Wird alles schlechter oder doch nicht oder was?

    • (1) 13.03.18 - 09:25

      Ich hatte gestern Abend wieder eine von jenen zeitfressenden aber interessanten Diskussionen mit Freundinnen. Wir kennen uns noch aus Studienzeiten, also schon sehr lange. Ausgehend von der neuen Regierung haben wir schnell darüber diskutiert, ob nun unsere Leben sich mehr zum Besseren oder mehr zum Schlechteren wenden. Wie der Zustand der Gesellschaft ist, Dinge wie Gerechtigkeit und soziales Niveau aber auch über Kriege und Unruhen und die derzeitige politische Lage im Ausland und wie unbelehrbar Menschen manchmal sind. Irgendwie alles zusammen und man versucht dann jeden Komplex häppchenweise abzudiskutieren. Kennt ihr vielleicht auch. Eine meiner Freundinnen, der es wirtschaftlich und materiell wirklich super geht (Haus schon abbezahlt, Mann sehr guter Verdiener, zwei Autos, Ferienhaus, Kinder alle drei gesund auf Privatschulen) war die, die Zukunft am schwärzesten gesehen hat und die eigentlich überhaupt kein Vertrauen mehr in die Politik hat. Sie meinte allen Ernstes, Deutschland steht am Abgrund und die Politik sei nicht in der Lage, die Probleme zu lösen. (Besonders merkwürdig fand ich ihre Meinung zu den Geschehnissen an der Essener Tafel und das die Verteilungskämpfe immer schlimmer werden würden, ob wohl sie selbst überhaupt keine Berührungspunkte zu Menschen hat, die zur Tafel gehen müssen.) Ich und eine andere Freundin haben vehement widersprochen. Allerdings gibt es schon Dinge, bei denen auch ich sage, dass wir auf keinem guten Weg sind. Aber ich weiß auch nicht, wie man diese Probleme lösen soll, deswegen kann ich der Politik auch keinen Rat geben.

      Eine andere Freundin, der es eher nicht so perfekt geht (Allein erziehend, zwei Kinder, beruflich eher wackelig weil kaum Festanstellungen in ihrer Branche) ist zwar auch über den Abbau des Sozialstaats sauer und kann sich über solche Äußerungen, wie z.B. von Jens Spahn gestern in den Medien, total aufregen aber sie war trotzdem insgesamt überzeugt, dass es uns heute besser geht als vor 30 Jahren. Das hat mich schon gewundert weil sie es aus meiner "objektiven" Sicht heute viel schwerer hat als vor 30 Jahren. da war sie noch jung, ohne Kinder und voller Idealismus und kurz davor ihr Studium zu beginnen.

      Am Ende sind wir dann auseinander gegangen und ich hatten den Eindruck, dass keine von uns grundsätzlich Abstand von der eigenen Wahrnehmung über diese Themen genommen hat.

      Ich habe dann bis um zwei noch mit meinem Partner zu Hause ein wenig weiterdiskutiert. Er meinte, dass die wirklichen Zustände nicht so wichtig sind wie das persönliche Empfinden jedes einzelnen Menschen, dass einem entweder sagt, das Glas ist halbvoll oder halbleer.

      Ich habe gerade kein Stimmungsbarometer zur Hand aber wie seht Ihr das so? Wird alles eher besser oder schlechter? Wobei natürlich jeder unter "besser" und "schlechter" etwas anderes verstehen kann. Aber wenn man nur einmal sein Leben in Deutschland betrachtet, ist es besser oder schlechter als früher, so in der Summe aller Aspekte, die man dazu zählen kann.

      • Manche Dinge werden besser, viele schlechter.

        Besser für viele ist bestimmt einen Ausbau der Kinderbetreuung und den Rechtsanspruch auf einen Ganztagesplatz (ich persönlich finde das furchtbar, aber die Mehrheit wird das gut finden).

        Was für mich persönlich besser wird, dazu fällt mir grad komischerweise nichts ein, halt doch: durch den Fachkräftemangel hab ich sozusagen freie Auswahl.

        Schlechter wird auf jeden Fall, daß die Diäten der Politiker weiter steigen, die Rentner weiherhin nicht von ihrer Rente leben können, "Sozialschmarotzer" werden weiterhin ein leichtes Spiel hier haben, um nich arbeiten zu müssen, es wird wieder massive Steuerverschwendungen geben, das Bildungssystem geht den Bach runter, da die Eltern ihre Sprösslinge alles aufs Gymnasium schicken und das Bildungsniveau dementsprechend sinkt.

        Es wird weiterhin Fachkräftemangel im Bereich Erziehung / Pflege/ Medizin, da die Politiker nur schauen, daß sie am Monatsende noch genug zum Sparen haben.

        Das ist meine persönliche Meinung, ob das alles so eintritt , kann ich natürlich nicht sagen, dennoch wüßte ich nicht, wie die jetzige Regierung das verhindern würde

        • Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Die Bildung geht definitive den Bach runter - das kann jeder bestätigen, der Kinder auf staatlichen Schulen hat.

          Aufgrund der massenhaften Einwanderung von Personen, die niemals einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen werden in die Sozialsysteme werden diese spätestens dann die Grätsche machen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen. Bis dahin gehts uns doch gut. Also noch 15 Jahre weiterfeiern!

          • "Aufgrund der massenhaften Einwanderung von Personen, die niemals einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen werden "

            Ziemlich kühne Prognose.

            Ist das auch begründbar, dass diese Menschen NIEMALS, wie du es düster orakelst, einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen werden?

            1. Sind die alle faul?
            2. Sind die behindert und unfähig zu arbeiten?
            3. Sind die einfach dumm und können nichts dazulernen?
            4. Waren die schon immer so und haben das Arbeiten nie gelernt?
            5. Wovon haben die alle gelebt bevor sie nach Deutschland kamen?
            6. Reicht denen für den Rest des Lebens staatliche Zuwendung und sind die einfach sehr bescheiden?

            • Das ist keine kühne Prognose. Das deckt sich vielmehr mit den Einschätzungen von diversen Medien (Spiegel, Focus, Süddeutsche, Die Zeit).

              Grade vor dem Hintergrund, daß die Digitalisierung künftig weitaus höhere Anforderungen an den persönlichen Bildungsstandard stellen wird, ist nicht davon auszugehen, daß die große Masse der Wirtschaftsmigranten dem gewachsen sein wird.

              • "Das deckt sich vielmehr mit den Einschätzungen von diversen Medien (Spiegel, Focus, Süddeutsche, Die Zeit). "

                Tut es das? Ich würde gerne einmal einen Artikel lesen, der belastbar darlegt, dass Menschen mit Migrationshintergrund NIEMALS in die Sozialversicherungssysteme einzahlen. Die Vergangenheitsbetrachtung jedenfalls gibt das eindeutig nicht her. Nicht-Deutsche sind sowohl für die Steuersysteme und die Sozialversicherungssysteme profitabel, d.h. deren Anwesenheit bringt den Systemen ein Plus und kein Minus.


                "Grade vor dem Hintergrund, daß die Digitalisierung künftig weitaus höhere Anforderungen an den persönlichen Bildungsstandard stellen wird, ist nicht davon auszugehen, daß die große Masse der Wirtschaftsmigranten dem gewachsen sein wird."

                Warum?

                Wie begründest Du das?

                Jeder Mensch kann lernen, dazulernen, sich anpassen.

                Was ist der sachliche Grund, dass Menschen aus dem Ausland das nicht können sollen?

                • Googel hilft. Besonders zu empfehlen ist hier ein Artikel aus der ZEIT. Erscheinungsdatum: irgendwann Mitte letzten Jahres. Im Übrigen habe ich nirgens geschrieben, daß kein einziger Wirtschaftsflüchtling jemals in die Sozialkassen einzahlen wird. Unbestritten sollte aber sein, daß die übergroße Mehrheit das nicht tun wird. Insofern ist dein Hinweis auf die Auswirkung deutscher und nicht-deutscher Beitragszahler hier auch völlig fehl am Platz. Um die geht es hier nicht.

                  Ansonsten wage ich zu bezweifeln, daß Menschen, die zu einem Großteil Analphabeten sind und kaum rechnen können, den Anforderungen einer digitalisierten Gesellschaft gewachsen sein werden. Auch diese Zahlen kannst du ganz einfach ergoogeln. Versuch mal "Integration: Zwei Drittel können kaum lesen und schreiben". Auch das ein Artikel aus der ZEIT - und damit weit von irgendwelchen rechten Kampfblättern entfernt...

                  • "Im Übrigen habe ich nirgens geschrieben, daß kein einziger Wirtschaftsflüchtling jemals in die Sozialkassen einzahlen wird. "

                    Stimmt. Du hast es schön allgemein gehalten:

                    "Aufgrund der massenhaften Einwanderung von Personen, die niemals einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen werden in die Sozialsysteme "

                    Da kannst du dich ja jetzt prima rausreden. Sind es 10%, 50% und 100%? Oder nur einer von einer Million?

                    Und nein ich habe keinen Artikel gefunden, der Deine Behauptung in der Form annähernd bestätigt oder wiedergibt.

                    Du suggerierst nämlich ziemlich dreist, dass X Personen NIEMALS in die Sozialsysteme einzahlen. Wie viele lässt Du (nun) offen und Du weißt es auch nicht. Du kannst nicht einmal sagen, ob diese Anzahl überhaupt von Relevanz ist. Aber Hauptsache, mal alle Menschen aus einer Gruppe pauschal der Unfähigkeit bezichtigt, jemals in unsere Sozialsysteme einzuzahlen.

                    • Warum sollte ich mich rausreden wollen? Ich stehe zu dem was ich geschieben habe. Ich kann das für dich gerne präzisieren: Ich weiß nicht, wieviele der Wirtschaftsflüchtlinge, die Deutschland inzwischen erreicht haben jemals einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen werden, aber daß die übergroße Mehrheit dauerhaft in unseren Sozialsystemen bleiben wird, das bestreiten inzwischen nicht einmal mehr eher linkslastige Zeitungen/Magazine. Lies doch bitte mal die entsprechenden Artikel z.B. aus der ZEIT oder auf SPON. Dann kannst du selbst entscheiden, ob das 70, 75 oder 80% sind, die niemals in die Sozialsysteme einzahlen werden.

                      • "Ich weiß nicht, wieviele der Wirtschaftsflüchtlinge, die Deutschland inzwischen erreicht haben jemals einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen werden"

                        Gut, mehr wollte ich nicht hören.

                        Und das klingt schon ganz anders als die pauschale Behauptung, noch dazu prophetisch in die Zukunft gerichtet, DIE würden NIEMALS in die Sozialsysteme einzahlen.

          Und deshalb arbeiten wir in 15 Jahren einfach bis 75 oder 80, in der Hoffnung, .daß sich bis dahin so mancher zu Tode gearbeitet hat

          • Und das war früher besser?

            • Natürlich war das Bildungsystem vor einigen Jahren besser.
              Und mein Vater und diese Rentnerjahrgänge haben alle eine wirklich gute Rente ( ohne private vorsorge)

              Bis vor zehn Jahren gab es noch keinen Fachkräftemangel, zumindest nicht im sozialen und handwerklichen bereich.

              Das mit den Diäten war früher schon so, aber da sich da nix ändert , ist das für mich keine Verbesserung

              • (15) 14.03.18 - 17:18

                Bildungssystem: Ich kann das so nicht sagen...
                Die Grundschule fand ich jetzt bei meinen Kindern didaktisch durchdachter als bei mir damals. Ich hatte Mengenlehre, auch eine Verirrung, die schnell wieder abgeschafft wurde. ;-)
                Meine Kinder haben mit der Anlauttabelle sehr schnell lesen gelernt. Im Unterricht haben sie durch Projekte und Stationenarbeit anstelle von Frontalunterricht viel stärker gelernt, selbständig und lösungsorientiert zu arbeiten. Bei uns damals war hauptsächlich Auswendiglernen und wiedergeben gefragt.

                Jetzt an der weiterführenden Schule empfinde ich G8 als Griff in dem Klo (weil der Lehrplan nicht passend gemacht wurde) und es gibt mächtigen Lehrermangel. Das ist auf jeden Fall zu bemängeln und als negativ anzusehen. Aber auch hier habe ich den Eindruck, dass von den heutigen Schülern andere Fähigkeiten erwartet werden als früher. Auch hier wieder mehr Eigeninitiative etc. Ich finde das positiv.
                Kurz gesagt: der Unterricht ist anders geworden.

                Die Pisa Ergebnisse in D sind seit 10-15 Jahren auch nicht schlechter geworden, beim Lesen sogar konstant besser. Ob es ein guter Maßstab zur Bewertung des Bildungssystems ist? Keine Ahnung.

                Was mich schon immer nervt: dass jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht. Und dass es wenig Konstanz gibt, Beschlüsse werden hin und hergekippt. Diverse Lehrpläne müssten auch mal dem Puls der Zeit angepasst werden. Aber irgendwie war das schon immer so (siehe Mengenlehre)...
                mein Mann war in den 70ern auf einer Realschule, die hatte damals ein „super“ Konzept: wer keine Lust auf Unterricht hatte, konnte sich auf die Sitzgruppe hinten im Klassenzimmer setzen und Tee trinken. War eine normale Realschule, aber damals war antiautoritär halt in. Es hat ihn nicht wirklich vorangebracht.

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