Hartz 4 oder Knochenjob mit Niedriglohn?

Die Wahl in schlechtesten Zeiten

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    • (1) 26.02.16 - 18:39

      Hallo,

      "in letzter Zeit gehen die Gespräche hier und anderorts ja ständig um Flüchtlinge, die HIlfe suchen und (was glaube ich viele ärgert) auch Hilfe fordern Das Thema Sozialschmarotzer ist auch ein Dauerbrennener. anlässlich des Todes einer guten Freundin frage ich mich, was ihr in Folgender Situation tun würdet.

      Würdet ihr, wenn ihr wählen müsstet
      a) einen physisch und/ oder psychisch anstrengenden Job annehmen, der keinerlei Aufstiegschancen mit sich bringt

      b) Hartz 4 beantragen

      wenn bei beiden im Endeffekt das selbe herauskommen würde.

      Meine Freundin hat sich für Variante a entschieden, Inwieweit die Arbeit ihren Gesundheitszustand beeinflusst hat, weiss man nicht. Gut war es auf keinen Fall.
      Vor allem hat sie durch die Arbeit sehr viel Zeit und Lebensqualität eingebüsst, ihre Kinder nur gegen Abend gesehen und da auch nur gestresst...das alles um nicht als Bittsteller dazustehen, Sie hätte nicht mal zum Arbeitsamt gehen müssen, auch wir, ihre Freunde hätten sie gerne finanziell etwas unterstützt, leider war sie zu stolz dafür. Ich frage mich nur: was hat ihr dieser Stolz nun gebracht?
      Demzufolge muss ich ehrlich sagen: ich würde Variante b nehmen. Ich würde mich nicht für nichts abschuften...und nein, nicht weil ich mir aufgrund meines Abiturs und Studiums zu fein dazu wäre.:: da würde ich lieber ehrenamtlich arbeiten und so versuchen wieder ins Berufsleben zu kommen.
      Die Firma für die meine Freundin gearbeitet hat, erziehlt hohe Gewinne.auch auf Kosten ihrer Mitarbeiter.. das scheinen viele als moralisch Richtiger zu empfinden als sich gegen Ausbeutung zu wehern und zum "Schmarotzer" zu werden ....
      Ich kann mir vorstellen, dass mich viele für meine Meinung verurteilen...aber ich frage mich...was würdet ihr tun?

      Lg. Luci

      • "aber ich frage mich...was würdet ihr tun?"

        ich glaube nicht, daß die welt aus nur zwei optionen besteht!
        Denn deine Wahl ist ja die zwischen zwei "Eimern Scheiße", da würde ich doch noch eine Weile schauen, ob ich nicht noch einen ditten auftun könnte, der weder das Manko des einen aufweist (Langzeitarbeitslosigkeit mit immer schlechter werdenden chancen wieder beruflich Fuß zu fassen, mit dem Stigma für mich und und meien Kinder, mit den sehr geringen finanziellen Mitteln und mit einer doch sehr unbefriedigenden Lebenssituation ohne den zweiten Lebensbereich, neben dem Privatleben) noch das Manko des anderen, welches du ja beschrieben hast.

        • Also schauen, dass ich da irgendwie wieder rauskomme würde ich auch. Wie gesagt, ich würde auch nicht nichts tun und mich ehrenamtlich engagieren.
          Aber während du dich "umschaust" musst du ja von irgendwas leben....Ist ja auch nur ein kleines Gedankenspiel ;-)

          Das kann nicht jeder. Manche Leute haben einfach keine verwertbare Ausbildung, andere haben Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Gerade alleinerziehende Mütter behinderter Kinder stecken oft wirklich in so einem Dilemma. Ich kenne nicht nur eine Mutter, die trotz anspruchsvoller Aus- und Fortbildung putzen geht und dennoch auf ergänzendes ALG II angewiesen ist.

          • ich habe auch nicht gesagt, daß ich keinen Job annehmen würde, der meiner qualifikation entspricht ("Manche Leute haben einfach keine verwertbare Ausbildung) oder nicht putzen gehen würde, wenn das für dne Moment, die sinnvollste Lösung für mich/ meine familie wäre.

            Ich gehe nur davon aus, daß es zwischen den Polen "gar nicht arbeiten und Alg2 beziehen" und "vollzeit-mörder- ausbeuter job" doch sicher noch Alternativen gibt
            Und wenn ich allein erziehend mit Kind(ern) bin, deren Betreeungsaufwand erhöt ist, dann kann ich eben nicht unbedingt so arbeiten wie unter anderen umständen- dann were ich eben eine passendere alternative suchen müssen.
            wenn ich keien qualifikatio nmitbringe, die es mir ermöglicht ander job als "ausbeuterjobs" zu bekommen, würde ich an meienr Qualifikation arbeiten, wenn meien Lebenssituation es erfordern würde, würde ich alg 2 beziehen auch das kann natürlich eien Alternative sein (aber heir im geschilderten fall ja keien dauerhafte, denn die TE spricht davon, daß durchaus die möglichkeit bestand zu arbeiten, nur daß der aktuelle job nicht optimal war)

            • Ich glaube wir sind der gleichen Meinung. Wenn es möglich ist einer Arbeit nachzugehen ist ohnehin jeder dazu verpflichtet. Dann ist für einen gesunden jüngeren Menschen auch ein Knochenjob zumutbar.

              Und wer eben nichts arbeiten kann - und das betrifft meist Leute, die durch Krankheiten oder Familienarbeit stark eingeschränkt einsetzbar sind - muss sich auch nicht schämen ALG II zu beziehen.

      Hallo,

      ganz klar: Antwort A. Aus diesem Job heraus würde ich mich aber weiter bewerben, um eine bessere Stelle zu bekommen.

      ALGII ist ne feine Sache. Für Leute, die wirklich in Not sind. Freiwillig würde ich es nie beziehen wollen. Das ist doch zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel Geld.

      Eine Frage noch an dich. Du schreibst:

      <<<Sie hätte nicht mal zum Arbeitsamt gehen müssen, auch wir, ihre Freunde hätten sie gerne finanziell etwas unterstützt, leider war sie zu stolz dafür.<<<

      Wie bitte soll das funktionieren? Hättet ihr ihr jeden Monat ihren Unterhalt finanziert? Jeden Monat Summe X, damit sie zu Hause bleiben kann? #gruebel
      Sorry, aber da wäre ich auch zu stolz für. Lieber geh ich arbeiten, statt meine Freunde auszunehmen.

      • Also ausgenommen hätte sie uns damit sicher nicht, Wir stehen wirtschaftlich gut da, die Beträge hätten keinem wirklich weh getan.Und natürlich hätte es auch die Möglichkeit der Rückzahlung gegeben, zumindest symbolisch.
        Ich habe mir mein Geld zum Grossteil im übrigen auch nicht erarbeitet (Erbe, Heirat)...vielleicht kommt daher aber auch mein tendenziell schlechtes soziales Gewissen.#schwitz

        Aber vor allem: wer entscheidet, was Not wirklich ist? Wieviel von sich und seinem Leben muss man "opfern" , welche Belastungen auf sich nehmen?

        • "Aber vor allem: wer entscheidet, was Not wirklich ist? Wieviel von sich und seinem Leben muss man "opfern" , welche Belastungen auf sich nehmen? "

          Es gibt relativ genaue Vorgaben, was zumutbar ist und wozu man damit verpflichtet ist, um seinen Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften. ALGII kommt erst dann ins Spiel, wenn das nachweislich nicht möglich ist bzw. kein zumutbarer Job verfügbar aber eine wirkliche Wahlmöglichkeit gibt es gar nicht.

          Gruß,

          W

    (11) 26.02.16 - 19:34

    Ehrliche Antwort nach den von Dir gemachten Angaben: B

    Praktisch ist es aber gar nicht möglich, trotz Vollzeitjob gleich oder weniger als ein ALGII-Empfänger zu haben.

    Ich kann da nicht antworten.

    Ich wäre durchaus bereit (das habe ich schon) in einem recht schlecht bezahlten Job, der anstrengend ist, zu arbeiten. Es gibt aber Dinge, da müsste ich es mir schon sehr gut überlegen. Nicht, weil ich mir zu fein dafür wäre, sondern, weil ich das einfach nicht packen würde. Z.b. Möbelpacker oder im Pflegebereich.

    Genau dasselbe kann gar nicht herauskommen. Als Aufstocker hat man einen Freibetrag, das Erwerbseinkommen wird also nicht in vollem Umfang angerechnet.
    Ich würde den Job nehmen. Bzw: Ich HABE den Job genommen. Mies bezahlt, unbezahlte (und auch nicht durch Freizeit ausgeglichene) Überstunden inklusive.
    Am Ende hat sich das trotzdem gelohnt. Über das reine Gehalt hinaus.

    Die Welt ist selten NUR schwarz oder weiss.

    Aber um es auf die beiden Möglichkeiten zu reduzieren, sollte der Fall tatsächlich einmal eintreten:

    Ich würde wahrscheinlich ebenfalls Variante B wählen, aber nur um gezielt darauf hinzuarbeiten, einen Job zu bekommen, mit dem ich leben kann.

    Sowohl finanziell als auch emotional.

    Ich muss aber dazu sagen, dass ich sehr schmerzbefreit bin, was Stress, üble Arbeitszeiten und die Arbeit mit den schwierigsten Kunden der Welt angeht....wäre ich das nicht, könnte ich meinen jetzigen Beruf seit über 25 Jahren nicht ausüben.

    So wie Du das beschreibst, hat das in meinen Augen auch nichts mit "Schmarotzer" zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand und der nötigen Portion Selbstachtung.

    Stolz ist so eine Sache.....eigentlich eine positive Einstellung, aber nur ein Quentchen zu viel oder zu wenig davon, und es wird destruktiv.

    Ein Schmarotzer ist für mich jemand, der aufgrund Faulheit, Bequemlichkeit, Ignoranz und Antriebslosigkeit jede nur mögliche Chance in den Wind schlägt....bzw. gar nicht danach sucht, und auch auf rein gar nichts hin arbeitet, und mehr Energie darin investiert, diesen Zustand beizubehalten, als ihn zu ändern !

    (15) 27.02.16 - 11:24

    Ich würde Hartz4 beantragen.

    Da ich ja in dem Fall erstmal 1 Jahr lang ALG1 bekommen hätte, muss ja offenbar irgendwas mit meinem Lebenslauf nicht stimmen, wenn mich 1 Jahr lang niemand einstellt.

    Also lieber Hartz4 und den ganzen Tag Zeit haben, mich z.B. weiterzubilden oder eine Strategie auszuarbeiten, wie ich in Arbeit komme.

    Allerdings kann man sich ja nicht ohne weiteres vor den Jobs drücken - und so kann es sein, dass man dann doch in der Variante A landet oder in irgendeiner völlig bekloppten Maßnahme...

    LG
    Nele

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