Einwanderung

    • (1) 04.01.18 - 20:29

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      • Moin!

        Es wird mir bei dem Thema insgesamt zuwenig unterschieden zwischen Asyl und Einwanderung.

        Wer von Tod, Gewalt o.ä. bedroht oder politisch verfolgt ist bzw. dies behauptet, kann bei uns einen Asylantrag stellen - ob es uns nun passt oder nicht. Das ist die gültige Gesetzeslage und ein Recht des Antragstellers.
        Dabei ist es dann unerheblich, ob wir ihn gerade als Fachkraft gebrauchen könnten oder er nicht bis 3 zählen kann. Folgerichtig müsste der Aufenthalt auch beendet werden, wenn der Antrag endgültig abgelehnt ist.
        Ich persönlich finde es ok, dieses Verfahren aufzuweichen, falls die abgelehnte Person z.B. eine Ausbildung in einem Mangelberuf findet (passiert ja aktuell auch über Ausbildungsduldung), aber darüber lässt sich streiten.
        Schwieriger wird es bei den Personen, die kein Asyl bekommen, aber nicht abschiebbar sind. Da brauchen wir unbedingt Lösungen.

        Von diesem ganzen Asylverfahren unbedingt zu unterscheiden ist Einwanderung. Da brauchen wir dringend ein geordnetes Verfahren, damit wir tatsächlich die Menschen bekommen, die auch in unsere Lücken passen. Und auch für die Zuwanderer wäre so ein Gesetz besser, als dass sie notgedrungen - mangels legaler Alternativen - erstmal über Asylticket einreisen, um sich dann quer in eine Ausbildung und/oder Beruf einzusteigen.

        In der aktuellen Debatte werden beide Einwanderungsarten munter vermischt und jeder bedient sich der Argumentation so, wie es in sein Weltbild passt. So kommen wir aber nicht weiter.

        Hinzu kommt, dass es auf der Welt so viele Krisenherde gibt, dass die niemals über unser geltendes Asylrecht gemanagt werden können. Unbedingt braucht es daher Lösungen, das Leid einzudämmen - das muss man natürlich auch wollen und das gibts nicht zum Nulltarif.

        Soweit meine Gedanken dazu #schwitz

        LG, Nele

          • Jein - es gibt ja neben dem klassischen Asylverfahren, das du korrekt beschreibst, auch die Aufnahme nach Genfer Konvention (das ist ein anderer Paragraf) und danach haben viele Flüchtlinge hier Asyl bekommen, auch wenn sie ja zwingend durch andere EU-Länder bekommen sein mussten.
            Genauer kann ich es nicht erläutern, ich hatte mal eine Schulung, aber die ist schon ewig her #hicks

            LG, Nele

            • Guten Morgen Nele!

              Ja, das ist mir bekannt. Eine Anerkennung als Asylberechtigter ist grundsätzlich ausgeschlossen, wenn der Anragsteller aus einem sicheren Drittland einreist. Da sind wir uns einig.

              Zum Thema "Schutz nach Genfer Konvention" ist es so, daß der Flüchtlingsstatus gemäß Genfer Konvention daran gekoppelt ist, dass der Betroffene aufgrund spezifischer Umstände bedroht ist - allgemeine Notsituationen (Armut) - oder Unzufriedenheit mit der politischen Führung eines Staates reichen nicht aus. Darunter würden m.E. zur Zeit syrische Kriegsflüchtlinge fallen. Allerdings müßte zeitnah geprüft warden, inwieweit dieser Schutzstatus noch aufrechterhalten werden kann, da der Bürgerkrieg in Syrien faktisch zuende ist.

              • Es hätte schon 2015 mal ordentlich geprüft werden müssen. Zuerst haben alle Syrer nach zirka 5 Minuten dauernden Interviews alle 3 Jahre Aufenthalt nach GFK hinterhergeschmissen bekommen und als es dann immer mehr Flüchtlinge wurden, gab es plötzlich nur noch 1 Jahr subsidiären Schutz ebenfalls für alle. Ich bin kein Asylexperte, aber das Verfahren kann nicht gerecht zugegangen sein...

                Was die Lage in Syrien betrifft: Ich denke, für Assad-Anhänger, die eher aus dem Westen kommen, muss hier tatsächlich kein Asyl mehr gewährt werden.
                Es gibt aber noch die Gebiete im Osten und die Menschen, die aufgrund oppositioneller Tätigkeiten (und damit meine ich nicht IS :-)) nicht zurück können. Über die Foltergefängnisse unter Assad gibts ganz gute Dokus bei Arte z.B. Ich kenne auch jemanden persönlich.
                Damals kam der IS dazwischen, der hier im Westen mehr interessiert hat als der Diktator... aber ich schweife ab, hier gehts ja um Einwanderung.
                Also Neubewertunge der Lage ja, m.M. nach wird das Ergebnis gemischt ausfallen.

                Dasselbe gilt für Afghanistan, wo ich mittlerweile den Eindruck habe, dass bevorzugt stinknormale junge Männer, die gute Chancen auf eine Lehre sowie Sprachkenntnisse haben, abgeschoben werden - weil man offenbar der anderen, die nicht so gut zu Hause anzutreffen sind, nicht habhaft wird.

                Also statt nur Ideologiedebatten zu führen, gäbe es für Politik und Behörden eigentlich jede Menge konkret zu tun #kratz

                LG, Nele

                • Guten Morgen Nele,

                  ich gebe dir in nahezu allen Punkten recht. Allerdings kann es nicht angehen, daß hier jede kleine Provinz eines Landes gesondert geprüft wird. Das Ergebnis wäre doch , daß plötzlich nahezu alle Asylsuchenden Syriens aus genau der Provinz kommen würden, in die Deutschland nicht abschiebt.

              Ich erkenne nicht, dass der Krieg in Syrien beendet ist. Täglich werden Städte bombardiert, oder nicht? Meint das "Frieden"?

              • Von "täglichen Bombardierungen ganzer Städte" quer durch das Land ist in den verschiedenen Medien nichts mehr zu hören. Allerdings bedeutet ein Ende des Krieges ja nicht automatisch, daß nun auch gesellschaftlicher Frieden herrscht. Aber daß große Teile Syriens kein Kriegsgebiet im Sinne von Kugelhagel und Lebensgefahr mehr sind, darüber besteht in den verschiedensten Medien wie Spiegel oder Focus kein Zweifel.

                • "Aber daß große Teile Syriens kein Kriegsgebiet im Sinne von Kugelhagel und Lebensgefahr mehr sind, darüber besteht in den verschiedensten Medien wie Spiegel oder Focus kein Zweifel."

                  Entschuldigung. Aber bei solchen Zeilen frage ich mich, welche Nachrichten Du konsumierst oder ob Du überhaupt Nachrichten konsumierst.

                  Google einfach nach "Bürgerkrieg Syrien" und stell den Suchzeitraum auf die letzte Woche.

                  Mal die ersten drei Ergebnisse zur Ansicht:

                  http://www.sueddeutsche.de/politik/buergerkrieg-in-syrien-russisches-dilemma-1.3818504

                  https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.buergerkrieg-in-syrien-fluchtwelle-im-nordwesten-wird-groesser.8a9a9e43-e042-4aa9-8046-3e16a86312ee.html

                  http://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Wie-geht-es-in-Syrien-weiter-id43790986.html

                  Das Land als sicher zur Rückkehr zu erklären oder zu sagen, dass Syrer keinen Grund mehr zu Flucht haben, ist an realitätsfernem Euphemismus wohl nicht zu überbieten.

                  Das Land ist weder befriedet noch bietet es in großen Teilen die Infrastruktur für ein geordnetes Leben nach unseren oder internationalen Maßstäben.

                  Ich finde es mehr als befremdlich, um es einmal diplomatisch zu formulieren, wenn hierzulande Menschen meinen, von ihrer warmen Couch aus, beurteilen zu können, wann andere Menschen, die vor Krieg, Zerstörung aber auch persönlicher politischer Verfolgung fliehen, doch bitte daheim zu bleiben haben.

                  Ich behaupte mal, dass niemand hier in diesem Forum schon einmal in der Situation war, aus Furcht um das eigene Leben oder dem seiner Familie, aus seiner Heimat oder seiner Region fliehen zu müssen. Sei es nun wegen Krieg oder weil jemand politisch oder aus Glaubensgründen verfolgt wird. Oder warum auch immer. Deswegen sollte man 1.) sich tunlichst zurückhalten, was für diese Menschen nun als sicher zu gelten hat und was nicht und 2.) so viel Fantasie zu entwickeln um sich einmal vorzustellen, wie es denn wohl wäre, wenn man seine eigene Stadt, sein Dorf, seine Region, sein Land verlassen muss, um sich in Sicherheit zu bringen, was man dafür in Kauf nehmen würde und was man hinter sich lässt.

                  Hier in der Mitte Europas leben wir auf einer Insel der Glückseligkeit, was Frieden und Ordnung angeht. Was lange genug gedauert hat wenn man sich die Historie des Kontinents anschaut. Deswegen kann man doch mal an Vernunft und Empathie von Autoren solcher Beiträge wie Deinen appellieren, dass die Welt eben nicht so einfach ist, wie Du sie hier machen möchtest.

                  • (12) 12.01.18 - 13:39

                    #pro

                    #pro

                    (14) 13.01.18 - 14:28

                    Danke für diesen Beitrag!#pro

                    Zitat aus dem 3. von dir verlinkten Bericht: "Nur noch wenige Gebiete in Syrien werden von den Rebellen gehalten, die gegen das Assad-Regime kämpfen."

                    Nichts anderes habe ich gesagt. Ich wäre mit Vorwürfen wie "realitätsfernem Euphemismus" daher vorsichtig. Das fällt schnell auf einen selbst zurück. Es gibt nämlich genausogut Berichte, die vollkommen anders klingen. Selbst ausgewiesene linke Blätter wie das "Neue Deutschland" sehen die Lage differenzierte als du...

                    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1068508.stunde-null-in-deir-ez-zor.html

                    Insofern bringt es relativ wenig, sich gegenseitig Berichte aus verschiedenen Medien um die Ohren zu schlagen. Ich gehe auch davon aus, daß du genau wie ich (und Millionen andere, die sich eine eigene Meinung erlauben) dein Wissen ebenfalls auf dem warmen Sofa beziehst. Du "weißt" genau das, was die Meinungsmacher deiner bevorzugten Medien in Funk und Fernsehen dir als Wahrheit vorsetzen.

                    Im Übrigen: Das die Infrastruktur zerstört ist, ist doch klar. Es herrschte immerhin Krieg! Aber soll das etwa bedeuten, daß die Menschen deshalb nicht dorthin zurückkehren können? Grade deshalb MÜSSEN sie zurück. Wer soll IHR Land den sonst wieder aufbauen? Wenn deine Eltern und Großeltern so gedacht hätten, läge Deutschland heute noch in Trümmern.

                    Als letzte Anmerkung gestatte ich mir noch den Hinweis, daß ich keinesfalls die sofortige Rückkehr aller Syrer gefordert habe. Ich habe lediglich angemerkt, daß die Gegebenheiten in Syrien nunmehr zeitnah (Anmerkung: und natürlich auch regelmaßig) überprüft werden müssen, da der Krieg weitestgehend vorbei ist. Das sollte aber eine Selbstverständlichkeit sein. Auch, wenn das einer bestimmten politischen Glaubensrichtung nicht paßt. Selbst wenn es noch umkämpfte Gebiete gibt - das Land ist so groß, daß es genügend befriedeten Raum gibt. Oder wäre Niedersachsen z.B. auch gefährdet, wenn es in Bayern Unruhen geben würde?

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