Merkel bei Will

Nachdem unsere Bundeskanzlerin nun erneut eine "Ein-Frau-Show" bei Anne Will abziehen durfte würde mich interessieren, welche neuen Erkenntnisse ihr aus dem Auftritt gezogen habt. Und ob die gute Anne Will nach eurer Meinung ihren Job gut und richtig gemacht hat.

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Der Auftritt von Merkel hat mir gut gefallen. Sie hat die Show gut genutzt, die sie "abziehen" durfte. Sie hat Klartext gesprochen ohne dabei in persönliche Angriffe zu verfallen oder dieses übertriebene Machogehabe mit typischer männlicher Kläfferei wie wir es derzeit leider viel zu viel von Typen wie z.B. Trump, Putin, Erdogan, Orban oder der neuen rechtspopulistischen Regierung in Italien erleben.

In allem, was sie sagt, hat sie Recht. Ihre Entscheidung, Flüchtlinge aufzunehmen, was richtig, auch wenn eine absolute Minderheit an Kriminellen derzeit die Diskussionskultur regiert und nicht die Mehrheit, der Menschen, die absolut friedlich und geordnet, trotzt schwierigster Lebensumstände, sich in unserem Land einfinden.

Gegen Trump und dessen Kapriolen kann sie alleine nicht viel machen. Aber das Foto des Tages sagt alles: Wie eine Mutter, die ihrem missratenen Sohn die Leviten liest, der aber weiterhin trotzig allein gegen alle spielen will.

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Klartext? Echt jetzt? Klartext hat man in ihren Antworten doch wohl vergeblich gesucht. Außer, daß sie endlich mal (zumindest teilweise) die Verantwortung für das Chaos übernommen hat, das sie mit ihrer Politik angerichtet hat. Damit war es das aber auch schon wieder. Was folgt den eingentlich daraus, wenn man politisch verantwortlich ist? Früher haben Politiker die Konsequenzen aus persönlicher Verantwortung gezogen und sind zurückgetreten. Aber früher hatten wir ja auch noch einen Kaiser...und später zumindest noch Politiker von Format.

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Also ich habe sie klar verstanden und fand ihre Einlassungen nur logisch. Chaotisch finde ich ihre Politik im Großen und Ganzen überhaupt nicht. Im Gegenteil zu Trump z.B, der alles kaputttwittert. Ich finde ihren Politikstil als wohltuend unter all den neuen Spinnern und Autokraten.

Ja ja, früher war alles besser. Die Politiker hatten noch Format (Barschel, Barzel, Kohl, Streibl, Schröder, Engholm, Lambsdorff, Strauss etc. -- alles Topformate #rofl ) und das Wetter war auch besser.#augen

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Welche Erkenntnis hast Du denn daraus gezogen?

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Gar keine. Merkel wird weitermachen wie bisher. Immer schön vage und um den heißen Brei herum. So, wie man das von ihr halt gewohnt ist. Neu war nur, daß sie inzwischen wohl so etwas wie politische Verantwortung für das Chaos z.B. beim BAMF haben will. Den Schritt, der sich logischerweise daraus ergeben würde - Rücktritt - wird es natürlich nicht geben. Bei ihr hängen Verantwortung tragen und Konsequenzen daraus ziehen nämlich in keiner Weise zusammen.

Eine weitere Erkenntnis war, daß Will ist nichts anderes als eine willfährige Handlangerin der Kanzlerin ist - was ich aber von einer Angestellten des Staatsfernsehens auch nicht anders erwarte. Ein Journalist, der wirklich seinen Beruf beherrscht und der vor allem politisch unabhängig arbeitet, der hätte Frau Merkel nämlich direkt auf die zu erwartenden Konsequenzen ihrer "politischen Verantwortung" hin angesprochen.

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Warum hab ich jetzt nichts anderes erwartet #kratz

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Auch wenn ich keine CDU-Wählerin bin und war (meine Partei sind die Grünen), Frau Merkel gefällt mir mit ihrem insgesamt unaufgeregten Politikstil sehr gut. Auch in diesem Interview mit Anne Will gefiel mir ihre ruhige Art.

Inhaltlich hat sie allerdings in ihrer Regierungszeit viel liegen gelassen, vor allem die Bekämpfung von Wohnungsnot in Städten oder der Verarmung von Teilen der Bevölkerung. Auch das Verhalten der Regierung in der Dieselaffäre ist beschämend. Den Atomaustieg, die Ehe für alle haben mir dagegen gut gefallen, es sind ja schon immer Forderungen der Grünen gewesen. Ihre Bereitschaft, 2015 vielen Menschen zu helfen, hat mir sehr imponiert. Allerdings hat die Regierung dann versäumt, auch wirklich die Mittel bereitzustellen um die Aufgabe zu bewältigen. Es wirkte vieles nicht sehr strukturiert. Trotzdem halte ich grundsätzlich die Bereitschaft und das aktive Helfen für eine essentielle Aufgabe für eine so hochentwickelte Zivilgesellschaft.

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Guten Morgen!

Ich kann nahezu alles unterschreiben was du sagst. Allerdings würde ich mir wesentlich mehr "Klartext" in der Politik wünschen (was ja eine ruhige Art nicht unbedingt ausschließen muß). Das betrifft allerdings natürlich nicht nur Merkel.Die große Mehrheit der aktuellen Politiker drückt sich um klare Aussagen herum um blos nicht auf irgend etwas wie eine eigene Meinung festgenagelt zu werden. Eine löbliche Ausnahme davon sind die Grünen. Auch, wenn ich die niemals gewählt habe und auch nie wählen werde reden die nicht um den heißen Brei herum sondern stehen ihren Überzeugungen und zu dem was sie sagen. Ich muß das nicht teilen und auch nicht gutheißen - aber soetwas kann ich zumindest respektieren.

Allerdings komme ich zu einer anderen Bewertung von Merkel als BK. Sie hat für mich viel zu viel Schaden angerichtet und wichtige Weichenstellungen verpasst als daß sie mir noch gefallen könnte. Beispiel: Der Atomausstieg. Der ist gut, richtig und war überfällig. Allerdings muß man bedenken, daß sie doch eigentlich einen Ausstieg vom Ausstieg wollte und die Laufzeiten der KKW erst verlängert hat. Nur durch Fukushima wurde sie sozusagen gezwungen sich wieder pro Ausstieg zu positionieren - wenn sie nicht am Ende ihrer Kanzlerschaft angekommen sein wollte. Die enormen Kosten die sie damit (und durch vollkommen desolate Energiewende) verursacht hat, sind ihr persönlich anzulasten.

Bei allem anderen bin ich komplett bei dir. Insbesondere die Wohnungsnot und die Tatsache, daß immer größere Teile der Bevölkerung verarmen sind einfach nur beschämend für eine Kanzlerin, die dieses Land seit 13 Jahren regiert und immerhin aus der Partei kommt, die die soziale Marktwirtschaft erfunden hat. Inzwischen haben wir hier blanken Kapitalismus - und den will außer den oberen 10.000 wohl niemand in diesem Land.