Grenzen der Toleranz

    • (1) 02.08.16 - 11:50

      Zur Zeit beschäftigt mich die Frage wieweit Toleranz gehen darf.

      Konkret aufmerksam wurde ich auf mein Problem,als ein schwuler Lehrerfreund von uns (klassischer Grünenwähler würde ich sagen), über die Probleme berichtete ,die er mit den massiv homophoben Äußerungen,einiger seiner muslimischen Schüler habe.

      Handelt es sich um deutsche Schüler die menschenverachtende Kommentare über Schwule und Lesben von sich geben,sei seitens der Lehrer eine eindeutige Maßregelung üblich.

      Aber bei Schülern mit muslimischem Hintergrund müsse man da vorsichtiger sein.

      Muss man?
      Warum?

      Die Freiheit des einzelnen endet doch immer genau dort ,wo sie die Entfaltung des anderen einschränkt,oder?

      Somit würde ich jedem homophoben Muslim sagen,ich akzeptiere dich absolut wertneutral als Mensch und Gläubigen,aber deine Einstellung zur Homosexualität finde ich zum ko....
      Darf ich das?
      Übrigens sind die viele muslimisch geprägten Menschen ,die ich kenne,grenzenlos tolerant!
      Aber halt nicht alle!
      Einem hier geborenen Schwulenhasser,geige ich auch eindeutig meine Meinung.

      Ich würde mich interessieren,wie ihr dazu steht.

      • Toleranz gegenüber wem ? Homosexualität bzw. gleichgeschlechtliche Partnerschaft ist eine in unserer Gesellschaft allgemein anerkannte Lebensform, daran haben sich auch Mitbürger muslimischen Glaubens zu halten. Sicher ist es wenig zielführend, einem Moslem den Kopf zu waschen und zu verstehen zu geben, dass ein anständiger Deutscher auch schwul sein darf, aber beleidigende Äußerungen muss sich niemand gefallen lassen.

        Man sollte also diesen Schülern klar, eindeutig und in Ruhe erklären, dass es klare und eindeutige Regeln gibt, an die sich alle zu halten hätten, und dazu gehört auch, dass man keine homophoben Äußerungen von sich gibt. Was der einzelne denkt, kann man ihm nicht vorschreiben, aber jeder Mensch hat das Recht, mit Respekt behandelt zu werden, das gilt sowohl für Schwule, als auch für Heterosexuelle oder Muslime.

        Hallo,
        ehrlich gesagt, verstehe ich das Problem nicht. Die Grenzen sind definiert dann erreicht, wo andere Menschen beschimpft oder gar physisch angegriffen werden, wo die gängigen Umgangsformen nicht eingehalten werden, geschweige denn gegen Gesetze verstoßen werden. Das gilt selbstverständlich für jeden Menschen, egal welcher Religion er angehört oder wo seine sexuelle Orientierung liegt.
        Ich finde es völlig falsch, in diesem Punkt, Rücksicht auf muslimiscge Menschen zu nehmen. Muslime sind Teil dieser Gesellschaft und müssen sich natürlich an die Regeln dieser Gesellschaft halten. Das darf und muss man jedem deutlich machen.

        Niemand muss sich Beschimpfungen oder mehr gefallen lassen, da darf man sich auch deutlich wehren und seine Grenzen deutlich machen. Aber ich finde man darf auch fragen, warum die Schüler überhaupt mit der sexuellen Ausrichtung des Lehrers konfrontiert werden. Warum ist das Thema? Ich finde, das gehört ins Privatleben und geht doch die Schüler nix an. Ich mag aber auch nicht unnötig und ungefragt mit der Sexualität anderer Leute konfrontiert werden, egal ib sie auf Frauen, Männer oder sonstwas stehen...

        LG

        • <<<<Aber ich finde man darf auch fragen, warum die Schüler überhaupt mit der sexuellen Ausrichtung des Lehrers konfrontiert werden. Warum ist das Thema? Ich finde, das gehört ins Privatleben und geht doch die Schüler nix an. Ich mag aber auch nicht unnötig und ungefragt mit der Sexualität anderer Leute konfrontiert werden, egal ib sie auf Frauen, Männer oder sonstwas stehen...
          <<<<<<

          Die Zeiten, in denen sich Schwule und Lesben verstecken mussten, sind Gott sei Dank vorbei.

          • Kannst ja nochmal nachlesen. Dann siehst du vielleicht, dass ich nichts von verstecken geschrieben habe.

            • Den oberen Teil stimme ich dir auch vollkommen zu.

              Ich bezog mich aber nur auf den unteren zitierten Teil. Es ist in D nichts außergewöhnliches, schwul zu sein. Es ist normal, dass die Schüler wissen, ob der Lehrer eine Frau oder einen Mann als Partner hat. Warum soll der Lehrer es verbergen?

              Es geht hier nur um Homosexualität. #aha
              Jeder Mensch darf das öffentlich machen dürfen, ohne dafür verurteilt zu werden. (siehe Grund- und Gleichstellungsgesetz)

              Es geht hier nicht um SM, Natursekt, Gruppensex oder andere Spielarten. (Das gehört ins Private und hat natürlich nichts in der Schule zu suchen.)

      • >>Aber ich finde man darf auch fragen, warum die Schüler überhaupt mit der sexuellen Ausrichtung des Lehrers konfrontiert werden. <<

        Natürlich gehört die Sexualität eines Menschen in das Privatleben. Allerdings wird eine Lehrerin auch mal gerne außerhalb des eigentlichen Unterrichts erzählen, dass ihr Mann sich gerne eine neues Auto kaufen würde oder gerne im Urlaub an die See fährt. Wenn der Lehrer dann das gleiche über seinen Mann erzählt, ist das doch keine Konfrontation mit der Sexualität eines Menschen, eine bisschen Smalltalk über das Privatleben dürfte doch auch erlaubt sein.

        Klar bei persönlicher Beschimpfung sind eindeutig Grenzen verletzt,das steht nicht zur Debatte.
        Unserem Bekannten ging es aber darum,dass im Gesellschaftskundeunterricht allgemein sehr verletzende Äußerungen über Homosexuelle von einzelnen kamen.
        Noch vor einiger Zeit hätte es ein eindeutiges Contra gegeben.
        Nun hatte sich die Lehrerschaft aber untereinander weitesgehend darauf geeinigt,solche Themen eher nicht zu kommentieren.
        Genau damit hat ein schwuler Lehrer,zu recht wie ich finde, ein Problem.
        Solange es sich aber nicht um persönliche,sondern um allgemeine Aussagen handelt,soll er das hinnehmen?
        Ohne Frage ein sensibles Thema,aber einzelne Menschengruppen beleidigende Äußerungen ,sollten doch grundsätzlich im Schulalltag keinen Platz haben!

        • Ich habe die Sache jetzt nach nochmaligem Lesen und euren Antworten jetzt besser verstanden.
          Ich finde es nicht gut, für muslimische Schüler da Sonderregeln einzuführen...das grenzt ja auch irgendwie aus und erzeugt den Eindruck , dass Muslime es nicht auf die Reihe bekommen können, vernünftig und sachlich zu argumentieren. Auch da würde ich ganz klare Grenzen setzten und beleidigende Aussagen nicht dulden. Da spielt es für mich auch keine Rolle, ob jemand der Anwesenden betroffen ist oder nicht. Das könnte man ja als Anlass nehmen, um über Diskussionskultur zu sprechen...
          Selbstverständlich kann man verschiedene Sichtweisen austauschen, aber auf eine nicht herabwürdigende und sachliche Weise und natürlich dürfen verschiedene Positionen auch kritisiert und widerlegt oder eben argumentativ verteidigt werden. Das sollte eigentlich indiskutabel sein...
          Schade, dass es an dieser Schule anscheinend nicht geschafft wurde, eine Beziehung auf Augenhöhe zwischen Schüler und Lehrer zu erzeugen. Vielleicht sollte man sich da Hilfe holen zum Bsp in Form eines neutralen Mediators?

          • Was ich mir zur Zeit, mit zwei sehr interessierten Schulkindern ,wünschen würde ist,
            dass Schule viel mehr Raum für konstruktiven Austausch böte.

            Vielleicht nen bissel platt,
            aber wer den anderen wirklich versteht,
            wird nie durch Hass kompensieren wollen!

    <<<Aber bei Schülern mit muslimischem Hintergrund müsse man da vorsichtiger sein.

    Muss man?
    Warum?<<<<<<<<<<<<

    Muss man nicht. Diese Schüler erhalten genau die gleiche Konsequenz, die auch ein Nicht-Muslim bekommen würde.

    Warum sollte da ein Unterschied gemacht werden? Egal wer mich beleidigt, ein saftiger Anschiss ist sicher #wolke.

    Wovor hat der Lehrer denn Angst? Hat er die Anweisung von "Oben" bekommen? Da würde ich nichts drauf geben.

    • Es gibt in vielen Berufsgruppen Anweisungen von "oben".
      Das ist in unserer Gesellschaft doch mittlerweile Tagesgeschäft.
      Nur nichts sagen, denn dann....

      Damit kann man entweder Leben oder nicht. Wenn nicht, dann muß man es ändern.

(14) 02.08.16 - 23:41

Hallo,

ich bin Lehrerin und der Ansicht, dass muslimische Schüler in diesem Punkt genauso behandelt werden sollten wie alle andern.

Ich weiß auch nix von einer "Anweisung von oben", die etwas anders vorschreibt (wie weiter oben spekuliert wurde)

Mir fällt auch sonst kein Punkt ein, in dem muslimische Schüler anders behandelt werden sollten als alle andern.

LG

  • Also eine Anweisung von oben gibt es natürlich nicht!

    Es geht eher um eine grundlegende Verunsicherung,inwiefern kulturelle Unterschiede zu Meinungen führen,die man irgendwie akzeptieren muss,natürlich im Hinblick auf individuelle Prägung.
    Homosexualität als abnormal oder krankhaft zu empfinden ist ja eine persönliche Einstellung.
    Wenn man mit Pubertirenden diskutiert und versucht ihnen das Prinzip von Toleranz und dem individuellen Recht auf freie Entfaltung nahezubringen reagieren sie auch,aufgrund ihrer individuellen Prägung.
    Diese ist bei streng Gläubigen Muslimen ja nun mal recht deutlich wahrnehmbar.

    Radikale Fundamentalchristen in züchtiger Kleidung und mit inakzeptablem Weltbild ,werden hier ganz klar belächelt und nicht ernst genommen.
    Aber in Konfrontation mit leicht radikalen Muslimen, besteht bei vielen Linken eine Verunsicherung!
    Das beobachte ich eindeutig und finde ich falsch!

    Toleranz beinhaltet einen Wert an sich,ganz unabhängig von jeder Religion!

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