Wie sollte man bei Mobbing vorgehen?

    • (1) 23.09.17 - 14:23

      Guten Tag alle zusammen,

      ich habe heute eine eher unangenehme Frage. Der Sohn meiner besten Freundin wird in letzter Zeit in der Schule viel gemobbt und erste Gespräche mit der Lehrerin haben keine Wirkung gehabt. Die Lehrerin meint sie ist auch relativ neu, hat also noch nicht viel Erfahrung, vielleicht liegt es ja daran. Aber Fakt ist, dass sie mit der Situation überfordert zu sein scheint. Habt ihr Ratschläge was sie tun könnte? Wenn meine Freundin loszieht und mit den Kindern redet, dann wird es ja wahrscheinlich nur noch schlimmer, oder?
      Sollte sie nochmal mit der Lehrerin sprechen?

      • Hallo,
        wie alt ist der Junge - welche Klasse?
        Und worum geht´s - kannst du das etwas genauer beschreiben oder ein Beispiel nennen?
        LG

        Wie intensiv ist das Mobbing? Ich würde unterschiedlich vorgehen, wenn sich die Sache hauptsächlich verbal abspielt. Geht es sogar in den strafbaren Bereich muss anders vorgegangen werden. Beim ersten finde ich den No Blame Approach super. Da sucht man sich Schüler*innen aus bestimmten Gruppen: Täter, Freund, Mitläufer... und verteilt bestimmte Aufgaben, um das Opfer zu schützen ganz ohne Schuldzuweisung. Dazu gibt es gute Lektüre, auch in Kurzfassung. Da reicht eine halbe Stunde zum Einlesen und dann braucht man noch ein bisschen Fingerspitzengefühl.

        • du musst aber erstmal Mitschüler/freunde finden, die sich trauen, das Mobbingopfer zu unterstützen. Die haben nämlich Angst,dass sie dann ebenfalls gemobbt werden.!

          Das denke ich nicht nur, das weiß ich aus Erfahung, denn mein Sohn wurde in der 5.Kl. auch gemobbt und seine besten Freunde standen nicht zu ihm,eben aus Angst.

          Liebe TE. Mein Sohn war so mutig und hat das seinen Klassenlehrern (an der Schule sind es immer zwei) erzählt, dann gab es erst ein Gespräch mit dem Mobber udn seinen Mitläufern, NAchdem das nichts brachte wurde noch einmal mit allen BEteiligten gesprochen. Außerdem wurde nach Bekanntwerden des Mobbens, das Thema noch mals in der Klasse.

          trotz der ganzen Gespräche ging das Mobben weiter, bis ich die Klassenleherin darum gebeten habe, die Eltern des Mobbers Zu informieren, wenn das noch einmal vorkäme. Danach war Ruhe, das die Eltern ihrem Sohn Strafpredigt hielten, die half.

          Bei euch scheint die Lehrerin überfordert, da wäre ,denke ich, der Direktor der nächste Ansprechpartner.

          • Dieser Ansatz ist praktisch erprobt und funktioniert wirklich gut. Man sucht sich die Leute zusammen, die auf die Rollenbeschreibung passen und spricht mit ihnen in einem Gespräch über ihre Möglichkeiten das Opfer zu schützen, da sie selbst die Lösung ausarbeiten, stehen sie dahinter. Ich kann dir nur sagen, dass das auch bei schlimmen Mobbing-Fällen (nicht kriminell) in der Praxis funktioniert. Das heißt aber natürlich nicht, dass das der einzige Weg ist. Wenn eine Strafpredigt der Eltern bei euch geholfen hat, ist das doch super.

            • ok, ich kenne den Ansatz nicht, habe halt damals bei meinem Sohn leider die Erfahrung gemacht, dass sogar seine besten 2 Freunde nicht hinter ihm standen.

              Hast du dich in das Thema eingearbeitet, dass du so gut Bescheid weißt?

              • Ja, ich bin angehende Lehrerin und viele "Kolleg*innen" schwören auf diesen Ansatz. Der Unterschied ist das Mobilisieren der Ressourcen, der Schüler*innen, die sie selbst einbringen. Die Frage ist immer: Was für Möglichkeiten hast du im Speziellen um diese Situation zu bessern. Aber viele Wege führen nach Rom. Bei euch hat es ja auch anders geklappt und ich muss zugeben, dass ich es auch ganz befriedigend finde, wenn die Mobber doch ne Standpauke bekommen.

      Hallo,
      wir haben mit dem Klassenlehrer meiner Tochter gesprochen und dabei sehr deutlich gemacht, dass wir zur Polizei gehen, wenn die Schule nichts unternimmt.
      Der Lehrer hat erst mit meiner Tochter gesprochen, danach mit dem "Haupttäter ". Ich glaube, auch dessen Eltern wurden informiert.
      Der junge Mann bekam klar gemacht, dass das Ganze kein Spaß ist und ernsthafte Konsequenzen für ihn haben wird, wenn er das nicht unterlässt.
      Gott sei Dank hat diese Ansage gereicht! Die "Mitläufer" haben dann auch ganz schnell die Füße still gehalten.
      Ich glaube, dem Jungen war überhaupt nicht klar, was er da angerichtet hat.

      Ich würde von der Lehrerin erwarten, dass sie reagiert. Wenn Sie nicht weiß wie, muss die Schulleitung hinzu gezogen werden.
      Ich glaube, es gibt auch bei der Polizei eine Beratungsstelle für Mobbingopfer, informiere dich doch dort mal.

      Ich hatte damals eine sehr gute Internet Seite gefunden zum Vorgehen bei Mobbing, wenn ich sie finde, schicke ich dir den Link.
      Ich bin mir aber sehr sicher, dass dort geraten wurde, nicht selbst mit den Kindern (Tätern) zu sprechen. Wenn du dich weiter austauschen möchtest, darfst du mir gerne schreiben.

      Liebe Grüße und alles Gute,
      mokli

      (9) 24.09.17 - 20:50

      Schwieriges Thema. Ich wurde nachdem meine zwei besten Freundinnen wegzogen und die dritte starb (wir waren vorher eine Clique) in der 8. Klasse ganz schlimm gemobbt. Ich habe mich eigentlich nur noch sobald Pause war in einer Toilettenkabine versteckt. Obwohl ich nichts gemacht habe, habe ich mich sehr schuldig gefühlt (ich habe keine Klamotten von DER angesagten Marke, ich bin der Streber der Klasse, ich trinke kein Alkohol, meine Eltern sind einfach nicht reich genug, ich bin sowieso uncool etc., was man sich halt so einredet), sodass ich vor mich hingelitten habe. Irgendwann bin ich heulend vor der Schule zuhause zusammengebrochen und meine Mutter hat meine Klassenlehrerin angerufen. Die war ebenfalls überfordert, meinte, ich wäre doch so ein nettes Mädchen und sie könne die Mädels absolut nicht verstehen. Und die Mädchen würde sie persönlich eh ganz grausam finden. Da wir in der Klasse aufgrund von Inklusion eh schon Probleme hatten standen "normale" Kinder ohne Förderbedarf einfach nicht auf der Prioritätenliste. Sie hat sich dann mit mir und seperat mit anderen zusammengesetzt und versucht, mir "Freundinnen" zu vermitteln. Das ging ganz furchtbar schief und es wurde nur schlimmer, da ich nun das Dummerchen war, was heulend zu Mami rennt. Meine Eltern haben mich schließlich am Ende aus voller Verzweiflung zwei Wochen vor Ferienbeginn krankgeschrieben und danach bin ich auf ein anderes Gymnasium. Und dort war ich unglaublich happy, auch und vor allem, weil ich nun endlich zu den Beliebten gehörte. Inzwischen weiß ich, dass dieses Jahr eine ganz wichtige Erfahrung für mich und mein soziales Verständnis war, aber ich wünsche niemanden, durch so etwas durchleben zu müssen (und alle vier Mädels die am schlimmsten waren, sind nach dem Hauptschulabschluss von der Schule und zwei inzwischen immer wieder in der Entzugsklinik gewesen).
      Das war jetzt zwar eher meine Geschichte, aber was ich damit sagen möchte: Jungs mobben eher körperlich als psychisch, was es aber nicht besser macht. Je nachdem wie tief der Junge in der Spirale schon drin ist, kann ein Gespräch mit dem Schulleiter reichen. Er ist dann aber halt immer gebrandmarkt als der Junge, der gemobbt wird und das "Opfer" ist (denn auch Erwachsene fragen sich (unbewusst) ob das Mobbing nicht vielleicht doch einen Grund hat). Ist es aber so schlimm, dass sich die ganze Klasse nicht mehr traut, mit ihm zu reden, dann würde ich einen Neustart in Betracht ziehen. Oder vielleicht mal es andersherum probieren: Eine Klassenparty bei sich zuhause schmeißen, Süßigkeiten "außer Plan" in die Schule mitnehmen etc. . Wenn jemand jemanden mobben will, kann jedoch aus allem ein Strick gezogen werden.
      Ich weiß, ich kann dir mit meinen wirren Gedanken nicht wirklich helfen, deswegen: Ganz viel Mut und Zuversicht an den Jungen, irgendwann wird alles besser!

      Ein allgemeingültiges Rezept wie bei Mobbing vorzugehen ist habe ich nicht. Aber ich habe ein Rezept wie vorzugehen ist, wenn die Schule das Problem aussitzen möchte oder wenig motiviert oder interessiert ist zu handeln:
      Sehr entschlossenes, konsequentes Auftreten gegenüber den Lehrern und Schulleitung hilft. Dabei unter Umständen nicht alleine auftreten (besorgte Mamas werden nicht überall ernstgenomen). Betroffenes Kind wenn notwendig vom Arzt krank schreiben lassen, der Schule gegenüber kommunizieren, dass man externe Stellen involvieren wird wenn die Schule nicht zeitnah und adäquat reagiert.

      Hallo,

      in der Grundschule war es bei der Klasse unserer Tochter so, dass das Thema allgemein im Stuhlkreis angesprochen wurde, als solche Probleme auftraten, und mit den Kindern besprochen wurde, wie man sich denn so als Opfer fühlt, und wie man als Mitschüler reagieren kann, wenn man so eine Sache mitbekommt.
      Das könnte Deine Freundin der Lehrerin vorschlagen.
      Die Klasse war nachher so eine Einheit, dass ein Mädchen, das immer wieder versuchte, andere zu mobben, regelmäßig selbst alleine da stand, weil sie vor eine Wand aus Kindern prallte, die ihrem Opfer zur Seite standen. ;-)

      Falls die Lehrerin nicht weiß, was sie tun soll, soll sie sich mit erfahreneren Kollegen kurz schließen. Mobbing zu verhindern gehört definitiv zu den Dingen, die ein Lehrer können sollte.

      Mit den Kindern würde ich nicht reden, eher mit den Eltern, wenn Deine Freundin die ein bisschen einschätzen kann und wenn die einen vernünftigen Eindruck machen.
      Falls unsere Kinder so etwas tun würden, könnten sie sich jedenfalls auf ein Donnerwetter einstellen. #wolke

      Falls alles nichts hilft, muss man die Schule wechseln.
      Mein Mann hatte damals von der Grundschule bis zur 10. Klasse die gleichen Mobber am Hals und hat davon definitiv psychische Schäden davon getragen. #aerger

      LG

      Heike

      Hallo. Mobbing ist wirklich immer ein sehr schwieriges Thema und muss individuell behandelt werden. Ein pauschales Rezept, wonach immer vorgegangen werden kann, gibt es leider nicht.

      Ich würde es wahrscheinlich nochmal mit einem Gespräch mit der/dem Lehrer/in versuchen und schauen ob man zu einer Lösung kommt. Sollte es nicht der Fall sein, dann würde ich mit dem/der Schulleiter/in sprechen. Kann ja nicht sein, dass man keine Lösung findet.

      Ansonsten habe ich noch einen Leitfaden für Lehrer gefunden, in dem das Thema Mobbing in der Schule behandelt wird (siehe https://beamten-infoportal.de/wp-content/uploads/Mobbing-in-der-Schule-erkennen-und-handeln-Leitfaden-fuer-Lehrer.pdf ). Der Leitfaden ist sehr ausführlich und könnte ja vielleicht auch der Lehrerin oder dem Lehrer zur Hand gegeben werden.

      Ich hoffe das Problem wird schnell beseitigt, weil ich immer mit den Kindern mitfühle die in der Situation stecken. Man kennt es schließlich selbst von früher aus der Schule und es ist alles andere als schön.

      Gegen Mobbing hilft nur hartes und brutales Vorgehen, die mobber müssen wissen spüren, dass ihr Verhalten zu sehr unangenehmen Konsequenzen führt. Man muss sofort dafür sorgen, dass diese ANGST davor haben weiter zu mobben.

      Ich war selbst ein Opfer, bis ich meine Häscher mit Gewalt und Aggressionen abgewehrt habe. Heute gibts bei mir shcon beim kleinesten Versuch nur eine Drohung, dann knallts. Wenn ich sehe wie andere gemobbt oder angegriffen werden, nehme ich das Recht zur Nothilfe wahr und vershwinde anonym. In dieser verweichlichten Gesellschaft stehe ich damit aber recht alleine.

      Mit Eltern reden bringt nichts, die sehen nur mit verklärtem Blick auf ihr "Engelchen" und wiegeln slebst Beweise ab. Also den Täter selbst zur Brust nehmen und seinem Kind immer wieder klar machen: Wehr dich, zur Not schlag zu, bevor Körper und Seele zerstört werden.

      Mobber verstehen nur Gewalt und Abschreckung durch Drohungen und Brutalität.

      Wenn jemand meine Tochter mobben sollte, mache ich kurzen Prozess und statuiere damit auch gleich ein Exempel, das brauchen diese Monster.

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