Wie einig ist Deutschland am Tag der Einheit?

    • (1) 03.10.16 - 14:03

      Heute am Tag der deutschen Einheit frage ich mich besonders, wie weit Ost- und Westdeutschland schon wirklich eine Einheit bilden. "Deutschland einig Vaterland", in wie weit das schon Realität oder noch politisches Wunschdenken einiger heutiger Festtagsredner, die die deutsche Einheit als Erfolgsgeschichte beschreiben.

      Aktuell empfinde ich Deutschland eher gespalten, nicht nur in Ost und West (aber da auch) sondern in vielen grundsätzlichem Fragen. Euro, Europa, Flüchtlinge, bei allen großen Themen zieht sich ein deutlicher Riss durch die deutsche Gesellschaft. Beide Lager stehen sich nach meiner Wahrnehmung unversöhnlich gegenüber und es ist auf beiden Seiten eine Radikalisierung zu erkennen, die erst in der Sprache stattfindet und sich dann in Taten niederschlägt.

      Wenn man den Begriff der Einigkeit nicht nur auf Ost- und Westdeutschland begrenzt, dann war Deutschland wohl noch nie so uneins. Jedenfalls kommt mir das so vor.

      Natürlich haben gesamtgesellschaftliche Fragen immer schon polarisiert oder wurden durch Medien und Politik in Polarisierung geredet und geschrieben.

      Muss man sich vielleicht daran gewöhnen, dass außer bei Fußballweltmeisterschaften, es keine deutsche Einigkeit mehr gibt und die Radikalität weiter zunimmt? Dass Brandanschläge und Gewalttaten zunehmen werden, immer in der Absicht den politischen Gegner zu treffen, den man früher politisch im Parlament bekämpft hat?

      Ich weiß nicht wie andere das sehen aber ich erkenne eine deutliche Verrohung und eine starke Unversöhnlichkeit. Dazu kommt noch, dass man "hatespeech" auch ganz unverhohlen in sozialen Netzwerken ausleben kann ohne Rechtsverfolgung befürchten zu müssen. Also durch Social media Hass noch offensichtlicher und plakativer zu Tage tritt.

      Ich wünsche noch einen angenehmen (National)Feiertag:-)

      • << Muss man sich vielleicht daran gewöhnen, ... >>

        Nein !

        Ich versuche, ein gutes Beispiel zu sein und meine Mitmenschen zum Denken zu bewegen.

        Ich bin sehr geschockt über einen Artikel von N24, in dem es heißt:
        "ein dunkelhäutiger Mann der zum Gottesdienst [Festakt zum Tag der deutschen Einheit in Dresden] wollte, wurde mit "Affenlauten" und "Abschieben"-Rufen geschmäht."

        Darüber bin ich nicht nur geschockt sondern entsetzt. Wie konnte es nochmal so weit kommen? Wo sich doch meine Generation vor Jahren fragte, wie es zu sowas wie dem Nationalsozialismus kommen konnte. Dem gegenüber steht ein teilweise gewaltbereiter linker Block. Und dazwischen die Polizei die versucht die Demokratie und die damit einhergehende Meinungsfreiheit zu schützen.
        Ich erlebe die Teilung aber auch immer mehr in den kleinen Aspekten des täglichen Lebens. Hausfrauen werden angefeindet, warum sie denn nicht arbeiten gehen wollen. Berufstätige Frauen weil sie ihre Kinder vernachlässigen (s. urbia jeden Tag). Legt man Wert auf ein teures Auto ist man " protzig". Fährt man einen alten Gebrauchten hat man "keine Ziele im Leben".
        Ich persönlich finde, dass " Leben und leben lassen" in vielen Bereichen wieder mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Das wäre auf jeden Fall ein Anfang und etwas, was jeder im Alltag umsetzen kann, bevor man sich den großen Fragen (die du angesprochen hast) widmet.

        Hoffe ich schweife nicht allzu sehr ab.

        • Die Sprache ist wirklich unglaublich hasserfüllt. Hier sieht man tatsãchlich Parallelen in unserer Geschichte. Aus den Worten werden Taten. Die sind nur noch von Hass bestimmt. Das Miteinander geht verloren. Wir erleben das Gleiche übrigens auch in den USA. Eine überwiegend weiße männliche Unterschicht und untere Mittelschicht folgt den Hassparolen eines Demagogen, dessen Kandiatur vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar gewesen wäre. Ganz ähnlich wie bei uns, wo es vor 10 Jahren niemand für möglich gehalten hätte, dass Rechtspopulisten und Rechtsextreme in manchen Landesteilen auf 25% kommen.

      Ich möchte jetzt nur für mich sprechen, rein aus meinen Erfahrungen heraus.

      Ich arbeite in einer Firma, die weltweit, auch in ganz Deutschland agiert und habe auch immer viel Kontakt zu Kollegen in/aus Ostdeutschland.

      Bisher habe ich einige Unterschiede bemerkt, aber wenig Feindseligkeiten.

      Es war klar, dass die wirtschaftliche Situation in den neuen Bundesländern schlechter ist, meine Kollegen mit ihrem Einkommen da zu den Großverdienern gehörten und sich sehr viel leisten konnten. Sonst fielen mir nur Kleinigekeiten, manche zum Schmunzeln auf: Manche hatten lustige Vornamen, die Frauen in meinem Alter hatten schon oft erwachsene Kinder, englische Literatur habe ich gerne für einige der Kollegen übersetzt usw.

      Doch jetzt in der Flüchtlingsfrage bemerke ich, dass ich ganz bewusst das Thema Flüchtlinge, Politik und Einwanderung vermeide. Kommt das Thema auf, drehe ich mich einfach um und gehe. Es sind einfach oft ostdeutsche Kollegen (aber nicht nur!), die Meinungen vertreten, die so konträr zu meiner sind und dann mit einem Mangel an politischer Info und Demokratieverständnis vertreten werden (ich verweise da auch gerne auf den leider geschlossenen thread von gestern), dass ich es einfach nicht fassen kan. Gehe ich dann in die Gegenmeinung eskalieren Diskussionen auch mitunter.
      das wäre ja noch zum Aushalten.

      Aber ich konnte es irgendwann einfach nicht ertragen, dass Kollegen, die ich menschlich so sehr geschätzt habe, politisch und argumentativ für mich völlig indiskutabel waren.
      und damit ich nicht noch mehr liebgwonnene Menschen verliere, stelle ich mich auf dem Ohr jetzt einfach taub und vermeide konsequent jegliche Diskussion.

      Anders wäre es mit Freunden, aber so funktioniert das für mich.

      dann habe ich noch eine Beobachtung gemacht, die ich sehr seltsam finde. Mit dem Übergang zur weiterführenden Schule hat meine Tochter zwei/drei Freundinnen gefunden, die ursprünglich aus dem Osten stammen. und dies wird ewig thematisiert. Der Osten an sich, die Region aus der man stammt. Die Familien haben sich auch sofort zusammengetan und bringen immer wieder ihre Herkunft in Diskussionen ein. Gerne mit einem "Ihr im Westen..."
      ich kenne das aus anderen Familien gar nicht. Und auch ich fühle mich anderen Menschen aus meiner Heimatregion nicht direkt so verbunden, dass ich jeden Samstag mit ihnen grille.

      Meine kleine Anekote zum Tag der Deutschen Einheit.

      Wir hatten das lange Wochenende für einen Kurzurlaub in den Niederlanden genutzt. Im Gespräch mit der Wirtin des Bed & Breakfasts fragte sie nach, warum wir denn nicht den Nationalfeiertag in Deutschland feiern würden und stattdessen in den Niederlanden wären.

      Weil ich beim besten Willen nicht wüsste, was es da zu feiern gibt, war unsere einhellige Antwort.

      Die Bilder aus Dresden [...Beitrag vom urbia-Team editiert]

      haben mir dann abends im Fernsehen gezeigt: Ich liege richtig. Ich will mit diesen Landstrichen keine Einheit bilden.

      Nah bin ich unseren westlichen Nachbarn, nicht nur geographisch. Mit dem Osten empfinde ich keine Einheit, ich habe außer beruflich nie mit Ostdeutschen zu tun, würde dort nie mehr Urlaub machen wollen und ja, ich fand Deutschland schöner, als die Mauer noch stand.

      • Och, wer ist Dir denn auf Dein kleines Ego getreten, daß schon zum Montag Morgen ein neuer Nick notwendig ist, damit man sich mal so richtig über die Ossis ausko*** kann? Ich mag solche Wessi-Machos auch nicht, die meinen mit Ihrer Arroganz die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, aber nur deswegen wieder ne Mauer? So ganz verallgemeinernd, wie Du, bin ich dann doch nicht.

        LG

Top Diskussionen anzeigen