Fremdschämen - und die Folgen

    • (1) 21.02.16 - 10:19

      http://www.sueddeutsche.de/panorama/sachsen-schaulustige-bejubeln-brand-in-fluechtlingsheim-1.2872923

      Allein muss sich der Mob von Heidenau und Clausnitz nicht fühlen. In Bautzen hat sich ein Mob zusammengerottet, um den Brand eines Flüchtlingsheims zu bejubeln. Selbst verhetzte Kinder jubelten mit.

      Es widert mich an. Ich schäme mich zum gleichen Volk zu gehören wie diese Menschen und ich hoffe sehnsüchtig, dass die Jugendämter sich um Familien kümmern, die ihre Kinder mitnehmen um den Brand von Synagogen, Wohnungen, Flüchtlingsunterkünften oder ähnlichem zu bejubeln.

      Gleichzeitig will de Maizère eine Residenzpflicht für anerkannte Asylberechtigte schaffen. Das hieße für die Betroffenen sich noch länger als heute in Regionen aufhalten zu müssen in denen man Pogrome offensichtlich für diskutabel hält.

      Wo die Polizei war, als der Mob hetzte muss man wohl ohnehin nicht fragen.

      • ja- auch hier findet man es ja durchaus verständlich, daß die Gewalt sich so entläd, weil man mit "merkels Politik" nciht einverstanden ist

        Es wird offenaber von Teilen der Bevölkerung als zwangsläufigkeit angesehen.
        Ich bringe das in Verbindung mit einem wenig ausgerpägten Verstädnis von Demokratie oder offener Ablehnung von freiheitlicher Demokratie.
        Wir haben ein massives Problem lange irgnoriert (nämlich daß wir im Osten einem nicht unwesentlichen Teil der Bevölkerung diese Staatsform überhaupt nicht nahe bringen konnten) und sehen nun bei der ersten Krise, wie schnell der Firnes der Zivilisierung bröckelt...

        • Das denke ich auch. Da ist etwas ganz anders gescheitert: die deutsche Wiedervereinigung.

          Rein wirtschaftlich ist das nach schwierigen Jahren inzwischen vollzogen, auch über einen ostdeutschen Bundespräsidenten und eine ostdeutsche Kanzlerin wundert sich niemand mehr - aber weite Teile der Bevölkerung scheinen weder westliche Werte noch demokratische Vorstellungen übernommen zu haben.

          Zugleich errichten ehemalige Ostblockstaaten wie Ungarn oder Polen faktisch Postdemokratien.

          Ich fürchte da gibt es viel tiefer liegende Probleme als ein paar Kriegsflüchtlinge.

          • Was sind denn "westliche Werte" ?

            • Wie wäre es mit ein wenig Verfassungspatriotismus?

              Das Einstehen für Dinge wie Asylrecht oder Pressefreiheit - auch dann wenn das mehr als nur ein paar Worte kostet?

              Oder ein paar Normen - z.B. das Anstandsgebot, dass man keine zufällig anwesenden, persönlich nicht bekannten Mitmenschen niederbrüllt, tätlich angreift oder gleich ermordet?

              Oder vielleicht ist ja auch ein klein wenig Christentum übriggeblieben - womit der wichtigste Gottesdienst der Dienst am Nächsten - und zwar am schwächsten Nächsten - ist, ungeachtet seiner Person? Oder sogar die Vorstellung im "geringsten seiner (Jesu) Brüder) nicht nur das Objekt von Wohltätigkeit, sondern den Richter zu sehen?

              Da fallen mir schon einige Werte ein, die diese Leute offensichtlich nicht teilen.

    Moin!

    Ich habe in einem anderen Thread etwas gepostet, was hier auch reinpasst, ich kopiere es einfach:

    Ich hatte vor einiger Zeit schon einmal geschrieben, dass ich mir lange nicht wirklich in der Praxis vorstellen konnte, wie das Dritte Reich zustande kam...

    Das hat sich inzwischen geändert. Ich kann das nach solchen Meldungen echt nachvollziehen #zitter Das hat meiner Meinung über bestimmte Gruppen meiner Landsleute nicht gut getan...

    Und wenn solch asoziales Verhalten dann auch noch mit "was sollten sie denn machen, wenn so viele Flüchtlinge kommen" gerechtfertigt wird, dann muss ich echt brechen #heul

    Das kann doch nicht wahr sein, dass Leute sich in ihrem Luxusleben so wirklich aufführen! Pfui!

    LG
    Nele

    • Für unsere Großeltern und Urgroßeltern habe ich sogar noch einen Funken Verständnis, für dieses Pack nicht.

      1933 war eine Weltwirtschaftskrise gerade vorüber. Die Arbeitslosenversicherung war erst 1927 eingeführt worden, ihre Leistungen waren so niedrig, dass Arbeitslose oft hungerten. Die Nazis haben - wenn auch zur Kriegsvorbereitung - Großaufträge im Straßenbau vergeben und so Menschen in Arbeit gebracht.

      Uns geht es so gut wie nie zuvor, das gilt ausdrücklich auch für sozial schwache Menschen. Unsere Wirtschaft ist stark wie nie, wir sind die Krisengewinnler der Eurokrise und die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie selten zuvor - auch und gerade im Osten.

      In der Weimarer Republik konnte der Reichstag Misstrauensvoten gegen einzelne Minister stellen. Es gab viele kleine Parteien, die Koalitionen und Regierungen wechselten häufig. Der Reichspräsident konnte mit Notverordnungen am Parlament vorbei regieren.

      Heute kann der Bundestag nur den Kanzler mit der gesamten Regierung per Misstrauensvotum stürzen, das Parteiensystem ist stabil, aber nicht so erstarrt, dass neue Parteien keine Chance hätten, der Bundespräsident darf repräsentieren, aber nicht regieren. Die meisten Menschen sind mit diesem System im wesentlichen zufrieden.

      Damals haben alle möglichen Gruppen - auch die Kirchen - Juden als Feindbild missbraucht. In der Realität waren viele Juden im 19 Jh. ins Bildungsbürgertum aufgestiegen. Das sorgte für Neid und viele autoritätsgläubige Menschen haben wiedergekäut, was man ihnen vorkaute.

      Heute sollte eigentlich jeder gelernt haben zu einer eigenständigen Meinung zu kommen, es gibt keine tradierten Feindbilder. "Muslime" oder "Flüchtlinge" sind als Feindbild ungeeignet, weil darunter viel zu viele völlig verschiedene Richtungen fallen würden. Dennoch laufen nicht wenige Menschen braunen Rattenfängern hinterher - was schlimm ist, weil dann demokratische Politiker mit populistischen Parolen kontern und selbst Undurchführbares fordern. ich fürchte mit sinnlosem Geschwätz von Obergrenzen und Grenzschließungen großer Staaten bestärken sie eher die Rattenfänger als die Leute als Wähler an sich zu binden.

Ich bin noch gar nicht beim Schämen, dafür bin ich viel zu wütend. Wütend auf die Leute, die meinen, man könne sowas machen und dabei "Wir sind das Volk" gröhlen. Wütend auf die Polizei, die vermitteln möchte, es sei die eigentliche Provokation, Leuten, die einen anschreien, man möge dahin zurück gehen, wo man hergekommen ist, den Mittelfinger zu zeigen und dass Asylbewerber in diesem Land offenbar nur eine Haltung haben dürfen: demütig, egal, wie man behandelt wird. Und wütend auf einen Ministerpräsidenten und seine tolle CDU, die dazu lieber nichts sagen, aus Angst, es könne Wählerstimmen kosten.

  • Ich habe mich auch noch nicht beruhigt. Meine Jungs sind auch 10 und 11 und die Idee ein Polizist könnte mit ihnen umspringen wie mit dem gleichaltrigen Flüchtlingskind treibt mir den Blutdruck in gefährliche Höhen.

    Außerdem war einer der Haupttäter in Uniform ein Bundespolizist, der de Maizière untersteht. Noch habe ich Hoffnung, dass er ab Montag keine deutsche Uniform mehr trägt.

    Dieser Polizeipräsident hat sich so unsäglich blamiert, dass der Innenminister - leider dieses Mal der sächsische - ihn eigentlich nur am Montag in den vorläufigen Ruhestand versetzen soll.

    Die Flüchtlinge, die "selber schuld" waren sind übrigens 10 und 14. AUch wenn es unrealistisch ist: Ich hätte geradezu unwiderstehbare Lust genau diese Würgetechnik an genau diesem Polizisten und seinen Chefs ausgiebig zu üben.

Du hast völlig Recht, es ist widerwärtig was bei uns abläuft.
Ich bin sehr gespannt wie es weiter geht!

Auch ich bin entsetzt über so viel Hass und Dummheit.

Ich lerne auch gerade am eigenen Leib, wie die Hetzer vorgehen.

Zuerst wird immer wieder laut Lügenpresse und dass ja so übel zensiert wird, geschrien.
Dann werden über eigene Medien übelste Lügen verbreitet und man wird gesperrt, damit nichts dagegen sagen kann. Dann wird immer wieder hervorgehoben, dass sich die Beschuldigten wohl nicht dazu äußern wollen und die Vorwürfe deshalb wahr seien.
Wenn man sich doch noch irgendwie wehrt, bekommt man Drohungen. So geschehen bei zwei bekannten von uns.
Und dann gibt es Leute, die fallen genau darauf rein und fertig ist der Mob!

Jetzt hast du ja wieder Futter bekommen, deine Lieblingsbegriffe wie "Mob", "Hetze" "Pogrom" etc.. zahlreich anzubringen.

Ich schäme mich nicht, zum gleichen Volk zu gehören. Ähnlich wie ein afghanischer Flüchtling sich nicht schämen muss, nur weil ein anderer Afghane Kinder und Jugendliche im Schwimmbad belästigt.

Was nicht in meinem Namen geschieht, gereicht mir zu keiner persönlichen Scham..

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