HSH Nordbank: Ende gut - Alles gut?

    • (1) 28.02.18 - 15:07

      Nachdem die HSH Nordbank nun zu 100% an eine größenteils anglo-amerikanische Bietergemeinschaft verkauft wurde stellt sich die Frage, wie es an den Standorten weitergeht. Da eine (wie auch immer geartete) Standortgarantie nach Angaben der Länder keine Bedingung für den Verkauf war, wird vermutlich (neben den beim Steuerzahler verbleibenden riesigen Verlusten im zweistelligen Milliardenbereich) insbesondere der Standort Kiel massiv für die Fehler des Top-Managements (und nicht zu vergessen der Eigentümer) bluten müssen.

      Unabhängig von dieser - für sich genommen schon nur schwer zu verdauenden Tatsache stellt sich mir die Frage, wie denn künftig in den beiden Ländern Strukturpolitik betrieben werden soll. Immerhin war die Landesbank ja ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Kreditvergabe an wackelnde Firmen, in den beiden Bundesländern. Mit dem Verkauf endet auch die Möglichkeit der jeweiligen Landesregierungen über faktische Kreditvergabe strauchelnden Unternehmen in den Bundesländern beistehen zu können und so Arbeitsplätze zu erhalten. Wie seht Ihr das?

      • (2) 01.03.18 - 15:59

        Wie ich das sehe? Hamburg und Schleswig-Holstein sollen sich glücklich schätzen, dass sie die überhaupt losgeworden sind. Und der Steuerzahler darf sich nun darüber freuen, dass er den milliardenhohen Schuldenberg abtragen darf, den die HSH hinterlassen hat.

        Ich verstehe dich zunehmend weniger: einerseits bist du ständig darum besorgt, dass der böse Flüchtling dir die Butter vom Brot klaut und Mama Merkel dich übervorteilt und nun befürchtest du, dass das Aufkaufen einer Bank, die seit Beginn ihres Bestehens nichts anderes getan hat, als Geld zu verbrennen, ein Unheil für die Region wäre? #kratz

        • Ich glaube, du hast dich noch nie mit den Aufgaben einer Landesbank beschäftigt. Ansonsten sehe ich in deiner Antwort keinen Beitrag zu einer sinnvollen Diskussion. Flüchtlinge und Merkel? Was hat das mit dem Thema zu tun?

          • (4) 02.03.18 - 09:34

            Dann nutze doch deine Chance, mich aufzuklären. ICH lerne gerne dazu.

            Mein Stand: Landesbanken hatten im Unterschied zu Privatbanken das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung einer Region zu fördern und sich am Gemeinwohl zu orientieren. Diese Kernaufgabe übernehmen aber seit Jahren Förderbanken, was die Landesbanken an sich schon mal überflüssig macht.
            Obwohl in Besitz der Länder und Sparkassen und eben damit per Definition dem Gemeinwohl verpflichtet, haben die Landesbanken immer wieder riskante Geschäfte betrieben, waren deshalb massiv von der letzten Finanzkrise betroffen und wurden von den Ratingagenturen abgestuft.

            Die HSH ist unter den Landesbanken das schwärzeste Schaf. Seit 10 Jahren muss die Bank massiv durch öffentliche Gelder gestützt werden, obwohl sie sich selbst immer wieder in die Sch.... reiten. Damit tun sie das Gegenteil davon, wofür sie eigentlich konzipiert waren.

            Insofern sehe ich eine Privatisierung der HSH als Glücksfall für die Region. Die Förderung regionaler Unternehmen übernehmen Förderbanken.

            • "Mein Stand: Landesbanken hatten im Unterschied zu Privatbanken das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung einer Region zu fördern und sich am Gemeinwohl zu orientieren. Diese Kernaufgabe übernehmen aber seit Jahren Förderbanken, was die Landesbanken an sich schon mal überflüssig macht."

              Nur halb richtig. Bis vor kurzer Zeit waren die Förderbanken Teil der Landesbanken. Die Förderkredite wurden von den Landesbanken bearbeitet, bewilligt und verwaltet. Das änderte sich erst in den letzten Jahren. Und natürlich hast du mit deiner Schlußfolgerung Recht: Damit wurden Landesbanken eigentlich überflüssig. Allerdings kannst du dir doch an einer Hand abzählen, wie lange Brüssel und die Privatbanken diesen "Förderinstituten" tatenlos zusehen werden. Grade das, was sie den Landesbanken vorgeworfen haben wurde nun einfach in eine neu erfundene Sparte der sogenannten "Förderinstitute ausgelagert. Außerdem bleibt die Frage, wer künftig zinsgünstig die weiteren "Altaufgaben" der Landesbanken übernimmt (Schulen, Straßen usw.) Klar können das auch die Privatbanken - aber ganz sicher nicht für die Konditionen, die früher eine Landesbank bieten konnte. Und wir redden da von echten Summen! Z.B. kostet ein einziger Kilometer Autobahn rd. 1 Mio € - ohne Brücken und Tunnel. Das wird also alles deutlich teurer für den Steuerzahler.

              Ich will auch nicht behaupten, daß die Landesbanken unschuldig an der Situation sind - ganz gewiß nicht, aber ganz so einfach ist das alles nicht. Überlege doch mal, welche kreditpolitischen Entscheidungen seit 10 Jahren massiv von den Landesregierungen in HH und SH befeuert wurden weil beide Länder vollkommen abhängig von der maritimen Wirtschaft sind. Seit 10 Jahren haben wir eine massive Schiffahrtskrise und trotzdem finanziert die HSH weiter in dem Bereich. Warum? Meinst du, die sind da alle völlig verblödet? Frage dich doch mal wer diese Entscheidungen auf wessen Druck hin trifft. Und dann frage dich, ob es wirklich Zufall ist, daß die HSH seit 10 Jahren in Schieflage ist.

      "Wie seht Ihr das?"

      Ist nur Papier (der €) mit einem Copyright drauf. Der kann in beliebig hoher Anzahl gedruckt werden. Was ja auch gemacht wird.
      In God we trust...#rofl

      Es werden sich Lösungen finden. Wie immer.

    • Mit solch einer Frage überforderst Du das Muddi-Forum enorm .... #rofl

      Wie ich das sehe ? Eine Bank weniger ist immer ein Gewinn und strauchelnde Unternehmen mit faulen Krediten zu unterstützen hilft meist nur bis zur nächsten Wahl, danach knallts umso heftiger. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

      • (8) 02.03.18 - 05:47

        “Eine Bank weniger ist immer ein Gewinn“

        Das interessiert mich jetzt aber: du meinst, wenn es keine Banken mehr gibt, dann ist die Welt ein besserer Ort?

        • Es gibt zu viele Banken, die sich gegenseitig die faulen Kredite zuschieben und gemeinsam gegen staatliche Reglementierung vorgehen. Ein monopolistischer Bankensektor unter staatlicher Kontrolle würde die Welt zu einem besseren Ort machen, wobei ich zugegebenermaßen mit den Gegebenheiten der HSH-Nordbank nicht so vertraut bin.

          Wie Brecht schon sagte: "Der Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.“

          • (10) 02.03.18 - 08:10

            Okay, das kann ich nachvollziehen, wobei ich vor einem monopolistischen Bankensektor unter staatlicher Kontrolle auch Angst hätte. Man stelle sich Tsipras seinerzeit mit einer Lizenz zum Gelddrucken vor. #zitter
            Und überhaupt: Der Staat als Herrscher über die Banken? Das halte ich für keine gute Idee.

            Meinst du nicht, es reicht die Geldschöpfungsfunktion von Banken abzuschaffen?
            Fand ich seinerzeit ganz interessant:
            http://www.deutschlandfunk.de/jonathan-mcmillan-das-ende-der-banken.1310.de.html?dram:article_id=410868

            • Ich denke, ich sollte hier mal grundsätzlich etwas über staatliche Banken erläutern. Über viele Jahre war "der Staat" bzw. die Bundesländer Herrscher über die eigenen Landesbanken. Deren Aufgabe war es, öffentliche Vorhaben zu finanzieren (z.B. Straßen, Brücken, Schulneubauten usw.), Landes-Wertpapiere an die Börse zu bringen und des Weiteren eben auch Finanzierungen zu übernehmen, die aufgrund der höheren Risiken eben von der privaten Konkurrenz dankend abgelehnt wurden. Ein Beispiel ist z.B. die Finanzierung eines alten, wertvollen Instruments (z.B. einer alt-italienischen Geige) für den Konzertmeister einer staatlichen Oper.

              Die Länder setzten ihre Landesbanken natürlich auch für wirtschaftspolitische Entscheidungen ein. Firmen, die am freien Kapitalmarkt keine Kredite mehr bekamen (und von der jeweiligen Landesregierung als wichtig für die heimische Wirtschaft angesehen wurden), bekamen die Kredite halt von den jeweiligen Landesbanken (auf Anweisung ihrer Eigentümer - der Länder). Das ging häufig gut und die Firmen konnten sich stabilisieren - und manchmal eben auch nicht. Dann mußten die Kredite halt abgeschrieben werden. Sozusagen als Ausgleich hafteten die Länder für die Verbindlichkeiten ihrer Landesbank - was zu hervorragenden Ratingklassen dieser führte. Das war der privaten Konkurrenz natürlich ein Dorn im Auge. Sämtlicher Gewinn, der nach all diesen Geschäften übrig blieb (und das war bei vielen Landesbanken nicht wenig), floß in die jeweiligen Landeshaushalte und diente der Finanzierung kommunaler Wohltaten.

              Dieses - sehr gut funktionierende - System wurde mit der Abschaffung der Gewährträgerhaftung auf Betreiben der Europäischen Bankenvereinigung zum Einsturz gebracht. Die Folgen sieht man jetzt. Nicht verschwiegen werden darf natürlich auch der Größenwahn, mit dem einige Landesfürsten versucht haben, aus ihren Landesbanken Global-Player zu machen um die heimische Wirtschaft auch bei riskanten Auslandsfinanzierungen überall auf der Welt zu unterstützen (was aber nie deren Aufgabe war). Die ehemals riesige West/LB ist hier sicher das abschreckendste Beispiel.

              Das Problem der HSH hingegen ist, daß viel zu viele Schiffskredite vergeben wurden um die heimischen Reeder am Leben zu halten. Ohne Rücksicht darauf, daß die Konkurrenz aus Fernost für europäische Reeder einfach eine Nummer zu groß ist. Aber auch hier muß man fragen, inwieweit die Eigentümer für einen Großteil der Kreditvergaben zumindest mitverantwortlich waren.

              Ganz so einfach ist das Thema also nicht.

      Das ist doch mal eine Aussage! Sehe ich im Übrigen im Hinblick auf Rettungsaktionen für Großkonzerne genauso. Letztmalig wurde das ja bei der "Rettung" des Holzmann-Konzerns eindrucksvoll bewiesen.

      Dabei spielten aber Privatbanken eine wesentlich größere Rolle als öffentlich-rechtliche Institute. Als problematisch dürfte es sich bem Verkauf der HSH aus meiner Sicht allerdings erweisen, daß nicht einmal eine öffentliche Beteiligung am Institut verhandelt wurde. Die neuen Eigentümer der Bank werden (grade bei dem kolportierten Kaufpreis von 1 Milliarde €) kein Interesse daran haben irgendwelche Risiko-Kredite zu vergeben (wie es eigentlich aus finanzpolitischer Sicht der Länder Aufgabe einer Landesbank wäre).

      Insofern denke ich, daß die Entscheidung der Länder die jeweilige regionale Wirtschaft (insbesondere Firmen, die eben NICHT die überregionale Bedeutung von z.B. Holzmann haben) noch teuer zu stehen kommen wird.

      Aber natürlich hast du Recht: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

      Danke für deine Antwort!

Ich finde das ganze schwer zu verstehen. Außer der der Tatsache das "Gier Hirn frisst" und die gesamte Politk sich aus der Verantwortung gezogen hat.
Heide Simonis wird Aufsichtsratvorsitzende, Vorstandchef Stuhlmann , Stellvertreter Berger. Allle SPD Politiker.
Soweit ich es verstanden hat , war der Grund der Auslauf der Gewährleistung Haftung. Der word bis zur Schmerzgrenze auf 208 Miiarden Euro aufgepumpt. Da das Geld dann ausgegeben werden mußte worden es in Kreditersatzgeschäfte gesteckt. Die wohl auch Experten kaum durchschauen.
Dadurch worde von einer mehrheitlich staatlichen Bank auch noch ordentlich steruen gespart.
Außerdem word sehr viel Geld in die Schifffahrt investiert.Schon bei iher Gründung war die HSH Nordbank der größte Schifffinanzierer der Welt,
Jedenfalls wird Sh damir sehr lange zutun haben. Schlimmer können die Heuschrecken auch nicht sein. Ich hoffe das das Kapitel endlich abgeschlossen ist. Die Politk hat jedenfalls viel Geld und viele Arbeitplätze vernichtet , ohne zu irgendwelcher Verantwortung zu stehen. Für mich gehören die alle in den Knast.
Mal sehen was Jamaika noch alles so findet. Jedenfalls kostet das jeden Schlesig Holsteiner 2500 Euro .

  • Hallo zanadu01. Danke für deinen Beitrag! Du beschreibst die Misere vollkommen richtig. Das vollsaugen mit Kapital noch kurz bevor die Gewährträgerhaftung fiel war sicherlich einer der Hauptfehler. Allerdings war mit der Entscheidung aus Brüssel meines Erachtens sowieso die Geschäftsgrundlage des öffentlich-rechtlichen Bankensektors entzogen. Man kann nicht auf der einen Seite den Landesbanken die Möglichkeit zur kostengünstigen Refinanzierung nehmen und auf der anderen Seite von den Instituten verlangen Business-as-usual zu machen.

    Das mit dem Steuern sparen sehe ich bei einer staatlichen Bank nicht als Problem. Was nicht an Steuern gezahlt wird wird als Gewinn ausgeschüttet und landet trotzdem im Haushalt. Wenn sowieso kein Gewinn anfällt, dann würden Steuerzahlungen den Verlust nur vergrößern und der müßte dann auch aus Steuermitteln ausgeglichen werden.

    Das weitaus größere Problem ist einfach, daß das gesamte Finanzsystem dank Herrn Draghi und Konsorten gegen die Wand gefahren wird.

Top Diskussionen anzeigen