Wahlrecht erneuern und Prüfung zur Tauglichkeit ablegen

    • (1) 12.02.18 - 10:56

      Durch den Thread weiter unten, ist mir der Gedanke gekommen, dass es doch eigentlich eine gute Idee sein könnte, dass man als Wahlberechtigter zuvor eine Prüfung ablegen muss, die die Befähigung zum Wählen erst einmal feststellt.

      Schließlich müssen wir uns ja auch einer Führerscheinprüfung unterziehen, um die Führung eines Fahrzeugs und die Verantwortung, die man im Straßenverkehr hat, zu testen.

      Solche Tests könnten zum Beispiel Fragen zu unserem politischen System und seiner Institutionen beinhalten. Ganz ähnlich den Fragen, die Nicht-Deutsche beantworten müssen, wenn sie hierher kommen und hier leben möchten. Also nichts wirklich schwieriges, auch nichts, wozu man politisches oder juristisches Detailwissen benötigt. Aber Fragen, die zumindest überprüfen, ob der Prüfling bzw. Wähler ein Mindestlevel an Verstand mitbringt, um seiner Verantwortung als Wähler gerecht zu werden.

      Immerhin ist Wählen ja mit Verantwortung für das Land verbunden, wenn man auch nur eine Stimme unter 80 Millionen hat.

      Wen einer durchfällt, darf er dieses Mal noch nicht wählen, kann sich aber vor jeder Wahl neu prüfen lassen.

      Das hätte u.a. auch den Effekt, dass das Wahlrecht vielleicht auch wieder ernster oder interessanter genommen wird und nicht nur einfach als selbstverständlich gegeben angesehen wird.

      Ich habe vor der letzten Bundestagswahl eine Sendung gesehen (zugegeben, war die etwas reißerisch bzw. auf "lustig" aufgemacht, obwohl die Antworten wohl echt waren), wo ich erschrocken war, über die Unkenntnis von Politik und Politikern, gerade bei Erstwählern und Jugendlichen. Da waren Antworten dabei, die lassen sich nur mit kompletter Ignoranz und Unwissenheit erklären.

      • Ich denke dass dadurch einfach nur die Wahlbeteiligung runtergeht, da Leute, die gar nicht oder nur sehr maessig am Waehlen interessiert sind, dann eben gar nicht erst hingehen statt so einen Test zu machen.

        Aber um das mal weiter zu spinnen:
        Das duerften dann aber wirklich nur die absoluten Basics sein. Z.B. Was ist eine Koalition? Wieviel % fuer eine Mehrheit? Was ist die Rolle der Opposition?

        Ich denke personelle Fragen gehen schon zu weit. Man kann politische Interessen haben, auf die man seine Wahlentscheidung basiert, ohne die einzelnen Vertreter der Parteien kennen zu muessen. Auch muss nicht jeder die kompletten Wahlprogramme kennen.

        Es waere mMn besser, dieses Thema fuer den Ottonormalo zu vereinfachen. Das heisst, die Parteiprogramme werden mit wenigen Stichpunkten oder Schlagworten von Unabhaengigen(?) zusammengefasst und vor allem diese Infos auch irgendwie an die Masse gebracht.
        Wer ein bestimmtes Thema vertiefen will, kann dies ja immernoch tun, aber ein leichte, neutrale Entscheidungshilfe fuer Leute, die entweder keine Lust oder keine Zeit oder was auch immer haben, sich naeher mit den Programmen zu beschaeftigen faende ich sinnvoll - denn das Desinteresse ist hoch und ich glaube dass die Komplexitaet des Themas dazu sehr beitraegt.

        Ich bin auch eher fuer eine Wahlpflicht, als Leute wegen Unwissenheit auszuschliessen.

        • Wahlpflicht? Wir sind doch hier nicht in der DDR!

          Im Übrigen steht der Wahl-o-Mat doch jedem zur Verfügung. Wer zu faul ist die Parteiprogramme zu lessen - das ist die Lösung!

          • 1. meinte ich Wahlpflicht wenn man sich zwischen "Unwissende werden ausgeschlossen" und "Wahlpflicht" entscheiden muss, hab das aber bloed ausgedrueckt. Ich meinte nicht, dass jetzt am Besten in D eine Wahlpflicht eingefuehrt werden sollte.

            2. Ist der Wahl-O-Mat ja ganz offensichtlich nicht die Loesung, wenn man sich die Wahlbeteiligung seit Jahren mal anschaut. 2017 wurden die 76% ja regelrecht gefeiert, weil es mal wieder ein Aufwaertstrend ist, ich finde es sehr mickrig wenn jeder 4. nicht waehlen geht.
            Gerade bei jungen Leuten ist die Beteiligung sehr niedrig, ich bin mir sicher dass die Zumal ich den sowieso ziemlich unguenstig finde, da man sich ja Parteien zwischen denen man vergleichen muss erst aussuchen muss, wie soll man dann herausfinden welche auch kleinen Parteien einem entsprechen, wenn man nicht schon eine gewisse Vorahnung hat.

            Allerdings haben die "Jungen" ja auch bei voller Beteiligung wenig zu sagen wenn man bedenkt, dass ueber die Haelfte der Wahlberechtigten ueber 50 sind. Weswegen auch oft der Wahlkampf und die Addressaten von diesem sich eher auf aeltere Leute fokussieren.
            Ein Problem, das sich nicht so einfach loesen laesst.

            • (5) 15.02.18 - 01:19

              Whoops da hats meinen Post etwas zerschossen, sorry fuer den zweiten Absatz.
              Ich bin mir sicher, dass die mehr mobilisiert werden koennten, wenn man will, wollte ich sagen.

              (Ich will editieren koennen :( ) Und das Zumal ich den... bezieht sich natuerlich auf den Wahl-O-Mat.

              Zu 1) Ach so. Ja, da gebe ich dir Recht.

              Bezüglich deiner Analyse im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Alten und Jungen Wählern hast du auch vollkommen Recht. Man sieht doch grade bei den von der GroKo beschlossenen Punkten hinsichtlich des Rentenniveaus, daß die Älteren absolut im Fokus der Parteien stehen. Und wenn ich mir die Bevölkerungsentwicklung für die nächsten Jahre so anschaue, wird sich das eher noch beschleunigen. Irgendwann werden vielleicht sogar "Die Grauen" den Sprung ins Parlament schaffen und zu einem nicht zu unterschätzendem Machtfaktor werden.

              Das entmutigt vielleicht viele Jüngere weil sie glauben, sie könnten sowieso nichts bewirken. Aber so ganz ohne eingene Anstrengung wird es auch nicht gehen. Ein bischen muß man schon in eine eigene Meinung investieren. Demokratie gibt es nicht umsonst (auch wenn das einige zu glauben scheinen). Nun, der Wahl-O-Mat nimmt einem ja schon den Großteil der Arbeit ab. Aber selbst das ist vielen jüngeren oft schon zuviel. Ich finde es beschämend, daß viele junge Leute so desinteressiert an Politik sind. Aber wie will man da Abhilfe schaffen? Am ehesten doch mit Politikern, die die Jugend ansprechen. Mit Merkel, Schulz und Seehofer holt man doch keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Man kann das m.E. gut mit der Bundesliga vergleichen. Was haben wir uns damals über Paradiesvögel wie Effenberg oder Basler aufgeregt. Aber wenn man Kinder fußballspielen sah, dann wollten die immer Basler oder Effe sein. Heute gibt es fast nur noch angepasste Ja-Sager und außer Messi und Ronaldo ist für die Kids keener mehr interessant.

              Wir bräuchten m.E. mehr Politiker vom Schlage des Juso-Vorsitzenden oder eines Sebastian Kurz (uanabhängig davon, was man von deren Ansichten halten mag). Einfach Leute, die mitreissen. Wir bräuchten einfach ein bischen mehr Rock & Roll in der Politik - wenn du verstehst, was ich meine.

      Ich kann dem viel abgewinnen.

      Aber was machen wir mit den 12,4%, die dann durchfallen? :-(

      Im Ernst: Ich würde an dieser Stelle auch das Wahlalter drastisch heruntersetzen, auf 16 oder 12, die entsprechende Reife und den bestandenen Test vorausgesetzt. Damit stellt man politische Legitimation auf eine breitere Basis.

      Gerade den konservativen und patriotischen politischen Kräften im Lande, müsste ein solcher Eignungstest gut gefallen, beinhaltet er doch substantiell das Abfragen von Staatsbürger- und Landeskunde. Wenn selbst Ausländer einen solchen Test machen müssen, sollten sich Deutsche davor nicht zurückschrecken.

      Es geht nicht darum, das Abitur zu machen, lediglich darum, ob der künftige Wähler weiß, was er wählt, warum er wählt und ob er Mindestkenntnisse über unsere Regierungs- und Herrschaftsform mitbringt.

      Ein Mindestmaß an politischer Bildung kann ja nicht zu viel verlangt sein, wenn man Wähler ist. Immerhin dürfen Menschen mit Behinderung, die unter Vormundschaft stehen, auch nicht wählen gehen. Warum dann eigentlich ein bildungsresistenter Landsmann, der nicht einmal weiß, was das höchste politische Amt in unserem Land ist?

      Leider, muss man sagen, genießen wir Rechte, die nicht mit der Einhaltung von Pflichten als Gegenleistung verbunden sind. Das Wahlrecht ist ein Freiheitsrecht. Und diese Freiheit beinhaltet sogar, etwas wählen zu können, womit ein Land mit Karacho gegen die Wand fährt.

      • (9) 12.02.18 - 14:29

        "Ein Mindestmaß an politischer Bildung kann ja nicht zu viel verlangt sein, wenn man Wähler ist. "

        Das ist in Deutschland ohne Belang, da es "Nichtwähler" in D gar nicht gibt. Es gibt nur Wähler, egal mit welcher politischer Vorbildung.

        "Das Wahlrecht ist ein Freiheitsrecht. Und diese Freiheit beinhaltet sogar, etwas wählen zu können, womit ein Land mit Karacho gegen die Wand fährt."

        Stimmt so leider nicht. Jeder "wählt" ob er will oder nicht. Wenn wir die Freiheit hätten nicht zu wählen, ja, dann könnte man von einem Freiheitsrecht reden, aber so....

        • (10) 12.02.18 - 21:02

          Warum so abschweifend?

          Es geht im Ausgangspost lediglich um die Frage, ob man als Wähler eine minimale Mindestqualifikation überprüfen sollte.

          Da man in Deutschland für so fast alles ein Testat, eine Zeugnis, eine Qualifikation benötigt, was mit Verantwortung zu tun hat, ist die Frage berechtigt.

      "Und diese Freiheit beinhaltet sogar, etwas wählen zu können, womit ein Land mit Karacho gegen die Wand fährt."

      ...was ja auch seit mindestens 8 Jahren mit Vollgas geschieht...

      • Mag sein, dass dein Leben oder deine Welt vor die Wand gefahren ist in den letzten 8 Jahren.

        Mir bzw. uns geht es so gut wie nie zuvor. Das liegt vor allem an uns selbst aber auch an den Rahmenbedingungen, die die Politik schafft.

        Ich bin nicht 100% zufrieden und sehe einige Baustellen aber ich empfinde eine stetige Verbesserung meiner persönlichen Lebensbedingungen. Grad gestern als mein Sohn einen positiven Bescheid für seinen Studienplatz gefunden hat, wurde mir wieder klar, wie klasse es ist, dass wir in Deutschland Bildung so kostengünstig haben können.

        Für manche wird halt alles immer schlechter, für manche wird es besser. So ist das nun mal.

        • Könnte daran liegen, daß einige nicht in der Lage sind, die Auswirkungen der Entscheidungen, die HEUTE getroffen werden für die Zukunft zu bewerten. Man lebt im jetzt und hier - und da ist ja für Viele angeblich alles super. Die standig größer werdende Schaar derer, die ohne Zweit- oder Drittjob nicht mehr über die Runden kommen steigt täglich...aber hey was solls - hauptsache "uns" geht es so gut wie noch nie zuvor. Du must nur die Augen weiterhin schön fest zumachen - dann kann dir nichts passieren...

Ideee finde ich grundsätzlich sehr interessant.

Aber (noch) problembehaftet.
Was ist mit den Menschen, die unter Prüfungsangst leiden? Oder Menschen die nicht lesen können?
Und wer wertet das aus, das muss ja überprüft werden, dass niemand da fälschlicherweise ausgeschlossen wird? ME auch gefährlich für eine Demokratie.

Letztendlich ist das ja dann auch IQ-abhängig. Haben Menschen mit einem niedrigeren IQ dann weniger Rechte? Wer vertritt dann ihre Wünsche und was ist wenn es niemanden unter den Wahlberechtigten gibt, der ihre Interessen vertritt?

LG S.

  • Gibt es denn genug Fragen (Basics), die man stellen könnte? Ansonsten könnten die Fragen dann auch auswendig gelernt werden. Auch nicht gut.

    Und natürlich müsste die Prüfung so beaufsichtigt werden, dass sie nicht manipulierbar ist, dass die konkret gestellten Fragen nicht im Voraus durchsickern können etc... weiß gar nicht wie das bei einer Fahrprüfung gemacht wird.

Top Diskussionen anzeigen