Ständige Nachtpausen

    • (1) 07.06.17 - 22:44

      Liebe Nicola,

      unser Sohn ist vor kurzem 2 Jahre alt geworden. Er wacht Nachts sehr leicht und häufig (über 5, 6 mal) auf und will immer sofort an die Brust und dann nuckeln und nicht mehr loslassen. Er war von Anfang an anspruchsvoll und wollte immer getragen werden - wir konnten ihn tatsächlich nur selten ablegen. Weiterhin ist er sehr temperamentvoll, was er uns auch gezeigt hat, wenn wir ihn z.B. ablegen wollten. Wir haben ihn so artgerecht wie möglicht erzogen: Stillkind, keine Flasche, kein Schnuller. Er schläft bei uns im Familienbett und ist die meiste Zeit windelfrei.

      Wir möchten gerne wissen, wie wir seinen Schlaf verbessern können, so dass wir alle etwas gut schlafen können. Wie wir ihn außer mit Tragen und Stillen zum Schlafen bringen können und wie ich zumindest Nachts abstillen kann.

      Seine Schlafzeit hat er selber uns gezeigt. Nachts von 7 Uhr bis morgens um 6 Uhr und Vormittags schläft er gegen um 11 Uhr ein bis zwei Stunden.

      Er hat eine sehr gute Beziehung mit seinem Papa, aber Nachts will er nur an die Brust: NEIN Papa NEIN! Er ist bis auf im Auto und Kinderwagen noch nie selber eingeschlafen. Generell sitzt er keine Sekunde und bleibt schon gar nicht Liegen.

      Wir stillen zur Zeit hauptsächlich zum Einschlafen, Nachts und manchmal zum Trösten. Sonst trinkt er tagsrüber sehr selten.

      Wir haben schon einige Sachen probiert:
      - Abends essen: Er ist generell Wenigesser! Auch wenn er mal mehr isst, schläft er nicht besser
      - Frische Luft: Wir sind wirklich vieeel draußen und er bewegt sich sehr viel
      - Abhalten Nachts: Er möchte Nachts auf keinen Fall aus dem Bett oder abgehalten werden, danach ist er meist auch sehr wach
      - Massieren, Singen, Vorlesen klappt kaum, da er nicht lange liegen bleibt

      Liebe Grüße und danke für deine Zeit!

      • Liebe Regenwald21,

        was für ein glückliches, kleines AP-Baby du da hast! Und du hast: Ein "High-Need-Baby". Das sind Kinder mit sehr starken Bedürfnisse, die sich schlecht ablegen lassen, keine Mutter-Attrappen akzeptieren, leicht irritiertbar sind, nur schwer nachvollziehbare Rhythmen entwickeln, spät und wenig essen. Aber auch Kinder, die sehr willensstark sind, überlebensfähig, klug und aufmerksam!

        Bei diesen Kindern ist das Schlafbrücken-Problem der Klassiker. Sie wollen die Brust, sie brauchen die Brust für jede Schlafepisode und zwar NUR die Brust. Wenn es sie nicht gibt, dann kämpfen sie mit all ihrer Energie - und das ist in der Regel viel! - darum.

        Was kannst du tun?

        Erstmal: Dein Kind will dich nicht ärgern. High-Need-Babys sind so. Aber du brauchst Schlaf. Also braucht ihr eine neue Schlafbrücke.

        Es gilt auch hier wieder: Tag stellt Nacht ein. Erkläre ihm tagsüber, denn er versteht das bereits, dass du nachts schlafen musst. Dass Papa für ihn da sein wird. Finde ein Zeitfenster, in dem du schlafen willst. Abends bist morgens um 6? 12-4? Was ist das, was du brauchst? Erkläre ihm das Kindgerecht: "Die Brust geht muss jetzt nachts auch schlafen. Du bekommst sie wieder, wenn die Sonne aufgeht" - oder was auch immer für euch passt. Erkläre ihm das ein-zwei Tage vorher immer wieder, dass das jetzt bald so sein wird. Und dann lege die Nacht fest - am besten am Wochenende, wenn ihr morgens nicht raus müsst, in der ihr anfangt.

        In der Nacht geht das dann so: Wenn er die Brust will, sagt ihm, dass sie schlafen muss, bietet Alternativen (die dürfen in den ersten Nächten ruhig superlecker sein, was er gerne isst oder trinkt). Er wird, so klingt dein Kind, wahrscheinlich stark protestieren. Das ist okay. Er darf wütend sein. Begleitet ihn in seiner Wut und seinem Schmerz. Das kannst du machen, aber auch Papa - das ist oft einfacher, weil der keine Brust hat. Manchmal ist es sogar einfacher, wenn das Kind schlicht bei Papa schläft.

        Seid da, seid präsent, bleibt liebevoll. Bleibt ruhig, atmet tief. Es ist ein erster Schritt für das Kind zu lernen, dass es auch Konflikte gibt, dass die Welt aber hinterher noch da ist. Und man sich hinterher genauso lieb hat wie vorher.

        Er wird wahrscheinlich sehr stark protestieren. Wenn es einer nicht mehr aushält - dann gebt ruhig auch noch mal die Brust. Es ist kein Machtkampf. Soll es auch nicht sein. Aber es muss klar sein: Mama kann nicht mehr. Wir müssen einen anderen Weg finden. Übt das immer wieder.

        Oft klappt das bei diesen Kindern, wenn Mama schlicht nicht da ist. Mama schläft woanders. Papa ist da. Dann müssen sie Wege finden und die finden sie dann auch.

        Aber man muss auch sagen, dass es bei diesen Kindern keinen Zauberhebel gibt. Sie werden protestieren. Oder ihr wartet, bis er mit ca 3 Jahren von selbst aufhört...

        Herzlich,
        Nicola

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