Religion gehört nicht in die Schule?

Einfluß von Religion in der Schule sollte:

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    • (1) 27.03.18 - 20:17

      Guten Abend!
      Aufgrund der aktuellen Nachricht über das Mobbing durch moslimische Kinder an
      einer jüdischen Mitschülerin möchte ich hier mal fragen ob Erfahrungen bestehen
      durch die eigenen Kinder oder als Lehrer?
      Wenn ja, wie wurde bei Euch damit umgegangen?
      Sollte Religion aus der Schule verbannt werden?

      • Hallo,


        Heute habe ich irgendwo aufgeschnappt:

        -Religion gehört in die Schule,
        der Glaube ins Private-

        das fand ich gut.

        Also im Sinne einer wertneutralen, allgeneinen Aufklärung über religiöse Systeme;

        Eine Anweisung für richtiges Handeln , Denken und Glauben darf daraus nicht abgeleitet werden.

        lg

        • "Also im Sinne einer wertneutralen, allgeneinen Aufklärung über religiöse Systeme;"

          Dann könnte man Religion als Fach streichen und die Aufklärung über Religionen in den Geschichts- und Politikunterricht verorten. Denn genau da gehört er hin wenn man ihn dergestalt betrachten möchten. Teile wiederum sind dann Bestandteil des Philosophie-Unterrichts.

          Wenn man aber der Religion schon namentlich ein eigenes Fach und damit eine eigene Plattform gibt, wird man kaum umhin kommen, auch über Glaubensfragen zu sprechen. Und je nach Intention werden chauvinistische oder durch das Elternhaus angelernte Betrachtungsweisen der Schüler dann auch gerade dort sichtbar und ausgetragen.

          Das ist so, als hätte man ein allgemeines Fach "Fußball" und würde versuchen, die Präferenzen der Schüler über ihre Lieblingsvereine draußen zu halten. Das wird nie funktionieren.

          • Religionskunde als Fach könnte doch bleiben.

            Mit dem Fokus auf Erkenntnistheorie und Geschichte.

            Man könnte diese Themen auch in den Geschichts- Philosophie - und Gemeinschaftskunde Unterricht packen und deren Stundenanzahl anpassen.

            Ich fände es nur wichtig, dass Schüler auch weiterhin selbstverständlich über Kultur und Geschichte der großen (und kleineren) Weltreligionen unterrichtet werden.
            Über dieses Thema dürfen nicht ausschließlich die Elternhäuser informieren.

            Der Staat / Gesellschaft sollte dieses Feld nicht vollkommen ins Private verschieben.

            • "Religionskunde als Fach könnte doch bleiben."


              Das ist schon seit Jahren meine Rede.

              Und das obwohl ich mich für relativ gläubig halte, regelmäßig zum Gottesdienst gehe und bei beiden Söhne Katechetin in der Kommunionsvorbereitung war.

              Und trotzdem wäre mir ein gemeinsames Schulfach für alle. Wo man alle wichtige Weltreligionen durchgeht, Ethikthemen bespricht, aber eben nicht eine einzige Religion im Zentrum steht.

              Bei meinem Sohn wird jetzt der Islam durch genommen und er findet das sehr interessant. Sie waren auch in einer Moschee und haben ganz vieles gelernt (2 Kinder durften nicht mit #zitter)

              Nächstes Jahr ist dann das Judentum dran.

              Und trotzdem ist das zu wenig, wie ich finde.

              Der katholische Glauben kriegt er schon von mir mit, also wäre mir wichtig, dass er in der Schule andere Sachen kennen lernt. So kümmere ich mich privat auch darum.

              VG,
              Natalia

              • Ich bin Atheistin und trotzdem sind meine Kinder recht “bibelfest“, da mir das immer sehr wichtig war.

                Mein Sohn hat sich im Wahlbereich für Philosophie entschieden, meine Tochter für Religion.

                Im direkten Vergleich muß ich dann aber doch feststellen, dass der Religionsunterricht
                nicht neutral ist.
                Leider!

                • "Im direkten Vergleich muß ich dann aber doch feststellen, dass der Religionsunterricht
                  nicht neutral ist."

                  Natürlich ist er das nicht. Und genau deswegen hätte ich gerne was anderes. Für mich ist die Vermittlung vom Glauben eine Sache, die in der Familie stattfinden soll.

                  LG,
                  Natalia

                  • In Hamburg besteht der Anspruch
                    einen -Religionsunterricht für alle- anzubieten.
                    Er wird konfessionsübergreifend unterrichtet und In der GS ist es hier absolut unüblich seine Kinder davon befreien zu lassen, da er dort so ein klassisches Wohlfühlfach ist.

                    An der Schule meiner Kinder wählt man ab Klasse 8 zwischen Philosophie und Religion.

                    Vorab wurde ausdrücklich betont, dass der Religionsunterricht sich an alle richtet, auch an Nichtgläubige.

                    Trotzdem ist die Leitfrage des Religionsunterrichtes ständig:

                    -Was bedeutet der Glaube für euch?-

            Die Frage, die sich mir stellt ist: ist Religion als Thema so bedeutsam, dass man ihr ein eigenes Fach gönnen muss. Wenn man sich dich darüber einig ist, dass Glauben losgelöst vom Sachthema Religion gesehen werden muss, kann man die historischen, die gesellschaftspolitischen und politischen Auswirkungen von Religion doch wesentlich besser unter andere Fächer subsummieren. Beim Thema Römisches Reich z.B. muss man natürlich auch die Bedeutung des christlichen Glaubens als "christlichen Sekte" bis hin zur Staatsreligion mit den Auswirkungen auf die damalige antike Welt betrachten.

            Religion als Motor der Verãnderung oder als Grund für Kriege und so vieles mehr, strahlt in viele Disziplinen und ist sicher von gewisser Tragweite. Andererseits fristet das Fach Religion schon seit vielen Jahren eine Randexistenz an Schulen. Schon zu meiner Zeit war es mir völlig gaga, welche Note ich in Religion bekomme. Eine Sechs in diesem Fach wird mich doch wohl nicht als schlechten Christenmenschen entlarvt haben?

            • “Die Frage, die sich mir stellt ist: ist Religion als Thema so bedeutsam, dass man ihr ein eigenes Fach gönnen muss.“

              Ich nehme Religion durchaus als einen Aspekt der menschlichen Kultur war,
              der sehr polarisiert und sich doch aus der gleichen Wurzel speist.

              Schon vor über 130 Jahren hat Friedrich Nietzsche den Tod Gottes proklamiert, aber auch im Jahr 2018 wird er noch gesucht oder wurde schon gefunden.

              Das Bedürfnis, die eigene Existenz dadurch aufzuwerten, dass man ihr ein schöpferisches Prinzip zugrunde legt, scheint für viele Menschen sehr wichtig zu sein.
              Man will nicht einfach ein unbedeutendes Zufallsprodukt sein, sondern gottgewollt.
              Im Hinblick auf die unfassbare Unendlichkeit und das vermutete Vorhandensein von unvorstellbar vielen Galaxien, wird das Individuum so bedeutungslos, dass es sich gar nicht mehr in Worten ausdrücken lässt.
              Da sind Denkkonzepte, die den Menschen als Wunder und Krone der Schöpung darstellen, einfach zu verlockend.

              Natürlich wäre es möglich, religiöse Themen auf den Lehrplan der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer zu setzen und das Fach Religion abzuschaffen.
              Fände ich super. Aber ich bin nicht gläubig.
              Ich bin emotional nicht betroffen, daher ist es mir egal, in welcher Form Schüler über religiöse Methoden aufgeklärt werden. Solange es es nur stattfindet.
              Diejenigen, die emotional betroffen sind, werden das anders sehen.

              Die Debatten der letzten Jahre hinterlassen bei mir den Eindruck, dass es aktuell vermutlich als Provokation oder gar Resignation aufgefasst werden könnte, Religion als Schulfach abzuschaffen.
              Darauf warten die reaktionären Kräfte in diesem Land doch nur.
              Damit man dann noch mehr in die Rolle des Opfers rutschen kann, dem seine Kultur und christliche Identität gerklaut wird.

              Ich finde Religion als zu behandelndes Thema in Schulen zwar wichtig, aber nicht wichtig genug, als dass ich es gut fände, wenn dessen Abschaffung als Schulfach wieder dazu instrumentalisiert werden könnte, Hetze zu betreiben.

      Werde ich mir merken, den Spruch finde ich gut!

Hallo

Ich kenne diese Nachrichten jetzt nicht.

Bei meiner Tochter in der Schule (Bayern) zb ist der Religionsunterricht für nicht-katholische Kinder freiwillig. Sie dürfen, müssen aber nicht teilnehmen. Meine Tochter erzählt oft, dass diese Kinder sehr gerne teilnehmen.

Ich könnte jetzt gar nicht sagen, ob der Unterricht für katholische Kinder Pflicht ist, denke aber schon. Meine Tochter liebt Religion, von daher hab ich mich damit noch nicht befasst.

Sie war auch, wie jetzt ihr Bruder, zuvor schon in einem katholischen Kindergarten. Auch dort fanden bzw finden beide Kinder alles was sie über die Kirche gelernt haben, sehr interessant . Dort gehen auch einige moslemische Kinder hin, es hat noch nie irgendwelche Probleme gegeben. Sie feiern christliche Feste im Kindergarten, und alle, wirklich alle feiern mit. Auch der Glaube der moslemischen Kinder wird kindgerecht thematisiert, so dass das für die Kinder selbstverständlich ist.

Ich kenne diese Probleme von unterschiedlichen Religionen ehrlich gesagt nur aus den Medien.

Ich wünsche mir weiterhin Religionsunterricht in der Schule. Schon vor allem für meine Tochter, die diesen Unterricht liebt und später für meinen Sohn.

Liebe Grüße

  • Da kannst du froh sein , bei Euch in Bayern ist die Welt noch in Ordnung!

    Da wir negative Religionsfreiheit haben, dürfen sich auch katholische Schüler vom Unterricht abmelden und ein Ersatzfach besuchen.

    Auch an katholischen Privatschulen. Es kann natürlich sein, dass man langfristig die Schule verlassen und eine rein staatliche besuchen muss, aber zum Besuch eines Religionsunterrichts kann niemand gezwungen werden.

    Selbst Religionslehrer dürfen wegen der negativen Religionsfreiheit nicht verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erteilen, wenn sie es aus irgendwelchen Gründen (temporär) nicht wollen.

Ich schließe mich da dem ersten Berikaki an. Sie bringt es auf den Punkt.

Religionslehre ist ein wertvolles Schulfach, das ich früher selbst an der katholischen Privatschule bereits als sehr bereichernd und reflektiert erlebt habe.

Immer natürlich unter der Voraussetzung, dass man nicht im Glauben unterwiesen wird, sondern Religion(en) sowie ihre Schriften und Zeugnisse aus fachwissenschaftlicher Sicht beleuchtet, reflektiert und kritisiert werden. Dann ist Religionsunterricht genau der richtige Ort, um nicht nur Wissen zu erwerben, sondern um eine ganz eigene Weltanschauung zu entwickeln, die kritikfähig ist.

Alleine, um seinem Bildungsauftrag nachzukommen, finde ich es wichtig, dass der Staat Religionsunterricht anbietet. Aber auch, um zum interreligiösen Dialog beizutragen und die religiöse Entwicklung nicht unreflektierten Koran- und Bibelschulen zu überlassen.

In einer idealen Gesellschaft gäbe es nebeneinander (auch wenn das bei der jüdischen Minderheit natürlich zahlenmäßig schwierig sein würde) jüdischen, muslimischen, evangelischen sowie katholischen Religionsunterricht (und natürlich Philosophie /Ethik), der wissenschaftlich fundiert und kritisch aufgebaut ist und der Schüler unabhängig von ihrer Religion und Konfession begrüßt. Es würde viel zur Verständigung beitragen, wenn man sich auf diese Weise kennenlernen könnte.

Einen überkonfessionellen Unterricht anzubieten, halte ich nur für die zweite Wahl, denn etwas unterrichten und zur Diskussion stellen kann ich am besten aus der Binnenperspektive.

Vom idealen Modell sind wir noch sehr weit entfernt, aber zum Ziel setzen kann man es sich ja trotzdem:-)

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