Auch als Mama weiß man nicht immer was richtig ist

    • (1) 12.01.18 - 13:23

      Schwanger und als Mama eines Teenager Mädchens fühle ich mich grade etwas überfordert.
      Zu unserer Situation. Meine Tochter ist fast 15, ein kluges,kreatives und herzensgutes Mädchen. Wir sind allein seid sie drei war,seit vier Jahren habe ich wieder einen Partner. Wir sind verheiratet und die beiden verstehen sich toll. Durch die Jahre,die wir nur zu zweit hatten,sind wir unglaublich eng zusammen gewachsen. Sie ist eigentlich überhaupt kein schwieriger Teenager. Sehr vernünftig. Was sie und uns alle sehr belastet ist ihre Krankheit. Misophonie. Kaum jemandem bekannt. Kurz gesagt ist es eine Geräuschüberempfindlichkeit was einige von Menschen verursachte Geräusche betrifft. Essensgeräusche,lautes atmen,Erkältung'sgeräusche sind die schlimmsten für sie. Sie lösen bei ihr großes Unbehagen und Wut aus. In diesem Gebiet Hilfe zu finden ist immer noch sehr schwierig. Und sie bringt es inzwischen,auch aufgrund der Rückschläge der Behandlung,Immer mehr an ihre Grenzen. Zudem ist sie nicht sonderlich glücklich über das Baby das in etwa zwei Wochen kommt. Sie hat große Angst mich zu verlieren.
      Vor ein paar Wochen gestand sie mir das es ihr manchmal so schlecht geht,das sie sie sich verletzen möchte oder darüber nachdenkt,das es für uns alle einfacher wäre sich umzubringen. Was sie nie tun würde,aber der Gedanke,Alles wäre für alle dann einfacher würde ihr hin und wieder kommen.
      Es hat gedauert bis sie mit mir drüber reden konnte,weil sie nie jemandem zur Last fallen will und auch Dachte,ich hätte dafür keinen Kopf,oder Zeit. Es brennt mir so sehr in der Seele,das sie so empfindet.
      Ich wünschte,ich wüsste immer richtig zu reagieren,wüsste wie ich ihr helfen kann. Ich weiß nicht was ich mir von diesem Post erhoffe,helfen kann mir hier auch niemand. Vermutlich musste ich es mir von der Seele schreiben.
      Natürlich werde ich es bei dem nächsten Termin ihrer Behandlung ansprechen und mir Tipps der Therapeutin geben lassen.
      Für die Zeit mit dem Baby habe ich mir vorgenommen,feste Zeiten nur für uns zweit einzuplanen. Ich hoffe,das auch zuverlässig so einrichten zu können. Langsam kommt etwas Panik auf,zwei Kinder in so unterschiedlichen Phasen ihres Lebens,das ich es nicht schaffe beiden gerecht zu werden.
      Wie gern hätte ich auf alles eine Antwort. Aber das ist nicht mal uns Müttern mitgegeben.

      • Hallo, ich kann Dich gut verstehen. Mit einem meiner Söhne habe ich auch eine sehr feste Beziehung, da es schwer chronisch krank ist und er sich sehr schwer tut mit dem Ablösen von mir. Diese Gedanken, sterben zu wollen, sind normal in dem Alter. Mein Sohn wollte sich sogar schon ernsthaft umbringen. Gerade chronisch kranke Kinder neigen dazu.
        Wir haben/hatten einen sehr guten Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, der meinem Sohn und mir geholfen hat, mit der chronischen Krankheit besser umzugehen. Er hat uns auch bei den Selbstmordgedanken sehr geholfen.
        Ansonsten ist sie in einem Alter, wo sie sich langsam von Dir lösen muss, aber wohl Angst davor hat. Stärke sie, so gut es geht. Aber sie wird in den nächsten Jahren lernen müssen, mehr oder weniger selbständig zu leben. Meinem Sohn haben auch Bücher von anderen Jugendlichen geholfen, die Behinderungen haben. Die Gedanken kamen ihm bekannt vor.
        Für meinen Sohn wurde unsere Jüngste zum "Mutmachbaby", er war damals aber erst 10 Jahre alt. Er hatte eine sehr enge Beziehung zu ihr aufgebaut und sich mit ihr gemeinsam mehr getraut, als ohne.
        Signalisiere ihr, dass Du ihre Ängste verstehen kannst, dass es Dir auch manchmal mulmig ist...Lasst es auf Euch zukommen, meist kommt es ganz anders als zuerst befürchtet. Aber ich würde ihr gegenüber ehrlich sein.

        Grade in diesem Alter, brauchen chronisch kranke Jugendliche auch externe Unterstützung. Macht sie eine begleitende Psycho-Therapie?
        Anonst würde ich da unbedingt schauen und ihr auch aufzeigen, dass sie somit einen weiteren Menschen hat - der sie sehr gezielt psychisch unterstützen kann.

        Sonst frag mal hier http://www.misophonie.info/forum/

        Alles Gute für Euch

        • Vielen Dank,durch das Forum werde ich stöbern.
          Ja sie macht eine Behandlung,die sowohl von einem Ohrenarzt,als auch durch eine Therapie behandelt wird. Das steckt allerdings noch in den Anfängen,da der Ohrenarzt,der darauf spezialisiert ist,mit einer Therapeutin zusammen arbeitet,die leider keine Zulassung für Jugendliche hat. Somit mussten wir uns eine eigene Praxis suchen. Die nun zwar keine Erfahrung mit misophonie haben,wie sonst auch keiner in der Umgebung. Die aber durchaus bereit sind mit dem Ohrenarzt in Zusammenarbeit den richtigen Weg zu finden.
          Noch ist sie skeptisch,weil sie schon so vieles inzwischen durch hat und jedes mal enttäuscht wurde.
          Ich habe ihr gesagt,sie soll über ihre Gefühle auf jeden Fall dort reden. Ist natürlich wichtig das sie da einen Ansprechpartner hat,der das ganze von außen sieht. Trotzdem bin ich sehr froh,das sie sich mir anvertraut hat. Ich kann nur für mich sagen,das ich solche Gedanken nicht mit meiner Mutter geteilt habe.

      Hallo,
      es hat mich gerade hellhörig gemacht, deine kurze Beschreibung über diese Krankheit - ich habe einen Sohn, der Essgeräusche von uns sowie auch räuspern nicht "abhaben" kann. Das geht schon ziemlich lange so, ich kann gar nicht mehr sagen, wann es anfing (etwa 5.te Klasse?). Jedenfalls hat das hier in der Familie einiges "gemacht" - er verließ immer vorzeitig den Essenstisch, saß oftmals wirklich widerwillig dabei... es gab Endlosdiskussionen darüber. Ich gebe zu, ich reagierte darauf auch nicht immer verständnisvoll. Einmal habe ich dies bei der Hausärztin angesprochen, bzw. ich hab deswegen auch einmal bei einer Kinderpsychologin angerufen - wurde aber beides mal nicht wirklich ernst genommen, bzw. mit wurde erklärt, daß es wohl einfach eine "Phase" sei... Mittlerweile ist mein Sohn 19 - gott sei dank scheint es ihm seit etwa einem Jahr kaum mehr was auszumachen, mit uns gemeinsam am Esstisch zu sitzen - räuspern etc. versuch ich mir in seiner Gegenwart aber nach wie vor zu verkneifen, bzw. mein Mann beispielsweise auch das Kaugummikauen (wobei er dabei wirklich auch m. M. nach ziemlich "schmatzt"). Ja - heute würde ich deswegen wohl nicht so schnell locker lassen, denn die Jahre, wo die gemeinsamen Mahlzeiten stets auseinandergerissen wurden, das hat unser Familienleben doch sehr beeinträchtigt und auch Spuren hinterlassen.
      Ok - nun aber zu deiner Tochter:
      Kannst du irgendwie nachvollziehen, warum sie sich persönlich als Last für euch alle empfindet?
      Ihre Unzufriedenheit kann natürlich auch mit der Pupertät zusammenhängen, da fühlen sich viele nicht wirklich selbstbewusst oder geliebt - auch wenn euer Verhältnis gut ist.
      Wie wäre es, wenn du ihr mal erklärst, daß sie dir/euch keineswegs zur Last fällt, sondern dass es gut und ok ist, daß sie genauso ist, wie sie ist. Jeder Mensch hat so seine guten und etwas "schlechteren, anstrengenden" Seiten - das ist völlig normal... und ihre "anstrengenden" Seiten sind überhaupt nicht tragisch für dich bzw. es gehört im Leben eben auch dazu, daß man an manchem arbeiten muss - dass nicht alles von allein immer läuft.
      Wenn du sie einfach bestärkst, indem du ihr sagst, daß du heillos froh und dankbar bist, sie zu haben und dass du dich auch und vor allem freust, jetzt wenn der Nachwuchs kommt, mit ihr bereits jemanden zu haben, mit dem sie das Eine oder Andere dann sogar absprechen bzw. besprechen kann... ?
      Was glaubt sie denn, was ohne sie einfacher wäre?
      LG

      Oh je hoffe das Baby ist kein Schreikind u du schaffst es allem gerecht zu werden

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