Gehälter in D heute und vor 20 Jahren

    • (1) 25.06.16 - 18:16

      Hallo,

      nachdem ich letzte Woche mit einem älteren Kollegen gesprochen habe, und er mir erzählte wie er mit seinem Gehalt eine 4.köpfige Familie, samt Kindermädchen und Hauskauf unterhielt, habe ich mir eben mal die "Verhältnisse" angeschaut.

      Ich habe mal alte Unterlagen herausgekramt und 1999 einen sozialhilferechtlichen Bedarf von 2259 DM errechnet bekommen. Mit denselben Lebensumständen hätte ich heute einen ALG-II Bedarf von 2114€.

      Da ich Beamtin bin, kann ich ziemlich genau schauen, was ich in meiner heutigen Position damals verdient hätte. Und zwar ein Bruttogehalt von knapp über 6700 DM. Heute habe ich ein Bruttogehalt von 4700 € .

      Noch krasser finde ich den Unterschied von einem Drucker, dessen Zahlen ich habe, damals als "gut verdienend", der locker eine 4köpfige Familie alleine ernähren hätte können (wenn man den sozialhilferehtlichen Bedarf betrachtet), müsste jetzt mit seiner Familie aufstocken, wenn die Frau nicht dazuverdienen würde.

      Ich finde das ganz schön krass.

      Trotzdem empfinde ich heutzutage allgemein mehr "Wohlstand". Woran liegt das? Weil sich jeder ein Smartphone, TV oder sonstwas leisten kann? hmmmm.....

      • Meiner Meinung nach liegt das Hauptsächlich an den extrem hohen Mieten und auch den gestiegenen Nebenkosten - in den 90ern hat eine Wohnung - gehobener Anspruch - um die 700 bis 900 DM gekostet. Heute - und ich beobachte den Immobilienmarkt regelmäßig - zahlt man für eine durchschnittliche Wohnung locker 800 Kaltmiete. Gleiches gilt übrigens auch beim Immobilienkauf...Meine Schwiegereltern haben 93 für ein Reihenhaus 160000 DM bezahlt, diese Häuser werden mittlerweile für 230000 Euro verkauft.....

        • Wenn man die Bedarfssätze der Sozialhilfe von damals vergleicht, dann unterscheiden die sich betraglich auch kaum außer eben in der Währung. Also haben sich Mieten und grundlegende Lebenshaltungskosten verdoppelt, aber die Gehälter eben nicht.

          Das Haus meiner Eltern wurde neu für 130000 DM gekauft und wird jetzt für 270 000€ angeboten.... also eigentlich ein vierfacher Preis...

          • Einzelne Immobilien zu nennen als Grundlage für angebliche stark gestiegene Preise für Mieten oder Immobilien ist doch ziemlich verzerrend. Vor allem wenn noch nicht einmal genannt wird, wann deine Eltern die Immobilie erworben haben. Selbst wenn man 1990 eine Wohnung für 150.000 DM gekauft hat, die heute einen realen Verkaufswert von 300.000 hätte, dann müsste man immer noch die Inflationsrate herausrechnen.

            Betrachtet man das gesamte Land sind laut statistischem Bundesamt die Immobilienpreise in den letzten 30 Jahre de facto gesunken. Natürlich hat man heute in München Bogenhausen für eine Wohnung Preissteigerungen von 200 oder 300% wenn man diese vor 25 Jahren gekauft hat. In anderen Regionen sind aber dafür die Preise für Häuser und Wohnungen dramatisch gefallen. In vielen Städten Ostdeutschlands z.B..

            Die Entwicklung des Wertes einer Immobilie hängt von einigen Standortfaktoren ab, die eben sehr individuell zu betrachten sind.

            • Das mag für den Osten zutreffen und gewiss auch für gewisse Gebiete aber gerade in den Städten und Ballungsgebieten ist es eben nicht so. Zumal die Gehälter - gewisse Branchen ausgenommen - eben nicht in dem Maß gestiegen sind.

              Ich mache das auch nicht an Einzelbeispielen fest sondern beobachte den Immobilienmarkt regelmäßig.

              In unserer Region zahlst du mittlerweile für eine 2 Zimmerwohnung um die 650 eur aufwärts mit Nebenkosten. Gerade für Rentner - die nicht in diesem Maß mit so einer Steigerung gerechnet haben - wird das immer mehr zu einem Problem. Zumal die Mieten immer noch steigen.....

              • "Das mag für den Osten zutreffen und gewiss auch für gewisse Gebiete aber gerade in den Städten und Ballungsgebieten ist es eben nicht so"

                Genau das habe ich doch geschrieben#kratz

                Die Unterschiede sind sehr gross.

                Allerdings sind die Immobilienpreise ein schlechtes Beispiel für gestiegene Lebenshaltungskosten. Denn im Bundesdurchschnitt sind sie eher gefallen als gestiegen.

                Wenn jemand in guter oder mittlerer Lage in Hamburg wohnt und musste in den letzten Jahren tatsächlich Mietpreissteigerungen hinnehmen bei kaum gestiegenen Reallöhnen, dann ist das zwar bedauerlich für ihn, ihm bliebe aber immer noch die Möglichkeit ein günstigeres Quartier zu suchen.

                Im Übrigen halte ich den Satz, früher sei alles günstiger gewesen bzw. im Vergleich zu den Löhnen die Lebenshaltung günstiger für subjektiv eingefärbt. Es gibt Bereiche, die deutlich teurer sind als vor 20 Jahren, manches ist aber auch deutlich günstiger geworden und vieles, z.B. Lebensmittel faktisch gleich.

                • Die Miete/Nebenkosten sind aber der prozentual größte Posten zumal ich wohnen muss. In anderen Bereichen - die auch nicht so deutlich ins Gewicht fallen - habe ich durchaus die Wahl. Sicherlich hat man auch die Wahl wo man wohnt aber hier auch nur bedingt - die Lebensgrundlage muss ja gegeben sein. Du hast definitiv Recht das es große Unterschiede gibt - in unserer Region sind es aber definitiv insbesondere die Immobilienpreise.

                  Wenn jemand in guter oder mittlerer Lage in Hamburg wohnt und musste in den letzten Jahren tatsächlich Mietpreissteigerungen hinnehmen bei kaum gestiegenen Reallöhnen, dann ist das zwar bedauerlich für ihn, ihm bliebe aber immer noch die Möglichkeit ein günstigeres Quartier zu suchen.

                  Also ich habe seit dem Jahr 2000 bei gleichbleibender Wohnlage stattliche Mieterhöhungen geschluckt... 1999 675 DM warm, 2005 970 Euro warm..., aktuell 900 Euro warm. Wüsste nicht wo ich hinziehen sollte. Wäre ich kinderlos, würde auch ne 2-Zimmer-Wohnung reichen, die ist dann aber vom qm-Preis aber eigentlich auch teurer...

                  Neulich für drei Tee (!) 9 Euro im Cafe bezahlt, da hätte man zu DM Zeiten drei Cocktails von getrunken.

                  Ich zweifel nicht an, dass solche Preiserhöhungen bei stagnierenden oder weniger stark steigenden Löhnen, die Menschen in den Ballungsräumen bisweilen Probleme bekommen.

                  Es ging allerdings, so hatte ich den ersten Post verstanden, um die generelle Steigerung der Lebenshaltungskosten bei Löhnen, die nicht oder kaum gestiegen sind. Ich habe lediglich darauf hinweisen wollen, dass es diese generelle Steigerung nicht gibt, zumindest nicht bei Immobilien. Dass es in Stãdten wie München, Hamburg, Köln, Düsseldorf usw. diese extremen Ausreisser nach oben gibt, steht ja nicht im Widerspruch dazu. Fehlender sozialer Wohnungsbau haben die Situation in den Städten nochmal verschärft und durch den Immobilienverkauf von kommunalem Wohnraum an Immobilienfonds wurde das Thema Wohnen in Ballungsräumen privaten Investorengruppen überlassen. Die natürlich allein dem Renditewunsch ihrer Geldgeber dienen und keine Mieterinteressen vertreten.

                  Dies ist ein spezifisches Problem der Stadt aber gilt nicht generell für das ganze Land.

                  Das Teuerungsempfinden ist übrigens sehr individuell. Das liegt auch daran, dass viele Güter, die heute deutlich günstiger snd, weit weniger oft gekauft werden. Will sagen, wenn ein halbes Pfund 10 Cent mehr kosten, dafür aber ein Fernseher statt 999,-- nur noch 799,-- empfindet man die generelle Teuerungsrate als höher.

              ***Wenn jemand in guter oder mittlerer Lage in Hamburg wohnt und musste in den letzten Jahren tatsächlich Mietpreissteigerungen hinnehmen bei kaum gestiegenen Reallöhnen, dann ist das zwar bedauerlich für ihn, ihm bliebe aber immer noch die Möglichkeit ein günstigeres Quartier zu suchen.***

              Aber auch das würde ja irgendwie ein Verlust an Lebensqualität bedeuten, wenn ich nicht mehr (!) da wohnen kann, wo ich vorher problemlos Miete zahlen konnte.

              Es mag sein, dass die Immobilienpreise insgesamt in D (vor allem im Osten, weil da keiner mehr wohnen mag ;-) ) gesunken sind. Aber soll ich deswegen jetzt in den Osten ziehen? Und bekomme ich dort Arbeit? Sind nicht die Preise dort gestiegen wo es Arbeit? was habe ich von einer günstigeren Wohnung, wenn ich dafür dann 100km zur Arbeit fahren muss.

              Gesamtgesellschaftlich finde ich deinen Vorschlag auch problematisch, denn wollen wir wirklich, dass da die "Reichen" und dort die "Armen" wohnen? Ich finde eine "gemischte" Lebensumgebung unheimlich wichtig.

              LG

        Hallo,

        ich kenne den heutigen Immobilienmarkt hier in meiner Stadt sehr gut, da ich ihn regelmäßig verfolge, es ist also kein ungewöhnlicher Wert hier, natürlich weiß ich nicht wie der Markt damals war, aber da das ein Neubau in eine gehobenen Gegend war bezweifle ich, dass er zu niedrig gegriffen ist.

        Natürlich muss man Inflation etc mitrechnen, aber das muss ja dann auch für die gehälter gelten. Wenn sich aufgrund der Inflation die grundlegenden Lebenshaltungskosten verdoppeln oder gar vervierfachen, wie die Immobilienpreise, dann sollten doch die Gehälter im gleichen Maße wachsen, möchte man meinen.

        • Wie gesagt, dann sind in deiner Region die Immobilienpreise eben überproportional gestiegen. Für den Bundesdurchschnitt gilt das nicht.

          Ein Angleich der Löhne an die Mieten ist schwierig. Zwei Arbeiter bei Daimler, der eine wohnt in Stuttgart Cannstadt, der andere draussen in Ludwigsburg, soll man denen jetzt unterscheidliche Gehãlter zahlen?

          Es hat doch jeder zunächst die Wahl, wo er wohnt.

          Dass es in Ballungszentren wie München viel zu wenig sozialen Wohnungsbau in den letzten 30 Jahren gab, ist unbestritten. Auch nicht, dass das Leben in bevorzugten urbanen Räumen wesentlich teurer ist als auf dem Land, aber daraus eine Korrelation zu den Löhnen herzustellen, ist falsch. Die Lebenshaltungskosten sind durchschnittlich seit 1991 in etwa um 25% gestiegen, die Reallöhne um etwa 23%. De facto gibt es also eine Lücke von gerade mal 2% über alle Berufe hinweg und über alle Regionen. Wobei Beamte und der öffentliche Dienst überproportional hohe Lohnzuwächse hatten. Also die besitzen wahrscheinlich defintiv mehr Kaufkraft als vor 20 oder 30 Jahren.

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