Wahlen in NRW

    • (1) 15.05.17 - 08:06

      Gestern waren Wahlen in meinem Heimatbundesland in NRW. Das Ergebnis dürfte allen Interessierten bekannt sein. Nun hat ein Mann die Wahl gewonnen, der als ehemaliger Integrationsminister in NRW bei der Flüchtlingspolitik immer an der Seite der Bundeskanzlerin gestanden hat. Ausserdem ist bei allen drei Landtagswahlen in diesem Jahr die CDU der klare Gewinner. Das ist entgegen dem Trend bei früheren Wahlen, wo die Regierungspartei im Bund bei Landtagswahlen stets verloren hat, vor allem wenn es dem Ende der Legislatur entgegen geht.

      Im Moment zweifeln wohl die wenigsten daran, dass die nächste Bundeskanzlerin wieder Angela Merkel heissen wird. Ich weiss nicht, ob ich das gut finden soll. Vor allem wenn es erneut im Rahmen einer großen Koalition aein wird. Denn das für mich wichtige Thema der sozialen Gerechtigkeit, wird von der CDU nicht wirklich voran getrieben, weder im Bund noch in NRW. Andererseits setzen wohl viele Menschen in unruhigen Zeiten auf das, was sie kennen und was sich ihrer Meinung nach bewährt hat. Das wiederrum hätte aber eigentlich auch für Frau Kraft sprechen müssen, die sich als authentische Landesmutter bewährt hat und die ich persönlich mir schon als Kanzlerkandidatin vorgestellt habe ( viel lieber übrigens als Schulz).

      Was sind eure Gedanken?

      Guten Wochenstart!#winke

      • (2) 15.05.17 - 11:43

        Huhu,

        ich habe den Eindruck, dass vielen die Bildungspolitik in NRW nicht gepasst hat und sie deswegen nicht rot oder grün gewählt haben. Das kann aber sehr subjektiv sein, weil ich eben Mutter eines G8 Schulkindes bin. Aber auch in den Medien wurde dieses Thema als eine der Ursachen für das schlechte Abschneiden von rot/grün genannt.

        Ich habe mich bei der Wahl extrem schwer getan, weil ich eigentlich auch gegen G8 bin und dieses hin und her in der Bildungspolitik in NRW ätzend und immer nur halbdurchdacht und viertelumgesetzt finde. Trotzdem kann ich aus tiefstem Herzen nicht konservativ oder liberal wählen. Der Wahlomat hat mir die Linke vorgeschlagen, aber ... nun ja... auch die kommt ja aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. Es geht ja nicht nur um die Meinung zu bestimmten Themen, sondern auch darum, ob ich denke, dass diese Dinge umsetzbar sind.

        GroKo ist eigentlich immer kacke, da es nur aus Kompromissen besteht. Vor allen Dingen entspricht es eben nicht dem Wunsch der Wähler, die eine der beiden Parteien ja "abgewählt" haben, und schwupps, haben sie sie wieder vor der Nase.

        Mir hat es - neben dem Problem der Bildungspolitik - aber auch gezeigt, dass die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin von einer großen Mehrheit akzeptiert ist. Ist zumindest meine Interpretation. Die 7% besorgten Bürger :-p fallen da nicht ins Gewicht.

        <<<Denn das für mich wichtige Thema der sozialen Gerechtigkeit, wird von der CDU nicht wirklich voran getrieben>>>

        Von der SPD auch nicht....die reden schon immer nur viel und tun nichts, und die Missstände in Bildung und Verkehrswesen gerade in NRW sind mittlerweile eklatant ! Und daran ist eine Frau Kraft eindeutig mit (!) Schuld !

        Insofern ist ein Wechsel in NRW vermutlich genau das richtige.

        <<<Andererseits setzen wohl viele Menschen in unruhigen Zeiten auf das, was sie kennen und was sich ihrer Meinung nach bewährt hat.>>>

        Ist das in Deinen Augen denn so schlecht?

        Die Blicke auf Frau Merkel werden kritischer.....und das ist vollkommen ok, aber bisher hat sie ihren Job im großen und ganzen doch gar nicht SO schlecht gemacht. Zudem hat sie bewiesen, dass sie mit den großen Arschtörtchen wie Putin, "Erdowahn" oder Trump ganz gut umgehen kann, und sie vermutlich mehr Eier in der Hose hat, als die drei erwähnte Herren zusammen.

        <<<dass die nächste Bundeskanzlerin wieder Angela Merkel heissen wird. Ich weiss nicht, ob ich das gut finden soll>>>

        Ich breche nun auch nicht gerade in Begeisterungsstürme aus, aber nenn mir bitte eine ernst zu nehmende (!!) Alternative. Frau Kraft ganz sicher nicht, und ein Herr Schulz genauso wenig !!!

        Auch taktiert sie momentan in meinen Augen sehr geschickt, und wartet einfach ab, wie sich ihre Gegenspieler selbst ins Abseits stellen.

        Herr Schulz hat hier sehr "eindrucksvoll" bewiesen wie es ist, sich als Sprinter auf den ersten paar hundert Metern auf der Bahn über die Führung zu jubeln......er hat nur leider vergessen, dass er einen Marathon laufen muss. Und dieses Bild spiegelt für mich die komplette SPD wieder, die sich in den letzten Jahren einfach nur ausgeruht hat. Eine Volksnahe Partei mit dem Blick auf den Sorgen und Ängsten der Bürger.....das war sie evtl. ganz am Anfang mal....ist sie aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr !

        Ich weiß nicht, ob das Ergebnis in NRW wirklich als Vorausschau auf die BTW zu deuten ist. Es ging ja um Landespolitik, nicht (in erster Linie) um die im Bund.

        Ich wähle eigentlich meist Rot oder Grün, konnte das aber bei dieser LTW zumindest nicht mit der Zweitstimme. Dafür hat sich die Frau Kraft zu fest an den Innenminister gekettet, der bei allen Vorkommnissen gefühlt entweder "nicht informiert" oder "nicht zuständig" war. Und gelogen hat er auch noch. Wer sowas unterstützt, braucht meine Stimme nicht. Und dann stellt sie sich hin und sagt: Wir stellen tausende Polizisten ein. - Lustige Frau, die einzige Polizeidienststelle hier im Ort (50.000 EW) wurde kürzlich nachts dichtgemacht: Sparmaßnahmen wegen zu wenig Personal.
        Die Grünen haben sich meine Sympathien ebenfalls verscherzt (u.a. mit dieser esoterikgläubigen Gesundheitsministerin).

        Aber das gilt nur für NRW. Bei der BTW bin ich offen. Wenn der Herr Schulz seine Slogans mit Inhalt füllt, könnte das richtig spannend werden.

      Ich denke, man kann sich über dieses Wahlergebnis auch einfach mal freuen - und zwar auch dann, wenn die eigene Partei als Wahlverlierer dasteht.

      Aber trotz des äußerst aggressiven Wahlkampfs der "Alternative", in der aufs Infamste mit den Ängsten der Menschen gespielt wurde, haben nur recht wenige diese Rattenfänger gewählt.

      7 % Ratten gibt's nun einmal in jeder Gesellschaft, seit Sonntag muss man die nicht mehr fürchten, man darf sie belächeln und bemitleiden für ihr hasserfülltes, feiges Weltbild.

      Gewonnen hat die Mitte, ob diese nun rot ist oder schwarz oder gelb oder grün. Die Menschen in NRW, wie auch vorher die in Schleswig-Holstein, haben erkannt, dass wir hier etwas haben, für das es sich wählen zu gehen lohnt: eine starke Demokratie, eine offene Gesellschaft, fest verankerte menschliche Grundwerte.

      • "Aber trotz des äußerst aggressiven Wahlkampfs der "Alternative", in der aufs Infamste mit den Ängsten der Menschen gespielt wurde, haben nur recht wenige diese Rattenfänger gewählt."

        Wobei ich auch sagen muss, dass ich die Radio Werbung der CDU auch als sehr aggressiv wahrgenommen habe. Als ich diese das erste Mal hörte, dachte ich, es sei Werbung der AfD.

        Und ich war nicht die Einzige, die das so empfand, wie ich gestern im Gespräch mit meiner Nachbarin erfuhr.

        Sonst meine volle Zustimmung für deinen Beitrag.

        Ich wäre noch glücklicher, wenn es noch weniger als diese 7% geworden wären...

        LG,
        Natalia

        Man möchte nach dem ersten Lesen Deiner Freude zustimmen, die sich vor allem aus dem, doch eher überschaubaren, Ergebnis für die Alternative für Deutschland speist.

        Ich möchte allerdings davor warnen, deren Wähler als Ratten zu bezeichnen. Dass die Parteifunktionäre der AfD, vor allem aber deren Rhetorik und deren Programmatik, Rattenfängerei betreiben, ist unbestritten. ´(Nebenher: Rattenfängerei meint aber das Verführen von Menschen - wem die Fabel vom gleichnamigen Protagonisten aus Hameln ein Begriff ist - und weniger das Einsammeln von Kleinnagern.

        Viele Menschen - und Teil davon bildet das Wählerreservoir der AfD - fühlen sich nicht nur abgehängt, sie sind es de facto. Verlierer einer Globalisierung, die ohnmächtig zusehen mussten, wie sich Erfolg in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher oder struktureller Ausprägung immer weiter von ihnen entfernte.

        Ein Sinnbild dessen waren die Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit im vergangenen Jahr in Dresden. Dort am Straßenrand der "Mob", der pöbelnd auf die schimpfte, die in sicherer aber durchaus hörbarer Entfernung vor allem sich selbst zelebrierten und darüber hinaus eine Einheit, die es nach wie vor in vielen Bereichen gar nicht gibt. Da standen Merkel, Gauck, Tillich und andere Honoratioren und kein Bild konnte die unglaubliche Distanz zwischen "Volk" und den "Herrschenden" besser symbolisieren.

        Für viele Menschen, vor allem im Osten, ist die Einheit kein Feiertag. Es ist der Tag, an dem sie ihre Jobs verloren, Familien und Biographien auseinanderbrachen und ihnen System übergestülpt wurde, dass sie weder kannten noch sich darauf vorbereiten konnten.

        Aber auch im Westen sind die Verlierer einer sich mit rasender Dynamik entwickelnden Globalisierung. Erosion des Mitbestimmungs- und Tarifrechts, Outsourcing, Lohn-Dumping und das für viele gebrochene Heilsversprechen einer sozialen Marktwirtschaft, die in vielen Bereichen längst von der neoliberalen Gier nach Profitmaximierung und Shareholder-Value verdrängt wurde. Beispiele findest Du zuhauf in meiner Geburtsheimat, dem Ruhrgebiet.

        Es sind die herrschenden politischen Klassen in ganz Europa, eine verbrämte Parteien-Demokratie, die sich nach wie vor für unersetzlich hält, welche unbelehrbar glaubt, Kontakt zu ALLEN Bevölkerungsteilen zu haben und sich in Wahrheit längst entkoppelt hat von dem, was Menschen, die sich existentiell bedroht fühlen, wirklich empfinden.

        Die AfD oder andere ihres Schlages sind nicht die Ursache, nur das Symptom von Gesellschaften, die im Innern immer weiter auseinanderdriften.

        • Das stimmt alles, dennoch kommt eine abfällig Betrachtungsweise ja nicht von ungefähr.

          Jeder Mensch hat es selbst in der Hand, wie er seiner Wut, seiner Resignation, seiner Hilflosigkeit oder Frustration über gegebene Dinge an denen er für den Moment erst mal nichts ändern kann Luft macht...aber die AFD zu wählen ist ganz sicher NICHT der richtige Weg dies zu tun !

          Viele der AFD Wähler waren augenscheinlich selbst erschrocken als die ADF plötzlich Zahlen im zweistelligen Bereich eingefahren hat, und bei denen ist die Wiederholungsgefahr vermutlich sehr gering, dass die noch mal AFD wählen, und hier auch die Zahlen schon sichtbar wieder zurück gegangen sind....aber die ~7% AFD Wähler haben entweder den Schuss nicht gehört, sind völlig resistent für das was wirklich geschieht, wollen evtl. auch nicht darüber nachdenken, oder wissen im Gegenteil ganz genau auf welch perfides Ziel sie hin arbeiten, und scheuen vor Manipulationen und bewussten Lügen nicht zurück.

          Es muss in die Köpfe rein, dass durch Radikalisierung gleich welcher Art noch nie irgendjemand irgendetwas gewonnen hat.

          Dennoch : die AFD ist "gut für uns"......wenn auch nur als negatives Beispiel, aber es ist nicht zu leugnen, dass diese "Rattenfänger" das Interesse am politischen Geschehen hierzulande wieder angefacht haben....und daran wiederum finde ich rein gar nichts verkehrt.

          • Dennoch : die AFD ist "gut für uns"......wenn auch nur als negatives Beispiel, aber es ist nicht zu leugnen, dass diese "Rattenfänger" das Interesse am politischen Geschehen hierzulande wieder angefacht haben....und daran wiederum finde ich rein gar nichts verkehrt.

            In diesem Sinne gebe ich dir Recht, deren wachsende Wählerzuneigung , gab den anderen Parteien zu denken, um wieder mal das Geschehen im eigenen Land zu realisieren, dass da irgendwas aus dem Ruder läuft.

        Ich stimme dir voll zu! (ich glaube das streiche ich mir rot in meinem Kalender an)

    "7 % Ratten gibt's nun einmal in jeder Gesellschaft, seit Sonntag muss man die nicht mehr fürchten, man darf sie belächeln und bemitleiden für ihr hasserfülltes, feiges Weltbild."

    Demokratische Kultur zeigt sich gerade im Umgang mit Andersdenkenden. Vergleiche aus dem Tierreich - egal ob rechte Ratten oder linke Zecken - sind dazu denkbar ungeeignet.

Hallo,

Was das Ergebnis Wert ist wird man sehen.
CDU und FDP sondieren nun bald miteinander. Allerdings wird die FDP klare Kante zeigen müssen sonst wird Sie wie oft zuletzt, aufgeschluckt.
Daher muss Herr Laschet auch aufpassen dass er nicht am Ende doch noch bei der SPD anklopfen und BITTE BITTE machen muss. Die FDP wird im möglichen Koalitionsvertrag schon viel von sich sehen wollen.

Was die AfD angeht, ich warne weiterhin davor deren Wähler ( und das sind bei der Wahlbeteiligung und 7 % ja auch nicht wenige ) als Idioten zu beschimpfen.

Was den Blick auf den Bund angeht, ich denke alle werden noch ne Schaufel drauflegen müssen.
Frau Merkel hat Ihren Job im großen und ganzen recht anständig gemacht. Das wäre in einem Zeugnis gerade mal ne 4.

Bin gespannt auf September.

Liebe Grüße

Andy

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