Deutsche Leitkultur

    • (1) 22.03.16 - 10:37
      Inaktiv

      Deutsche Leitkultur,

      Was soll das eigentlich sein?
      Ich bin Deutsche,weil ich zufällig in diesem Land geboren bin.Darüber bin ich,wenn ich mir den Rest der Welt so anschaue,unendlich dankbar .
      Aber es ist nicht mein Verdienst und ich habe mir ,durch das bloße Verweilen hier,aufgrund meiner Lebenszeit ,kein exklusives Recht auf Unversehrtheit,Lebensqualität,Konsumoptimierung etc. angespart.

      Wenn ich sehe ,daß sich die Lebensverhältnisse vieler Menschen in dieser Welt dramatisch verschlechtern,daß viele von unsäglichem Leid betroffen sind,frage ich mich ernsthaft,
      habe ich einen moralischen Anspruch auf meine sogenannte Leitkultur und daß diese nicht durch zuviel Fremdes unterminiert wird?

      Bestehend woraus?
      Aus Hering oder Eisbein mit Sauerkraut?
      Evangelisch oder katholischer geprägter Sozialisierung?
      Badeurlaub an der Ostsee,Wandern im Schwarzwald,oder beides?
      Auge um Auge,Zahn um Zahn,oder "Liebet eure Feinde"?
      Goethe,Schiller oder Georg Büchner?
      Kant oder Nietzsche?
      Brecht,Böll oder Eichendorf?
      Carl Orff oder Heino?
      Ehe,offene Beziehung,Mehrgenerationenmodelle,Patchworkfamilien oder Singledasein?
      ...........

      Hmmmmm.... ich weiß so gar nicht womit ich mich identifizieren soll.

      Höchstens mit einer Kultur der Aufklärung,der Entwicklung von Humanitätsbegriffen,
      dem Bekenntnis zur Universilität der Menschenrechte und der Kultur eines hohen Vermögens zur Reflexion!!!!

      DAS ist für mich deutsche Leitkultur,

      nur leider befürchte ich,daß die,die diese nun ständig für sich beanspruchen,das GANZ anders sehen!

      ABER MIT WELCHEM RECHT BENUTZT IHR DESEN BEGRIFF,
      den ihr doch mit einer komplett anderen Bedeutung füllen wollt,als ich?

      IHR SPRECHT NICHT FÜR MICH
      und alle Menschen,die ich liebe und wertschätze
      nur,daß das mal klar ist!!!!

    Und ich verstehe nicht, warum viele sich immer so demonstrativ vom Deutschsein distanzieren...

    Eine gewisse Leitkultur oder Mehrheitsverhalten oder wie man es auch immer nennen will, ist schon sinnvoll.

    Wenn nur jeder irgendwas vor sich hin macht, wird es keinen Zusammenhalt in der Bevölkerung geben.

    Jedes Land, Volk o.ä. hat eine Leitkultur und das ist gut so. Und das heißt auch noch nicht, dass man Fremde nicht haben will oder anderen Kulturen ihr Anderssein verbieten will.

    Ganz im Gegenteil, gerade im Umgang mit anderen Kulturen ist es sehr gut zu wissen, wer man selbst ist. Ich habe das immer wieder selbst erlebt.

    Klar ist es hierzulande individualistischer als z.B. Im Nahen Osten. Aber einen kleinsten gemeinsamen Nenner halte ich schon für sinnvoll. Dieses betonte Weltbürgertum ist doch auch arg künstlich - und in anderen Ländern sehr viel weniger ausgeprägt.

    Vll deswegen wird eine Leitkultur von neu Zugezogenen auch überhaupt nicht infrage gestellt - zumindest die, die ich kenne, legen sehr wohl Wert drauf, etwas typisch deutsches kennenzulernen und fragen auch immer wieder danach.

    Identität ist wichtig, Beliebigkeit ist blöd...

    LG
    Nele
    #ole

    • Hallo,
      also ich konnte in dem Beitrag keine explizite Distanzierung vom Deutschsein erkennen.
      Ich finde aber "Leitkultur" klingt sehr wertend, so als ob die deutsche Kultur besser als andere wäre und damit eine leitende Position hätte.
      Ich finde auch, dass sich Weltbürgertum und Deutsch-sein sich nicht ausschließen. Ich selbst fühle mich oft sehr deutsch, besonders im Ausland, und dennoch als Weltbürger oder einfach als Mensch. Und ja, ich finde es sehr schwer, jemandem zu erklären, was typisch deutsch ist. Sogar das Essen beinhaltet doch sehr viele Elemente aus anderen Ländern. Was sind deutsche Werte? Die des Urbayern, die des Punks, der schwäbischen Hausfrau oder die des deutschen Muslims?
      Was ist die deutsche Kultur denn? Was hat Deutschland, was andere Länder nicht haben, außer ein paar lokale Traditionen, die dann aber auch nur für eine Region Deutschlands gelten?

      Was bin ich? Das deutschsein ist jedenfalls nur ein winziger Aspekt meiner Identität.

      • Ich finde den Beitrag von der Tendenz her nicht interessiert fragend, sondern eher herablassend. Und das ist nicht der erste Beitrag zum Thema Deutschsein, wo sich jemand als bewusst über den Dingen stehend präsentiert.

        Mag sein, dass das nicht so in der Art oder weniger so gemeint war, aber bei mir kommt das genau so an. Ein bisschen spöttisch-wertend "was ist denn bitte Deutsch?" So nach dem Motto "wer hat es nötig, sich mit deutscher Identität zu befassen".

        Den Begriff Leitkultur finde ich allerdings auch nicht so dolle, ich würde einfach von deutscher Kultur sprechen.

        Und das diese nicht sehr homogen ist, gerade in der modernen Welt, ist mir klar. Nichtsdestotrotz gibt's schon Dinge, die sind typisch deutsch und das muss nicht versteckt werden ... noch muss man so wahnsinnig wild drauf sein, bloß nicht typisch deutsch zu sein.
        Ich glaube, wir beide hatten das Thema schon beim Flaggenthread :-D#liebdrueck

        LG
        Nele

        • Nein du hast natürlich Recht. Es ist schon gut, wenn es etwas gibt, was eine Gesellschaft eint. Und ich fühle mich der deutschen Gesellschaft ja auch zugehörig und es schmerzt manchmal, wenn einem direkt ins Gesicht gesagt wird, dass man auf Grund bestimmter Aspekte nicht dazu gehören soll. Was das einende ist, weiß ich nicht so genau. Da könnte man sicher ewig drüber philosophieren.... Nur den Begriff "Leitkultur" mag ich nicht, der ist so abgrenzend und elitär irgendwie..

          Der Traum von abwesenden Grenzen, einer komplett freien Welt für alle, wird sicher leider eine Utopie bleiben.

          • Das stimmt -leider.

            Falls du mit dem Ausgrenzen Muslime meinst - für mich gehört der Islam zu Deutschland, ein Moslem wohnt in meiner christlichen Familie und ich finde, das passt ganz wunderbar zusammen...

            Aber das schließt für mich keinesfalls aus, auch patriotisch zu sein bzw. zu wissen, wo komme ich her, was ist für meine Kultur typisch und an der anderen fremd. Da kann man doch gegenseitig lernen.

            LG

    Wäre schön, wenn Du auch Inhalte bringen würdest, was Deutschsein oder deutsche Leitkultur für Dich in einer globalisierten Welt denn bedeutet.

    • Ich hatte das weggelassen, weil ich wenig Lust auf eine Debatte auf dem Niveau "stimmt gar nicht, alle meine deutschen Freunde sind aber unpünktlich" hatte #schwitz

      Aber wenn du direkt fragst, fällt mir spontan zum Thema "typisch deutsch" (wild durcheinander, nicht nur Kultur) ein:

      - Pünktlichkeit, Strebsamkeit, Ordnung
      - Leistung vor Spaß
      - tendenziell zurückhaltende Art, nicht zuletzt auch körperlicher Abstand zu anderen

      - Kleinfamilienstruktur und darin ausgeprägter Individualismus schon bei den Kindern

      - Vollkaskomentalität, großes Sicherheitsbedürfnis nicht abzusteigen bis hin zur berühmten "German Angst"

      - keinen großen Hang zu Small Talk und oberflächlichen Freunden - wenn befreundet, dann auch ernst gemeint, Verabredungen sind fest etc.

      - (noch) hoher Wert: Sozialstaat, Gemeinwesen - aber halt nicht Familie, sondern eher Staat, "Offizielle"

      - Bürokratie

      - Ingenieurs"Kunst", gutes Handwerk, deutsche Wertarbeit

      - Sauberkeit im öffentlichen Raum
      - Meckern übers Wetter ;-)

      - viel Fleisch essen, Hobby: Grillen
      - und natürlich unsere berühmten großen Schriftsteller etc.

      Das würde in etwa auch mein syrischer Mitbewohner sagen, mit dem habe ich ab und zu das Thema.

      LG

    Ach, fast vergessen, es fehlt natürlich

    - Heiligtum Auto #verliebt

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