Flüchtingshilfe/ Flüchtingskontakt.

    • (1) 23.02.16 - 16:18

      Hallo ihr, ich lese ja viele eurer Antworten und an dieser Stelle interessiert mich einfach woher ihr eurer Wissen habt, ich würde mich hier wirklich über ehrlichst Antworten freuen.

      Habt ihr persönlich Flüchtlingen geholfen? Habt ihr Kontakt zu ihnen?

      Oder habt ihr eure Meinung eher durch Berichte, Zeitungen, Tv, hören sagen durch andere.

      Oder durch das was ihr seht, also zum Beispiel durch Flüchtlinge vor Ort, ohne mit ihnen gesprochen zu haben?

      Ich bin wirklich gespannt.

      • Ich habe eine Zeit lang fest angestellt in Flüchtlingsunterkünften gearbeitet (neben dem Studium als Minijob). Nachdem ich dies nicht mehr getan habe, bin ich noch ehrenamtlich in diesen Unterkünften tätig. Mindestens einmal in der Woche. Zu den Aufgaben zählen: Fahrdienste, Begleitung zu Ämtern und Ärzten, Beschäftigung mit den Kindern (basteln, malen, Spielplatz) , Sportliche Aktivitäten mit Jugendlichen, Feste organisieren und mit helfen, in der Kleiderkammer aushelfen, in der Küche aushelfen (oder Essensausgabe) , Hobbys organisieren (wir haben Ehrenamtliche die mit den Flüchtlingsfrauen stricken häkeln, mit den Jungs Fußball spielen oder Basketball, Musik machen (Instrumente stellen und die Stunde leiten). Das fällt mir so auf die Schnelle ein. Mit mir zusammen in unserem Helferkreis an die 200 Ehrenamtliche die sich je nach Möglichkeit und Zeit einbringen. Ich kann also sagen, ich habe viel Kontakt mit Flüchtlingen.

        Ich arbeite in einer kleine Gemeindeverwaltung und wohne im Nachbarort, der etwas größer ist.
        Ich bekomme aktuell mit, wie und wo die Flüchtlinge untergebracht sind. Sowohl durch meine Arbeit im Hauptamt als auch durch den sehr rührigen und tollen Helferkreis meines Heimatortes.
        Wir sind hier ein bisschen die "Oase der Ruhe". Haben offenbar Vorzeigeflüchtlinge abbekommen (bisher keinerlei nennenswerten Vorkommnisse) und die Bereitschaft in der Bevölkerung zu helfen ist nach wie vor sehr hoch.
        Allerdings haben wir eben auch keine LEA/BEA oder Ghettos mit mehreren 100 Flüchtlingen auf einen Haufen.
        In meinem Heimatort sind ca. 200 Personen auf verschiedene Gebäude aufgeteilt. Hier in meinem Arbeitsort leben 76 Personen in einer alten Sporthalle und für weitere 40 Personen werden nun Container aufgestellt.

        Zum einen gibt es hoffentlich überall Initiativen, die Flüchtlingen auf verschiedene Art helfen.

        Außerdem haben meine Kinder Flüchtlingskinder in den Klassen und ein Freund meines Sohnes kommt aus einer FLüchltingsfamilie. (Wenn ganze Familien ausreisen ist das allerdings teuer. Das sind meist wohlhabende und gebildete Menschen - also eine Positivauswahl.)

        Außerdem erzählen oft auch Leute, die schon länger hier leben - wie viele türkische Kurden - von sich aus, was in der Heimat ihrer Familien los ist. Außerdem erinnere ich mich mit Schrecken an die Sommerferien 2014, als mein Jüngster fürchterliche Angst um eine Mitschülerin, die ihre Familien in der einst irakischen kurdischen Autonomieregion besuchte, hatte. (Gott sei Dank war sie mit ihrer Familie am ersten Tag schon zurückgeflogen, weil ein komplizierter Beinbruch dort nicht behandelt werden konnte.)

        Über die politischen Aspekte kann man sich ja eigentlich nur in den üblichen Medien oder Wahlkampfveranstaltungen informieren.

      - Ich helfe
      - habe Kontakt
      - in unserem Dorf gibt es drei Einrichtungen, daher sind die Flüchtlinge auch sichtbar, unser Dorf ist doch recht klein
      - Ich gehe zu den Info-Abenden hier im Ort und Umfeld
      - lese Zeitung
      - schaue Nachrichten
      - höre Radio
      - schaue Dokumentationen im TV und auf youtube

    • Hallo,
      Medien, persönliche Kontakte und offene Augen.

      Und du?

      • Mein Mann und ich (wobei mein Mann mehr macht ;da er mehr Sprachen kann als ich) helfen den Neuankömmlingen bei Anträgen ausfüllen und Behördengängen.
        Oft muss man über die Bürokratie den Kopf schütteln, die unmöglichsten Dinge erlebt man da, und ein manches Mal ist man über die Flüchtlinge doch verwundert, welche Vorstellungen sie haben.
        Man kriegt die unterschiedlichsten Geschichten mit, die die Leute selbst erzählen.

    Klar informiere ich mich in den Medien.

    Darüber hinaus bin ich 1x pro Woche in der Notunterkunft des Nachbarortes im Kinder-Spieleraum. Dort ist eine Hauptamtliche und es gibt mehrere Bewohner, die sie unterstützen. So lerne ich auch die Erwachsenen kennen.

    Die deutschen Ehrenamtlicher helfen den Kindern mit Spielen, Bastelaktionen, etc., erste Deutschkenntnisse zu erwerben. Gelegentlich werden auch Ausflüge organisiert.

    Außerdem versuche ich so oft wie möglich, Kontakte zwischen Schülern meiner Schule und Bewohnern der Erstunterkunft zu initiieren. Wir waren schon im Heim und haben dort mit den Kindern gemeinsam gebastelt und Sport getrieben. Das ist nur leider nicht so häufig möglich, da die Notunterkunft von unserer Schule aus nicht fußläufig zu erreichen ist und die Busverbindungen sind ... kann man vergessen.

    Dafür waren erwachsene Bewohner mehrmals bei uns an der Schule (was ja etwas leichter geht, die brauchen nur von einem Ehrenamtler abgeholt zu werden)

    - Eine Irakerin hat von ihrer Flucht erzählt (auf Englisch, unterstützt mit selbst gemalten Bildern)

    - Ein Mann aus Afghanistan hat persische Märchen erzählt (mit einem Mix aus rudimentärem Deutsch und Englisch, die Kinder hingen an seinen Lippen)

    - Bewohner haben mit unseren Kindern gebastelt und ihnen gezeigt, wie sie ihren Namen kunstvoll auf arabisch schreiben können (das war mehr so ein "Gag", kam aber sehr gut an ;-) )

    Ist ein bisschen schwierig, diese Begegnungen zu initiieren, wenn die Bewohner so häufig wechseln wie in einer Notunterkunft. Ich muss die Leute ja auch erstmal kennen lernen, bevor ich sie zu mir in die Schule hole. Und wenn ich Pech habe, sind sie dann schon wieder weg.

    Aber ich fand die Aktionen, die bisher gelaufen sind, immer sehr eindrucksvoll für alle Beteiligten.

    UND ich erlebe alle Beteiligten als sehr offen. Auch die Eltern der Kinder an unserer Schule.

    LG

    (10) 24.02.16 - 06:29

    Moin!

    Interessante Umfrage... Ich habe mein Wissen aus folgenden Quellen:

    - bei mir zu Hause wohnt seit Januar ein Flüchtling aus Syrien. Das ist für ihn gut, für unsere Familie eine Bereicherung und gleichzeitig ein politisches Statement gegen Massenunterkünfte.

    - ich gebe ehrenamtlich Deutschunterricht für Frauen aus Afghanistan.

    - durch Welcome Dinner und andere Aktivitäten kenne ich weitere Flüchtlinge: Männer aus Syrien und eine Familie aus Mazedonien (Roma), mit denen es losen Kontakt gibt. Gestern z.B. war ich mit den Jungs beim Eishockey...

    - auch in meinem Hauptberuf habe ich immer wieder mit Flüchtlingspolitik zu tun. Ich gestalte da nicht aktiv mit, aber unterstütze mit konzeptioneller Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit

    Durch den persönlichen Kontakt lernt man die Verhältnisse und auch die Kultur der Zugezogenen unheimlich gut kennen.

    Dazu verschaffe ich mir einen Überblick durch Zeitung lesen und gute (!) TV-Formate wie z.B. Arte Reportage...

    Alles zusammen ergibt einen halbwegs fundierten Überblick.

    Und mit Flüchtling in der Familie geht die Integration übrigens so ganz nebenbei im Alltag, ohne groß zu problematisieren oder riesen Aktionen zu starten ;-)

    LG
    Nele

Hallo,

Meine Meinung resultiert aus Erfahrungen.

Am Anfang waren wir ganz augeschlossen und auch ich dachte nichts Böses.
Dann müssten wir aufgrund diverser Flüchtlinge einen unserer Läden schließen ( neben an eine Flüchtlingsunterkunft)
Meine Meinung änderte sich von Tag zu Tag.

ich bin ganz ehrlich froh, das in unserem Wohnort kein Flüchtlingsheim ist, den ich habe bisher nur von Schwierigkeiten gehört.

Gruss

Ich gehöre dem 'Asylkreis' unserer Gemeinde an - blöder Name. #aerger

Wir sind oft in der Flüchtlingsunterkunft im Ort, betreuen dort in erster Linie Frauen und Kinder. Ich bringe mich als Ansprechpartner für die Sportvereine mit ein und 'locke' die Kinder, zum Handball, Turnen oder Fußball zu gehen. Das ist gar nicht so einfach. Jeder kennt das, wie es ist, in eine fremde Gruppe zu kommen, diese Kinder sind oft traumatisiert, es braucht viel Zeit und Einfühlungsvermögen, sie zu ermutigen. Mit einem Jungen habe ich wirklich seit November bei jedem Training der D-Jugend gestanden, er hat nur zugeschaut, sich aber nicht getraut, mitzuspielen. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, als er dann urplötzlich, von einer Sekunde auf die andere, ohne besondere Ermunterung oder Ankündigung, auf den Platz gerannt ist. Jetzt spielt er seit zwei Wochen mit, als hätte er nie was anderes getan. Die Kinder sind auch ganz unaufgeregt damit umgegangen, haben ihm mal auf die Schulter geklopft, das wars.

Im Elternbeirat der Grundschule haben wir angestoßen, dass Flüchtlingskinder in der ersten Schulzeit begleitet werden sollten. Ich habe in der ersten Woche nach den Weihnachtsferien mit in der Klasse, neben den beiden Flüchtlingsjungs, gesessen und hatte nur damit zu tun, ihnen die Angst vor dem Alltäglichen zu nehmen. Am ersten Tag sind sie wirklich unter den Tisch gekrabbelt, als sie die Schulglocke gehört haben. Man möchte gar nicht so genau wissen, was diese Kinder erlebt haben, dass sie so panisch auf eine Glocke reagieren. Inzwischen sind sie ganz gut angekommen, beim Probe-Feueralarm zum Halbjahr wurden sie aber vorsichtshalber vorher aus der Klasse genommen. Das wollte die Schulleitung ihnen lieber nicht zumuten.

Aktuell haben wir ein tolles Projekt, um ausländerfeindlichen Schwingungen in der Mittelschule entgegen zu wirken. Zusammen mit dem Deutsch- und Geschichtslehrer habe ich einen Kurzroman geschrieben, der diese Woche in den Klassen gelesen wird. Es wird die Geschichte eines Jungen erzählt und bislang - nach etwa der Hälfte - glauben immer noch alle, Mick wäre Jude und lebe in Nazi-Deutschland.

Am Freitag werde ich dann mit 'Mick' die Schüler besuchen. 'Mick' ist eine Gruppe junger Flüchtlinge, deren Erlebnisse ich - neben aktuellen Ereignissen - in die Handlung eingeflochten habe. An dieser Stelle sei mal erwähnt, dass diese syrischen Jungs teilweise hervorragend englisch sprechen.

Mein Mann und ein Freund unterstützen Flüchtlinge bei Behördengängen und spricht - wenn es sprachenmäßig hinhaut - viel mit ihnen. Da sie das alles selbst durchgemacht haben, sind sie gern gesehene Ansprechpartner. Zumal sie sich hier ein neues Leben aufgebaut haben. Leider mussten wir aber auch erleben, dass wir auf in Deutschland lebende Ausländer getroffen sind, die sich völlig von den Flüchtlingen abgrenzen wollen. Sätze wie 'mit denen will ich nicht in Zusammenhang gebracht werden' sind da gar nicht selten. Da kommt deutlich die Angst zum Vorschein, wie es in Deutschland weiter geht. Das bereitet nämlich nicht nur Deutschen Sorge. Ein Freund meines Mannes ist Afrikaner, lebt seit zwanzig Jahren in Deutschland, ist das, was man wohl 'perfekt' integriert nehmen kann. Eines abends fragte er mich, wenn die Grenzen geschlossen werden, keine Flüchtlinge mehr aufgenommen werden, was passiert mit denen, die schon anerkannt sind? Könnte es passieren, dass er auch wieder gehen muss, wollen die Deutschen dann alle Ausländer loswerden? Gut, er war in schwarzmalerischer Stimmung, aber ... ja.

'Oder habt ihr eure Meinung eher durch Berichte, Zeitungen, Tv, hören sagen durch andere.'

Eigentlich sollte sich niemand eine Meinung über etwas und jemanden bilden, das/den er nicht kennt. Ich vermute aber, dass die, die am lautesten schreien und schimpfen, keinen Flüchtling mit dem A*** anschauen, geschweige denn, mit ihnen sprechen oder sich mit ihrer Geschichte beschäftigen.

Wir haben ein soziales Netzwerk und "unsere" Flüchtlinge werden sehr gut eingebunden. Viele sind im Sportverein, sie machen am Weihnachtsmarkt einen Stand...

Das sind die uns "zugewiesenen". Es ist schön zu sehen, wie sie sich einleben und einbringen. Einige haben inzwischen Arbeit, einen Führerschein, bringen sich selbst ehrenamtlich ein...

Dann haben wir noch eine überlaufeinrichtung. Diese benötigt bei uns kaum Ehreamtliche.
Da sieht man die Menschen halt mal im Supermarkt oder beim Spazierenlaufen.

Hallo,

nein, ich habe keinen persönlichen Kontakt zu Flüchtlingen.

Ich war nur mal mit meiner Tochter kürzlich am Hauptbahnhof in München. Wir sind schlicht auf der falschen Seite aus der U-Bahn hochgekommen.

Das was sich da tummelte, spottete jeder Beschreibung. Und die Männer sind auch ziemlich zudringlich geworden, teilweise wurde aggressiv gebettelt #zitter

Da wird einem ehrlich gesagt ganz anders. Ich habe dann mit meiner Tochter sehr schnell das Weite gesucht.

Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, sie haben zum Teil unbeschreibliche Leidenswege hinter sich. Aber, dass sie sich benehmen, wie die Axt im Walde, finde ich nicht in Ordnung.

GLG

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