#wegmit219a Was haltet ihr davon?

Was soll mit §219a geschehen?

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    • (1) 23.02.18 - 11:54

      Hallo,

      bei Instagram und andere Internetplattformen geht gerade der #wegmit219a rum. Seit Kristina Hänel verurteilt würde, da sie als Ärztin auf ihrer Homepage über Schwangerschaftsabbrüche informierte, wird verstärkt für und gegen die Abschaffung des Paragrafen protestiert.

      Was ist eure Meinung dazu?

      Meiner Meinung nach ist der Paragraf nicht mehr Zeitgemäß. Er hält Personen die eigentlich nur neutral informieren wollen davon ab. Die meisten Leute informieren sich heute übers Internet, wenn Ärzte hier nicht auf die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruch hinweisen dürfen wo dann?

      Es gibt soviele Falschinfo im Internet zu dem Thema, einige aus Unwissenheit und viele werden bewusst von Abtreibunggegner verbreitet (z.B. das Risoko nach einer Abtreibung Unfruchtbar zu werden oder die Anzahl der Frauen die psychisch erkranken aufgrund der Abbruches ist sehr viel geringen als oft dagestellt).

      Ich bin für die Entscheidungfreiheit der Frau, aber meiner Meinung kann man nur frei entscheiden wenn man sich in Ruhe und sachlich informieren kann ohne zu lesen oder hören das man eine Mörderin ist.
      Ich glaube auch nicht das die Anzahl der Abbrüche steigt wenn man den Paragrafen abschaft.

      Das heißt nicht das ich dafür bin, dass übertrieben gesagt, Abtreibungen als Sonderangebot angeprisen werden sollten.

      LG Schazzi

      • Hallo schazzi! Eins vorweg: Ich glaube auch nicht, daß ein Paragraph - egal in welchem Gesetz - jemals eine Straftat vereitelt hat. Im besonders sensiblen Fall eines Schwangerschaftsabbruches wird eine Frau, die das Kind nicht will, immer einen Weg finden, es nicht zu bekommen. Insofern ist es mir lieber, soetwas läuft unter gesundheitlich besten Umständen in einem deutschen Krankenhaus ab.

        Allerdings bin ich der Meinung, daß es sehr unglücklich ist, wenn ausgerechnet die Personen, die den Abbruch dann vornehmen und daran verdienen (!), dafür Werbung machen. Das ist absolut nicht notwendig, denn es gibt genügend neutrale Beratungsstellen (ProFamilia, Ämter usw.) die ruhig und sachlich informieren. Eine Vermischung aus Beratungsleistung und wirtschaftlichen Interessen würde ich für bedenklich halten. Insofern denke ich, daß der Paragraph durchaus seine Berechtigng hat.

        (3) 23.02.18 - 14:05

        Um den Obengenannten Fall als Beispiel zu nehmen.

        Ich finde nicht dass es sich gehört SS Abbrüche als Leistung auf ein Homepage aufzuführen. Für mich hat es ein sehr unbehaglichen Beigeschmack. Eine Abtreibung ist ein sehr sensibles Thema und es gibt genügend neutrale Anlaufstellen, die gründlich über Abtreibungen informieren.

        Ich frage mich dann warum eine Ärztin es nötig haben sollte, wenn nicht aus finanziellen Gründen, für solche Leistungen zu reklamieren auf ihren Homepage? Es könnte ja den Verdacht entstehen, dass die Ärztin auf sich selbst aufmerksam machen möchte, weil die meisten Frauen die sich für eine Abtreibung entscheiden, beim FA wohl nur an eine Überweisung für das KH denken und nicht daran dass genau dieser FA auch selber Abbrüche vornehmen.

        Ich bin nicht prinzipiell gegen Abtreibung, aber egal wie man es dreht und wendet, wissen wir ja alles was das bedeutet, wenn ein Abbruch vorgenommen wird. Ich finde es einfach geschmacklos, sowas auf den Homepage zu erwähnen im gleichen Rubrik wie Ultraschalluntersuchungen und andere Leistungen , als wenn es das normalste der Welt wäre, eine Leistung wie viele andere.. Für mich riecht es nach Patienten „ fishing „...

        Ich finde das der Paragraf schon seine Berechtigung hat.

        In dem genannten Fall geht es aber nicht um Werbung, sondern um Informationen zum Thema Schwangerschaftsabbruch. Du hast recht, es ist ein sensibles Thema, aber wo sollte man sich sachlicher und kompetenter darüber informieren können als direkt beim Arzt? In Internetforem vielleicht?

        • Na, dass sehe Ich ein bisschen anders. Es ist doch ziemlich unglücklich wenn Beratung, Ausführung der Leistung und Wirschaftlichen Verdienst, die gleiche Person ist, wenn es um so eine ernsthafte Sache geht.

          Es gibt wie gesagt, genügend neutrale Orte, zum Beispiel Pro Familia, wo man sehr sachlich beraten werden kann. Diese beiden Sachen sollte man schon getrennt halten.

          Ist ja nur meine persönliche Meinung.

          • (9) 23.02.18 - 17:09

            Aber das haben wir doch in allen Bereichen. Und in den Beratungsstellen sind, soviel ich weiß, keine Ärzte. Um das auf einen weniger Emotionalen Bereich zu übertragen, du lässt dich doch auch nicht vom Schuster beim Autokauf beraten.

            Ich glaube ausserdem das ein Arzt im laufe einer Schwangerschaft mehr Geld einnimmt als durch einen Abbruch, finanzelle hätten die Ärzte also eher einen Vorteil wenn sie die Frau dazu kriegen die Schwangerschaft durch ihn betreuen zu lassen.

            pro familia selbst hat in einem Brief an die Fraktionen im Bundestag appelliert, den Paragraphen abzuschaffen.

            Es geht nicht nur um Informationen über das "wie", sondern auch das "wo". Und das ist bisher nicht gegeben. Betroffene Frauen müssen sich aber auch frei darüber informieren können, bei welchen Ärzten sie den Abbruch durchführen lassen können. Es herrscht immer noch das Recht auf freie Arztwahl.

            (11) 23.02.18 - 17:47

            "Es gibt wie gesagt, genügend neutrale Orte, zum Beispiel Pro Familia, wo man sehr sachlich beraten werden kann. Diese beiden Sachen sollte man schon getrennt halten."

            Die Pflicht zur Beratung durch eine entsprechende Beratungsstelle besteht doch weiterhin, hast du dir den Paragrafen überhaupt mal durchgelesen? Vermutlich nicht. Wie so oft, wenn ich deinen Namen hier lese - ohne Hintergrundinfo.

            (12) 23.02.18 - 20:47

            Nach der aktuellen Rechtslage dürfen Ärzte über ihr Leistungsspektrum im Bereich z.B. von
            medikamentöser Tumortherapie und Palliativmedizin informieren.

            Beides zweifellos hochsensible Bereiche oder wie du es ausdrückst ernsthafte Sachen. Und auch dort sind Beratung, Ausführung der Leistung und wirschaftlicher Verdienst in einer Hand.

            Dort kommt aber keiner auf die Idee, den Ärzten Informationen zu verbieten.

            Außerdem steht für Abbrüche die Abschaffung der Schwangerschaftskonfliktberatung und Ausstellung des entsprechenden Scheins durch staatlich anerkannte Stellen gar nicht zur Debatte, so dass eine Verlagerung insoweit ausgeschlossen ist.

      (13) 23.02.18 - 17:31

      Soweit ich weiß, hat die Ärztin aber nicht für Abtreibungen geworben. Sie hatte lediglich das Wort "Abtreibung" als anklickbaren Link auf ihrer HP, und daraufhin kam ein Kontaktformular, bei dem man seine Mailadresse hinterlassen konnte, und wenn man das tat, bekam man Informationen zum Ablauf und zur Kostenübernahme bei einer Abtreibung.
      Das ist dermaßen weit von Werbung entfernt, wie es nur geht!

      Verbunden mit der Tatsache, dass sie die einzige von fünf Gynäkologen in Gießen ist, die diese medizinische Betreuung überhaupt anbietet, habe ich den Eindruck: die Frau soll dafür bestraft werden, dass sie Patientinnen auch nur informiert.
      Offenbar ist es einigen Leuten immer noch lieber, wenn verzweifelte Frauen unter Zeitdruck größtmöglich im Regen stehen gelassen werden, statt dass sie sich beim entsprechenden Fachmenschen darüber informieren können, wer sie medizinisch betreuen würde und wie diese Betreuung aussieht - zusätzlich zur Beratungspflicht, die ja unangetastet bleibt.

(14) 23.02.18 - 14:26

Ich sehe es auch so, dass er abgeschafft gehört. Die Beratungspflicht besteht schließlich weiterhin.

(15) 23.02.18 - 20:28

Wir hatten das Thema vor nicht allzu langer Zeit hier disktiert:
https://www.urbia.de/forum/64-politik-philosophie/4999485-219a-eure-meinung

Ich schließe mich der Auffassung des Bundesverfassungsgerichts an, wonach Ärzten die Möglichkeit eingeräumt werden muss, auf den Tätigkeitsbereich hinzuweisen, nachdem rechtlich ja Schwangerschaftsabbrüche ermöglicht werden.

Fällt § 219a hätte lediglich zur Folge, dass Ärzte ihr Leistungsangebot vollständig benennen und darüber informieren dürfen. Unangemessene Werbung ist wegen der berufsrechtlichen Regelungen ausgeschlossen, Preisduping durch die Gebührenordnung.

In anderen sensiblen Teilen des Leistungsspektrums funktioniert das ja auch. Enthält ein Leistungsangebot z.B. auch Chemotherapie, bewirbt kein Arzt die Leistung über den Preis oder betreibt ungestraft unangemessene Werbung. Bei Abbrüchen hingegen entstehen Befürchtungen zu einer Werbung, die sowieso ach dann verboten ist, wenn § 219 a verschwindet.

Es geht um die Möglichkeit der Benennung und der Information. Mehr nicht.

Es bleibt dem Gesetzgeber außerdem unbenommen, regulierend durch eine Ergänzung in der Berufsordnung zur Ausgestaltung des künftigen Informationsrechts einzugreifen.

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