Ausverkauf der DDR

    • (1) 08.12.17 - 14:26

      Der Artikel ist jetzt schon etwas älter
      http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/forschung-zu-ddr-volkseigentum-14600359.html

      aber in einem der letzte Spiegel-Ausgaben wurde das Thema nochmal aufgegriffen.

      Dort ging es um die Treuhandanstalt, die vor 27 Jahren damit beschäftigt war, die DDR-Wirtschaft zu privatisieren bzw. zu zerschlagen. Nach der Arbeit der THA waren in der DDR 1993/1994 6 Millionen Menschen arbeitslos.

      Die kompletten Akten über die Arbeit der Treuhand sind wohl immer noch unter Verschluss und die damaligen Regierungsparteien CDU, CSU und FDP haben auch kein gesteigertes Interesse an einer lückenlosen Aufarbeitung.

      Ich glaube ja, dass die damaligen Fehler bis heute nachwirken und wir von einer echten Einheit Deutschlands noch mindestens 20 oder 30 Jahre entfernt sind.

      Ich wäre mal sehr für eine ehrliche Aufarbeitung der Fehler der damaligen Bundesregierung und ihrer Westverbündeteten inkl. eben Treuhand. Allein schon deswegen, dass sich viele ehemalige DDR-Bürger besser berücksichtigt fühlen und ihr Schicksal gewürdigt wird.

      Schon mal schönes Wochenende.

      • (2) 08.12.17 - 15:13

        Ich habe diesen FAZ Beitrag nicht gelesen, aber ich denke die Privatisierung ist nicht nur auf die ehemalige DDR beschränkt.
        Die Verunternehmung läuft doch auch bei uns im ganzen großem Stil.
        Alles wird verhökert. Es merkt nur kaum einer.
        Alles Staatseigentum (unser Eigentum) wird verprivatisiert, und kaum einem fällt es auf.
        Außer natürlich den Verschwörungstheoretikern oder den Reichsbürgern.
        Ja, wo sind wir gelandet?
        Eine Aufarbeitung ist die nächsten Jahrzehnte nicht zu erwarten.

        Leider waren die meißten Firmen nicht lebensfähig. Vieles worde viel zu billig in den "Westen" verkauft.
        Die Menschen haben auch die in der DDR produzierten Produkte nicht gekauft.

        Ich bin kurz nach der Wiederfereinigung duch Brandenburg gefahren. Wir haben in einem ehmaligen Armee Opjekt übernachtet . Da waren die Kasernen schlagartig verlassen worden, da standen noch die Bilder , Blumen , Uniformen... War ziemlich seltsam als ob die Menschen von einem Tag zum anderen verschwunden waren. Da gab es Teppichhänder die den Menschen alles angedreht hatten . Am schlimmst war aber das Bekannte erfahren haben , wer sie im Namen der Stasi bespitzelt hat. Also eine seltsame Zeit .Mein Mann war bei der Bundeswehr , bekannt bei der Volksarmee , wir haben zusammen gefeiert.
        Die Treuhand hat das alles abgewicket. Mir ist dabei aufgefallen das es Menschen gibt, die immer durchkommen und andere die niemals irgendwo hingehören.

        Wie hättes du denn die DDR umgebaut? Ich finde es nicht gut das soviel aus der DDR verschwunden ist. Ich finde auch der Palst der Republik gehört dazu. Soweit ich weiß war die Versorgung mit den Polikliniken ganz gut. Das Schulsystem hätte in ganz Deutschland reformiert gehört.

        Aber irgendwie sind alle von den Ereignissen überrollt worden. ich habe noch 1 Jahr vor her gelernt , das es keine Wiedervereinigung geben wird. Warum haben die Menschen in der DDR denn Kohl alles geglaubt und sofort aufgehört für sich selbst zu kämpfen?

        • (4) 08.12.17 - 20:40

          Die Menschen in der DDR haben den Kapitalismus nicht als solchen erkannt wie er in Wirklichkeit ist.

          Die DDRler konnten aufgrund der Verblendung Gut von Böse nicht unterscheiden.
          Aber, noch können sie sich befreien wenn sie wollten und es Wissen würden, wie es geht.

        • Wenn du mich schon so direkt fragst, wie ich den Umbau gestaltet hätte, kann ich dir keine detaillierte Antwort geben.

          Aber auf jeden Fall nicht so, dass ein Land das andere schluckt, viele Menschen komplett überfahren werden und ihre Identitäten so einseitig verschwinden. Es war eben nicht wirklich alles schlecht in der DDR aber für Kohl und Konsorten galt wohl die Devise, alles oder nichts. Da haben sie eben alles plattgemacht.

          Für mich ein schwerer Fehler und das haben viele Menschen in Ostdeutschland dem Westen nie verziehen.

        ***Warum haben die Menschen in der DDR denn Kohl alles geglaubt und sofort aufgehört für sich selbst zu kämpfen?***

        Aj, das waren nicht nur die Menschen aus der DDR, genauso auch in der BRD. Ich erinnere mich noch wie ich 1990 von der ganzen Klasse im Gemeinschaftsunterricht eines westdeutschen Gymnasiums angegangen wurde, weil ich die Vereinnahmung der DDR nicht als (echte) Wiedervereinigung sehen konnte. Mir wurde Missgunst für die Ostdeutschen unterstellt und alles mögliche andere.

    Es ist nicht nur der Ausverkauf der DDR durch die Treuhand. Es liegt noch so viel mehr unter dem Einheitsmantel vergraben und das beschäftigt die Ostdeutschen noch immer und es wird erst vergraben bleiben wenn die Generationen ausgestorben sind die es betraf und die mit dem wissen aufwuchsen.
    Es ist eine riesengroße Change gewesen um die Geschichte in etwas Positives zu führen aber sie wurde nicht genutzt.
    Die Ostdeutschen haben keine ehrliche Geschichte mehr, sie wurde angepasst sowie auch das Land selbst.
    Alles in allem eine traurige Legende der Weltgeschichte.
    Ein interessantes Buch, Artikel, Autor, Einsicht, Ansicht zu der Vergangenheit und dem Ergebnis kann man hier lesen
    https://de.sputniknews.com/gesellschaft/20171210318616548-wie-die-ostdeutschen-das-steuerrad-aus-der-hand-gegeben-haben/

    Ja und das Zeitenrad dreht sich weiter und weiter und immer wieder wiederholen sich Gegebenheiten.
    Die Neuzeit ist geprägt aus mindestens 2 Blöcken, eher 3, und wieder wird geschwiegen um nicht an zu ecken und um im großen Strom gefahrlos mit zu schwimmen. Irgendwann wird man wieder über die heutigen abgrundtiefen Fehler beratschlagen und warum man nicht verhindert hat den richtigen Weg zu gehen und wieder wird man keine Lösungen finden und wieder geht es weiter im Trott der Karawane hinter den Kübeln der Verlockung hinterher.

    Es ist immer leicht zurückblickend die Fehler, die sicher gemacht wurden, anzuprangern. Aber man sollte nicht vergessen, daß es soetwas niemals vorher gegeben hat. Man hatte keine Blaupause, nach der man sich hätte richten können.

    Ich gebe dir Recht, daß nach dem Fall der Mauer viele Glücksritter im Osten eingefallen sind. Das waren im Übrigen meistens die, die im Westen nicht grade die Taktgeber waren (um es mal vorlichtig zu formulieren). Aber so ganz kann man die DDR-Bürger, die da über den Tisch gezogen wurden auch nicht von Schuld freisprechen. Ich habe es selbst erlebt, wenn windige Geschäftemacher mit Traumrenditen auf Dummenfang gegangen sind. Und wenn mir jemand eine Rendite von 30% verspricht (wenn bei seriösen Kreditinstituten oder Wertpapieren des Bundes grade mal 4-5% realistisch waren, dann muß keiner anfangen und sich über die "Betrüger aus dem Westen" mokieren. Außerdem ist es ja nicht wirklich so gewesen, daß es in der DDR keine Arbeitslosen gab. Die 6 Millionen, von denen du schreibst, waren im Grunde zu einem großen teil schon vorher arbeitslos. Allerdings bei voller Bezahlung.

    Ein weiterer wichtiger (wenn nicht der wichtigste) Punkt war, daß die DDR (wie im Übrigen nahezu der gesamte Ostblock) PLEITE war. Das vergessen viele heute. Die Aufträge aus den "sozialistischen Bruderländern" brachen im zuge der Einführung der DM vollkommen ein. Unternehmen, die vorher niemals Konkurrenz fürchten mußten, waren auf einmal dem Weltmarkt ausgesetzt. Das führte natürlich zu Massenentlassungen. Aber das alleine war ja nicht einmal das Schlimmste. Die Renten in der DDR hätten grade noch für 2 Monate gereicht. Was wäre dann gewesen, wenn keine Löhne und keine Renten mehr hätten gezahlt werden können?

    Was wäre also die Alternative zu einer überstürzten Vereinigung gewesen? Abwarten und erst mal alles von allen Seiten hin- und herdiskutieren? Damals kamen in den Jahren 1989 und 1990 pro Jahr rd. 400.000 DDR-Bürger in den Westen. Wie hätte man denn diese Fluchtbewegung stoppen sollen? Ich erinnere mich noch gut an den Slogan "Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!"

    Deiner Aussage, daß es vermutlich noch 20 bis 30 Jahre dauern wird, bis eine ECHTE Einheit hergestellt ist, stimme ich übrigens vollumfänglich zu. Vielleicht hat die Generation der heute 10-jährigen die Chance. Alle Älteren sind - wenn auch nicht direkt mit der Mauer - aber doch mit ihrem Schatten aufgewachsen.

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