Was haben die Themen "Wirtschaftsflüchtling" und "ungleiche Verteilung von Vermögen" gemeinsam?

    • (1) 21.01.16 - 11:57

      Liebe Urbianinis,

      Ich dachte eigentlich, daß mich auf urbia nichts mehr aus den Latschen hauen kann, aber dennoch passiert es immer wieder.
      Daher möchte ich vielleicht, für diejenigen, die einerseits kein Verständnis aufbringen können, warum Menschen aus wirtschaftliche Erwägungen flüchten und andererseits auch keinen Handlungsbedarf sehen, die himmelschreiende Ungerechtigkeit in der Verteilung von Vermögen und Ressourcen zumindest einmal als solche zu benennen, vielleicht nochmal kurz beide Themen zusammenführen:
      Es ist offenbar für den Normalsterblichen gar nicht vorstellbar, was es bedeute, daß 2% der Menschheit im Besitz von 50% der Ressourcen ist, so daß wir bei dem Thema sofort abschweifen zu „aber dem Lottomillionär darf nichts genommen werden“ oder noch besser „die Politiker verdienen auch so viel“
      Daß wir offenbar nicht in der Lage sind uns diese Dimensionen, die rein gar nichts mit dem erfolgreichen Handwerksbetrieb zu tun haben oder dem gutverdienenden Firmeninhaber, sollte uns vielleicht einen Moment innehalten lassen und uns kurz überlegen lassen, was das denn real bedeutet?
      Haben da einfach ein paar Leute nur etwas mehr „Taschengeld“ als ich ?
      Hätte ich mich (wie unten genannt) einfach ein bisschen mehr anstrengen müssen, um in diesen erlauchten Kreis ebenfalls problemlos hätte aufsteigen können?
      Was ist denn mit diesem Vermögen? Stellen sich das manche so vor, daß der Sparstrumpf einfach ein bisschen dicker ist?
      Oder ist es nicht vielmehr so, daß diese Form der ungleichen Verteilung dazu führt, daß die begrenzen Ressourcen auf der Welt so völlig ungleich verteilt sind.
      Was bedeutet es denn, wenn Wasserquellen in Ländern gekauft werden, so daß die Menschen vor Ort sich nicht mehr IHR sauberes Quellwasser leisten können ,weil es in Flaschen abgefüllt und nach Europa geschifft wird, mit der Konzern weitere Milliardengewinne erwirtschaften kann?
      Was bedeutet es, wenn Konzerne Pflanzen und Pflanzensamen patentieren lassen, und Bauern nun gezwungen sind jedes Jahr neuen Samen zu kaufen?
      Was bedeutet es, wenn Land und Bodenschätze nicht mehr der Bevölkerung gehören, sondern den wenigen Reichen?

      Ja- es wird immer mehr Menschen dazu bringen, dies nicht länger zu akzeptieren, daß ihre eigenen Kinder nicht ausreichend sauberes Trinkwasser haben oder nicht ausreichend zu essen, sie werden es nicht dauerhaft hinnehmen, daß die Großkonzerne ihre Bodenschätze plündern und Umweltzerstörung in unermesslichem ausmaß hinterlassen, daß ein paar wenige Reiche mit den Preisen für Lebensmittel spekulieren und so für Hungersnöte verantwortlich sind, daß sie nur dann überleben können ,wenn sie 12 Stunden am Tag unter unmenschlichen Bedingungen unsere Kleidung nähen oder unsere Medikamente an sich testen lassen?

      Was bedeutet das für Europa? Ganz einfach: Immer mehr dieser Menschen, die genau unter diesen Bedingungen leiden werden sich auf den Weg zu uns machen und wir werden das nicht durch Abschottung verhindern können.
      Wer also verhindern möchte, daß Menschen sich gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen, weil es dort keine menschenwürdigen Lebensumstände gibt, der sollte genau hinhören, wenn er solche Zahlen liest.

      Da ich leider im Augenblick nicht viel Zeit habe, werde es kaum schaffen auf jeden Beitrag zu antworten- schon gar nicht zeitnah. Mir war es dennoch wichtig, diesen Zusammenhang hier nochmal darzustellen, der offenbar einigen gar nicht klar zu sein scheint.

      • Was wirklich bemerkenswert ist, ist die Abwesenheit jeglicher Empathie für Armut, stattdessen aber das strikte Inschutznehmen von Superreichen einiger Antworten verbunden mit einer sozialdarwinistischen Einstellung, als hätte es für einige das Zeitalter der Aufklärung nicht gegeben. Man kann getrost von feudalistischen Denkstrukturen sprechen.

        Dass wir mit der angesprochenen Entwicklung selber den Sprengsatz legen für soziale Unruhen, scheint einigen nicht im Enferntesten klar zu sein. Oder einfach ahnungslos.

        • ja, es ist eigenartig und ich kann es mir auch nicht erklären.
          Vielleicht sind die Dimensionen wirklich so unvorstellbar groß, daß wir dann ja wieder schnell abgleiten in Gefilde, wir uns vorstellen können (der vermögende handwerkersbetrieb, der "überbezahlte" politiker...)

          "Man kann getrost von feudalistischen Denkstrukturen sprechen."

          ja, absolut

          "Was wirklich bemerkenswert ist, ist die Abwesenheit jeglicher Empathie für Armut, "

          Das würde ich so nicht stehen lassen. Die Empathie ist schon vorhanden und kommt immer wieder mal zum Ausdruck, wenn die bösen Asylanten kommen und den Obdachlosen und den armen Kindern alles wegnehmen.#schwitz

        • (5) 21.01.16 - 17:07

          Ich sehe nicht nur einen Mangel an Empathie für Armut, sondern bei einigen sogar den unbedingten Willen, dass es anderen unbedingt schlechter gehen muss. Das kann man dann irgendwie abhaken unter "die werden schon selbst dran schuld sein" und das eigene bequeme als reine Folge purer Leistung werten, das nichts mit Glück und Zufall zu tun hat.

          • (6) 21.01.16 - 17:52

            Das Kuriose ist: Denen, die man unter sich wähnt, wird mangelnde Leistungsbereitschaft unterstellt und man spricht einigen (ALG2-Empfänger pauschal) das soziale Gewissen ab, an die Gemeinschaft zu denken.

            Die gleichen Leute verteidigen aber bis auf's Messer den Millionenerben, der ebenfalls 0,0 für diese Vermögen gearbeitet hat und dessen Recht, sein Geld zu behalten und soziale Zwecke als überflüssig zu bezeichnen.

            • (7) 22.01.16 - 07:52

              Interessant, oder? Da wird im gleichen Atemzug Staatsversagen mit kurz bevorstehendem Zusammenbruch des Gemeinwesens vorhergesagt, während man sich gleichzeitig an das Credo klammert "jeder kann es nach oben schaffen". Wie das zusammengeht, ist mir rätselhaft.

      #pro

      Du triffst den Nagel auf den Kopf.

      #pro

    Ich habe dem nichts hinzuzufügen.

Darüber sollte man sich nicht erst seit gestern "Sorgen" machen!

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