Grausame Berichte - wie kommt ihr damit klar?

    • (1) 16.12.16 - 10:40

      Hallo zusammen,

      ich weiß gar nicht, warum ich hier schreibe, aber es gehen mir derzeit so viele Gedanken im Kopf rum und mich würden eure Erfahrungen/Tipps interessieren.

      Immer wieder liest man schreckliche Berichte, es passieren so viele grausame Dinge auf dieser Welt. Ich habe das Glück mit meiner Familie hier geboren worden zu sein. Wir müssen nicht hungern, müssen nicht um unser Leben fürchten, müssen nicht frieren oder ohne ein Dach über dem Kopf schlafen.

      Gestern habe ich wieder etwas über einen Kinderschänder-Ring gelesen und als Mutter einer kleinen Tochter sind diese Berichte für mich die unerträglichsten. Ich bin seitdem den Tränen so nahe und kann gar nicht vergessen, dass so viele Kinder so brutal gequält werden (u.a. ging es dort um rituellen Missbrauch). Es passieren so furchtbare Dinge, die kann man sich mit einem normalen Menschenverstand gar nicht ausmalen. U.a. auch hier in Deutschland und in Frankreich… Praktisch vor unser Haustür.

      Ich komme damit nicht klar, dass kleine unschuldige Kinder so leiden müssen und mein Hauptgedanke gerade ist, welche Geschenke ich noch für Weihnachten besorgen muss. Der Alltag nimmt uns oft in Beschlag und so vergisst man oft, dass genau zu dieser Zeit ganz furchtbare Dinge auf der Welt passieren. Ich fühle mich so hilflos und es raubt mir den Schlaf, weil ich weiß, dass du dieser Zeit evtl. irgendwo ein kleines Kind missbraucht wird, erfriert, verhungert etc. Vielleicht sind das auch speziell die „Mama-Hormone“, warum ich insbesondere bei Kindern so emotional werde…

      Ich bekomme diese Gedanken nicht mehr aus meinem Kopf und bin seit gestern extrem emotional. Dabei bin ich eigentlich nicht so der „gefühlsduselige“ Typ. Wie kommt ihr mit so etwas klar? Beschäftigt euch das? Oder blendet ihr das aus? Habt ihr irgendwo Antworten oder Trost gefunden? Oder eine „Strategie“ für euch entwickelt.

      Liebe Grüße,
      ellathebee

      • (2) 16.12.16 - 12:33

        Huhu,

        ja, die Welt ist "schlecht". Aber sich über schlimme Dinge zu sorgen, hilft niemandem und macht es nicht besser. Ausblenden allerdings auch nicht.

        Meine Strategie:
        - mit der Erziehung meines Kindes dafür sorgen (soweit es in meiner Macht steht), dass er kein selbstsüchtiges, rücksichtsloses, arrogantes A... wird, sondern ein Mensch mit Empathie, Toleranz und dem Willen, anderen zu helfen.

        - selbst dort zu helfen, wo ich es direkt kann. Die Welt kann ich alleine nicht retten. Aber ich kann mit kleinen Dingen helfen. Viele kleine Dinge bewirken auch etwas. Jeder kann doch etwas tun, auch Menschen, die nicht so viel Geld haben, können z. B. Zeit spenden.

        Die Wahrnehmung täuscht auf der anderen Seite auch etwas. Statistisch betrachtet und im Großen und Ganzen geht es den Menschen auf der Welt so gut wie noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit (z. B. bezogen auf Lebensdauer, Kindersterblichkeit , Gesundheit, Gewalt, Krieg, ...).

        Wir sollten alle gemeinsam dafür sorgen, dass sich dieser Trend nicht umkehrt.

        LG

        Hanna

      <<<Oder eine „Strategie“ für euch entwickelt.>>>

      Fernseher bleibt aus, und den Egoismus mich nur um das kümmern zu müssen mit dem ich in meinem direkten Umfeld konfrontiert werde, gönne ich mir einfach.

      Da bleibt genug übrig bei dem ich wirklich helfen kann, und auch Ergebnisse aus erster Hand sehe.

    • (5) 19.12.16 - 19:12

      Hallo,
      ich muss zugeben, dass auf mich ein solcher Weltschmerz, wie du ihn präsentierst, reichlich befremdlich und auch etwas ungesund wirkt.
      Das Baden im Elend Anderer hat noch niemandem geholfen. Werde aktiv und trag einfach deinen Teil zu einer besseren Welt bei, wenn dich das Ganze so mitnimmt. Aber mit Jammern und Weinen ist niemandem wirklich gedient.
      Nichts für Ungut.

      LG

      • Danke für deinen Beitrag... Jedoch jammere ich hier nicht einfach so rum, wie du es schreibst. Auch empfinde ich das nicht als ungesund, wenn einem das Elend Anderer zu Herzen geht.

        Ich trage auch meinen Teil zu einer „besseren Welt“, wie du es schreibst, bei.
        Ich bin ehrenamtlich tätig, spende regelmäßig an Organisationen, versuche meinem Kind die Beste Mutter zu sein usw.
        Dennoch hilft das ja jetzt nicht direkt irgendeinem Kind, das gerade von den Eltern misshandelt wird. Und genau das ist es, was mich so traurig macht...

        Und ich weiß, dass ich nur indirekt etwas bewirken kann und mein möglichstes tun kann, dennoch gehen mir diese Schicksale sehr nahe.

        Im Umkehrschluss empfinde ich solche Aussagen wie "Was gehen mich die Probleme der Anderen an" eher befremdlich. Auch wenn man nicht helfen kann, so ist das für mich ein Zeichen der Empathie, wenn es einem nicht am Allerwertesten vorbeigeht wie es anderen geht.

        • (7) 20.12.16 - 07:48

          Das sind leider keine Einzelschicksale, in vielen Ländern ist Kindesmisshandlung an der Tagesordnung.Man wäre als Mensch gar nicht fähig, das gesamte Leid zu ertragen, wenn man es WIRKLICH kennen würde.

          Eine herzzerreißende Berichterstattung über ein Kind steht immer nur stellvertretend für viele hunderttausende Kinder, denen es genauso geht. Es geht einem nahe, weil das Leid plötzlich einen Namen hat. Damit tut man aber quasi allen anderen Menschen Unrecht, die in der gleichen Lage sind, denn deren Leid können wir gar nicht erfassen.

          Wie gesagt, man kann nur dafür sorgen, dass man sein Möglichstes tut, um mit seinen Mitteln gegen Unrecht, Gewalt, Armut etc. in der Welt anzugehen. Und hier steht häufig die echte Bereitschaft nicht in einem passenden Verhältnis zu der Aussage "ich kann es nicht ertragen, wie schlimm die Welt ist". Wenn man es wirklich nicht ertragen kann, dann muss man aktiv werden.
          (Ich meine mit den letzten beiden Sätzen jetzt nicht dich, du engagierst dich ja ehrenamtlich. Ich kenne nur Leute, die vor lauter Weltschmerz total resiginiert haben und kein anderes Gesprächsthema haben, aber aktiv gar nichts tun.)

          • Du hast vollkommen Recht. Vielleicht liegt es jetzt auch an der Weihnachtszeit, dass man zur Ruhe kommt und sich besonders jetzt in Gedanken ruft, wie gut es uns doch eigentlich geht. Was für ein Glück wir haben, auf dem richtigen Kontinent geboren worden zu sein usw.

            Deine Tipps finde ich toll #pro Mehr kann ich auch nicht tun. Ich muss mir auch einfach einen "Gedankenstopp" setzen. Von Psychologen werden oft auch "Nachrichtendiäten" empfohlen (mal 3-5 Tage komplett auf Nachrichten zu verzichten). Vielleicht mache ich das über Weihnachten einfach mal, denn es wird leider selten etwas gutes berichtet.

            #blume

        (9) 20.12.16 - 16:36

        Hallo,
        "Im Umkehrschluss empfinde ich solche Aussagen wie "Was gehen mich die Probleme der Anderen an" eher befremdlich"

        ich gehe einfach mal im guten Glauben davon aus, dass sich das nicht auf meine Antwort an dich bezog.

        LG

Nichts mehr ansehen. Ich habe einmal zwei Berichte über Kindesmißhandlung gesehen. In einem sind die Kinder verdurstet und in dem anderen ging es um das Mädchen was von seinen Peingern kahlgeschoren in einem Krankenhaus abgelegt worde. Warum ich nicht ausgestellt?
Jedenfalls verfolgen mich die Berichte nach über 10Jahren immer noch.

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