Lutherjahr- Hurra?

    • (1) 27.10.17 - 11:28
      Inaktiv

      Hallo,

      angesichts des nahenden Reformationstags, der ja dieses Jahr in ganz Deutschland Ferientag ist, wollte ich euch fragen, ob ihr es völlig unkritisch seht, dass dieser Tag zum offiziellen Feiertag anlässlich seines 500.Wiederholung gemacht wurde und das ganze Jahr zum Lutherjahr.

      Luther als Person muss man sicherlich vor dem Hintergrund seiner Zeit sehen und bewerten, dennoch hat ja nicht nur die Bibel ins Deutsche übersetzt und der zur damaligen Zeit verkommenen katholischen Kirche die Stirn gezeigt, sondern auch Juden, Frauen und Bauern massiv diskriminiert.

      Und die Reformation, die zur Spaltung der Kirche führte, hat zum einen vielleicht eine Belebung des religiösen Diskurses geführt und kann als Aufstand gegen die damaligen Eliten gewertet werden, sie hat aber auch zu blutigen Glaubenskriegen geführt.

      Irgendwie findet eine Reflexion darüber meinem Empfinden nach gar nicht statt. Woran liegt das? Oder bekomme ich da einfach nur etwas nicht mit?

      #winke Die Alltagsprinzessin

      • Es gibt eine Mensge Ausstellungen und Berichte über Luther. Ich selbst habe eine Ausstellung in einem jüdischen Museum über " Luther und die Juden " besucht. Dabei ist rausgekommen , dass der junge Luther den Juden positive gegenüber stand. Er erkannte das Jesus ein geboren Jude war. Kurz vor seinem Tod ( 3 Tage) schreib er , in voller Übereinstimmung mit seiner Zeit ( Judensau) das die Judenvertrieben werden müssen.

        Es gab noch viele ander Reformer , zum Beispiel in der Schweiz Zwingli und Calvin. Luther war mit seinen Ideen und auslegungen nicht allein.

        Es war eine Zeit der Veränderung, Die Frömigkeit der Menschen war auf Angst vor dem Fegefeuer veräußerlicht, es gab Sakramentsfrömigkeit. Grade der hohe Klerus lebte gegen jede biblische Lehre.

        Die Bauernkriege währen meiner Meinung nach sowieso gekommen. Für Luther als Christ der sich an die Bibel hält ist es selbstverständlich sich seinen Herrn unterzuodnen.Dadurch ist der Süden Katolisch geworden und der Norden evangelisch. Dazu gibt es einge Zitate in der Bibel, Den selben Konflikt gebit es heute auch noch zum beipiel die Befreiungstheologie in Latainamerika.

        Die staatskirche versucht es allen Recht zu machen und macht keine klaren aussagen. Auf dem evangelischen Kirchentag durften keine Messianische Juden mitmachen. Da es keine Judenmission in Deutschland gibt.

        • (3) 27.10.17 - 13:33

          Aber findest du es in Ordnung, Luther und die Reformation so ganz unkritisch zu feiern?

          • Etwas unkritisch zu feiern ohne zu hinterfragen ist sowieso falsch. Aber es war der verdienst Luthers (und der anderen Reformer natürlich auch), die bestehende Weltordnung in Frage zu stellen, in der die herrschende Klasse ihren Machtanspruch auf Gottes Gnaden beruft, in Wirklichkeit sich aber selbst die Taschen vollstopft.

            Die kriegerischen Auseinandersetzungen, die auf die Reformation folgten, sind ja kein Werk Luthers, sondern sind auf unterschiedliche Machtansprüche zurückzuführen. Der Fenstersturz von Prag war ja kein Aufstand der evangelischen gegen die katholischen, sondern ein Aufstand der böhmischen Stände gegen die kaiserliche Obrigkeit. Das gilt für alle kriegerischen Auseinandersetzungen, die sich auf religiöse Führer berufen.

            Die russische Revolution war ja auch kein Glaubenskrieg, und nicht nur, weil der Kommunismus als Religion nicht anerkannt wird.

            • (5) 27.10.17 - 14:44

              Ich will die Leistungen Luthers auch gar nicht in Abrede stellen und ihn ganz sicher nicht dafür verantwortlich machen, für welche Ziele man die Reformation zweckentfremdet hat. Fakt ist ja aber, dass sowohl Luther als Person als auch die Reformation nicht nur in einem güldenen Licht erstrahlen und ich es daher krass finde, dem ganzen Land, einschließlich der katholischen Gebiete, einen Feiertag zu verordnen.

              Und gerade vor dem Hintergrund des Wiederauflebens von Antisemitismus und immer noch existierenden Sexismus müsste man sich Luther vielleicht doch etwas kritischer angucken, oder nicht?

              • Zunächst einmal wird am 31.10. Martin Luther als Person, sondern die Reformation, speziell den Anschlag der 95 Thesen an das Portal der Wittenberger Schloßkirche gefeiert. Dies ist nunmal ein Tag der Zeitenwende wie der Sturm auf die Bastille oder der Berliner Mauerfall (bitte jetzt keine Oberlehrer, die mir erklären wollen, dass der Sturm auf die Bastille nicht der Beginn der Revolution war).

                Sicher sollte man an dem Reformationstag auch die Person Martin Luther näher betrachten, insbesondere seine Thesen zum Judentum, zu Behinderten, zu Frauen, zu Ungebildeten usw., aber dazu bietet so eine Feiertag ja auch Gelegenheit.

                Außerdem geben ich zu, dass ich für den zusätzlichen Feiertag, ungeachtet aus welchem Grund; denn während die Ossis schon seit langem den 31.10. als Reformationstag feiern und eine Tag später die Süd- und Westdeutschen ihr Allerheiligen feiern, schauen wir Niedersachsen an diesen Tagen die Röhre (oder besser: aus dem Bürofenster) :-(

          Ich freue mich das der Reformmationstag gefeiert wird. Ich bin evangelische Christin und für mich ist es wichtig. Gut finde ich das sich Katoliken und Prostenstanten angenähert
          haben. Durch die Reformation worde die Neuzeit eingeleitet.

    Spannendes Thema #pro

    Ich sehe das zweischneidig: Einerseits muss man Luther, wie jeden anderen auch, im Kontext seiner Zeit sehen. Andererseits gab es auch in dieser Zeit Menschen, die keine derart menschenverachtenden Sichtweisen hatten, und gerade an einen Kirchenreformer, dem in anderen Dingen große Weitsicht nachgesagt wird, muss man gewisse höhere Maßstäbe anlegen.

    Einen äußerst gelungenen Text zum Thema gibt's beim Wortvogel, einem Blogger:
    https://wortvogel.de/2017/06/streitschrift-martin-luther-king/
    (Nicht von der URL abhalten lassen, es geht um "unseren" Luther!)

    • (9) 27.10.17 - 13:59

      Das sehe ich genauso. Mir fällt es schwer, jemand zu rühmen, der natürlich Gutes bewirkt, aber eben auch so viel Bockmist verzapft hat. Das hat eine ähnliche Wirkung auf mich, als wenn man in Bezug auf Hitler erwähnt, dass wir dank ihm nun immerhin die Autobahnen haben (ja, ich weiß, das Beispiel hinkt und ich will Luther nicht mit Hitler vergleichen).
      Aber ein Lutherjahr auszurufen, gar eine Lutherdekade und dem gesamten Land frei zu geben anlässlich der Reformation kommt mir irgendwie auch nicht richtig vor.

      Halloween finde ich auch doof. Muss ich wohl meinen eigenen Grund zum Feiern erfinden.

      Danke für deinen Link!! Spricht mir aus der Seele.

      • Hallo Alltagsprinzessin!
        Ich denke im Gegensatz zu Hitler hat Luther wirklich etwas getan, was die Weltgeschichte zum Guten verändert hat. Er hat die Macht der Kirche gebrochen und dafür gesorgt, daß diese Institution endlich wieder ein menschliches Antlitz bekommen hat. Natürlich waren Religionskriege die Folge. Welcher Herrscher verzichtet schon gerne freiwillig auf seine Macht. Zuviel (fanatischer) Glaube führt in den Untergang. Das war schon immer so. Insofern kann man nur hoffen, daß es friedlicher abgeht, wenn im Islam endlich auch ein Luther auf der Bildfläche erscheint und diese Religion reformiert.

        Die christliche Reformation markiert für mich auf jeden Fall den Beginn der Neuzeit und egal, ob man nun evangelischer oder katholischer Christ ist: jeder Gläubige hat es Luther zu verdanken, daß wir heute die Bibel lesen und für uns selbst bewerten können - sofern wir das wollen.

        Insofern finde ich es schon angemessen, den 500.sten Jahrestag der Reformation mit einem landesweiten Feiertag zu würdigen. Wir hier in Niedersachsen haben sowieso viel zu wenig Feiertage ;-)

        • (11) 30.10.17 - 10:43

          Ach, komm schon. Hitler hat ganz tolle Autobahnen bauen lassen. ;-)

          Noch mal: ich sehe ja die Leistungen Luthers und erkenne sie an. Aber er ist ja nun auch kein Aufklärer vor dem Herrn, der den Menschen Mündigkeit auf allen Ebenen zugesteht. Sie sollen sich zwar selbstständig mit Gott auseinandersetzen, aber ihren Herrschern sollen sie sich weiterhin brav beugen.

          Wenn man dann noch hinzunimmt, wie Luther sich über Juden, Frauen, Behinderte und Bauern äußerte, erscheint mir die Übersetzung seiner Bibel und sein Widerstand gegen die damals verkommene katholische Kirche eher positives Zufallsprodukt als Ausdruck einer Person, die man heute noch verehren sollte.

          Über den freien Tag freue ich mich natürlich trotzdem.
          Ich werde dem Spaghettimonster huldigen, das geht immer. Es wird Buchstabensuppe, Carbonara und Spaghettieis geben...

          • (12) 30.10.17 - 12:30

            "Ach, komm schon. Hitler hat ganz tolle Autobahnen bauen lassen. ;-) "

            Erfunden hat Hitler die aber nicht. Die ersten Autobahnen gab es vor Hitler.
            Was der (Hitler) später gebaut hat, waren die Reichsautobahnen.

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            Mich freut es einen Tag mehr frei zu haben.

            Naja, zumindest WUßTE er, wie man Straßen baut, die lange halten... Der Mist, den sie heute bauen, ist ja schon nach 3 Jahren wieder sanierungsreif...#rofl

            Aber klar gibt es bei vermutlich jeder von irgendjemandem verehrten Person auch Seiten, die negativ zu beurteilen sind.

            Wenn man z.B. als Vergleich Mutter Teresa heranzieht, werden wohl die meisten Leute sie als die gute Seele aus den Slums von Kalkutta sehen, die die Heiligsprechung durch Papst Franziskus in 2016 mehr als verdient hat.

            Wie sieht es denn aber mit ihrer Motivation für ihre Taten aus? „Nicht der Erfolg, sondern die Treue im Glauben ist wichtig“ ist ein Zitat von ihr, was schon ein wenig seltsam anmutet...insbesondere, wenn man bedenkt, daß das die Antwort auf den Vorwurf war, daß viele ihrer Mitarbeiter nicht einmal den Hauch einer medizinischen Ausbildung hatten. Viele ihrer Patienten hätten (zumindest nach der Aussage ihrer Kritiker) gerettet werden können, wenn in ihren Häusern die mindesten Hygienestandards eingehalten worden wären. Auch, daß sie viele Sterbende gegen deren Willen getauft hat, läßt manchen Schatten auf die "Heilige" fallen. Versteh mich nicht falsch - ich finde das, was sie gamacht hat im Großen und Ganzen wirklich gut und nachahmenswert und bin der Meinung, die Menschheit bräuchte viel mehr Mutter Teresas. Ich will damit nur sagen, daß wir wohl niemenden nachträglich ehren oder sogar VER-ehren dürften, wenn wir Maßstäbe anlegen, die kein Mensch erfüllen kann. Luther hat seine Schattenseiten gehabt. Er hat teilweise Ansichten vertreten, die aus heutiger Sicht verabscheuungswürdig sein mögen. Aber damals war das ganz einfach die Mehrheitsmeinung. Man kann von einem Menschen nicht verlangen, daß er gegen alles zu Felde zieht, was damals Konsens war. Er hat mit seinem Kampf für die Reformation der katholischen Kirche ein Brett gebohrt, daß so dick war, daß EIN Leben damit vollkommen ausgelastet war.

            Zu deinem ersten Absatz: War es nicht Jesus, der gesagt hat "So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!"? Insofern ist das von dir angesprochene "sich aber weiterhin brav ihren Herrschern beugen" zu sollen doch nur konsequent, oder?

            Guten Appetit!

Ehrlich gesagt ist mir das total egal, warum ich einen Tag weniger arbeiten muss 😂

  • Geht mir genauso.
    Wir haben am 01. November eh Feiertag und weil jetzt noch der 31. als Feiertag dazukam, hat unser Chef den Montag als Brückentag festgelegt. Ich habe also frei bis einschl. Mittwoch :-p

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