Aussagen eines Kollegen - bin damit überfordert!

    • (1) 03.04.18 - 21:26

      Ich bin auf der Suche nach Ideen zum Umgang mit einem Kollegen. Schon kurz vor der Wahl hat er sich negativ über Flüchtlinge geäußert, Statistiken ins Feld geführt, dann kamen Sprüche wie "Wir sind ja nicht das Sozialamt der Welt!", den fand ich zwei Tage später auf einem Wahlplakat der NPD wieder. Als ich ihm dann sagte, dann müsse er wohl die AfD wählen, reagierte er entsetzt, das seien doch alles Nazis, warum er die wählen soll...🤔
      Um den Jahreswechsel rum erzählte er beim Mittagessen von Angela Merkel und ihrer Ausbildung in der DDR in Agitation und Propaganda und dass sie mal eine Deutschlandfahne weggeworfen habe, die ihr auf einer Bühne gereicht wurde. Heute kam er damit, dass Obama 2009 vor US Soldaten gesagt habe, dass Deutschland ein besetztes Land sei und es bleiben werde. Ob wir glauben würden, dass Deutschland ein souveräner Staat sei? Ich habe ihn direkt gefragt, ob er das in einem Video gesehen hätte, aber er bezieht sich auf irgendwelche "Quellen"... Ich habe das direkt gegoogelt, und es ist wohl nicht wahr. Es gibt einen Menschen, der behauptet, das im Fernsehen in den Nachrichten gesehen zu haben, und seither schreiben diverse Autoren einschlägiger Seiten voneinander ab. 😕

      Ich habe ein ungutes Gefühl bei der Sache, auch wenn er glaubhaft versichert hat, dass er Deutschland für souverän hält. Ich befürchte, dass er gerade in etwas hineingerät, das in Richtung rechts und Reichsbürger geht. Er glaubt eher den 8 Seiten im Internet, die sich an 5 Sekunden eines Interviews aufhängen und davon reden, dass man ja nur manipuliert wird (natürlich nur von den offiziellen Stellen), als den 80 Seiten, auf denen die Aussagen der anderen 8 Seiten hinterfragt werden und der Gesamtkontext dargestellt wird.

      Ich weiß nicht, wie ich da reagieren soll 😐 er ist ein ganz lieber Kollege, wir gehen jeden Mittag gemeinsam essen, er bringt mir ausgemusterte Bücher und Puzzles von seiner Tochter für meine mit, er ist wirklich sympathisch, und dann haut er zwischendurch immer wieder solche Dinger raus und ist überrascht, wenn ich darauf abweisend reagiere. Meine Argumente hört er an, verweist aber darauf, ich solle einfach mal googeln und mir doch die Videos anschauen, dann wüsste ich, was er meint. Wie geht man damit um? Was kann ich tun? Irgendwelche Ideen? Meine sind aus... 🤔

      • Sag ihm doch einfach das du dich über Politik nicht unterhalten möchtest.
        Politik-Gespräche "versauen" Freundschaften, und das möchtest du nicht.
        Das sollte eigentlich jeder verstehen.

        • Das hatten wir eigentlich damals nach der Diskussion vor der Wahl schon so besprochen. Es kommen ab und an trotzdem solche Aussagen, und ich kann die Hoffnung noch nicht aufgeben, ihn noch "rechtzeitig abzufangen"...

          • Er ist ein erwachsender Mensch, du ebenfalls.
            Warum mußt du ihn "rechtzeitig abfangen"?
            Das ist doch gar nicht deine Aufgabe.
            Geht gemeinsam zum Mittag, und erinnere ihn daran, dass Politik tabu ist.
            Du hast eine andere Meinung als er und die passen nicht zusammen.
            Du willst dich nicht streiten, bringt letztendlich eh nichts außer Verärgerung.

      (5) 03.04.18 - 21:54

      Du kannst nichts tun, als weiterhin deine Meinung zu vertreten und sachlich zu bleiben. Seine Meinung kannst du nicht ändern, im Gegenteil, es gibt den Backfire Effekt, der dazu führt, dass Gegenargumente sogar die eigene Meinung noch stärker verfestigen.

      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Backfire-Effekt

      Du kannst ihm einfach weiterhin nur sagen, dass du es ganz anders siehst.
      Ich habe leider auch ein bis zwei Bekannte, die in diese Szene gerutscht sind. Es ist wirklich sehr dramatisch, aber Argumenten sind sie nich zugänglich, da für sie alles Manipulation ist. Da kannst du nur verlieren, denn das ist ein Totschlagargument.

    Was sollst du tun?

    Er ist erwachsen und er darf selbstverständlich glauben was immer er möchte. Seine politische Überzeugung ist seine Sache. In welchen Quellen er sich informiert auch.

    Warum gehst du mit ihm ständig in eine Diskussion, wenn du mit seinen Überzeugungen so wenig anfangen kannst?

    Geht Mittag essen... redet über harmlose private Dinge, erfreu dich an seinen Mitbringseln.

    Einge Dinge, die er sagt stimmen übrigens. Beispielsweise die Sache mit der Merkel. Sie hat die Fahne allerdings nicht weggeworfen, sondern etwas rüde aus dem Bild geräumt. Wie man das findet, darf jeder für sich selber entscheiden.

    https://www.youtube.com/watch?v=uZEcT6OsJg4

    • Ja, das Video kenne ich. Sieht wirklich komisch aus, was sie da macht, aber alleine die Aufmachung des Videos macht mir schon Stressflecken. Das ist mir zu reißerisch. In einem Artikel zu der Geschichte heißt es übrigens:
      "Was Merkel ihm genau gesagt hat, will Tauber nicht kundtun, weil es sich um ein internes Gespräch gehandelt habe. Er sagt aber: "Wer Merkel ein bisschen kennt, weiß, wie das gemeint war: Sie ist stark von ihrer Erfahrung in der DDR geprägt. Dort wurde der Staat durch eine Partei vereinnahmt. Sie wollte an diesem Abend nicht, dass die CDU die Deutschlandfahne schwingt, um ihren Triumph zu feiern. Zwischen Staat und Partei muss man eine Grenze ziehen. Sie wollte nicht den Eindruck erwecken, die CDU reiße sich nun das Land unter den Nagel." Außerdem habe Merkel "einen gewissen Charakterzug": Sie sei - außer beim Fußball - nicht diejenige, "die aufspringt und euphorisch jubelt".

      Einer aus der CDU-Spitze, der damals mit Merkel und Gröhe auf der Bühne stand, glaubt allerdings, dass die Wahrheit profaner ist. Die CDU-Chefin habe sich vermutlich auch daran gestört, dass Gröhes Jubel ziemlich tapsig ausgesehen habe."
      Quelle:
      http://www.sueddeutsche.de/politik/politiker-videos-wenn-bilder-taeuschen-1.3293415

      Klar darf jeder seine eigene Meinung haben. Aber er bewegt sich für mein Gefühl in eine ungute Richtung. Ich kann da nicht einfach wegsehen. Wenn zu viele wegsehen, endet das meist nicht gut!

      Ja genau. Wie findet man das? Dass die Regierungschefin so gar nichts mit dem Pathos des Fähnchenschwenkens anfangen kann?

      @ TE: dein Bekannter klingt nach einer Mischung aus Reichsbürger und Verschwörungsjùnger, gefangen in einer Filterblase. Was man da machen kann? Reden, wenn man ihn erreicht. Genauso wie mit haltlosen Spinnern, die mit dem IS sympathisieren.

      • Tja, das ist ja mein Problem... Wie erreiche ich ihn? Rationale Argumente und nachprüfbare Fakten sind es wohl nicht, hat man manchmal das Gefühl 🙁

        • Das weiss ich nicht.

          Aber ich kenne diese Art der Gespräche zu gut. Die Mutter meines Sohnes und ein Bekannter sind auch in diese Welt aus Halbwahrheiten, Fake Meldungen, harmlosen und gefãhrlichen Verschwörungstheorien abgedriftet. Da wird von Umvolkung schwadroniert, gesteuert von höheren, geheimen Zirkeln, von der schleichenden Islamisierung, von Umweltgiften, die das "einfache Volk" dumm halten, von klandestinen Mächtigen aus CIA, NSA, Vatikan, den Banken und George Soros und und und. Eine trübe Brühe, in denen ein paar Brocken Wahres schwimmen umgeben von jeder Menge haarsträubendem Nonsens.

          Wahrheiten und Unwahrheiten durcheinander gewirbelt und am am Ende aller wirren Weisagungen werden Sarrazin, Elsässer, Broder oder ein anderer Unheilsverkünder mit angeblicher Deutungshoheit über die Zukunft des Landes als Kronzeuge mit einem zusammenhangslosen Zitat herbeigerafft.

          Beispiel: Da erzählt mir die Mutter meines Sohnes, dass eine Freundin von ihr, alleinerziehnd und ALG2- Empfängerin, aus ihrer Wohung musste und dort jetzt eine sechsköpfige Familie aus dem Irak lebt. Aufregung pur und genau das Futter für ihre "Umvolkungstheorien". Was ich später von meinem Sohn erfuhr, nach seinem Wochenende mit ihr, dass die Freundin wohl schon seit zwei Jahren aus ihrer 90qm- Wohnung sollte, weil zu groß und nicht mehr vom Amt bezahlbar, und sie letztinstanzlich verloren hat. Das dort nun eine Familie aus dem Irak, die 2016 aus dem Irak gekommen ist, lebt, hat nichts damit zu tun, dass die Freundin dort raus musste. Der Zusammenhang ist frei erfunden. So wird durch gezieltes Weglassen eine Geschichte ideologisch umgedeutet. Parteien wie die AfD sowie Organsiationen wie die identitäre Bewegung und dutzende von Blogs machen das professionell und tagtäglich. Die ideologisch angenehmere Lüge oder Halbwahrheit wird von deren Publikum gierig gefressen, die Wahrheit oder die gesamte Geschichte wird ignoriert. So wie alle Leitmedien als von der Regierung gesteuerte Propgandapresse per se als unwahr angeshen werden.

          Natürlich ist sie mir nicht egal, trotz aller Absurditäten und abstrusen Theorien. Immerhin ist sie die Mutter meines Sohnes. Sie war oder ist noch, eine sehr engagierte Umweltschützerin und ideologisch den Grünen nahe. Heute erzählt mir mein Sohn schmunzelnd, dass ihr derzeit wohl AfD und NPD nicht mehr rechts genug sind. Autsch. Das ist schon bitter, dabei ist sie durchaus intelligent, hat einen erstklassigen Hochschulabschluss. Aber dennoch ist sie insbesondere beim Thema Ausländer, Flüchtlinge, Islam bei Positionen, für die mir nur Begriffe wie "komplett abwegig" einfallen. Wenn sie wieder mal über die Burka als Fanal fùr die Islamisierung schwadroniert, dann muss ich manchmal auch einfach lachen.

          Ich kann manches sogar verstehen oder nachvollziehen.....südländisch aussehende Menschen, die sich daneben benehmen oder verbal übergriffig sind. Im Stadtbild ihrer Heimatststadt immer mehr ausländisch aussehnde Menschen, dazu ihr Hang alles pessimistisch zu sehen......Auch gegen zahlreiche Verfehlungen handelnder Politiker und Fehler in der Politik generell, kann ich nichts sagen. Was aber dann an Rückschlùssen gezogen wird, plus haltlosen Dazudichtungen ist einfach nur obskur.

          Fatal daran, dass sich diese Menschen auch noch als Teil einer Wissenselite fühlen, während die Mehrheit der Bevölkerung aus deren Sicht blind wie die Lemminge in ihr Unglück rennt, und die "Diktatorin" Merkel ihren "verbrecherischen Verrat" am deutschen Volk mit Hilfe von den o.g. Mãchten vollziehen kann.

          Sie konsumiert "Junge Freiheit", "epochtimes" und "journalistenwatch", und kaum noch andere Publikationen. Wenn, dann die taz, was mir wieder ein wenig Hoffnung gibt.

          So viele Verschwurbelungen, so wenig Zeit.....aber ich unterhalte mich trotzdem weiter mit ihr. Mein Sohn hat es aufgegeben, wie er sagt. Dann heisst es nur, Mama dreht mal wieder am Rad......:-)

          • "Sie konsumiert "Junge Freiheit", "epochtimes" und "journalistenwatch", und kaum noch andere Publikationen. Wenn, dann die taz, was mir wieder ein wenig Hoffnung gibt."

            Ob das dir wirklich Anlass zur Hoffnung geben sollte, ist fraglich. Ich lese auch gerne mal taz, um zu vergleichen und um mich über eine völlig entgegengesetzte Perspektive zu informieren. Nicht, weil ich inhaltlich so sehr damit konform gehe:-) Vielleicht regt sie sich nur besonders gerne darüber auf.;-)

            Ansonsten gehst du ähnlich undifferenziert ran wie diejenigen, die sich angeblich als Teil einer Wissenselite sehen.

            Es besteht doch ein riesiger Unterschied zwischen dem Abdriften in Verschwörungstheorien sowie dem Konsumieren von äußerst fragwürdigen Blogs und dem Konsumieren von seriösen Medien und Blogartikeln, die deiner politischen Haltung entgegenstehen.

            Du wirfst das alles in einen Topf verleihst dadurch deiner gesamten Argumentation den Anstrich des Unseriösen.

            "Positionen, für die mir nur Begriffe wie "komplett abwegig" einfallen"

            Das geht ihr mit den Deinen vielleicht genauso.

            • (13) 05.04.18 - 18:40

              „Ansonsten gehst du ähnlich undifferenziert ran wie diejenigen, die sich angeblich als Teil einer Wissenselite sehen.

              Es besteht doch ein riesiger Unterschied zwischen dem Abdriften in Verschwörungstheorien sowie dem Konsumieren von äußerst fragwürdigen Blogs und dem Konsumieren von seriösen Medien und Blogartikeln, die deiner politischen Haltung entgegenstehen.“

              Ich habe den Text von ubuntu ein paarmal gelesen, aber ich finde keine Stelle, wo diese Dinge undifferenziert in einen Topf geworfen werden.

              Sicherlich gibt es da einen Unterschied.

              Aber es geht doch darum, DASS seine Ex fragwürdige Blogs liest und Verschwörungstheorien pflegt (Soros, geheime Eliten, Umweltgifte zur Volksverdummung etc).
              Dass sie dann AUCH nur noch rechte Medien (wie seriös diese sind, darf jeder selbst entscheiden) konsumiert, kommt doch noch zu einem einseitigen Weltbild hinzu. —> Blase und Spirale.

              Er hat m. E. nicht gesagt Junge Freiheit == Verschwörungstheorie, sondern Verschwörungstheorien + fragwürdige Blogs + Rechte Medien = verschwurbeltes Weltbild.

              • "kommt doch noch zu einem einseitigen Weltbild hinzu. —> Blase und Spirale."

                Natürlich. Sich ein Thema zu vergraben und die Medien einer einzigen Ausrichtung zu lesen, führt mit Sicherheit dazu.

                Seine Standardbeispiele für Verschwörungstheorien aber, die er eingangs anführt, kann ich jetzt aus dem Geschriebenen nicht so eindeutig der Ex zuordnen.

                Ich habe da eher den Eindruck, dass er eine schöne Assoziationskette bilden will zwischen den Verschwörungstheoretikern und bestimmten politischen Positionen sowie ihrer öffentlichen Meinungsvertreter, um diese zu diskreditieren.

                Ob Broder et al. pauschal als Unheilsverkünder zu bezeichnen, für einen differenzierten Umgang mit Medien spricht, wage ich mal zu bezweifeln.

                Wenn man sich über andere auslässt, die undifferenziert Medien konsumieren, sollte man diese Maßstäbe doch auch an sich selbst anlegen.

                In diesem Zusammenhang fand ich es ganz drollig (seine Ironie mal außen vor gelassen), dass der Konsum der Jungen Freiheit den geistigen Abstieg markieren soll, während das Lesen der taz wohl wieder Aufschwung verspricht.

                Was propagandistisches Treiben und Framing angeht, tun sich beide aber nicht viel.

                Die Junge Freiheit eher durch die Themenauswahl, die taz noch mehr durch den Sprachduktus an sich, meiner Meinung nach.

                • (15) 06.04.18 - 09:25

                  Ich sag's mal so: Ich habe dazu keine Zahlen, aber ich habe die Wahrnehmung, dass Verschwörungstheoretiker beispielsweise unter Trumpanhängern deutlich häufiger zu finden sind als unter Demokraten. ;-)
                  Meines Erachtens sind Verschwörungstheoretiker sehr misstrauisch gegenüber von Fortschritt, Globalisierung, Digitalisierung etc., also konservativ und wertebewahrend und irgendwie rückwärts gewandt.
                  Und diese Themen finde ich z. B. bei der AfD (aber nicht nur) wieder.

                  In Deutschland würde ich sagen, dass Verschwörungstheoretiker wohl größtenteils nicht in die politische Mitte fallen, sondern meist am rechten und linken Rand zu finden sind. Viele sind sicherlich einfach Nichtwähler und eigentlich unpolitisch, aber ihre Ansichten sind nichtsdestotrotz eher extrem. Ich denke, das liegt einfach in der Natur der Sache, da eben Verschwöungstheorien auch extrem sind.

                  Und meines Erachtens liegen Populismus und Verschwörungstheorien oft recht nah beisammen, da dort komplexe Zusammenhänge über ein vereinfachtes Erklärmuster (wir sind die Guten, wir sind die Opfer - "die" sind die Bösen) dargestellt werden.
                  Also: Populismus braucht natürlich nicht zwangsläufig Verschwörungstheorien, aber Verschwörungstheorien sind populistisch.

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