Alle Jahre wieder - Wahlwerbung im TV

    • (1) 19.09.17 - 08:30

      Guten Morgen,

      ich brauche Hilfe bzw. Aufklärung. Ich war jahrelang bewußter Nichtwähler. In meinen jüngeren Jahren eigentlich überhaupt nicht an Politik interessiert. Jetzt mit zunehmenden Alter und beginnender Weisheit kommt so langsam die Einsicht.

      Ich gebe hier auch offen zu, dass ich mich vermutlich noch nicht umfassend genug über die einzelnen Parteien und die Regierungsbildung an sich informiert habe. Jedoch schaue ich mir seit Wochen im TV alle möglichen TV-Duelle und sonstige Sendungen an, die mit der Wahl zu tun habe. Und doch, bin ich nach wie vor unschlüssig wen ich wählen soll.
      Je mehr ich mich damit beschäftige und je mehr ich mir darüber im TV ansehe, desto mehr fühle ich mich verarscht. Ich möchte hier mal ein paar Punkte niederschreiben, die mir so aufgefallen sind - vielleicht ist jemand so nett und kann meine Bedenken aus dem Weg räumen oder mir die Sachen einfach nur mal erklären, damit ich sie vielleicht aus einem anderen Blickwinkel sehe :-)

      Fangen wir mal an:

      1.) Wieso gibts im TV nur das Duell zwischen Merkel und Schulz ? Hat denn nicht jede Partei das Recht einen Kanzlerkanditaten zu stellen ? Wenn man ein solches Duell ausstrahlt, suggeriert es doch dem Otto-Normal-Bürger, dass er eigentlich nur die Wahl zwischen Merkel oder Schulz hat? Klar ist es rein rechnerisch unwahrscheinlich, dass eine Mini-Partei den nächsten Bundeskanzler stellt - aber wäre es der farinesshalber und auch für die Meinungsbildung im Volk nicht sinnvoller solche Duelle mit allen Kanzlerkandidaten durchzuführen ?
      2.) Gestern Abend kam in der ARD die Wahlarena. Mit dabei war auch eine Dame der AfD. Bei dieser Sendung hatte ich einen gefühlen Puls von 300. Der Moderator stellt der Dame eine Frage, diese nahm Luft um die Frage zu beantworten, kam ca. 10 Wörter weit und wurde dann von dem Moderator unterbrochen, dass er nicht möchte, dass sie weiter antwortet. Man kann zu der AfD stehen, wie man will - es ist einfach unhöflich jemanden etwas zu fragen und ihn dann nicht antworten zu lassen. Zudem warum lädt ein TV-Sender dann jemand ein, wenn man an seiner Meinung ohnehin nicht interessiert ist ?
      3.) Glaubt Ihr, dass die Parteien die TV-Sender in irgendeiner Form bestechen ? Ist es nich auffallend, wie oft die höheren Damen und Herren von CDU und SPD in irgendwelche TV-Shows eingeladen werden, um ihre Meinung kundzutun ? Wieso sehe ich hier nie Vertreter von den Piraten oder den Grauen Panthern (nur um mal Beispiele zu nennen). Ist es vielleicht gar nicht von Interesse, dass auch kleine Parteien eine Chance haben ?
      4.) Wieso ist es nicht so geregelt, dass die TV-Sender verpflichtet sind Wahlwerbung kostenfrei für die Parteien auszustrahlen ? Man stelle sich irgendeine neu gegründete Partei vor -deren Programm vielleicht gar nicht mal so schlecht ist- Hat diese Partei denn wirkliche eine Chance, mit vielleicht kleinem Budget ? Kann es wirklich sein, dass unsere Demokratie daran festgemacht wird, dass der die Wahl gewinnt, der die meiste Kohle hat ? Ist es dann noch wirklich eine Demokratie?
      5.) Macht die Wahl überhaupt Sinn, wenn von vornherein schon feststeht, dass entweder SPD oder CDU gewinnt? Das sind schon fast Zustände in der DDR - im Prinzip könnte man uns auch gleich ausgefüllte Wahlzettel zukommen lassen. Denkt Ihr einige Leute würden vielleicht auch lieber eine kleinere Partei wählen, tun es aber nicht, weil sie schon im Voraus wissen, dass ihre Stimme "verschwendet" ist, weil diese kleine Partei ohnehin keinen Sitz bekommen wird.
      6.) Wäre eine Bundesregierund nicht viel breitschichtiger, wenn nicht nur 5 sondern vielleicht 20 Parteien im Bundestag vertreten wären? So müssten sich alle einander annähern und Kompromisse schließen. Wäre das nicht demokratischer ?
      7.) Sind die Probleme, die wir im Moment haben überhaupt lösbar? Es ist nicht egal wer regiert? Probleme wie der Mitarbeitermangel in den Pflegeberufen z.B. - Wo keine Menschen sind, kann ich niemanden zum Altenpfelger ausbilden. Gerade dieser Beruf ist einer, den man aus freien Stücken und Überzeugung machen muss. Nicht jeder ist dafür geschaffen die Exkremente andere Leute zu entfernen. Spielt es hier eine Rolle ob CDU oder SPD an der Macht sind ?

      So, ich denke das war ´s erstmal. Sicher sind jetzt einige hier, die den Kopf über meine Dummheit/Unwissenheit schütteln - seis drum :-) Aber wenn man keine Fragen stellt, wird man keine Antworten bekommen und irgendwann dumm sterben ;-)

      LG
      Tiffy

      • Super, dass du dich nun mit Politik beschäftigst und wählen gehen willst.

        Zu deinen Fragen kann ich nur bei einzelnen meine Meinung schreiben, andere sehen das bestimmt auch unterschiedlich.

        Das mit der Wahlwebung ist wirklich manchmal unfair, weil es leider wirklich mit Geld zu tun hat. Es gibt staatliche Förderungen auch für kleine Parteien, aber viele Gelder gibt es auch durch Mitgliedsbeiträge und je mehr Mitglieder eine Partei hat, desto mehr Gelder kommen so rein. Bei Spenden bin ich mir nicht so sicher. Dazu kann ich dir gar nichts sagen. Gibt es bestimmt auch, aber ich glaube mal gehört zu haben, dass es da relativ strenge Regeln gibt.

        Die Auftritte in den Medien sind auch sehr verschieden verteilt. Kleine Parteien spielen in unserer Politik kaum eine Rolle, weshalb sie kaum eingeladen werden. Sie sind quasi unwichtig, was natürlich auch irgendwie schade und unfair ist, aber so sieht es nun mal aus.

        Spannender wird es bei der AfD und den Polittalkshows. Ersteinmal muss man sich vorher klar machen, dass fast alle Mitglieder dieser Partei den Journalisten und Moderatoren der Öffentlichrechtlichen Unfähigkeit und Bewusste Täuschung vorgeworfen haben. Die sind deshalb natürlich auch dem entsprechend schlecht auf die AfD zu sprechen. Andererseits zitiert die AfD in solchen Talkshows oft Statistiken, die jeder anderen Statistik widersprechen. Ich würde mal behaupten, dass viele aus sehr unseriösen Quellen stammen, aber das ist meine Meinung. Bei sowas gehen die Moderatoren fast immer dazwischen. Zudem wird oft nicht auf die Frage geantwortet, sondern das Thema zu einem beliebteren umgebogen.
        Und ein großes Problem ist auch, dass es in den Reihen der AfD momentan noch recht wenige gibt, die überhaupt für so eine Talkshow geeignet sind. Ich erinnere nur an Höcke, der erstmal seine Deutschlandflagge rausgeholt hat und sie auf seinen Stuhl gelegt hat. Sowas ist nicht nur peinlich, dass raubt auch jegliche Gesprächsgrundlage.
        Ich habe kein Problem damit, wenn es eine Partei rechts von der CDU gibt, aber ich glaube dass die AfD aktuell noch zu viele Querschießer in ihren Reihen hat und dass sie in diesem Zustand unwählbar sind. Sie sind unprofessionell, sie sind zu verstritten, sie sind zu unerfahren. Ich glaube, dass sie diese Wahl zwar gut abschneiden werden, aber sie werden in Berlin wahrscheinlich keinen guten Job machen und nicht wieder reinkommen. Mal schaun. Ich bin gespannt.

        (3) 19.09.17 - 10:01

        1) Finde ich auch schade. Es gab/gibt ja das kleine Duell, bei dem die anderen Parteien zu Wort kommen, aber auch ich fände eine Diskussion in der vollen Runde (und Duell muss man das meiner Meinung nach nicht nennen) interessanter.

        2) Hab ich jetzt nicht gesehen. Wenn aber einer anfängt faktischen Unsinn zu reden, gehen die Moderatoren dazwischen, auch wenn die Frage nicht beantwortet wird.

        3) Als die Piraten auf ihrer Welle waren, wurden die durchaus auch eingeladen. Nun sind so kleine Fische, die sicher nicht über 5% kommen halt auch für das Gros der Wähler uninteressant.

        4) Hmm.. Hab ich keine Meinung zu, da ich gar kein Fernsehen gucke und wenn doch, bestimmt keine Werbung. Bei mir spielt sich das alles im Internet ab, und da kann ich mich ja über alle Parteien informieren. Ist natürlich Eigeninitiative gefragt.

        5) Naja CDU oder SPD werden zwar eine Mehrheit kriegen, aber regieren kann man ja nicht mit 30% alleine. Dass eine von beiden 50%+ kriegt wird nicht passieren, und so ist es schon sehr spannend zu wählen, denn am Ende gibt es diese oder jene Koalition. Da ist rein rechnerisch schon ziemlich viel Spielraum.
        Es ist nicht so wie in den USA wo man tatsächlich nur zwischen 2 Parteien wählt und am Ende tatsächlich auch nur eine regiert.

        6) Naja aber wenn eben nur 6 Parteien wenn überhaupt über die 5% Hürde kommen, ist es halt auch demokratisch zu sagen dass nur diese 6 Parteien im Bundestag sind. Die Leute wollen dann von den anderen eben nicht regiert werden.

        7) Egal wer regiert ist es nicht, gerade bei der Pflege gibt es schon seher unterschiedliche Meinungen und Ansätze in den Parteien. Leicht lösbar sind nicht alle Probleme, und vor allem nicht von heute auf morgen. Das ist klar. Für mich ist aber wichtig, dass zumindest das Ziel der Politik ist bestimmte Missstände zu verbessern. Dementsprechend wähle ich halt.

        Ich finde es gut, dass du wählen willst. Ich würde an deiner Stelle überlegen was DIR wichtig ist. Das dann mit den Parteien abgleichen und entsprechend deines Gewissens wählen. Das muss nicht CDU oder SPD sein.

        LG

        Eigentlich kann man Dir nur raten, sich mal den Wahl-o-Mat zu nutzen. Der ersetzt zwar nicht das rund 15-stündige Studium der Programme aller 6 mit Wahrscheinlichkeit im Bundestag vertretenen Parteien. Aber man bekommt eine Anregung aufgrund der eigenen Meinung zu bestimmten Themen.

        Ansonsten empfinde ich Deine Fragen zum Teil als widersprüchlich und gelinde gesagt sehr realitätsfern. Aber Du sagst ja selbst von Dir, dass es Dich eigentlich nie interessiert hat.

        So zB Dein Wunsch, dass Kleinstparteien mehr Raum bekommen sollten, weiter unten winkst Du ab, mit der Vermutung, die Stimme sei verschwendet.

        Auch Deine Vermutung, dass mehr Parteien im Parlament mehr Demokratie brächten, finde ich gewagt . Grundsätzlich aber bestimmt dies der Wähler. Aber wo genau liegt jetzt Dein Vorteil wenn 20 Parteien mit dann je 5% der Wählerstimmen ein Zugewinn für die Demokratie sind? Abgesehen von der 5% Hürde, hätten wir Weimarer Verhältnisse und vermutlich Stagnation. Schon jetzt mit 6 Parteien werden Koalitionen immer diffiziler. Es sei denn man ist mit der GroKo auf Dauer zufrieden. Die aber v.a. die Ränder stärkt wie man an den bis 12% für die AfD ersehen kann.

        Natürlich haben grössere Parteien potentiell mehr Geld. Das speist sich vor allem aus Mitgliedsbeiträgen. Durch die sozialen Netzwerke kann man aber auch mit relatuv kleinen Budget eine grosse Reichweite erzielen. Dies haben schon die Piraten vorgemacht und jetzt aktuell die AfD. Die sozialen Netzwerke bieten ausserdem den Vorteil, auch Lügen über den politischen Gegner sowie Fake News viral zu verbreiten und dadurch Stimmungen zu befeuern.

        Hier geht's zum Wahl-o-Mat https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2017/

        • Direkt nach der Wahlarena kam noch eine Sendung. Hart aber fair, oder so ähnlich

          hart aber fair, meinete die TE sicher.....Da war "Alice im Naziland" zu bestaunen.

          Sie ist übrigens -oha - bis zum Ende geblieben.

          Allerdings war Plasberg auch erschreckend schwach. :-)

          • Ja die Sendung hab ich auch gesehen, kann jetzt aber nicht bestätigen, dass der Plasberg die Weidel öfter unterbrochen hat, als z.B. den Özdemir oder den Hermann. Allerdings hab ich auch nicht die ganze Zeit aufmerksam geguckt. Fand die Sendung jetzt auch nicht besonders spannend. Alles sehr larifari und schon hundert mal durchgekaut.

            • Das war auch mein Eindruck. Blome hat mir noch mit am besten gefallen. Der kann halt gut formulieren, hat's knackig drauf auch wenn ich seine politische Meinung oft nicht teile..

              Weidel hat die üblichen Textbaussteine runtergespult, hat viele Füllwörter benutzt und wirkte wie immer: Stock im Arsch und leicht abgehoben. Nur einmal, als sie J. Hermann auf dem falschen Fuß erwischte wirkte sie entspannt, symapthisch jovial.

              Plasberg war schwach, ich hätte erwartet, dass er Weidel zur Email befragt, die ja nun wahrscheinlich tatsächlich von ihr ist. Aber vielleicht hatte er auch Angst, dass sie abhaut.

              Özdemir wirkte auch müde und wenig angriffslustig und der junge Perser in der Runde kam jetzt auch nicht wirklich aus der Hüfte. Aber okay, er war der einzige ohne echte Medienerfahrung,

              Plasberg wird immer schlaffer. Als er noch beim WDR war, hatte er das fiese Bohrende besser drauf.

              • Ich hatte schon oft bei Plasberg den Eindruck, dass es bei ihm von der Tagesform und vom Thema abhängt.

                Blome hat den Vorteil, dass immer alle zuhören, wenn er spricht und ein gutes Gespür für Timing hat er auch. Ihm fällt nur selten jemand ins Wort und was er sagt hat Hand und Fuß. Seine politische Meinung teile ich auch nur selten.

                Alle anderen waren irgendwie austauschbar bzw. man hätte sich diese Sendung auch sparen können.

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