Späte Abruptio ohne Fetozid

    • (1) 20.12.17 - 10:57

      Gesetzt den Fall, ihr hättet euch aufgrund von in der pränatalen Diagnostik festgestellten Missbildungen/Behinderungen/Krankheiten bei eurem Fetus an der Grenze zur Lebensfähigkeit zu einer späten Abruptio entschieden: Würdet ihr vor der Entbindung den Fetozid wünschen oder den Säugling als Extrem-Frühchen gebären und auf seinen Tod warten, ohne ihn wie ein Frühchen, dessen Überleben erwünscht ist, intensivmedizinisch versorgen zu lassen?

      Der Fetozid wird seit dem Fall des Oldenburger Babys ab der 24. Ssw vorgeschrieben. Ab der 22. Ssw wird bei extrem Frühgeborenen auf Wunsch der Eltern versucht, den Säugling am Leben zu halten. Eine späte Abtreibung ohne Fetozid kurz vor der 24. Ssw, hätte in vielen Fällen die Geburt eines lebenden, unreifen Säuglings zur Folge, der ohne entsprechende intensivmedizinische Versorgung wenige Minuten bis Stunden später mindestens aufgrund seiner Unreife sterben würde.

      Mir ist bewusst, dass es sich hierbei um ein sehr empfindliches Thema handelt, halte das P&P-Forum aber für passend.
      Mich würde interessieren, ob ich mit meinem Empfinden weitgehend alleine bin, dass eine Spät-Abruptio auch vor der 24. Ssw nicht ohne Fetozid durchgeführt werden sollte. Ab wann greift der hippokratische Eid? Ab wann kann von unterlassener Hilfeleistung die Rede sein?

      • Ich bin ein Fan davon, der Natur ihren Lauf zu lassen, daher habe ich bewusst auf die ganze Diagnostik verzichtet und nur meine normalen Ultraschall Untersuchungen machen lassen. Ich wollte mich mit diesem Thema einfach nicht auseinander setzen müssen, was du da grade ansprichst. Ich wollte nicht über Leben und Tod entscheiden müssen.
        Daher kann ich dir überhaupt nicht sagen, was ich in dem Fall machen würde--wahrscheinlich auch der Natur ihren Lauf lassen...sprich: Kind austragen, Kind versorgen und hoffen, dass es sich alles um einen großen Irrtum handelt. Ansonsten Kind in Frieden sterben lassen :-(

        • Für mich die wohl nachvollziehbarste Variante, wie Du es beschreibst. Man bangt, man hofft, aber sich wirklich eingehend mit all den Problemen, die eine Schwangerschaft mit sich bringen kann und die trotz modernster Medizin immer noch zu einem dramatischen Ende führen können, zu beschäftigen, würde mir wohl auch fern liegen. Sofern ich mich überhaupt in eine schwangere Frau hineinversetzen kann.

          Für die der unausweichliche Tod vermutlich ggfs. noch schwerer zu ertragen ist als für den jeweiligen Vater. Ohne dabei die möglichen seelischen Leiden von werdenden Väter klein reden zu wollen.

          Ich kann mir aber, zumindest theoretisch, vorstellen, dass ein vorzeitiges und pro-aktiv gesteuertes Ableben des Kindes im Mutterleib vielleicht für die ein oder andere Frau die noch etwas weniger harte Lösung ist von zwei Alternativen, die beide in jedem Fall desolate Folgen für die eigene Seele haben können.

          • Ist wirklich ein sehr schweres Thema und obwohl ich eine Frau bin, die 3 Kinder zur Welt gebracht hat, immer noch schwer zu (be)greifen. Daher habe ich mich (feigerweise?) mit der Vogel-Strauß-Politik aus der Affaire gezogen...und ich hatte Glück, 3 mal Glück.

        • Ich habe generell zur Gesetzgebung hinsichtlich Schwangerschaftsabbrüchen ein großes Fragezeichen im Kopf.

          Ganz rational gesehen sehe ich es auch so, dass das Kind nicht lebend geboren werden sollte. So oder so ist es eine der schlimmsten Situationen im Leben, wenn Eltern ein gewünschtes Kind gehen lassen müssen, aber Fälle, in denen die Babys zum Sterben geboren werden, finde ich noch schlimmer.

          Ein weites Feld.

    Ich muss ganz ehrlich sagen dass es mir wirklich schlecht wird, wenn Ich überhaupt sowas lese. Ich habe meinem Sohn in der 21. SSW tot gebären müssen. Ich hätte eine MA, es wurde per Ultraschall in der 21.SSW entdeckt, dass er seit ein Paar Wochen wohl nicht mehr gelebt hat. Er ist aus unklare Ursachen in meinem Bauch gestorben. Ich habe ein Schmerz der so tief in mir sitzt, der niemals weg geht und es ist für mich ein Grauen über sowas, was Du in deinem Beitrag schreibst, zu lesen.

    Darf Ich Dich fragen was Du mit so einen Beitrag bezwecken möchtest?

    Egal für was Elern sich in so eine Situation entscheiden müssen, ist es einfach ein furchtbares Thema in ein SS Forum, wo schwangere Frauen sich freuen, hoffen und ab und zu auch Bangen um ihre ungeborene Kinder. Kann sein dass Ich überempfindlich reagiere, liegt dann an meiner Vorgeschichte.

    • Es tut mir wahnsinnig leid, was du erleben musstest und ich wollte sicher niemandem zu nahe treten.
      Mir geht es nur um die Frage, ab wann ein Leben für die Rechtssprechung als schützens- bzw. erhaltenswert gelten sollte. Die Grenze wurde da bei einem Lebendgeborenen ab der 24. Ssw gesetzt. Das erschließt sich mir persönlich nicht, da auch Säuglinge, die einige Tage weniger ausgetragen werden, lebend geboren werden können und auf Wunsch der Eltern versorgt werden würden und es sogar schaffen können.

      • (10) 20.12.17 - 12:07

        Danke.

        Es gibt so viele komische Regeln die man nicht verstehen kann. Zum Beispiel war es für mich ein Schock dass meinem Sohn in der 21.SSW immer noch als späte FG galt. Er war perfekt, wie ein Mini Baby, ich habe ihn normal geboren, habe seine kleine Fußabdrücke auf eine Karte mitbekommen und er ist ganz normal beerdigt. Er war 21. cm lang und sah aus wie ein schlafende Minibaby.. Trotzdem war er, weil er nicht die 500 Gramm erreicht hätte, ein späten FG. Für mich ein sehr unpassendes und verletzendes Wort für ein Baby den man so spät in der SS geboren hat.

        • Ja. Und eben diese 500 gr.-, bzw. 24.-Woche-Schwelle bereitet mir Kopfzerbrechen. Man spricht bis zur 24. Ssw von einem Spätabort und erst ab 500 gr. von einer Totgeburt aber ist nicht eigentlich jeder Fetus, der lebend entbunden wurde ein schützenswertes menschliches Leben und dementsprechend auch jeder Fetus, der zwar tot entbunden wurde aber einen Reifegrad hatte, mit dem andere bereits durchgekommen sind, zumindest eine Totgeburt?
          Nochmal: Es tut mir wirklich leid für dich und dein Baby. Es geht mir immer nahe, wenn ich hier sowas lese.

          • Jetzt verstehe ich, glaube ich, ein wenig worauf du hinauswillst.

            Korrigier mich, wenn ich mich verrenne.

            Zu dem Thema habe ich mich immer gefragt, wie es sein kann, dass man aus medizinischen Gründen zu einem Zeitpunkt abtreiben darf, zu dem andere, mit gesunden Kindern schon um das Leben ihrer frühgeborenen Kindes kämpfen.

            Um dieses Dilemma zu umgehen, sprechen wir extrem lange noch von Fötus und Fehlgeburt, nur um nicht sagen zu müssen, dass behinderte Babys abgetrieben werden.

            Ich kann beide Seiten verstehen, es geht ja in erster Linie um Begrifflichkeiten. Wenn es aber so weit geht, dass den Kindern nicht die Behandlung zuteil wird, die sei benötigen und Eltern nicht die Hilfe die sie brauchen, dann muss man das alles mal überdenken.

            LG#blume

            Keine Abtreibungsgegnerin

      "Mir geht es nur um die Frage, ab wann ein Leben für die Rechtssprechung als schützens- bzw. erhaltenswert gelten sollte."

      Ich weiß nicht, wie es heute aussieht, "damals" galt ein Kind erst ab einer bestimmten (weiß aber nicht mehr genau, welche) Schwangerschaftswoche überhaupt erst als Kind.
      So kam es, dass wir auf Anraten der Ärzte kurz vor diesem Stichtag einen Fetozid vornehmen ließen. Mit der Konsequenz, dass Ämter sich weigerten, unseren Sohn beerdigen zu lassen. Wir sollten ihn im Krankenhaus (O-Ton) entsorgen lassen.
      Ich schimpfe oft auf die Kirche - in diesem Fall bin ich einem evangelischen Priester (bin selber kaltholisch getauft) dankbar, dass er in einer - ungelogen - Nacht&Nebel-Aktion für eine illegale(!) Beerdigung gesorgt hat.

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