Syrien- wie unzufrieden man doch über den Verlauf ist

    • (1) 29.11.16 - 10:03

      Ich bin über die Reaktion der Medien zu den Ereignissen doch sehr geschockt.

      Was kann es für die Bevölkerung schöneres geben als das Ende eines Krieges... doch man hat das Gefühl das dieses Ende eine Niederlage für manch einen sein wird....

      https://www.tagesschau.de/ausland/steinberg-interview-105.html

      besonders witzig finde ich diesen Post:

      "Der Westen habe außerdem lange Zeit unterschätzt, wie stark der Rückhalt von Präsident Bashar al-Assad in Syrien noch sei. "2011 war für viele Kenner des Landes klar, dass Assad mehr Unterstützung hat als andere Despoten in der arabischen Welt, die damals sehr schnell stürzten", so Steinberg. Jetzt zeige sich, dass ein Teil der Bevölkerung hinter ihm stehe, auch wenn dies nicht unbedingt die Mehrheit sei. In den großen Städten etwa halte die Mittelschicht weiter zu Assad.

      Auch die Unterstützung aus Moskau und Teheran sei Assad weiter gewiss. "Es ist vollkommen unrealistisch zu glauben, dass Russen und Iraner ihre Unterstützung in den nächsten Jahren einstellen werden - so dass wir mit Assad wahrscheinlich noch eine ganze Weile werden leben müssen."

      Persönlich vermute ich stark dass spätestens Februar 2017 die Krieg vorbei ist.

      • Der Bericht vom Spiegel ist noch aufschlussreicher , in vielen Punkten.

        Einige Zitate:

        "Mit dem Fall der Stadt würden die Aufständischen ihre wichtigste Bastion in Syrien verlieren. Eine solche Niederlage käme zu einer Zeit, in der sich die geopolitische Lage ohnehin zu ihren Ungunsten verändert hat: Die USA und Europa haben Russland in Syrien freie Hand gelassen. "

        "In knapp acht Wochen wird zudem Donald Trump US-Präsident. Seine Äußerungen und die seiner wichtigsten Berater zum Syrienkrieg sind höchst widersprüchlich, allerdings haben sie erkennen lassen, dass sie Assad eher als Partner denn als Feind sehen. Für die syrische Opposition sind das keine guten Aussichten."

        http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-russland-und-iran-erobern-aleppo-fuer-baschar-al-assad-a-1123413.html

        Ich denke so langsam sollte jedem Klar werden, was es mit diesem Krieg auf sich hat....

        zum anderen sollte man bedenken dass ohne die Einmischung gewisser Länder, es gar nicht zu dem Krieg gekommen wäre...

        • Auch mal ein Zitat, welches ich sehr passend finde:

          >>"Der Westen habe außerdem lange Zeit unterschätzt, wie stark der Rückhalt von Präsident Bashar al-Assad in Syrien noch sei. "
          .
          Um das festzustellen, hätte sich der "Experte" nur mal im letzten Jahr unter die in D. ankommenden Flüchtlinge mischen sollen und nach deren Flucht-Beweggründe zu fragen. Dann wäre dem "Experten" schnell klar geworden, dass die weitaus überwiegende Zahl der Flüchtlinge vor dem IS und den Rebellen/Terroristen im eigenen Land flüchten und nicht - wie uns von den Medien gerne weis gemacht - vor Assad und seiner Armee. Vor Beginn der Aufstände war Syrien ein friedliches Land mit einem für arabische Verhältnisse sehr hohen Lebensstandard.<<

          ....

      Währe schön, ich habe gelesen
      das die Experten den Syreinkrieg als Krieg der Globalenerwärmung sehen. Sie sehen als Grund die wirtschaftlichen Probleme des Landes. Von 2006 bis 2010 wurde Syrien von einer verheerenden Dürre heimgesucht, Assads Agrarpolitik, die den wasserreichen Anbau von Weizen und Baumwolle subventionierte, führte dazu, dass 1,5 Millionen Syrern ihre Lebensgrundlage entzogen wurde und sie ihre Dörfer verlassen mussten. Das wird sich nicht ändern.

      Zur Destabilisierung trägt außerdem bei, dass Assads ausländische Gegner – allen voran die sunnitischen Länder Saudi-Arabien und Katar – die Milizen finanzieren, um ihren Einfluss in der Region auszubauen. Zwischen der Herscherklasse im Syrien den Alawiten und der Bevölkerung wird sich durch die fremden Mächte die Spannungen nicht verkleinern.

    Wie kommst du eigentlich basierend auf deinem verlinkten Bericht zu der Annahme, dass dies das Ende des Krieges bedeuten könnte? Es wird doch im Artikel schon gesagt, dass das nicht so ist und auch Assad sagt das:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/aleppo-in-syrien-baschar-al-assad-weist-forderungen-nach-waffenruhe-zurueck-a-1124935.html
    >> Ein Sieg der Regierungstruppen im Kampf um die Stadt Aleppo wäre für den syrischen Machthaber Baschar al-Assad nicht gleichbedeutend mit einem Ende des Bürgerkriegs. Es stimme, dass Aleppo ein großer Gewinn sei, sagte er in einem Interview mit der regierungstreuen Zeitung "Al Watan". "Aber lassen Sie uns realistisch sein - das wird nicht das Endes des Kriegs in Syrien bedeuten." <<

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-westen-fordert-sofortige-waffenruhe-in-aleppo-a-1124870.html

    Mit Verlaub, "Unzufrieden mit dem Verlauf" ist nciht der passende Ausdruck.
    Und geschockt sollte man nicht über die Reaktion der Medien sein, sondern über die Gräueltaten in Aleppo.

    Siehst so das Ende eines Krieges aus? Das Wort "schön" in diesem Zusammenhang zu verwenden ist blanker Hohn.

    • Danke für Deinen Beitrag! :-)

      Ich hatte mir ebenfalls überlegt, etwas auf diese etwas skurrile Sicht der Dinge zu antworten, habe es dann aber gelassen. Teils aus Unlust weil möglicherweise Zeitverschwendung, teils auch aus einem Gefühl der Resignation.

      Wenn man diese euphemistische Jubelarie auf das "Ende eines Krieges" liest, der vor allem deswegen eine Ende findet, weil man nichts mehr hat, was man kaputtbomben könnte, kann man glatt zu dem Schluss kommen, hier schreibt ein Blogger im Staatsdienst im Auftrag der russischen oder syrischen Junta.

      Dass man darüber hinaus mit Tausenden Toten und Millionen auf der Flucht, mit einer brutalen Kriegsführung mit Fass- und bunkerbrechenden Bomben, Giftgas, und der schonungslosen Vernichtung der eigenen Bevölkerung als Verlauf...ähm, "unzufrieden" ist, na ja......Soll man damit etwa zufrieden sein?...fragte ich mich selbst mit Gedanken an die TE und ihrer wie auch immer gearteten Intention und, wie gesagt, resignierte.

      Das Ende des Bürgerkriegs - und da mündet dann das Posting vom zunächst Skurillen in eine komplett hilflos dahinfantasierte Wunschprognose (weil all das schöne und weltpolitisch bedeutsame russische Gewaltengagement muss doch einen Sinn gehabt haben) - wird leider noch lange nicht erreicht sein. Das Einzige, was sicher zu sein scheint, ist, dass Assad (zunächst) an der Macht bleibt. Gestützt von Moskau und Teheran. Allerdings in einem von Instabilität und Gewalt geprägten Staat, dessen Konflikte sich noch sehr lange hinziehen werden.

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