Zinspolitik der EZB

    • (1) 05.05.16 - 22:42

      Was haltet ihr davon, dass die Zinsen dank Draghi so niedrig sind?

      Welche Vor- und Nachteile seht ihr?

      Ich fange mal an: die niedrigen Zinsen ermöglichen vielen Familien die Finanzierung eines Eigenheims. Sie kommen den hoch verschuldeten Ländern wie Griechenland , Spanien oder Italien zugute.

      Andererseits haben viele Sparer , die beispielsweise mit 35 Jahren anfangen, jeden Monat beispielsweise 250 Euro zu sparen, wesentlich weniger Geld bei Renteneintritt als sie hätten bei einem höheren Zinssatz. Das Risiko der Altersarmut steigt dadurch. Allerdings wird es wiederum kompensiert durch das Wohneigentum , das dank der niedrigen Zinsen ermöglicht wird.

      Weitere Anstösse und Gedanken?

      Für den kleinen Otto-Normal-Bürger hat es kaum Auswirkungen.

      Definitiv führt das niedrige Zinsniveau zur Altersarmut - außer bei Beamten, die haben ihre Pensionen und sind daher nicht betroffen.

      Aber jeder Normalverdiener ohne Pension braucht Erspartes um im Rentenalter nicht unter die Armutsgrenze zu fallen. (Inzwischen spricht man bei der gesetzlichen Rente von 40% des Nettoeinkommens!!!) Egal, wie man spart, diese Differenz kann kein Normalverdiener ausgleichen.

      Und wer hofft, dass das Wohneigentum das ausgleicht? In 30 Jahren steckt man in Wohneigentum nochmal gleichviel Geld hinein wie in die Anschaffung. Es ist ja nicht so, dass man da nichts mehr zahlen bzw. investieren muss.

      Mit der Niedrigzinspolitik sanieren sich die Staaten auf Kosten der Bürger.
      Aber das Problem trifft uns ja erst in 20 Jahren - und dann in voller Wucht.
      Fünfzehn Jahre können wir noch die Augen zumachen. Und dann nach Sri Lanka auswandern. Da reicht die Rente dann noch fürs Seniorenheim. Allerdings mit Sprachbarriere.

      • Du steckst zwar Geld in dein Wohneigentum, aber doch nicht den gleichen Betrag des Kaufpreises. Und du sparst die Mietzahlungen dadurch.

        • Die Fragestellung war ja nicht, Mieten vs. Kaufen, sondern "schützt eine selbstbewohnte Immobile und die daraus resultierende Mietersparnis vor der Rentenlücke?"

          Ich will dich ja nicht entmutigen aber neben den laufenden Kosten (Grundsteuer, Pflichtgebäudeversicherung. Abwassergebühr für auf dem Grundstück anfallendes Regenwasser, Kaminreinigung, Gebühr für die Kontrolle der Heizungsanlage, ggf. Kosten für Grundstückspflege) und immer wieder auch neuen gesetzlichen Vorgaben (Energieausweis, Dämmungsvorgaben) kommt noch die normale Instandhaltung,

          "Als Faustregel gelten dabei entweder 10 EUR je Quadratmeter im Jahr oder 1 % des Hauswerts im Jahr. … Je älter das Haus, desto höher sollten die Rückstellungen sein." https://www.ruv.de/ratgeber/bauen-wohnen/bauen/folgekosten-beim-hausbau

          Und selbst bei konsequenten Rücklagen im Berufsleben: eine Mini-Rente gibt diese dann oft nicht mehr her, dazu kommt dass das Haus ja älter und daher renovierungsbedürftiger wird. Eine unerwartete größere Reparatur kann dann schnell dafür sorgen dass das Haus nicht mehr gehalten werden kann.

          Wohneigentum schützt leider nicht vor Altersarmut.

          • Deinem letzten Satz widerspreche ich. Wir reden hier nicht nur vom selbstgenutzen Eigenheim mit Renovierungsstau, sondern auch von immer gut instand gehaltenen, selbst genutzten Wohnungen und Häusern sowie von Immobilien, die Mieteinnahmen erzielen. Und diese schützen sehr wohl vor Altersarmut .

            Ich habe zwar keine Statistiken, aber Erfahrung in dem Bereich.

            • Wenn man selbst genutztes immer gut instand gehaltenes Wohneigentum hat UND zudem mit weiteren Immobilien Mieteinnahmen erzielt hat man durch letzteres sicher ein weiteres planbares Einkommen das die Rentenlücke verkleinert oder schließt, da hat du schon recht.

              Das ist aber nicht die Situation einer Familie, die sich "aufgrund der niedrigen Zinsen ein Eigenheim leisten kann", wie du ursprünglich argumentiert hast.
              Wer sich (nur) aufgrund der niedrigen Zinsen eine Immobilie leisten und nicht mit einer Pension rechnen kann, der wird ein Problem mit Altersarmut bekommen. (Und dieser Fall - Zinspolitik der EZB - war der Ausgangspunkt der ganzen Diskussion.)

Top Diskussionen anzeigen