Wie bringt man sich in die Schlagzeilen?

    • (1) 19.01.17 - 14:19

      Mit seiner Kritik am Holocaust-Denkmal in Berlin sowie seiner Empfehlung zu einer Umschreibung der deutschen Geschichte, hat Björn Höcke, aus dem Staatsdienst entlassener Pädagoge und Geschichtslehrer, einmal mehr das politische Instrument des Tabubruchs bedient. (Überflüssig zu erwähnen, dass Höcke sich von den Systemmedien falsch verstanden fühlt und jegliche Kritik zurückweist).

      Hier die Rede von Höcke, um die es inhaltlich:

      https://www.youtube.com/watch?v=sti51c8abaw&feature=youtu.be&t=3417

      dazu ein Kommentar von Sascha Lobo, Spiegel Online:

      http://www.spiegel.de/netzwelt/web/bjoern-hoecke-rede-offenbart-gesinnung-kolumne-von-sascha-lobo-a-1130551.html

      Reflexartig reagiert die Bundesvorsitzende Petry und distanziert sich:

      http://www.sueddeutsche.de/politik/petry-und-pretzell-afd-spitzen-distanzieren-sich-von-hoecke-1.3338597

      Ich denke, dass die Partei diesen Eklat erneut inszeniert hat. Höcke in der Rolle des nationalistisch-völkischen Bauernfängers, der die ganz Rechten abholen soll, solche die auch gerne die NPD wählen würden, jene Anti-Demokraten und Antisemiten, die bis dato ein Dasein in der politischen Mülltonne gefristet haben. Petry, mit ihrer reflexartigen Distanzierung, möchte die AfD gleichsam als attraktiv für das bürgerlich-konservative Lager halten. Deswegen kritisiert sie Höcke öffentlich, hinter verschlossenen Türen jedoch ist dies Teil einer gemeinsamen Strategie. Denn es ist egal, woher der Wähler kommt, Hauptsache, es sind ausreichend viele.

      Die berechenbare Empörung der Medien ist Teil dieser Strategie. Denn es bringt die Schlagzeilen um weiterhin einen nennenswerte Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung zu spielen. Zeit zum Dementieren und Relativieren danach ist immer noch. Hauptsache, man hat sich erst einmal wieder auf Seite 1 geschossen. Petry, in der Rolle der Beruhigerin soll gemäßigte AfD-Sympathisanten wieder abholen.

      Von daher kann man den Medien den Vorwurf machen, dass sie einem Björn Höcke überhaupt diese mediale Präsenz und Erwähnung zugute kommen lassen.

      Ich bin gespannt, wie sich diese Strategie noch bis zur Bundestagswahl gestalten wird. Ob sie tragfähig ist. Oder ob die, die AfD zu wählen gedenken, nicht doch dieses perfide Spiel von "böser Politiker/guter Politiker" durchschauen?

      Beim amerikanischen Wahlkampf war diese Strategie aus Abkehr von gutem Benehmen, politischen Ritualen und den Respekt vor anderen, auch dem politischen Gegner sehr erfolgreich. Wie unten schon erwähnt, Pöbeln, Halbwahrheiten und Tabubrüche als legitimierte Waffen gegen ein vermeintlich böses Establishment.

      • Ich sehe das ähnlich, wie du. Wäre das nicht alles so geplant, oder zumindest gewollt, dann würde man die Konsequenz ziehen und den Höcke aus der Partei ausschließen. Das wird aber nicht passieren.

        Sehe ich genauso. Höcke entwickelt sich zum ultrarechten Agitator aber die Partei braucht ihn und will ihn. Er bringt Stimmen.

        Nur die Deppen von AfD Wähler schnallen dieses Theater nicht. Sie laufen diesen politischen Giftmischern wie die Lemminge hinterher.

        Wie der Link schon sagt, keiner darf hinterher behaupten, er hätte es nicht gewusst, was die im Schilde führen.

        Klingt alles plausibel was Du da schreibst.....ist vermutlich auch so. Bei fehlendem Programm und ohne Orientierung benötigt man etwas, auf das man die Augen und die Angst der Wähler lenken kann.

        Alternativ:

        In dieser Ansammlung aus braunem Mist sind nur Idioten, im Hass vereint, aber ohne identische Marschrichtung, und so langsam lässt es sich nicht mehr verbergen, was für Clowns in dieser Partei "agieren".

        Manchmal gibt es nicht genug Torten !

      • Ich frage mich nur, erreicht dieser "Skandal" wirklich die potentiellen AfD-Wähler? Der Durchschnitt schaut sich keine Polit-Sendungen an. Der Durchschnitt zieht sich die Phrasen raus, aber hört sich nicht an, was wirklich dahinter steckt. Und tiefgründige Artikel liest der Durchschnitt auch nicht.

        Der Durchschnitts-AfD-Wähler weiß, die AfD ist genauso gegen Ausländer wie ich. Alles andere drumherum interessiert diese Wähler nicht.

        Überschätze bitte nicht das politische Interesse eines Durchschnitts-Deutschen. Das liegt nämlich ganz tief im Keller. Die picken sich nur das raus, was ihrem eigenen Weltbild entspricht. Alles andere wird gar nicht registriert und daher auch nicht analysiert. Wer am lautesten schreit, wird am ehesten wahrgenommen. Ist bei den Menschen nicht anders wie bei den Tieren. Was da aber aus den Schnäbeln rauskommt, ist egal. Hauptsache laut.

        (6) 20.01.17 - 09:41

        Guten Morgen,

        das hab ich so noch gar nicht gesehen #schwitz
        Das ist witzig und beängstigend zu gleich.

        LG

      • Oh, ich hab gerade was nettes gesehen ;-)
        https://www.vice.com/de/article/quiz-wer-hats-gesagt-hocke-oder-hitler

        (8) 20.01.17 - 11:13

        Vielleicht ein Schuss ins Knie. So meine Hoffnung.

        Die rechtsextremen NPD Wähler finden das jetzt gut, ja, aber die hätten vielleicht eh die AfD gewählt, da diese bessere Erfolgschancen hat, als die NPD und auch viele rechte Interessen vertritt.

        Die 'besorgten Bürger' jedoch, welche keine Flüchtlinge mögen, lassen sich nicht gern mit Nazis in eine Ecke stellen und distanzieren sich davon.

        Höckes Rede hat aber so krasse Parallelen zu Hitlers Rhetorik, dass da, hoffentlich, doch einige abgeschreckt sind.

        Hätte die AfD Höcke aus der Partei gekickt, anstatt sich nur zu distanzieren und ihn sowie seine Aussagen in der Partei zu dulden, hätte ich mir deutlich mehr Sorgen gemacht. Ich glaube nämlich, dass das 'besorgte Bürger' Feld deutlich leichter zu manipulieren und einzufangen ist, als die rechtsextremen, deren Gesinnung ja eh feststeht. Wenn die AfD also den Nazi rauskickt, würden die sich nur bestätigt fühlen, denn das hätte ja gezeigt, was sie immer behaupten, dass die AfD ja gar nicht so schlimm ist.

        • Sehr schlüssige Gedanken, da kann ich nur zustimmen. Hoffen wir, das es sich wirklich so entwickelt.

          (10) 20.01.17 - 14:51

          Insbesondere Dein letzter Satz hat etwas für sich. Allerdings werfe ich mal ein: Erreicht die AfD nicht genau das durch ihr aktuelles Gebaren auch? Frau Petry als Bundesvorsitzende distanziert sich öffentlich von Hòcke und somit kann es ja so dramatisch nicht sein in der AfD.

          Es gab hier mal eine Userin in 2015, die den schönen Nick eines grossartigen Romans hatte und die sich schon damals in fast schon ereifender Weise gegen die Agitation von Höcke eingesetzt hat. Fast so wie ein katholischer Priester, der den Antichrist gesehen hat..... Sie hat hier von einigen Usern ganz erheblich verbale Schlâge dafür einstecken müssen. Insbesondere von einer Userin, die sich, wie sich später herausstellte, für die identitäre Bewegung ganz erheblich engagiert.....

          Meine persönlichen Schlussfolgerungen in Eröffnungsthread ziehe ich einfach aus meiner beruflichen Erfahrung, sehr nahe von Kommunal- und Landespolitik. Politik ist nicht selten die Vortäuschung und die Inszenierung für den Bürger. Das gilt über alle Parteien hinweg.

          Es ist ja nur logisch, dass eine Partei mit unterschiedlichen Köpfen ein möglichst breites Wählerspektrum abdecken möchte. Gauland soll verlassene CDU- Wähler abholen, Höcke und Poggenburg die Rchtsextremen und Frau Petry und Konsorten fischen dazwischen.

          • (11) 21.01.17 - 11:33

            entschuldige folgende eventuelle Rechtschreibfehler. Tippe auf dem Handy, ich hasse das, bin aber im Zelt :)

            Ich hoffe einfach, dass das aktive, offensichtliche Einsammeln von Rechtsextremen dazu fuehrt, dass sich gemaessigtere Menschen (angeekelt) abwenden. In meiner angeknacksten 'heilen Welt' gibt es mehr Unschluessige, unsichere Menschen , die jedoch nicht reinen Gewissens eine Partei mit Nazis drin waehlen, als Nazis/Rechtsextreme, die durch selbigen Nazi geangelt werden. Was fatal waere ist wenn bis September weitere Verrohung stattfindet, indem immer mehr solcher Reden (die ja nie SO gemeint sind) normal werden. Bis dann Leute sagen 'Mensch der traut sich mal, das zu sagen was er denkt, auch wenn unbeliebt, den bewundere ich (ich moechte bei der Vorstellung gerade dezent wuergen) - siehe der andere Beitrag im Moment ueber Trump. Wie gesagt, ich hoffe...

      (12) 20.01.17 - 19:40

      Es wird doch endlich mal Zeit, dass sich die AfD als das entlarvt, was sie ist, nämlich als ein Haufen rechtsnationaler und faschistischer Arschlöcher! Die keine Alternative sind, sondern nur die Rolle rückwärts können in eine Zeit, die ich, und ich glaube auch auch die Mehrheit der Menschen in diesem Land, nie erleben will wie sie unserer Grosseltern oder Eltern erleben mussten.

      • Die Hoffnung hatte ich auch, bis ich diese Deppen nach Wahlerfolgen jubeln sah.....mir hat sich der Magen umgedreht. Man kann nur hoffen, dass sie sich schnellstens selber demontieren, wie die Piraten auch.
        LG

    (14) 24.01.17 - 22:43

    Viel schlimmer ist das Tanja Krienen doch tatsächlich Mitglied der AfD war

    Das politische Wetterfähnchen schlechthin....und sich selber für nichts zu schade#rofl

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