Politik & Philosophie

11.08.17 - 19:53

Der Staat schützt seine Bürger nicht.

Welches Forum böte sich besser für dieses Thema an, als dieses hier, in dem es um das LEBEN geht? Fast alle hier sind fasziniert vom Leben, von seiner Entstehung, seinem Wachstum.

Ca. 10 Menschen sterben täglich auf Deutschlands Straßen. Tag für Tag. Meist still.

Wie würden wir reagieren, wenn jeden Tag ein Amoklauf oder ein Terroranschlag mit 10 Toten Realität wäre? Ist die gefühlte Absicht die hinter einem Anschlag steckt wirklich so viel bedeutender als die schulterzuckend in Kauf genommene Fahrlässigkeit, die sich auf den Straßen in einem noch viel brutaleren Ergebnis niederschlägt?

Warum berührt uns das eine, das andere aber kaum mehr?

Warum lässt der Staat Menschen 2 Tonnen schwere Waffen lenken, unabhängig von ihrem körperlichen und geistigen Zustand? Wann wurdet Ihr in einem PKW zuletzt kontrolliert, ob Ihr

- unter Alkoholeinfluss steht?

- überhaupt eine Fahrerlaubnis besitzt?

- Drogen konsumiert habt?

- überhaupt noch etwas seht?

- Eure Reaktionsgeschwindkeit hoch genug ist?

- das Smartphone ausgeschaltet habt?

- einen Gurt angelegt habt?

- psychisch stabil genug seid, um ein Fahrzeug zu lenken

- die Abstände eingehalten habt?

- etc.

All das wird unter dem Deckmantel der Freiheit ignoriert. Ähnlich wie bei der Waffenlobby in Amerika gibt es diesen ganz breiten Schulterschluss von ganz oben bis ganz unten in Deutschland wenn es um die Freiheit beim Fahren geht.

Aussitzen. Ignorieren. Verharmlosen.

Ich weiß, dass sich auch hier in diesem Forum einige Freiheitsverfechter melden werden, die den oben angedeuteten Schluss vom Leben zum ungewollten Sterben nicht sehen (wollen) werden.

Seit nahezu 50 Jahren streitet Deutschland um eine Winzigkeit. Eine Winzigkeit, die ein paar Menschlein gerettet hätte. Die längst nicht alle Probleme ausmerzen würde:

Ein verbindliches, durchgängiges Tempolimit.

Dass damit all die Smartphonetoten noch nicht gerettet sind, bleibt unbestritten.

Jetzt ist Bundestagswahl. Seht Ihr ein einziges Plakat, eine einzige Sendung, ein einziges Interview, welches sich dieses Themas annehmen würde? Welche Partei nimmt sich dieses Themas an? Wie oft streitet der Bundestag darüber? Wie sehr nimmt sich der Journalismus dieses Themas an?

Für diejenigen, die trotzdem selbst denken möchten, sei dieser Artikel hier ans Herz gelegt. Er stammt aus der aktuellen "Zeit".

http://www.zeit.de/2017/33/verkehrspolitik-tempolimits-autobahn-deutschland-gefahr/komplettansicht

Weil sich bestimmt nicht jeder anmelden möchte, hier ein paar Zitate:

"Es ist der einzige Staat Europas und der einzige Industriestaat der Welt, der unlimitiertes Schnellfahren auf Autobahnen nicht prinzipiell verbietet, sondern prinzipiell erlaubt"

"Deutsche, die ins Ausland reisen, kennen diesen Moment des Auf- und Durchatmens: Wie entspannt das Fahren plötzlich ist! Tendenziell gleich schnelle Autos rollen hintereinander her, überholende fahren kaum schneller, augenblicklich registriert man die Verminderung der Lebensgefahr. Dass auf deutschen Autobahnen Krieg herrscht, leugnen nur die, deren Politik ihn täglich neu entfacht."

"Doch auf der linken Spur dahinrasende, drängelnde, hupende und lichthupende Horden ziviler Rennwagen sind nicht die Ausnahme, sondern die Regel, und in der Regel sind es junge dumme Männer mit der moralischen Intelligenz eines Kieselsteins, die aufs Leben, das ihnen blüht, pfeifen und aus Verzweiflung, die sie als Mut missdeuten, auch alle anderen mit jenem Tod bedrohen, dem sie johlend entgegenrasen. Dass diese Horden gerne auf der ganzen Welt so rasen würden, mag sein; dass sie es in Deutschland dürfen, ist ein Skandal."

"So ist die Freiheit, die Leute wie Poschardt auf deutschen Autobahnen suchen, nichts als dumpfe Resonanz der Freiheit der deutschen Autoindustrie, unsere Straßen als ihren Testparcours zu missbrauchen. "Erprobt auf deutschen Autobahnen", heißt einer ihrer widerlichen Auslandwerbeslogans, und das Blut, das an diesen Autos klebt, sollte man der Industrie und ihren gestopften Lobbyisten ins Essen tun."

19 direkte Antwort(en) auf den ausgewählten Beitrag:

11.08.17 - 23:15

Hallo Fechdachs,

ich, als freiheitsliebende Freidenkerin, stimme Dir 100 Prozent zu.

Gehe gedanklich vielleicht noch weiter und empfinde immer mehr, in einer Individual-Verkehrs- oder Auto-Diktatur zu leben.

Gruß
nk

12.08.17 - 09:53

Meiner Meinung nach gibt es einfach viel zuviele Autos . Außerdem ist deine Information Falsch. Die Zahl der Verkehrstoten sind von 1991 von 11300 auf 3300 im jahr 2016 gesunken. Durch Eingriffe vom Staat z.B. 05 % Grenze. Die Zahl der Verkehrstoten ist vielen Länder Eu länder höher als in Deutschland. Deutschland lieg hier auf platz 8 von 28. Die Totesrate ist auch in Deutschland sehr unterschiedlich. In den Stadtstaat liegt sie am unteren Ende .

Wie willst du das alles Kontrollieren?

12.08.17 - 11:06

Woher soll denn das ganze Pesonal kommen, die die Leute kontrolliert?

Wie sollen die Kontrollen stattfinden?
Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, müßte jeder jedesmal, bevor er ins Auto steigt, auf alles mögliche kontrolliert werden (denn das kann sich ja täglich ändern).
Und das ist nunmal unmöglich.

Auf Flughäfen hingegen wäre es evt noch machbarer, jeden noch etwas intensiver zu kontrollieren und das würde ich auch gerne in Kauf nehmen

""Deutsche, die ins Ausland reisen, kennen diesen Moment des Auf- und Durchatmens: Wie entspannt das Fahren plötzlich ist! Tendenziell gleich schnelle Autos rollen hintereinander her, überholende fahren kaum schneller, augenblicklich registriert man die Verminderung der Lebensgefahr. Dass auf deutschen Autobahnen Krieg herrscht, leugnen nur die, deren Politik ihn täglich neu entfacht.""

dann waren die noch nie in Italien#schwitz

14.08.17 - 08:10

Hallo,

ich meine, man sollte mal nicht ganz so auf den Schlamm hauen, was Kontrollen, Schutz und Sicherheit an geht.

Ich lese bspw. sehr viele Polizeiberichte, die mich teilweise nerven, weil da steht: "Führerschein durch Kontrolle entzogen...stand unter Alkoholeinfluss, Drogeneinfluss,...ein 84-jähriger....", oder, oder, oder. Ich frage mich dann immer, wen das interessiert. Gut, dann kenne ich jetzt Jemanden, den das interessiert. Vielleicht solltest Du die ein oder andere Online-Seite Deiner Heimatstadt abonnieren ;-)
Nein, ich habe nicht das Gefühl, nicht ausreichend geschützt zu sein, zumal ich mich an die Verkehrsregeln halte, meistens, und somit gibt es keinen Grund mich anzuhalten. Das zum Thema Straßenverkehr. Ach noch etwas....fahr mal in Italien Auto...Deutschland ist ein Sch*** dagegen. Auch ist Frankreich erwähnenswert.
Wenn man sich nicht mit Dränglern auf der Autobahn anlegt, und ganz viele Autofahrer tun das, fährt man zur Seite und lässt diese Indioten vorbei. Man fährt doch vorausschauend, das sollte einen selbst schützen. Man kann durch ein Unwetter vom Baum erschlagen werden, man kann über die Straße gehen und wird vom Blitz getroffen oder man stirbt bei einem Verkehrsunfall. Ich will das nicht schön reden, nein, keinesfalls aber ob der Straßenverkehr in Deutschland nun Diskussionspriorität haben muss, oder ob wir vielleicht andere, wichtiger Probleme angehen müssen....#kratz

LG

14.08.17 - 09:37

Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen würden doch nichts bringen. Ich fahre jeden Tag über Dörfer. Dort darf ich auch nur 50 fahren. 50% fahren fast 60, 40% 60 bis 65, der Rest fährt schneller. Ich frage mich immer wieder, ob die nicht wissen, dass man in Ortschaften 50 fährt. Manchmal frage ich mich, wo das 70-Schild steht. Ich habe es bis heute nicht sehen können. Mi 58/59 bin ich eine Bremse. Ich frage mich manchmal, ob mein Tacho falsch geht. Dann wäre es aber schon das zweite Auto, wo das Tacho falsch geht.

Erwähnenswert sind dann noch die Hirnis, die morgens und abends bei gerade aufgehender /unter gehender Sonne kein Licht anmachen. Sonne scheint ja ... Ich fahre streckenweise durch dunklen Wald. Da verschwimmt fast jede Autofarbe mit der Natur. In Polen muss schon ewig auch am Tag das Licht angeschaltet sein, warum schafft das Deutschland nicht? Und so viele Autos mit Tagfahrlicht gibt es auch noch nicht, jedenfalls bei uns nicht.

Jedenfalls bin ich der Meinung, dass nur regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen an vakanten Stellen etwas bringen. In der Woche mindestens einmal, an unterschiedlichen Tagen, zu unterschiedlichen Zeiten. Der technische Materialeinsatz und der personelle Einsatz hätten sich schnell amortisiert.

Wann ich das letzte Mal kontrolliert wurde? Ich glaube, das ist 12 Jahre her. Da habe ich mal meine Eltern irgendwo abgeholt und bin mit dem Auto meiner Mutter gefahren. Ich kannte das Auto nicht mehr richtig und habe beim Licht was falsch angeschalten.

14.08.17 - 10:30

Du glaubst ja gar nicht, wie du mir aus der Seele sprichst!#pro

Realität:
Auto = Unendliche Freiheit und gottgegebenes Recht,
jeder Vollhonk darf es nach Lust und Laune verwenden sofern er die Führerscheinprüfung bestanden hat;
Ein DurchschnitsIQ ist dafür nicht nötig

wünschenswerter Konsens vernunftbegabter Wesen:
Auto = potentielles Tötungswerkzeug, mit dem man nur unter ganz bestimmten Vorraussetzungen und unter Anwendung höchster Aufmerksamkeit und größtem Verantwortungsbewußtsein umgehen darf;
Bei Regelverstößen wird selbstverständlich sofort und endgültig die Fahrerlaubnis entzogen, da das Leben potentieller Opfer schützenswerter ist,
als das Ausleben der individuellen und freien Mobilität;

Wir sind einfach noch ziemlich primitiv und auf Eigeninteressen reduziert,
das Agieren potentieller "Mörder" auf deutschen und internationalen Straßen zeigt dies immer wieder so entwaffend ehrlich.

Das Konsumverhalten (mich eingeschlossen), welches nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist, an das Märchen vom ewigen Wirtschaftswachstum glaubt und die Ressourcen auf mehr als unveranwortungslose Weise verbraucht,
ist ebenfalls ein Verbrechen,
nur nicht so offensichtlich,
wie bei totgefahrenen Strassenteilnehmern.

Lustigerweise musste ich, die bewußt nie Autofahren wollte, mich unzählige Male dafür rechtfertigen, warum ich als Mutter keinen Führerschein habe.
Jeder der ein Werkzeug bedient, welches unter Umständen tötet, findet das aber vollkommen selbstverständlich und käme niemals auf die Idee, sich dafür zu rechtfertigen.

14.08.17 - 15:22

Ich empfehle "Die Anstalt" vom 07.03.2017
Nicht genau auf diesen Wortwechsel hier zugeschnitten... Aber in Teilen passend und eine gute Hilfe, um mal über den Tellerrand... Erschreckend!! Bietet genug Einblicke, um hier anschließend eher einer Meinung zu sein und mal die Befindlichkeiten in der Ecke zu parken...
Gruß
bommelmuetze

14.08.17 - 19:00

Zuletzt kontrolliert vor zwei Wochen.

Führerschein
Zulassung
woher ich komme
wohin ich fahre
Grund, warum ich dorthin fahre
dann wurde ich gebeten meine Heckklappe/Schiebetür zu öffnen um den Laderaum zu zeigen

Ich bin ja ein höflicher Mensch, aber das geht auch für mein Verständnis etwas zu weit.#augen

Verfolgt heute mit Hubschrauber... der flog so tief, das ich die Besatzung mehr als gut sehen konnte Der flog also hinter und neben mir rund 5 Kilometer her und drehte erst ab, nachdem ich beim Teilehändler vom Quad stieg. Bis der Helm runter war, stand der genau über mir

Ich werde ja nun in der Stadt einen Ruf weg haben, wo mich ja viele kennen#rofl

15.08.17 - 07:31

Ich sehe das 100%ig genauso und bin für Geschwindigkeitsbegrenzungen und mehr Kontrollen und höhere Strafen bei Zuwiderhandlung.

Warum nichts passiert? Weil die Automobilindustrie eben eine starke Lobby hat!

15.08.17 - 09:56

Ich halte die Idee für Blödsinn.

Erstmal haben wir in DE die meisten Unfalltoten auf Landstraßen, nämlich 60% aller tödlichen Unfälle. Dort gilt bekanntermaßen ein Tempolimit. Nur 2% sind in Deutschland komplett ohne Tempolimit. Europaweit geschehen auf unseren Autobahnen die wenigsten Unfälle.

Vergleichen wir DE mit USA und AT, wo ein Tempolimit von bis zu 130km/h gilt, so kommen wir pro gefahrenen Millionen Kilometer auf 4,8 Tote in AT, in den USA auf 5,0 und in DE dagegen nur auf 3,1.

Studien bestätigen zudem, dass eine eintönige Fahrweise (also z.B. ständig 130km/h) eher zu Unfällen führen als eine unstete Fahrweise. Auch darauf sind die Unfalltoten in Ländern mit Begrenzung zurückzuführen.

Während man in DE über so einen Blödsinn wie Tempolimit nachdenkt, will man in eigenen EU Staaten Tempolimits aufweichen.

Falls noch jemand mit dem Thema Umweltschutz argumentieren will. Die CO2 Ersparnis läge Studien nach maximal mal 0,3% des aktuellen Ausstoß von Kraftfahrzeugen.

Zu den Kontrollen: So lange es in vielen Bundesländer eine rot/grüne Regierungsbeteiligung gibt, werden keine Polizeikräfte aufgestockt. Im Gegenteil. Dann will ja auch niemand mehr Steuern zahlen, die aber nötig wären, damit die Polizei jedes Auto kontrolliert ob auch alle Fahrtüchtig sind. Wenn die sich mit so einem Schwachsinn beschäftigen müssten, blieben aktuell ja wichtigere Aufgaben liegen. Nach deiner Logik müsste ja auch jeder, der sich ein Küchenmesser kauft, einen Psychologisches Gutachten benötigen. Am besten packen wir uns alle in Watte und verlassen nicht mehr das Haus. Ist ja sooo gefährlich draußen!

16.08.17 - 09:30

Also auf Autobahnen Tempo 100, auf Landstrassen Tempo 80 und Innerorts Tempo 30. Ständige Kontrolle und drastische Strafen. Am Besten muß jedes Auo ständig Signale geben und bei Überschreitung Signal aussenden und die Überschreiung gleich melden. Ist es das was du dir vorstellst? 1000 Euro pro Km / h zu schnell , dreimal zu schnell Führerschein weg.

Nebenbei kümmere dich mehr um deine Mitmenschen. Ale 53 Minuten begeht ein Mensch Selbstmord. (Über 10000 im Jahr).

17.08.17 - 08:40

Ich verstehe nicht, warum diese Debatte immer nur um ein fixes Tempolimit geht. Die Technik, um flexible Limits zu setzen ist doch schon laengst vorhanden. Warum also nicht nachts oder Sonntags abends ein Limit von sagen wir mal 180, bei starken Verkehr und zu Stosszeiten halt 120 (sofern nicht sowieso schon eine Begrenzung besteht was ja vielerorts ohnehin schon der Fall ist).
Natuerlich finde ich eine allgemeine Begrenzung besser als gar keine, aber man koennte mit einfachen Mitteln eigentlich vielerlei Interessen erfuellen.

Es ist schon bloed auf einer leeren Autobahn mit 120 daher zu zuckeln.

Also eben entsprechend sinnvoll setzen - oh wait, daran scheiterts vermutlich.

Ich waere fuer noch ganz andere Regeln auf der Autobahn, naemlich Uberholverbot fuer LKW bei einem gewissen Verkehrsaufkommen (oder der Einfachheit halber zu Stosszeiten), hoehere Strafen (oder ueberhaupt Strafen besser gesagt) fuer Leute, die das Rechtsfahrgebot nicht einhalten, hoehere Strafen (oder ueberhaupt Strafen besser gesagt) fuer Draengler und Arschloecher, die gemeldet werden... etc etc.

Soweit ich weiss passieren die meisten Tode auf der Autobahn nicht durch Raser sondern durch LKW. Nur finde ich dieses Argument immer so daemlich (genau wie das, dass auf Landstrassen prozentual mehr toedliche Unfaelle passieren), denn die Leute die durch Raser die ihnen drauf fahren sterben haben davon mal gar nichts, dass 40km weiter einer vom LKW zermanscht wurde. Man muss an vielen Ecken schrauben, und Raser auf der AB sind eine davon.

17.08.17 - 10:20

Fakten und Argumente

Aus Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Zul%C3%A4ssige_H%C3%B6chstgeschwindigkeit_im_Stra%C3%9Fenverkehr_(Deutschland)

Laut der Bundesanstalt für Straßenwesen von 1984 sei bei einer generellen Temporegelung eine Senkung der Unfallzahlen auf Autobahnen zu erwarten. Für ein Limit von 130 km/h sei mit einem Rückgang der Getöteten auf deutschen Autobahnen um 20 % und bei 100 km/h sogar um 37 % zu rechnen.[28] Diese Einschätzung werde laut einer anderen Studie durch ebenfalls ältere Vergleichsfälle in Deutschland gestützt.[29] Die Verkehrsmortalität ist jedoch in den letzten Jahrzehnten gesunken und die Zahlen könnten mittlerweile veraltet sein. Einer Studie im Auftrag des Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung in Brandenburg von 2007 zufolge sei die Unfallkostenrate auf Strecken mit 130-km/h-Tempolimit um 26,5 % geringer als auf unbeschränkten Strecken, das gelte sowohl für den Vorher-Nachher-Vergleich also auch beim Vergleich verschiedener Strecken.[30] Bei Einführung eines Tempolimits von 130 km/h auf den bisher unbeschränkten Brandenburger Autobahnabschnitten sei die Verringerung der Unfallkosten höher als die Erhöhung der Zeitkosten, die bei niedrigeren Geschwindigkeiten durch längere Fahrzeiten entstehen.[31]

https://de.wikipedia.org/wiki/Autobahn_(Deutschland)

Immer wieder gibt es öffentliche Debatten über die Einführung eines bundesweiten Tempolimits auf Autobahnen. Befürworter geben als Argumente u. a. geringere Unfallzahlen, Verringerung der Lärmbelästigung sowie den Umweltschutz an. Belegt werden kann dies unter anderem durch die Unfallzahlen. So sind im Jahr 2013 drei Viertel der Getöteten auf Bayerns Autobahnen Abschnitten ohne Tempolimit zuzuordnen.[6]

Siehe:

http://media-cdn.sueddeutsche.de/image/sz.1.2097290/680x382?v=1408605784000

Betreffender Artikel:

http://www.sueddeutsche.de/bayern/autobahn-a-carrerabahn-fuer-maenner-mit-geld-1.2096227-2

"Außer den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Doch eher würde in Deutschland die Industrie verstaatlicht als ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen eingeführt: 200 Menschen sind in Bayern im vergangenen Jahr bei Unfällen mit überhöhter Geschwindigkeit gestorben, gab Innenminister Joachim Herrmann kürzlich bekannt. "Überhöhte Geschwindigkeit ist der Killer Nummer eins im Straßenverkehr." Aber Herrmann setzt nicht auf neue Tempolimits, sondern auf Überwachung der bestehenden. Zum Beispiel durch den "Superblitzer". Sein neuester Stolz ist eine 230 000 Euro teure Überwachungsanlage, die auf drei Autobahnspuren gleichzeitig Tempo messen kann. Doch die steht logischerweise nicht an der Garmischer Autobahn, wo es kaum Beschränkungen gibt. Sondern auf dem Münchner Autobahnring A 99 bei Aschheim."

Politisches:

https://de.wikipedia.org/wiki/Zul%C3%A4ssige_H%C3%B6chstgeschwindigkeit_im_Stra%C3%9Fenverkehr_(Deutschland)

Seit Ende der Beteiligung der Grünen an der Bundesregierung im Jahr 2005 setzte sich keine der Regierungsparteien mehr für ein allgemeines Tempolimit ein. Überraschend fiel daher am 27. Oktober 2007 die Entscheidung beim SPD-Parteitag in Hamburg aus, bei der sich eine knappe Mehrheit der Delegierten für ein Tempolimit von 130 km/h und damit gegen die Empfehlung der Parteiführung aussprach. Im Bundestag sind außerdem die Grünen und die Linken für ein Tempolimit. Im Mai 2008 lehnte die große Koalition zusammen mit der FDP die Einführung eines Tempolimits von 130 km/h erneut ab.

Die von den Grünen und der Linkspartei eingebrachten Anträge auf Einführung eines flächendeckenden Tempolimits in Höhe von 130 km/h wurden vom Bundestag am 28. Mai 2009 mit großer Mehrheit abgelehnt. Neben der Union und der FDP votierten dabei auch die Vertreter der SPD gegen die Anträge, obwohl sich der Parteitag der SPD Ende 2007 mit knapper Mehrheit und gegen die Empfehlung der Parteispitze noch für die Einführung eines Tempolimits ausgesprochen hatte. Auch die ehemalige Regierung aus CDU und FDP (2009–2013) lehnte die Einführung eines Tempolimits entschieden ab.

Bremen als Vorreiter:

http://www.senatspressestelle.bremen.de/sixcms/detail.php?id=18847

17.08.17 - 14:18

Hallo,

ich bin viel, und ja, auch gerne schnell ( aber ohne Punkte in Flensburg!) auf deutschen Autobahnen unterwegs und kann den Satz: ""Deutsche, die ins Ausland reisen, kennen diesen Moment des Auf- und Durchatmens: Wie entspannt das Fahren plötzlich ist! ..."
garnicht nachvollziehen. Es ist nervig auf einer relativ leeren Autobahn mit 110 dahin dümpeln zu müssen, vorallem wenn die Strecke noch weit ist. Da kann ich nicht aufatmen.

Auf deutschen Autobahnen bin ich froh, wenn die Strecke freigegeben ist, da sich sofort der Verkehr entzerrt und die Abstände größer werden, was m. M. nach ein viel größerer Sicherheitsaspekt ist. Viele Autos auf Grund von Tempolimits, ( damit meine ich keine auf Grund von Baustellen) sind viel stressiger, Fahrer machen schneller Fehler und auf Grund von geringeren Sicherheitsabständen sind diese Fehler viel gravierender.

Absolut mit gehe ich, wenn es um die stärkere Umsetzung von Handyverbot, Trunkenheit oder Drogen am Steuer geht! Genauso hätte ich nichts dagegen wenn man vielleicht aller 20 Jahre wieder eine Führerscheinprüfung machen sollte, um zu zeigen, dass man noch die Verkehrsregeln beherrscht. Denn Ablenkung am Steuer und Nichtbeherrschung der Verkehrsregeln sind viel größere Unfallverursacher!

17.08.17 - 15:33

Mal 5 min gegoogelt.

Ein paar Zitate:

die ETSC hat in ihrem aktuellen PIN Flash Report 28 die Verkehrssicherheit auf Autobahnen in Europa verglichen.

Deutschland liegt im Mittelfeld - dazu heißt es: Zitat: Germany: deaths higher on motorways sections without speed limits Deaths on German motorways were cut from 694 in 2004 to 387 in 2012. But in 2013 the number of people killed on German motorways increased by 11% compared to 2012, while overall road deaths went down by 7%. The German Road Safety Council (DVR) says that in 2013 the number of deaths per kilometre of motorway was 30% lower on stretches of German motorways that have speed limit compared to those without limits. In 2008, the latest year available, around 66% of the total motorway network in Germany had no speed limits.

Hier eine europaweite Statistik.

https://www.motor-talk.de/forum/aktion/Attachment.html?attachmentId=736038

Auto-Bild weiß auch etwas :-)

Die Schweizer Autobahnen sind die sichersten in Europa. Das ergab der neue Road Safety Performance Index (PIN), eine Untersuchung des unabhängigen Europäischen Rates für Verkehrssicherheit in Brüssel. Pro Milliarde gefahrener Kilometer starben dort 2006 statistisch 1,41 Menschen. Auf Platz zwei und drei folgen mit Dänemark (1,50) und den Niederlanden (1,72) zwei weitere deutsche Nachbarländer. Deutschland liegt mit 2,97 Toten noch unter dem europäischen Mittel von 3,71. Die Zahl der auf Bundes-Autobahnen Getöteten sank zwischen 2001 und 2006 um 5,3 Prozent (Schweiz: minus 13,4 Prozent). Allerdings gibt es mit Griechenland, Schweden, Ungarn und Slowenien nach wie vor Länder, in denen die Tendenz steigend ist.

Europäische Statistiken lassen sich nur schwer vergleichen. Es gelten unterschiedliche Tempolimits und die Definition von Autobahn und Schnellstraße ist nicht überall gleich". Auch die Beurteilung, was ein Verkehrstoter ist, variiert von Land zu Land: Während in Österreich ein Unfallopfer, das innerhalb von 30 Tagen nach einem Unfall verstirbt, als Verkehrsgetöteter gilt, würde in zahlreichen anderen EU-Ländern ein auf der Autobahn Verunglückter, der nach 24 Stunden verstirbt, schon nicht mehr zu den Verkehrstoten gezählt

The relationship between speed and the increase in the number of deaths and injuries has lead to some interesting academic research. Writing about the 'power model' devised by Rune Elvik, from Norway's Institute of Transport Economics, Peter Walker explains what insights it can offer: Using the most widely accepted statistical model, drawn up by a Norwegian academic using data from 100 studies in more than a dozen countries, an increase in average traffic speeds of just 3mph – a typical change for a 10mph rise – would be expected to cause more than 25 extra deaths a year on motorways and more than 100 serious injuries.

A 1991 case study used in the ETSC report illustrates the results of introducing a speed limit. A 130km speed limit was introduced on a 167km section of the A61 in Rheinland-Pfalz combined with a ban on overtaking heavy good vehicles. The result of both these measures was a 30% reduction in fatal and severe injury accidents.

Viel Spaß beim Zerpflücken.

17.08.17 - 17:56

Du bist es also die Trantüte, die ständig vollkommen rücksichtslos auf die linke Spur zieht und mich dazu nötigt im Schneckentempo über die Autobahn zu kriechen. Da fährt man ganz gemütlich mit 240 über die Autobahn und dann kommt da so 'ne Trulla ohne links und rechts zu schauen und zieht links raus. Das geht ganz schön auf die Bremsen. Kannst Du nicht einfach ganz rechts fahren und da bleiben? Das wäre echt nett von Dir, alternativ kannst Du ja auch mit dem Zug fahren, dann musstest Du Dich auch nicht so aufregen und die Straßen wären wieder etwas sicherer...^^

17.08.17 - 18:39

Es gibt viele Fehler in der Verkehrspolitik vor aber eine einseitige auf den Individialverkehr ausgerichtete Fehlentwicklung. Und das seit eigentlich "immer schon". Nur hat die Politik mit laxen Auflagen, die sonst kaum einem anderen Gewerbe möglich wären (vielleicht noch Machinenbau oder Pharma), dazu beigetragen, dass die Autolobby heute so mächtig ist, dass gegen ihren Willen kaum etwas durchsetzbar ist.

Zum eigentlichen Thema Tempolimit: Natürlich verhindern Tempolimits Verkehrsopfer.

Dies allerdings nur mit einer entsprechenden Überwachung und Kontrolle. Hier hoffe ich auf die digitale Transformation, die mittlerweile auch von den Autobauern aufgegriffen wurde wenn auch extrem zögerlich und vor allem aus Angst vor den den Major Playern wie Google oder Apple, die durchaus ihre Ideen vom Auto der Zukunft haben. Eine Überwachung des Fahrzeugs innerhalb eines Funknetzes ist heute schon möglich und Überschreitungen des Temoplimits könnten in Zukunft auch ohne den Einsatz von Blitzern oder mehr Verkehrspolizei gewährleistet werden. Die Daten wandern standardisiert und automatisiert in eine Datenbank, die die entsprechenden Bußbescheide generiert. Es gibt bereits Modelle, bei denen die Geschwindigkeit automatisch per Funkimpuls von einer Leitstelle auf das vorgeschriebene Tempo gesdrosselt werden kann und somit dem Fahrer das Bussgeld oder Teureres erspart bleibt. Diese Technologie würde aber vor allem auch zu einer Entzerrung der Verkehrssituation führen, die an vielen Stellen vor dem Kollaps steht.

Man muss ganz nebenher jedoch wohl feststellen, dass das Auto nach wie vor des Deutschen liebstes Spielzeug ist und jeder Eingriff in die individuelle Freiheit des Fahrens als unerhörter Eingriff des Staates in den Lebensraum Straße begriffen wird. Männliches Territorialdenken verstärkt diesen Effekt zusätzlich und schafft groteske Anachronismen, wo sich Autofahrer mit der PS-Zahl ihrer Blechbüchsen als Heerschar im Schlepptau auf den uneingeladenen Eindringling stürzen um ihn auf seinen nachrangigen Platz im modernen Asphalt-Darwinismus zu verweisen.

17.08.17 - 19:20

Ich stimme dir auch 100% zu.

Tempolimit auf den Autobahnen in Dänemark ist 130. Bis zu Grenze ein einzigs Gehetze, nach der Grenze Entspannung pur.

Warum sich die Parteien den Themen nicht widmen? Weil die Parteien, die es wagen würden, von den Führerscheininhabern böse abgestraft würden bei der Wahl.

18.08.17 - 10:50

Weitere Fakten

diesmal vom Statistischen Bundesamt, das hoffentlich in den Augen aller Betrachter frei von Ideologie sein sollte:

Im Jahr 2015 kam es zu 20 113 Unfällen mit Personenschaden auf Deutschlands Auto-
bahnen. Dabei starben 414 Menschen, 5 834 wurden schwer verletzt. Unter den Getö-
teten waren 255 Pkw-Insassen, 86 Insassen von Güterkraftfahrzeugen und 39 Fußgän-
ger.
Eine der Hauptunfallursachen auf Autobahnen ist zu schnelles Fahren. Im Jahr 2015
war mehr als ein Drittel (6916) der Autobahnunfälle darauf zurückzuführen, dass min-
destens ein Beteiligter die Höchstgeschwindigkeit überschritten hatte beziehungs-
weise für die vorliegenden Straßen- oder Witterungsverhältnisse zu schnell fuhr. Ins-
gesamt fanden 206 Menschen bei Geschwindigkeitsunfällen auf Autobahnen den Tod, 2443 wurden schwer verletzt. Das war jeder zweite Getötete (49,8 %) und 41,9 % aller
Schwerverletzten auf deutschen Autobahnen.

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