.16 - 11:57

    Ich wüsste überhaupt nicht, dass das Wort, bevor es als ironische oder abwertende Fremdbezeichnung für vermeintlich weltfremde Spinner benutzt wurde, je zur Eigenbezeichnung verwendet wurde. Und auch jetzt wird es meiner Beobachtung nach niemand verwenden, der sich selbst als guten Menschen darstellen will.

    Wirklich ernstgemeint im Wortsinne ist es doch nie, oder?

Ich fand und finde das Wort "Asylflut" schlimm. Das verdeutlicht so richtig die Entmenschung der ganzen Diskussion.
Schlimm finde ich auch "Asylant", das gibts aber schon lange....Da habe ich als Kind schon immer irgendwie schmutzige, finstere Gestalten assoziiert..

  • ***Schlimm finde ich auch "Asylant", das gibts aber schon lange....Da habe ich als Kind schon immer irgendwie schmutzige, finstere Gestalten assoziiert.. ***

    Ja, das wundert mich auch, dass "Asylant" so weit verbreitet benutzt wird. Für mich ist es seit Jahrzehnten schon ein Unwort wie "Neger" oder "Mongo".

    Als mein Chef im Herbst der versammelten Mannschaft erklärte, dass "wir" nun "Asylanten" aufs Gelände bekommen, und dieses Wort gefühlte 100x verwendete war ich ziemlich irritiert und googelte zuhause erstmal ob das Wort "ok" ist, fand dann aber schon die Erklärung, dass es herabwertend benutzt wird und man es schon seit den 90ern nicht mehr sagt. Allerdings wird es auf verschiedenen Plattformen (u.a. urbia) ganz selbstverständlich verwendet und ich habe hier zB nur ein einziges Mal gelesen, dass jemand darauf hinwies, dass es nicht mehr benutzt werden soll.

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