Schulverweis

Wieder einmal dreht sich alles und ich bin ziemlich ratlos.

Mein Sohn ist seit Freitag vom Schulunterreicht suspendiert. Warum? Er hat der Schulleitung nicht Folge geleistet und ist statt mit in das Büro der Schulleitung zu gehen, den Heimweg angetreten.

Er ist in der 8 Klasse einer Hauptschule. Da kann ja nur ein furchtbares Elternhaus dahinter stehen. Familie Flodder fällt mir da ein. So ist es aber nicht.

Ich bin seit 9 Jahre verwitwet und mein Sohn hat für die Schule die besten Voraussetzungen bekommen. ADHS und Legastheni. 1/2 Jahr bevor er zur Schule kam, verunglückt sein Vater tödlich, der die Bezugsperson in seinem Leben war.

Mein Verhältnis zu ihm ist wirklich gut, aber wenn es um das Thema Schule geht, dann funktioniert es nicht.

Der Schulweg war bisher ein katastrophaler. Nach der Einschulung wurde mir von seiner Klassenleitung bereits mitgeteilt, dass er ja noch nicht einmal seinen Namen lesen könne - nein konnte er auch noch nicht. Er hat lieber gespielt, im Wald Buden gebaut, im Garten ein Buddelecke angelegt. Fernsehen war ihm immer zu langweilig,

Zeit vor dem Fernseher war eher ein Bestrafung, als eine Belohnung.

Die Zusammenarbeit mit der Klassenleitung war unmöglich, alle Versuche meinerseits wurden abgeblockt "das Hausaufgabenheft kontrollieren, nur wenn das Kind zu mir kommt und es vorlegt - ich achte da nicht darauf". Letztendlich wurde eine Förderschulpädagogin hinzugezogen, die mich dann fragte, warum es so schwierig für mich wäre? Sie hätte schließlich das gleiche Schicksal wie ich (das war ein 3/4 Jahr nach dem Tod des Vaters), sie wäre auch geschieden ?!?!?" Psychologisch besonders wertvoll.

Also suchte ich eine neue Schule und fand sie auch. Mit Engelszungen redete ich auf den Rektor ein, doch bitte mein Kind aufzunehmen - eine Montessori-Schule. 9 Klasse auf einem Gebäude, ländlich, mit eigenem Garten und Schafen.

Mein Kind wurde zum nächsten Schuljahr in der 2. Klasse aufgenommen. Kurz darauf Elternabend "die Schule wird geschlossen".

Es folgte ein Wechsel des kompletten Grundschulbereichs auf eine Förderschule, mit unserem Lehrer. Wir waren dort ein Insel in der Schule. Natürlich bekam mein Sohn mit, auf welche Schule er dort geht und das hat sicher Spuren hinterlassen.

Nachdem er dort Klasse 4 beendet hatte, stand ein Wechsel an, der mir sehr viel Bauchschmerzen gemacht hat. Der Lehrer und ich - immer im engen Kontakt - entschieden, dass Jonathan die 5. Klasse unbedingt unter seiner Obhut braucht und dann einen guten Start für einen Übergang auf eine Regelschule - dort die 5. Klasse wiederholend - hat.

Meine Sorge, ist er intelektuell überhaupt in der Lage eine Regelschule zu besuchen. Mitlerweile weiß ich "ja" er kann es, aber sein Sozialverhalten ist es nicht.

Er hat einen übertriebenen Gerechtigkeitssinn und fühlt sich immer ungerecht behandelt. Klasse 6 und 7 hatte er bereits ein Klassenkonferenz mit Ausschluss.

Jetzt droht die Kündigung des Schulvertrages seitens der Schule.

Wo kann ich denn jetzt Hilfe bekommen? Es ist so sehr schwierig alles alleine zu entscheiden. Oft bin ich noch wütend, wenn ich daran denken, dass wir schuldlos in diese Situation geraten sind, es einen Unfallverursacher gibt, der den Unfallort verlassen hat ohne sich darum zu kümmern, was er uns angetan hat.

Vielleicht hat einer der hier Lesenden ähnliches erlebt und kann mir konstruktiv helfen, neue Wege zu sehen.

Ich bin sehr gespannt.

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Hi!
Also, erstmal vorneweg, "nur" weil dein Sohn auf die Hauptschule geht und "einfach so" heimgegangen ist, muss doch kein "fürchterliches Elternhaus" dahinterstecken. Also, soooo mega ungewöhnlich find ich das Verhalten nicht. Gut, ok, es ist nicht die Norm, aber welches Kind passt schon in eine Norm? Ich selber bin übrigens Lehrerin, mittlerweile im ländlichen Paradies ;-), aber davor war ich auf ner "Brennpunktschule" ;-), naja, auf ner bayerischen, also nicht ganz so schlimm, wie mans liest und sieht, aber doch nicht ganz ohne. Abgehauen sind da hin und wieder mal welche, von der Schule wurden sie deshalb nicht gleich geworfen.

So, du möchtest wissen, wo du Hilfe erhalten kannst und wie? Ich weiß nicht, wo du her bist. In München würd ich dir die Heckscher Klinik empfehlen, das ist eine - nicht erschrecken - Kinder- und Jugendpsychiatrie (die aber auch ambulant arbeiten!) und wirklich sehr gute Arbeit leisten. Auch die SPZ (Sozialpädiatrisches Zentrum) sind wirklich, wirklich gut. Ansonsten gibts auch Familienberatungsstellen, Staatliche Schulberatungsstellen, ... Was dein Sohn braucht, ist eine sehr persönliche Betreuung, um das letzte Pflichtschuljahr irgendwie überstehen zu können ohne dabei abzurutschen. Wenn er dann nächstes Jahr eine Lehre beginnen kann, wirst du wahrscheinlich ein zufriedenes Kind haben - vorausgesetzt der ganze Hickhack hat ihm nicht jegliche Motivation genommen.

Hab Mut, such dir Hilfe oder schreib mir nochmal, wo du wohnst, dann kann ich dir vielleicht behilflich sein. Und hör auf, dich zu schämen. Es gibt viel mehr solche Kinder als du dir jemals denken wirst - meist aus "den besten Familien". Und alle, die beruflich mit Kindern zu tun haben und nicht jeden Menschenverstand verloren haben, werden relativ wenig geschockt sein über dein Kind! Es gibt nur ganz wenig Eltern, die ihr Kind "trotzdem" so liebevoll begleiten und sich so viele Gedanken machen, wie du es offenbar tust. Die zuständigen Stellen werden dir die Füße küssen ;-). Die meisten Eltern stoßen ihre "lieben Kleinen" irgendwann ab. Traurig, aber wahr.

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Hallo,

hab eben deinen Beitrag gelesen!
Ich habe Mut gefasst und möchte dir auch mein Problem kurz schildern!
Hatte es vor paar Tagen im Forum eingestellt:

http://www.urbia.de/forum/6-kids-schule/4027763-brauche-dringend-rat-mein-17-jaehriger-sohn-schwaenzt-schulstunden/25214438

Was denkst du?
Wie verhalte ich mich richtig! Was würdest du mir empfehlen?

Über eine Antwort würde ich mich wirklich sehr freuen!
Habe einfach Angst um die Zunkunft meines Sohnes.

Bin auch alleinerziehend und mach mir grad tierisch mega Sorgen...#zitter

Gitta mit Louis

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Hi! Na, da bist du aber in einen Strudel völlig überzogener Reaktionen gekommen, oder? Ich weiß gar nicht, es gibt halt auch so viele "Holterdiplolter-Lehrer", die meinen, nur mal gescheit "draufhauen" bzw. an diverse Beratungsstellen schicken und dann "spuren die Fratzen" schon wieder. Einen Oberstufenschüler, der Kunst schwänzt, zu einer Schulberatung zu schicken klingt mir so wie San Marino zur "Achse des Bösen" zu zählen.

Hat sich irgendjemand eigentlich mal mit deinem Sohn über die Qualität des Kunstunterrichts bzw. des Kunstlehrers unterhalten? Wahrscheinlich ist dieser ein kompletter Ausfall entweder weil er sich nicht durchsetzen kann und ihn die Schüler nicht ernst nehmen oder aber weil er Schüler bloßstellt. Weil wieso sollte man sonst ausgerechnet Kunst schwänzen? Naja, außerdem sieht dein Sohn, dass er mit dieser Masche alle "lustig" in Aufruhr bringt. Mama macht sich ernsthaft Sorgen, in der Schule rotieren sie, ich bin wirklich wichtig! Wahrscheinlich ist er sonst eher ein braver und findet es auch mal irgendwie gut, dass sich alle kümmern.

Das Problem ist halt - zumindest in Bayern - dass 0 Punkte in Kunst auch zu einer "Nichtbelegung" und dementsprechend zu einer Nichtzulassung zum Abi führen. Scheiße! Und genau hier würd ich ansetzen. Ich würd mein Kind fragen, warum er nicht hingeht, ob der Lehrer ein Depp ist (ja, es gibt Lehrer, die Deppen sind ;-)) oder obs sonst irgendwie blöd ist dort. Dann würd ich ihm sagen, dass ich das wirklich absolut verstehen kann, weil ich selber auch keinen Bock auf Kunst, Sport und diesen Käse hatte, zumal kurz vor dem Abi. Aber, und jetzt kommts, dass man sich halt auch durch sowas (s.o.) das Abi komplett vermasseln kann und du dafür Null komma Null Verständnis hast. Und dass man im Leben halt auch mal Dinge machen muss, auf die man keinen Bock hat. Da braucht man auch keine Beratung, keine Schulpsychologin und sonst auch nichts. Das muss halt einfach sein. Je weniger Trara umso besser, mein ich.

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Hast du dich schon mit der Schulleitung unterhalten?

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warum sollte er den zu der schulleitung?
das wäre schon wichtig zu wissen um was es geht!
mein sohn sollte eine "strafarbeit"schreiben, weil er in der 6. stunde auf Toilette musste!
Er hat dies von uns aus nicht geschrieben, weil sich die schule nicht an reguläre Pausenzeiten hält.(zwischen der 5 und der 6. stunde ist keine Pause und noch ein Raumwechsel-da war keine zeit um noch seine notdurft zu verrichten)
es folgten zwei /drei briefe unserer seite und der fall verlief im sande

lg dany

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Hallo,

ich habe zwar nicht ähnliches erlebt wie Du, aber mein Sohn hat auch "Probleme" in der Schule.
"... und mein Sohn hat für die Schule die besten Voraussetzungen bekommen. ADHS und Legastheni." - ich denke mal, deswegen seit ihr bestimmt schon in Behandlung oder Therapie oder ähnliches!? Falls nein, dann kümmer Dich bitte darum.

Ich kann Dir dieses Forum hier empfehlen: www.bke-beratung.de (Elternberatung). Da kann man sich seine Sorgen von der Seele schreiben und man erhält wirklich sehr hilfreiche Antworten.

Des Weiteren habe ich noch zwei Anlaufstellen bzgl. der Schule:
www.flex-fernschule.de/49219.html
www.zweitechance.eu

Viell. wäre es auch möglich einen Schulpsychologen zur Rate zu ziehen (muss mit der Schule abgeklärt werden!).

Eins möchte ich Dir noch mit auf den Weg geben: Die Schule ist NICHT alles im Leben - verliere nie den Kontakt zu Deinem Sohn!

Alles Gute,
Lorino

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Hallo,

zwischen uns gibt es doch einige Gemeinsamkeiten. Ich bin ebenfalls 43, bin seit 5 Jahren verwitwet und mein Mann starb ebenfalls 1/2 Jahr, bevor meine Tochter in die Schule kam. Leider hat meine Tochter zum einen einige Defizite (motorisch hypoton), zum anderen ist sie, immer noch, traumatisiert. Sie war dabei, als ihr Vater starb (plötzlicher Herztod).

Alice hatte auch einen denkbar schlechten Start in der Schule, wurde in der Grundschule viel gehänselt, fühlt sich ständig ungerecht behandelt und wird dann wütend (und hat Wuttränen dann oft mit Trauer gerechtfertigt, was einem halt irgendwann niemand mehr abnimmt).

Kurz und gut, es war eine sehr schwierige Grundschulzeit, auch noch mit jährlichem Klassenlehrerwechsel, und ich war damals im Rückblick emotional auch nicht in der Lage, ihr den nötigen Halt zu geben.

Was ich eigentlich sagen wollte: Alice ist jetzt in der 6. Klasse einer Gesamtschule. Nach dem Schulwechsel, den ich eigentlich als Chance gesehen hatte, ging es gerade so weiter. Ich habe dann auf sanften Druck ihrer Klassenlehrerin Kontakt mit der Kinder- und Jugendpsychatrie aufgenommen und dort sind wir seit eineinhalb Jahren regelmäßig zum Gespräch. Das hilft wirklich. Alice hat nochmal Ergotherapie verschrieben bekommen und macht in vielen Bereichen große Fortschritte, was ihr auch zu einem besseren Selbstbewusstsein verhilft.

Such dir bitte professionelle Hilfe. Ich habe lange gebraucht, um mir darüber klarzuwerden, dass ich nicht alles alleine machen kann und dies aber auch nicht muss. Ein Außenstehender kann auch oft viel besser urteilen als man selbst.

LG

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Hey, bin wieder da und und hab nach meiner Mittagspause noch mal den Beitrag + Antworten gelesen.

Ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber dem Text entnehme ich, dass du mit dem Tod deines Mannes auch noch 9 Jahren noch nicht annähernd zurecht kommst?! Dann konntest du ja auch deinem Sohn nicht sehr gut bei seiner Trauer helfen. War er denn bei nem Psychologen zur Trauerverarbeitung oder hatte eine Bezugsperson (außer dir) wo er darüber reden konnte?
Hat er Hilfe bei Legasthenie und ADHS? Oder hast du das so laufen lassen und -sorry,dass ich das so offen frage- die Probleme in der Schule auf den Verlust des Vaters geschoben?

MAn hört es nicht gern als Mutter,aber mit den Informationen, die du hier geschrieben hast, wirkt es als hättest du deinem Sohn nicht sehr viel Fachmännische Hife angedeihen lassen außer ne entsprechende Schule.

Das "Angegriffen- Fühlen" kann man mit z.B. Verhaltens- und/oder Familientherapie auffangen, müssen früh anfangen. Die Defizite sofort nach Diagnose behandelt werden sollen.

Übrigens kann ein Kind auch mit Schwächen umgehen lernen, wenn es von den Eltern (hier dir) vermittelt wird, dass es deswegen NICHT dumm/doof ist. Bei meiner Tochter (11) hat es keine tiefen Spuren hinterlassen, dass sie durch ne Hör-Wahrnehmungsschwäche große Schwierigkeiten mit Deutsch hat und bei längeren Texten/Hausaufgaben nach ner Zeit unaufmerksam wird. Das weiß sie akzeptiert sie und sie merkt selber schon (seit 3. Kl.), dass sie ein paar Übungen von Ergotherapie zuhause machen sollte. Sie kennt ihre Schwäche, weiß damit umzugehen, ist sonst nen clever Mädchen. Sie ist hat so und akzeptiert sich so wie sie ist; Ärgert sich manchmal drüber, aber es beeinflußt sie in ihrem Selbstwertgefühl nicht.

Und du wirkst als würdest du seine ganzen - auch sozialen- Auffälligkeiten nur auf den Verlust des Vaters schiebst. Du schreibst, auch in Kl. 6 und 7 sei er schon suspendiert. Mensch, da erreichst du wohl deinen Sohn nicht mit reden darüber. Ist denn in der Förderschule nichts unternommen worden, ihm da zu helfen. Na, jetzt müßte was getan werden und ehrlich gesagt, sollte dein Sohn mit 14 ja wohl langsam einsichtig werden.
Da hätte dem Jungen früher mal vermittelt werden sollen (auch von dir), dass das Leben nicht nur schön ist und huptsächlich macht, was einem Spaß macht. Ja das auch, aber du hättest ihm auch beibringen müssen, dass Lernen dazugehört, dass auch ein Grundschüler schon Rechte und aber auch Pflichten hat.

Wenn nicht schon ist, würde ich dir echt enpfehlen dir für deinen SOhn auch außerschulisch Hilfe in Form von Therapien o. ä. zu suchen, damit er selbstbewußter wird z.B. und die Legasthenie behandelt wird. Obwohl es sicher schwer werden könnte, einem Teenager nahe zu bringen, dass er Hilfe braucht, d.h. er will das sicher nicht.