Nationalstolz

    • (1) 02.02.16 - 14:33

      Der Thread unten deutet es ja schon an: Die Nationalflagge im eigenen Umfeld als Zeichen für einen möglichst unbefangenen Patriotismus.

      Eine Userin schrieb: "Ein kleines bisschen Nationalstolz täte den Deutschen auch gut, Deutschland ist ein schönes Land." und bezog dies auf Dänemark, wo wohl recht unbefangen, viele Menschen ihre Häuser und Grundstücke mit der Nationalfahne schmücken.

      Ich halte den Satz der Userin für richtig. Aber dennoch tut man sich in Deutschland schwer mit dem Umgang nationaler Symbole und Zeichen.

      Hat man es uns aberzogen, dieses bisschen Patriotismus zu zeigen? Ist unsere eigene (negative) Geschichte schuld an unserer defensiven Haltung, die fast manchmal die eigene Nationalität eher verleugnet als sie hervorzuheben?

      Oder sind wir von unserer Mentalität ohnehin nicht die "Hurra-Schreier", zumal wie gelernt haben, dass nichts Gutes dabei heraus kommt an dem Satz: "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen!"

      Oder gibt es die deutsche Nation in dem Sinne nicht wie es eine französische oder polnische gibt? Sind wir am Ende eher Sachsen, Bayern, Friesen, Schwaben, Westfalen? Fehlt uns das gemeinsame historische Ereignis des Guten? Eine Revolution der Befreiung? Ein gemeinsamer Nationalheld wie Tell oder Hofer? Ein gemeinsamer Traum?

      Immerhin haben z.B. die Dänen nicht halb Europa in Springerstiefeln überrannt. Bei den Deutschen könnte Patriotismus falsch verstanden werden. Ein zu starkes Deutschland oder ein Deutschland mit einem zu starken Selbstbewusstsein hat unsere unmittelbaren europäischen Nachbarn oft auch schon nervös gemacht.

      Ein Fahne im Vorgarten, ein Deutschland-Trikot, ein Aufkleber am Auto. Im Grunde alles harmlose Devotionalien.

      • Hallo,
        ich verstehe einfach nicht, warum "Deutschland ein bisschen mehr Nationalstolz gut täte". Was wäre denn da der positive Effekt? Was wäre dann besser?

        • Vielleicht ist das einen Art Lebensqualität? Ein Wir-Gefühl. Nicht, um sich über andere zu erheben sondern sich in einer Art positivem Wettbewerb auf die nationalen Errungenschaften (gerne auch im europäischen Kontext) zu berufen.

          Nicht jeder muss das teilen oder mitmachen.

          Meine Frage ging auch mehr in die Richtung, warum wie Deutsche es im Gegensatz eher nicht tun? Warum können wir das nicht? Fehlt uns die Unbefangenheit?

          • Mal umgekehrt gefragt.

            Hast du den Eindruck, dass diejenigen die "entspannt" mit der deutschen Fahne umgehen und diese in den Vorgarten hängen wirklich ein stärkeres WIR Gefühl haben, sich stärker mit Deutschland, der gesellschaft und den Werten und Normen identifizieren?

            ich habe eher den gegenteiligen Eindruck.

            • Dazu kann ich beim besten Willen nichts sagen. Dafür fehlen mir einfach umfassende repräsentative Kenntnisse, was diese Menschen denken oder fühlen.

              Warum die Frage?

              Hast Du den Eindruck, diese Menschen möchten damit eventuell etwas kompensieren?

              • Du hast ja die These aufgestellt, dass durch Fahnen das Wir gefühl und die identifikation mit der deutschen gesellschaft gestärkt wird (so habe ich es zumindest verstanden.

                ich frage mich nur, ob man das bei den Menschen, die die fahne tatsächlich aufhängen wirklich beobachtet. das müsste ja dann so sein.

                Deinen letzten Satz kann ich überhaupt nicht nachvollziehen und verstehe nicht die Brücke zu meinen Fragen.

                • Nein, ich habe keine These aufgestellt. Allerdings ist es doch wohl augenscheinlich so, dass Deutschland sich schwerer damit tut, ein Nationalgefühl zu entwickeln bzw. zu symbolisieren. Andere Länder und deren Menschen gehen unbefangener damit um bzw. haben eine nationale Identität, die sie auch unbefangen nach außen tragen.

                  "Deinen letzten Satz kann ich überhaupt nicht nachvollziehen und verstehe nicht die Brücke zu meinen Fragen."

                  Meine Frage war: Glaubst Du, dass Menschen, die sich z.B. mit diesen Symbolen umgeben damit etwas kompensieren wollen weil ihnen alternative Identifikationsmöglichkeiten fehlen?

                  • "Meine Frage war: Glaubst Du, dass Menschen, die sich z.B. mit diesen Symbolen umgeben damit etwas kompensieren wollen weil ihnen alternative Identifikationsmöglichkeiten fehlen?"

                    Oh das ist bestimmt bei so einigen der Fall. Sicher ein ähnliches Gefühl, wie es manche haben, wenn sie Dinge sagen, die "man wohl noch sagen darf"

                    Und nur so, weil in dieser Diskussion öfter mal das Beispiel USA kam, also entspannt wirken die in Bezug auf ihren Nationalstolz ja nun auch nicht gerade...

                    Ich denke nicht, dass sich Deutschland immer noch besonders schwer damit tut ein nationalgefühl zu entwicklen bzw. dies zu demonstrieren.

                    Hier wird aber leider angedeutet, dass dies zwangsläufig mit Fahnen assoziiert ist.

                    ich denke nicht, dass wirklich immer Deutschlandfahnen irgendwo auf einen reflektieren Nationalstolz hinweisen. Diese Kausalität stelle ich einfach in Frage.

                    Vielleicht hat sich hier in Deutschland einfach ein anderer Umgang mit Fahnen, nationalen Symbolen etabliert. Ich bin es halt leid, dass das immer so kritisiert werden muss, besonders mit dem Blick auf Sitten in anderen Ländern. Diese sind für uns ja auch in anderer Hinsicht nicht zwingend immer Vorbild.

                    Und zu deiner Frage. ich verstehe immer noch nicht den Zusammenhang mit meinen Postings. Und meine Antwort ist "nein".

          Also ich habe nicht das Gefühl, dass es in Deutschland an Nationalstolz fehlt.

          Und dass ich keinen empfinden kann tut meiner Lebensqualität nun wirklich keinen Abbruch :-)

          Hallo #winke

          Ich glaube die Erklärung liegt da sehr nahe . Man kann einfach diese mehr als krasse Geschichte in der nazizeit nicht ablegen. Schau dir doch das Land an. Wie viel rechte Gesinnung da wieder durch kommt in Sachen flüchtlinge. Vieles wiederholt sich. Und solange es immer diese rechten Deppen geben wird , solange wird sich kein Mensch mit gutem Gewissen trauen zu seinem Land zu stehen wie es die amis z.b. machen...
          Deutschland lernt einfach nicht aus seinen Fehlern ,wenn ich das ganze braune pack sehe und all die " besorgten bürger", die noch nie in ihrem Leben realen Kontakt zu Flüchtlingen hatten, aber die große " wir haben angst" Keule schwingen , dann wird mir schlecht und dann möchte ich auch keinen nationalstolz besitzen , solange solche Meinungen & hassparolen an der Tagesordnung sind. Ich komme aus berlin& wenn du durch die Bezirke gehst , dann findest du eigentlich nichts, was typisch deutsch ist. Wir haben so viele Einflüsse in der hauptstadt...Und das finde ich jedes mal aufs Neue aufregend. Wir können hier so viele feste feiern und so viele Gelegenheiten nutzen, um positive Erlebnisse zu schaffen, Menschen zusammenzuführen.

          Aber Deutschland wird durch seine Geschichte nie eins werden.

          Nazi-geschichte und Teilung deutschlands....Solange diese Generationen noch in Deutschland leben , wird es keine Einigung geben, da sie immer in ihren Herzen und köpfen geteilt sein werden ...

          • Dir ist aber schon klar, dass sehr, sehr viele andere Länder auch eine krasse Geschichte haben, die dem Dritten Reich teilweise in nichts nachsteht? Und deutschland stellt sich seiner geschichte wenigstens (wenn auch vielleicht ein bisschen zu viel).
            Amerika zB hat sich in der Geschichte wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert, der Rechtradikalismus ist mit Sicherheit weiter verbreitet als bei uns (und deutlich akzeptierter) und aus Fehlern lernen tun "die Amerikaner" auch nicht. Dennoch zelebrieren sie ständig ihr Nationalbewusstsein...

            Der Grund unseres fehlenden Nationalstolz ist sicherlich nicht, dass es nichts gibt auf das man stolz sein könnte. Jedenfalls nicht mehr oder weniger als bei jedem andern Land auch.

            • (13) 05.02.16 - 08:38

              " Und deutschland stellt sich seiner geschichte wenigstens (wenn auch vielleicht ein bisschen zu viel)."

              Kann es ein "zu viel" geben bei allein in Lagern 6 Millionen ermordeten Menschen?

              • (14) 05.02.16 - 09:10

                Schwieriges Thema.

                Sich seiner Geschichte stellen, bedeutet sie aufzuarbeiten. Das Dritte Reich ist in meinen Augen mehr als genug aufgearbeitet, Zeitzeugen gibt es kaum mehr, wirklich Schuldige auch nicht. Da ist nicht mehr viel, dass man sinnvoll aufarbeiten könnte.

                Deutschland behandelt das Dritte Reich aber ein bisschen wie die Erbschuld bei Adam und Eva. Ich habe einen Deutschen Pass, also bin ich schuldig. Und das ist Unsinn. Wir Deutsche haben heute genauso wenig oder viel mit den Gräueltaten des Dritten Reichs zu tun wie mit dem Völkermord in Ruanda.

                Die Hitlerzeit ist sicher ein sehr trauriges Kapitel der Menschheit, aber es ist nur eins von vielen sehr traurigen Kapiteln. Und aus all diesen Kapitel sollte man lernen.

                • (15) 05.02.16 - 09:22

                  "Deutschland behandelt das Dritte Reich aber ein bisschen wie die Erbschuld bei Adam und Eva. Ich habe einen Deutschen Pass, also bin ich schuldig."

                  Ist das wirklich so?

                  Ich habe das nie so empfunden.

                  In meiner Lebenszeit habe ich aufgrund meines deutschen Passes vielmehr immer Bewunderung gehört, insbesondere im außereuropäischen Ausland. Bewunderung für die angeblich deutschen Tugenden, für Disziplin, Pünktlichkeit, Genauigkeit, Fleiß etc., eben diese Klischees. Natürlich auch für die deutsche Ingenieurskunst.

                  In Holland oder Frankreich ist man schon mal auf alte Ressentiments gestoßen aber das hat sich eigentlich auch in Grenzen gehalten.

                  "Das Dritte Reich ist in meinen Augen mehr als genug aufgearbeitet, Zeitzeugen gibt es kaum mehr, wirklich Schuldige auch nicht. Da ist nicht mehr viel, dass man sinnvoll aufarbeiten könnte."

                  Historisch aufbereiten kann man auch ohne Zeitzeugen. Ansonsten würde ja Geschichtsforschung generell überflüssig.

                  Und wachsam zu sein, im Bewusstsein, wozu Menschen fähig sind, ist die Verantwortung, die wir für unser Land tragen. Das hat eben nichts mit Schuld zu tun aber mit dem klaren Blick auf die Fähigkeit des Menschen, seinesgleichen rücksichtslos auszubeuten und zu vernichten.

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