Sexismus oder kann man Ungleichheit abschminken?

    • (1) 13.11.17 - 08:09

      In der ZEIT schrieb eine Soziologin einen etwas anderen, weniger vorhersehbaren Kommentar zur #metoo-Debatte:

      http://www.zeit.de/kultur/2017-11/sexismus-metoo-sexuelle-uebergriffe-aussehen

      Sie stellt dabei die Hypothese auf, dass in der aktuellen Diskussion die Ursache vernachlässigt wird, nämlich dass bei Frauen in gesellschaftlicher Hinsicht deutlich mehr auf die Optik ankommt als bei Männern.

      Zitate zum Spoilern:

      "Bei der Partnerwahl und auch sonst im Leben gilt: Die Frau muss in erster Linie schön sein; beim Mann schadet Schönheit nicht, sie wird durchaus goutiert, entscheidend sind aber letztlich Status oder Leistung. Die Frau ist mehr als Körper präsent, der Mann mehr als Geist,Witz, Wille."

      "Solange es nicht zu Grapschereien oder verbalen Übergriffen kommt, solange es nur darum geht, sich täglich hübsch zu machen, in Sachen Kleidung und Make-up eine perfekte Performance hinzulegen, scheinen die meisten Frauen keine Einwände gegen ein gesellschaftliches Rollenschema zu haben, das ihnen die Zuständigkeit fürs Gutaussehen zuweist."

      "Solange wir uns bereit erklären, unsere Hintern in hautenge Hosen zu zwängen, unsere Beine in Strumpfhosen vorzuführen und auf hohen Absätzen daherzuklappern, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir als 'knackiger Hintern' oder 'scharfe Schnitte' wahrgenommen werden. Dass enge Hosen und hohe Schuhe Männern kein Recht zum Grapschen und zu schlüpfrigen Sprüchen geben, bleibt dadurch unbenommen."

      "Der #MeToo-Diskurs muss zu einem #OhneMich-Diskurs weiterentwickelt werden, der die Botschaft verkündet und verbreitet: "'Ich mache dieses Spiel nicht mehr mit. Ich tue nicht mehr für mein Aussehen als der durchschnittliche Mann, und ich stelle meinen Körper nicht stärker zur Schau als der durchschnittliche Mann.'"

      Das würde übrigens auch eine Diskriminierung beseitigen: Dass nämlich die Frau genauso ungeduscht "mal eben" die Kinder in den Kindergarten bringen oder Brötchen holen kann -- vielleicht eine der letzten, echten Männerdomänen... ;-)

      • Kann ich so nicht bestätigen. In allererster Linie mache ich mich hübsch, weil ICH MICH so gut fühle. Ich tue das nicht, um irgendwen damit beeindrucken zu wollen, sondern weil ich mich wohl fühlen möchte. Und nein, bei einer Frau kommt es nicht in allererster Linie auf die Optik an, wenn es darum geht, eintn Partner zu suchen. Dieses denken ist genauso oberflächlich wie zu sagen "selbst schuld, dass sie angetatscht wird, wenn sie sich SO zurecht macht. " ich ziehe mich an, wie ich mich fühle. Wenn ich hübsch aussehen möchte, dann nicht für irgendwer sondern weil ICH das so schön finde. Wer den jeweils anderen aufgrund des äußeren toll findet, sich aber für das wesentliche, den Charakter, nicht interessiert, ist ziemlich einfältig und das spiegelt überhaupt nicht das wider, was ich täglich erlebe. Menschen werden nicht aufgrund ihres äußeren bevorzugt oder benachteiligt. In den meisten bewerbungsverfahren ist sogar inzwischen kein Lichtbild mehr erwünscht, um eben denjenigen nicht aufgrund seines Aussehens zu bevorzugen oder zu benachteiligen.

        • Liebe sassi,

          Du hast den Beitrag nicht verstanden.

          Dass Du Dich nur in sehr weiblicher Kleidung und geschminkt schön findest, mag ja sein.

          Aber Fakt ist: Es GIBT sehr weibliche Kleidung und Schminke (fast) nur für Frauen #aha ;-).

          Viele Grüße
          mari

          • Ja, na und? Männer schminken sich halt eher selten. Und wenn, gibt es auch makeup für Männer. Es gibt auch hautenge Hosen für Männer und auch Röcke. Auch sehr enge Oberteile können Männer anziehen. Im Zeitalter metrosexueller Männer ist alles möglich. Keiner verbietet es irgendwem sich so zu kleiden, wie es demjenigen gefällt.

            • Noch immer den Gedanken dahinter nicht verstanden, na ja macht ja nichts.

              Bei Dir ist eben alles selbstverständlich anders und Hauptsache gegensätzlich.

              • Ich finde diesen Kommentar unfair, du gehst nicht einmal auf ihre Argumente ein, behandelst sie nur wie ein nerviges kleines Kind und bügelst sie ab mit den Worten "du kapierst es nicht".

                Sehr unangenehme Art der Kommunikation.

                An diesem Punkt muss ich ihr auch eindeutig recht geben.

                Mittlerweile sehen sich näcmlich Männer auch einem Druck ausgesetzt optisch mithalten zu können. Die Garderobe spiegelt das auch wieder, enge Anzugschnitte, schmale Hemden.

                Die Businessmode gibt da vielleicht nicht so viel her.

                Aber schon in Berufen, die nur ein bisschen weniger förmlich sind, zeigen Männer deutlich mehr Figur und Haut als noch vor wenigen Jahren.

                Männer machen facials, zupfen sich die Augenbrauen usw.
                Zu trainieren um Muskeln aufzubauen gehört oft zum guten Ton.


                Also, in den heutigen Zeiten kann ich das Argument genauso wenig unterschreiben, dass nur Frauen einem äußerliche Zwang unterworfen sind, bzw. nur sie ich im Job atrraktiv kleiden, schminken wie dass Frauen in der Regel nicht unegschminkt und in Schalbberklamotten die Kinder in den Kindergarten bringen.

                Ich habe es häufig gesehen, dass Mutti im Schlabberlook, da in Elternzeit, den äletesten in den Kindergarten gebracht hat und daneben ein Papa im schicken italienischen Anzug stand, weil er auf dem Weg zum Job sein KInd eben in den Kindergarten brachte.

        D.h. Du machst Dich am WE, wenn garantiert keiner Besuch kommt, genauso zurecht wie sonst auch?

        Im Artikel stellt die Autorin ja die These auf, dass man sich selbst täuscht, wenn man sagt, man macht sich für sich selbst zurecht. Und ich finde, da ist etwas dran. Man kann sich ja noch nicht einmal so einfach selbst sehen, wenn man nicht den halben Tag vorm Spiegeln hängt... ;-)

        Und diesen Satz halte ich für einen ziemlichen Irrtum:

        "Menschen werden nicht aufgrund ihres äußeren bevorzugt oder benachteiligt."

        Die Passbilder lässt man ja genau deshalb weg, weil man quasi biologisch-automatisch das Aussehen mit berücksichtigt.

        • Ich laufe zu hause gern in jogginghose rum. Und ja, das mache ich auch, wenn ich Besuch habe. Ich kleide mich so, wie ich Lust darauf habe. Innerhalb der Gesellschaft ist man allerdings einer kleidungskonvention unterworfen. Ein Bankangestellten vermittelt im schlabberlook nun mal keine Seriosität, auf einem festball würde auch keiner (egal Obmann oder Frau) in jogginghose erscheinen. In der Öffentlichkeit herrscht bei manchen berufen oder Ereignissen eine Kleider Ordnung, aber um diese geht es hier ja gar nicht.

          • Na doch, schon ein bisschen.

            Warum sehe ich Männer ungeduscht, vielleicht sogar verschwitzt vom Holz hacken kommend ihre Kinder bringen oder abholen, während das bei Frauen irgendwie nicht geht?

            Das ist ja genau die Frage der Autorin: Warum sind die Kleidungskonventionen zwischen Männern und Frauen so unterschiedlich und was bewirkt das?

            • Frau könnte oder dürfte das doch genauso. Da würde keiner etwas sagen. Die Konventionen im Privatleben macht jeder selbst. Wenn Frau die Kinder ungeschminkt und im schlabberlook abholt (was ich übrigens täglich sehe), ist das den Menschen genauso egal wie wenn mann das macht.

              • Das stimmt nicht.

                Es ist (vielleicht) Dir egal, wobei ich das nicht so ganz glaube, machen ich Dich durch Deine Beiträge etwas kennengelernt habe.

                Aber lern doch bitte endlich:

                Nur weil DU (vielleicht) so denkst, tut es doch nicht jeder andere, der Frau im Schlabberlook rumlaufen sieht.

                Und warum unterscheidest Du nur zwischen zwischen "Schlabberlook" und aufgebrezelt?

                Bei Männern ist ungeschminkt und nicht so "schick" gekleidet ja auch nicht automatisch Schlabberlook #augen.

                Du erfüllst genau das Klischee und merkst es gar nicht.

                • Das ist genau das, was ich an diesem Artikel so interessant fand: Die Konventionen fallen ja nicht vom Himmel, sondern werden dadurch gepflegt, dass man sich nach ihnen richtet.

                  Und wenn ich mir anschaue, welche Bedeutung Äußeres und insb. auch das Gewicht schon bei Mädels in der Grundschule hat, krieg' ich echt die Krise.

                  Zugleich sind es aber auch die Eltern, die darauf achten, dass das Kind "anständig" aussieht, wenn es aus dem Haus geht.

                  Und wenn wir ehrlich sind:

                  -- Wir machen beim Aussehen eine größeres Bohey um die Töchter als um die Söhne (selbst wenn, gottseisgeklagt, aufgeholt haben).

                  -- Es sind mehr die Mütter als die Väter, die auf die Optik achten -- und letztere bekommen noch einen von der Frau übergebraten, wenn sie das Kind verschlunzt aus dem Haus lassen.

            Warum sehe ich Männer ungeduscht, vielleicht sogar verschwitzt vom Holz hacken kommend ihre Kinder bringen oder abholen, während das bei Frauen irgendwie nicht geht?

            Dann hast du mich noch nicht vor dem Kindergarten getroffen ;-) oft ohne Frisur und in Stallklamotten... aber: es macht für mich wohl einen Unterschied, ob (egal ob Mann oder Frau) gerade dreckig und ungeduscht von der Arbeit oder dem Hobby kommt - oder ob die Leute es nicht geschafft haben ihren jogginghosenhintern von der Couch zu heben und sich einmal mit der Bürste durch die Haare zu bürsten...

      Wenn man sagt, man macht sich für sich selbst schick, dann geht es sicher nciht darum, dass man sich die ganze zeit anschauen muss.

      Es fühlt sich halt auch gut an. Man kann sicher nun diskutieren, dass dieses gut anfühlen eine gesellschaftliche Konditioniereung ist, aber darum ging es hier ja gerade nicht.

      Wenn man mal gernau nachdenkt, amacht man ja so einiges "für sich", was niemand seiht.

      Singelfrauen rasieren sich die Beine oder sonstwo, obwohl weit und breit kein Partner in Sicht ist und man auch nicht zu one night stands neigt.

      Wir ziehen uns nette Wäsche an, auch wenn kein Partner vorhanden oder gerade nicht greifbar, und wir pudeln uns sogar mal auf, auch wenn wir nur mit den Mädels einen Filmabend machen.

Top Diskussionen anzeigen